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„Ma come parli male...!" 1 Wie Kinder eine andere Sprache entdecken Academia Nr: 21 (Dezember - März / dicembre - marzo 2000)von Anny Schweigkofler Es ist Oktober, 11.00 Uhr in einem italienischen Kindergarten in Bozen. Der fünfjährige Daniele wundert sich über die neue Kindergartentante, die seit ein paar Tagen mit ihm und seinen Freunden spielt. Sie weiß offensichtlich nicht, wie man „richtig" spricht. Die ebenfalls fünfjährige Giulia korrigiert ihn belehrend: Das, was die „maestra" (Lehrerin) spricht, ist Deutsch und bald gehen einige Kinder mit ihr, um Deutsch zu lernen. „Dormiamo quattro volte, e poi c'è Deutsch"2, erklärt Giulia den anderen Kindern. So und ähnlich kommentieren Kinder ihren ersten Kontakt mit den deutschsprachigen Kindergärtnerinnen, die seit Jänner 1999 im Rahmen eines Pilotprojektes im italienischen Kindergarten arbeiten. Ziel ist die „Annäherung" an die Zweitsprache Deutsch.
Die Vorgeschichte Deutsch ist für viele italienischsprachige Eltern in Südtirol ein wichtiges Thema, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Obwohl Deutsch Pflichtfach in allen Schulstufen ist, gelingt es nicht unbedingt, den Schülern zu einer ausreichenden Kompetenz der zweiten Sprache zu verhelfen. In der internationalen Diskussionen gilt es mittlerweile als gesichert: je früher der Erstkontakt mit einer zweiten Sprache, desto besser die Sprachkompetenz in dieser zweiten Sprache im späteren Leben. Studien in Kanada, Spanien und Finnland zeigen große Erfolge beim frühen Erlernen einer zweiten Sprache und widerlegen Ängste um eine verminderte Kompetenz in der Muttersprache. Vor diesem Hintergrund organisieren sich italienischsprachige Eltern in Südtirol seit Jahren in privaten Initiativen und machen Druck auf Politik und Schulverwaltung. 1998 war es dann so weit: Das Italienische Schulamt hat der Europäischen Akademie Bozen den Auftrag erteilt, im Rahmen eines Pilotprojektes Vorschläge und Modelle für eine „Annäherung an das Deutsche im Kindergarten" zu erarbeiten und zu untersuchen.
Das Modell Dem Projekt standen von Anfang an eine Gruppe qualifizierter deutschsprachiger Kindergärtnerinnen zur Verfügung. Sie sind die Kontaktpersonen zum Deutschen im italienischen Kindergarten. Für die Kinder sieht der Kontakt zu diesen Kindergärtnerinnen folgendermaßen aus: Die deutschsprachige Kindergärtnerin ist die ganze Zeit im Kindergarten; sie trifft die Kinder einerseits in „strukturierten" andererseits in „offenen" Einheiten. In einer „strukturierten Einheit" gehen die Fünfjährigen mit der deutschsprachigen Kindergärtnerin in einen eigenen Raum. Dort singen und spielen sie auf Deutsch. Dieser intensive Sprachkontakt, der genau geplant und vorbereitet wird, dauert 30 Minuten. Jedes fünfjährige Kind besucht dreimal pro Woche eine solche strukturierte Einheit. Man kann in diesen „strukturierten Einheiten" von einer Einheit von Person, Sprache und Raum sprechen: Alle drei sind an das Deutsche gebunden (siehe Abbildung 1). Dieser „Unterricht" würde sich nicht sonderlich von anderen herkömmlichen Sprachvermittlungsmodellen im Kindergarten unterscheiden. Wesentlich in diesem Projekt ist, daß die genannten strukturierten Einheiten durch ein weiteres Moment ergänzt werden: den „offenen" Kontakt. In diesen „offenen Einheiten" bleiben die Kinder in ihrer Gruppe, die von der italienischen Kindergärtnerin geleitet wird. Die deutschsprachige Kindergärtnerin kommt in die Gruppe und setzt sich zu den Kindern. Nun ist es den Kindern überlassen, ob und wie sie mit ihr sprechen wollen. Diese Einheiten sind „offen", weil die Kindergärtnerin für die Kinder offen ist. Sie geht auf das ein, was kommt, und benutzt dabei immer die Sprache, die man mit ihr in Verbindung bringt: Deutsch. Die Kinder erleben das Deutsche und die deutschsprechende Kindergärtnerin innerhalb ihrer italienischen Sektion, und damit auch innerhalb ihres gewohnten und bekannten Ablaufs. Die „offenen Einheiten" stellen eine Einheit von Person und Sprache dar. Sie sind durch das Deutsche gekennzeichnet. Der Raum hingegen ist an die italienische Sprache und Kultur des Kindergartens gebunden. (siehe Abbildung 2). „Offene" und „strukurierte Einheiten" wechseln sich im Laufe der Woche ab. Demnach haben die deutschsprachigen Kindergärtnerinnen die ganze Woche Kontakt zu den Kindern, mit denen sie immer Deutsch sprechen. Die Kinder entdecken im Laufe der Zeit, daß die deutschsprachige „Tante" auch Italienisch versteht. „Dieser Entdeckungsprozeß sagt uns sehr viel darüber, wie Sprachlernen funktioniert", erklärt die linguistische Betreuerin Anny Schweigkofler, „außerdem ist es Teil unserer Südtiroler Realität, daß die Leute eine Sprache sprechen, aber zugleich mindestens eine weitere verstehen."
Der methodische Ansatz Was den methodischen Ansatz betrifft, so orientiert man sich am „Offenen Curriculum". Dieser Lehrplan ist seit 1994 für den Zweitsprachunterricht an der italienischen Pflichtschule in Südtirol gültig und hat europaweit große Beachtung gefunden. Die Lehr- und Lernphilosophie im „Offenen Curriculum" drückt sich in einem kommunikativen und interkulturellen Ansatz aus. Er geht von den Erfahrungen aus, die ein Kind im Alltag macht. Das Kind und seine Interessen stehen demnach im Vordergrund; es erfährt die Welt - ganz nach dem Motto Pestalozzis - mit Kopf, Herz und Hand. Der ganzheitliche Ansatz in der Kindergartenpädagogik, an dem sich die deutschsprachigen Kindergärtnerinnen von Anfang orientiert haben, findet so seine Entsprechung und Fortsetzung in der Schule. „Die Anbindung unserer Arbeit an die Ansätze des Offenen Curriculums gibt uns die Garantie einer methodisch- didaktischen Kontinuität", kommentiert die Praxisbegleiterin Irene Girotto, „einer Kontinuität, die in Zukunft vom Kindergarten bis in die Oberschule reichen wird und eine der wesentlichen Voraussetzungen für das erfolgreiche Erlernen einer Zweitsprache ist", ergänzt Irene Girotto.
Die Projektkindergärten Am Pilotprojekt sind zur Zeit vier Kindergärten beteiligt: „Bambi" in Bozen, „Nazario Sauro" in Leifers, „Fröbel" in Meran und „Via Roncato" in Brixen. Jedem Kindergarten stehen zwei deutschsprachige Kindergärtnerinnen zur Verfügung. Gearbeitet wird vorwiegend mit den 5jährigen Kindern (siehe Modell): In den vier Kindergärten sind das ungefähr 200 5jährige. In den genannten „offenen Einheiten" können sich auch die 3- und 4jährigen an die deutschsprachige Kindergärtnerin wenden. Kontakte zum Deutschen haben somit alle Kinder dieser Projektkindergärten.
Das Projektteam Die acht deutschsprachigen Kindergärtnerinnen arbeiten eng mit der Praxisbegleiterin und der linguistischen Betreuerin zusammen. Koordiniert wird das Projekt von einem wissenschaftlichen Beirat, der sich vorwiegend aus Vertretern des Italienischen Schulamtes zusammensetzt. Die Europäische Akademie hat die linguistische Betreuung und wissenschaftliche Begleitung des Projektes. Sie hilft bei der Entwicklung des Modells, wertet es aus und erarbeitet Richtlinien für die Dokumentation. „Geschaffen wird dieses Projekt aber im Grunde von den einzelnen Projektkindergärten", so Dr. Pio Galastri, Kindergarteninspektorat des Schulamtes, „dieses Modell ist nicht außerhalb geplant und entwickelt und dann in die Kindergärten eingefügt worden. Dieses Projekt lebt und wächst in den Kindergärten."
Dr. Anny Schweigkofler, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Sprache und Recht" an der Europäischen Akademie Bozen. anny.schweigkofler@eurac.edu
Fußnoten 1 Sinngemäße Übersetzung ins Deutsche: „Du sprichst aber schlecht...!" 2 Sinngemäße Übersetzung: „Wir müssen noch vier Mal schlafen und dann ist Deutsch."
Imparare il tedesco alla scuola materna
Fare imparare il tedesco ai propri figli già dalla scuola materna è un desiderio, e sempre più un'esigenza, di molti genitori altoatesini. A seguito di pressioni e di iniziative private di genitori, nel 1998 la sovrintendenza scolastica italiana ha incaricato l'Accademia Europea di elaborare, nell'ambito di un progetto pilota, idee e modelli per l'avvicinamento alla seconda lingua tedesca nelle scuole materne. La sperimentazione è partita nel gennaio 1999 in quattro scuole materne della provincia, situate a Bolzano, Merano, Laives e Bressanone e con circa 200 bambini dell'ultimo anno. La novità del progetto sta nell'integrazione di maestre della scuola materna tedesca, con grande esperienza al posto di insegnanti di tedesco esterne e soprattutto nel loro coinvolgimento a tempo pieno. Le maestre di lingua tedesca infatti suddividono il loro tempo all'interno della scuola materna italiana in unità strutturate e in unità aperte, garantendo in questo modo la loro presenza su tutto l'orario e permettendo così ai bambini, anche a quelli più piccoli, di essere molto esposti alla seconda lingua. Le unità strutturate si svolgono in una stanza separata, in cui la maestra porta i bambini più grandi e che per loro ha la funzione di identificare una lingua - un luogo - una persona. Le attività durano 30 minuti. Le unità cosiddette aperte sono invece svolte nei locali del gruppo: la maestra "tedesca" entra nel gruppo, guidato dalla responsabile di madrelingua italiana e si siede accanto ai bambini. Sono loro a decidere se e come rivolgersi a lei. In ogni caso la lingua di comunicazione della maestra resta il tedesco. L'identificazione, in questo caso, è di una lingua - una persona. Le insegnanti sono seguite costantemente da una consulente didattica e da una consulente linguistica con le quali viene continuamente discusso e rielaborato il modello sperimentato, in modo che esso sia un prodotto della vita della scuola materna e non un'astrazione scientifica.
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