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Langfristige Sicherung des Steinadlerbestandes Eine Kooperation zwischen dem Nationalpark Berchtesgaden und Südtirol
Academia Nr: 21 (Dezember - März / dicembre - marzo 2000)

Nationalpark Berchtesgaden - Bereich „Alpine Umwelt"

Gegenwärtig ist es um die Populationsgröße des Steinadlers im Alpenraum gut bestellt und nahezu sämtliche Reviere sind mit Brutpaaren belegt. Dennoch oder gerade deshalb wird derzeit an einem internationalen Projekt zum Schutz dieses Greifvogels und seiner Lebensräume gearbeitet. Auch Südtirol engagiert sich im Projekt und so arbeiten Wissenschaftler des Nationalparks „Berchtesgaden" mit Südtiroler Experten eng zusammen.

Ausgangssituation
Die Population des Steinadlers (Aquila chrysætos) im Alpenraum wird momentan auf etwa 1.100 Brutpaare geschätzt. Die einzelnen Paare beanspruchen dabei jeweils Reviere zwischen 30 und über 100 km2. Somit ist der Lebensraum Alpen derzeit dicht und mit einer stabilen Population vom Steinadler besiedelt. Diese gute Bestandssituation hat beim Steinadler ein Selbstregulationsprinzip einsetzen lassen, das die Zahl dieser Greifvögel auf seinem natürlichen Niveau einpendeln läßt.
Menschliche Eingriffe und dadurch bedingte Veränderungen in seinen angestammten Jagdgebieten sowie Störungen im unmittelbaren Horstbereich können dieses empfindliche Gleichgewicht jedoch durcheinander bringen und den Adlerbestand mittelfristig lokal wie auch regional bedrohen. Diese Störungen sind u.a. auch eine Folge des zunehmenden Freizeit- und Erholungsdrucks in den alpinen Regionen. So sind Berggebiete aufgrund der besonderen thermischen Aufwindverhältnisse ein ideales Gelände für Drachenflieger und Hängegleiter. Dieselbe Thermik machen sich aber auch die Adler zunutze. Ihre Horste befinden sich meist in der Nähe solcher Luftströmungen.
Tatsächlich sind die sich anbahnenden Konflikte vor dem Hintergrund einer alpenweiten Entwicklung zu sehen. Rd. 500 Millionen Tagesgäste sowie 100 Millionen Kurz- und Langzeiturlauber (entspricht in etwa 25% des Welttourismus) tummeln sich jährlich auf dem Dachgarten Europas. Dadurch nehmen zwangsläufig auch Störungen in den Revieren des Königs der Lüfte zu. Die absehbare Entwicklung von Tourismus, Verkehr und Freizeitindustrie im Alpenraum läßt eine nachhaltige Störung durchaus real erscheinen. Dem könnte allerdings ein vorausschauender und dementsprechend handelnder Naturschutz entgegenwirken, ohne dabei den Menschen aus dem bedeutendsten Erholungsraum Europas - den Alpen – in irgendeiner Form auszuschließen.

Ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier
Das von der Allianz Umweltstiftung geförderte Steinadlerprojekt im Nationalpark Berchtesgaden hat u.a. das Ziel, die wichtigsten Lebensräume des Steinadlers in den Alpen zu identifizieren und Managementrichtlinien zu formulieren, die das langfristige Überleben einer vitalen Adlerpopulation in diesem Hochgebirge gewährleisten. Da der Mensch nicht durch Verbote am Naturgenuß gehindert werden soll, sind dabei vor allem Wege für ein möglichst harmonisches Miteinander von Mensch und Tier zu erarbeiten. Zur Verwirklichung dieser ehrgeizigen Zielsetzung ist die Entwicklung alpenweiter Modelle zur Lebensraumqualität und Siedlungsdichte des Steinadlers notwendig. Bei der Überprüfung dieser Ansätze spielt das Land Südtirol und die dort heimische Adlerpopulation eine ganz entscheidende Rolle.

Bedeutende Lebensräume erkennen und vorausschauend handeln
Vorrangiges Ziel des Projekts ist es, alpenweit die als Lebensräume für den Steinadler geeigneten Gebiete über eine Computersimulation zu identifizieren. Hierfür wurden zunächst die wesentliche Eigenschaften von Habitaten des Steinadler bzw. die Ansprüche der Art an ihren Lebensraum umfassend herausgearbeitet. Weitere Untersuchungen befaßten sich mit der Störempfindlichkeit des Steinadlers. Diese komplexen Kenngrößen über die Ansprüche des Steinadlers, bildeten die Grundlage für eine alpenweite Beschreibung der bevorzugten sowie der weniger geeigneten Gebiete. Dabei bediente man sich Geographischer Informationssysteme (GIS), die eine genaue Wiedergabe großer Landschaftsräume im Computer ermöglichen. Aufbauend auf ein umfassendes Wissen über das Verhalten des Greifvogels wurden zunächst Habitatmodelle für den Adler im Gebiet des Nationalparks Berchtesgaden entwickelt. Gegenüber Beobachtungsdaten haben die Computermodelle den Vorteil, nicht nur die einzelne Beobachtungspunkte in einer Landschaft abzudecken, sondern alle für den Steinadler bedeutende Räume abzubilden. Nachdem diese Methodik in Berchtesgaden erarbeitet, erprobt und abgesichert werden konnte, wurde der Simulationsansatz in einem zweiten Schritt auf verschiedene „Testgebiete" im Alpenraum übertragen (Abb. 1) und in abweichenden Umgebungen nochmals überprüft. Wichtige Voraussetzungen für die Eignung eines Raumes als Testgebiet war das Vorhandensein von umfassenden Datenmaterial über die naturräumlichen Verhältnisse. Die Bedingungen erfüllten neben Südtirol noch die Schweiz, verschiedene Nationalparks in Frankreich sowie der Bayerische Alpenraum.
Bis Ende 1999 konnten so etwa 40% der Alpen (ca. 70.000 km2) in Form eines Lebensraummodells für den Steinadler dargestellt, abgesichert und bezüglich ihres Konfliktpotentials genau analysiert werden. Außerdem können Inzwischen die unterschiedlichen Siedlungsdichteverhältnisse Von rund 460 Adlerpaaren in den angesprochenen „Testgebieten" weitgehend erklärt werden.
Im Zuge der Kooperation wurde für Südtirol und seinen rund 50 dort vorkommenden Brutpaare ein Modell der Lebensräume entwickelt. Dieses zeigte eine sehr hohe Übereinstimmung mit der realen Situation (Abb. 2).
Durch solche Modelle können letztlich die bedeutendsten Verbreitungszentren für den Steinadler in den Alpen dargestellt werden. Dies wiederum ermöglicht ein vorausschauendes Handeln im Planungssektor, wie es für die nachhaltige und langfristige Sicherung des Steinadlersbestandes in den Alpen von entscheidender Bedeutung sein wird.

Freier Flug dank Lotsendienst
Auch lokal können diese Ergebnisse sehr erfolgreich umgesetzt werden, wie das Beispiel „Berchtesgadener Land" zeigt. Dort werden jedes Frühjahr so schnell wie möglich die aktuell besetzten Steinadlerhorste kartiert und in enger Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Verbänden für Hubschrauber und Hängegleiter Alternativrouten ausgearbeitet, um Störungen im Horstbereich von vornherein umgehen zu können. Diese Kooperation hat dazu beigetragen, dass seit 1994 im Gebiet keine Brutabbrüche mehr auf menschliche Störungen zurückzuführen sind. Dieser gemeinsame Weg eines präventiven Naturschutzes wie ihn „Nützer" und „Schützer" im Berchtesgadener Land gemeinsam beschreiten, erscheint uns für die Zukunft im Alpenraum richtungsweisend. Er verbindet verschiedene Interessensgruppen, weckt Interesse für die Art Steinadler und den Naturschutz und somit auch eine gemeinsame Verantwortung für den Fortbestand des Steinadlers in den Alpen.

Weitere Infos zum Projekt Steinadler:
Ulrich Brendel (Projektkoordinator)
Nationalpark Berchtesgaden
Doktorberg 6
D-83471 Berchtesgaden

Flavio V. Ruffini
Europäische Akademie Bozen
Bereich „Alpine Umwelt"
flavio.ruffini@eurac.edu

Weitere Projektbeteiligte waren:
  • Amt für Forstplanung
  • Amt für Jagd und Fischerei
  • Amt für Naturparke
  • Amt für raumbezogene Informatik
  • Nationalpark Stilfserjoch
  • Naturmuseum
  • Südtiroler Jagdverband
  • Südtiroler Vogelschutzbund
Abb.1: Testgebiet im Alpenraum
Abb. 2: Lebensraumeignung für den Steinadler (Aquila chrysætos) im Sommer Vereinfachte Detailanzeige der Biblioteksbestände im Internet.


L'aquila reale e l'uomo

La popolazione dell'aquila reale nell'arco alpino è stata attualmente stimata in 1.100 coppie. Le singole coppie necessitano di un territorio da 30 a più di 100 km2. Ne consegue che attualmente tutto l'arco alpino è colonizzato da una estesa e stabile popolazione di aquile reali. La stabilità raggiunta da questa popolazione viene anche mantenuta grazie a die meccanismi di autoregolazione.
Interventi antropici specialmente negli areali di caccia delle aquile e nelle loro zone di nidificazione compromettono in modo diretto o indiretto l'equilibrio biologico della specie riducendo a medio termine il numero di individui sia a livello locale che regionale. Questi disturbi sono in parte imputabili alle varie attività di tempo libero e di ricreazione che vengono praticate nelle regioni alpine. In molte zone d'alta montagna, per esempio, deltaplani e parapendii sfruttano le correnti ascensionali seguendo proprio il principio sfruttato anche dalle aquile. Infatti, proprio in quelle zone di corrente particolare si trovano spesso anche i loro nidi.
Lo scopo del progetto "Aquila reale" è quello di identificare tramite una simulazione al computer nell'intero arco alpino gli ambienti di vita ideali delle aquile reali. All'aumentare delle attività sportive e turistiche i risultati di questo progetto permetteranno una prevenzione più efficace ed una protezione idonea di questo rapace particolare.


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