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 Academia 21 
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„Es ist alles zerstört" Die tschetschenische Delegation, die im Frühjahr Kontakte mit Südtirol knüpfen wollte, war zu optimistisch.
Academia Nr: 21 (Dezember - März / dicembre - marzo 2000)

von Stephanie Risse-Lobis
„Ein Souvenir unserer Stadt Grosny", Vachta Demelkhanov lächelt ein wenig verlegen und legt eine Sammlung mit Postkarten in einem abgeschabten blauen Umschlag auf den Tisch. Voll Stolz erklärt er die wichtigsten Bauten der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, die Straßen, die Plätze, aber bei jedem zweiten Bild fügt er hinzu: „Das ist heute alles zerstört."
Das war am 4. Mai 1999 und wir saßen im Hotel Laurin in Bozen, wo eine sechsköpfige Delegation aus Tschetschenien auf Einladung der Landesregierung logierte. Die Tschetschenen wollten sich in der Europäischen Akademie über die Autonomie informieren, Kontakte knüpfen und sogar wirtschaftliche Beziehungen mit Südtirol aufnehmen.


Ein hoffnungsvoller Schritt, denn die Kaukasus Republik, 1.500 Kilometer südlich von Moskau gelegen, hatte gerade erst von 1994 bis 1996 einen blutigen Krieg gegen die russische Zentralmacht geführt. Die russische Armee hatte dabei eine empfindliche Niederlage erlitten und schätzungsweise 80.000 Menschen kamen auf beiden Seiten ums Leben. Weite Teile der Städte Tschetscheniens waren vollkommen zerstört. Das Verhältnis zwischen Rußland und der islamisch geprägten Republik war bereits in der Geschichte schwer belastet durch zahlreiche gewalttätige Aktionen der zaristischen Armee bis hin zu den Deportationen unter Stalin. Und nun unternimmt die russische Führung unter Präsident Jelzin erneut einen militärischen Einsatz in der abtrünnigen Republik.

Ethnische Konflikte sind nicht der Grund, eher der Kampf ums Öl
Um ethnische Konflikte dürfte es dabei kaum gehen, auch wenn die russische Führung besonders den Kampf gegen „islamistische Extremisten" hervorhebt. Ausschlaggebend dürfte vielmehr die geopolitische Bedeutung Tschetscheniens sein: Die einzige Ölpipeline und ausgebaute Bahnlinie zwischen dem kaspischen Meer (Aserbeidschan) und Rußland bzw. dem Schwarzen Meer verläuft durch Tschetschenien. Die Kaukasus-Region ist somit als Knotenpunkt zwischen Ost-West und Nord-Süd für Rußland von existentieller Bedeutung. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß es islamistische Extremisten wie Shamil Bassajew und zuvor Doku Dudajew gibt, die mit Terror und Geiselnahmen agieren und die russische Führung zunehmend provoziert haben.
Andererseits hat die russische Führung jedoch bis dato keine Beweise dafür geliefert, daß die Bombenanschläge gegen Wohnhäuser in Moskau, Bujansk und Wolgodonsk im Herbst 1999 von tschetschenischen Terroristen verübt wurden. Allein auf Verdachtsmomente hin marschierten daraufhin 50.000 Soldaten in Tschetschenien ein und trieben mit unablässigen Bombardierungen hunderttausende von Zivilisten in die Flucht. Besonders zynisch erscheint es, wenn dann auch noch die Fluchtwege in die Nachbarrepubliken von den russischen Streitkräften zeitweise blockiert werden.

Die Illusion vom „sauberen" Krieg
Die russische Führung hat indes aus den „Fehlern" des letzten Kriegs vor fünf Jahren gelernt. Damals hat vor allem der Privatsender NTW die offiziellen Falschmeldungen über die Verluste der russischen Armee entlarvt, zeigte schockierende Bilder von verkohlten Leichen in den Straßen Grosnys und verängstigten russischen Rekruten. Die öffentliche Meinung schlug damals um und man beschuldigte öffentlich die Regierung dafür, junge und schlecht ausgebildete Soldaten in diesem Krieg verheizt zu haben. Diesmal verhält sich der Kreml geschickter und erteilt eine strenge Zensur, Bilder von gefallenen Soldaten werden ebenso wenig gezeigt wie Interviews mit tschetschenischen Politikern. Der Großteil der Medien inszeniert einen „sauberen" Krieg und übernimmt die offizielle Sprachregelung, wonach ganz Tschetschenien von „Banditen und Terroristen" gesäubert werde. Frauen, Männer und Kinder, die durch diese Bombenangriffe umgebracht werden, existieren in dieser Lesart nicht. Hört man in diesen Herbsttagen russische Nachrichten, so fühlt man sich in Zeiten des Kalten Kriegs versetzt, da spekulieren Journalisten über Verschwörungen der Amerikaner und bezeichnen den Krieg als Ablenkungsmanöver des US-Präsidenten Clinton, der von seinen Affären ablenken wolle.
Tatsache ist hingegen, daß gegen Präsident Jelzin selbst und seine Kreml-Crew schwere Vorwürfe der Korruption und Verschwendung von Krediten erhoben wurden und daß Rußland mitten im Parlamentswahlkampf steckt. Wahrscheinlich kommt man der Wahrheit näher, wenn man in diesem Krieg auch ein Ablenkungsmanöver der russischen Regierung von der innenpolitischen und vor allem ökonomischen Dauerkrise sieht. Die Argumentation der russischen Führung dem Westen gegenüber, es handle sich um eine „innerrussische Angelegenheit" ist kaum haltbar. Denn immerhin hat der Kreml mit gewählten tschetschenischen Vertretern Verträge über den Status der Kaukasus-Republik bis zum Jahr 2001 unterschrieben und zudem erwachsen Rußland als Mitglied der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und dem Europarat Verpflichtungen, die Menschenrechte einzuhalten.

...und der Westen verschanzt sich hinter diplomatischen Floskeln
Der vertriebenen, geschundenen und ermordeten Bevölkerung Tschetscheniens nützen solche Interpretationen wenig und der Westen kann sich bislang nicht zu einer klaren Stellungnahme aufraffen. Grigorij Jawlinskij und seine sozialliberale Partei „Jabloko", eine der glaubwürdigsten und profiliertesten Oppositionsparteien in der russischen Staatsduma hatte schon 1995 beklagt, daß der Westen beim ersten Tschetschenien-Krieg kein eindeutiges Signal gegeben habe und Jelzin einfach die Panzer los schicken konnte. „Die Menschen hier sind empfindlich, wir brauchen diese Reaktion des Westens, um zu wissen, wo wir stehen."

Stephanie Risse-Lobis M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Minderheiten und regionale Autonomien" an der Europä-ischen Akademie Bozen
stephanie.risse@eurac.edu


"È tutto distrutto"

Nella scorsa primavera una delegazione cecena è stata in visita a Bolzano, ospite della Giunta provinciale, per stabilire rapporti economici con l'Alto Adige ed informarsi presso l'Accademia europea su questioni autonomistiche. La repubblica caucasica, 1500 km a sud di Mosca, ha condotto una sanguinosa guerra contro il potere centrale russo tra il 1994 e il 1996, al termine della quale l'esercito russo è uscito sconfitto; le stime si aggirano sugli 80.000 morti. Ora i russi hanno ripreso lo scontro militare contro la repubblica ribelle. Le ragioni dello scontro non sono tanto i conflitti etnici, quanto il controllo del petrolio e di altre risorse, perché l'unico oleodotto tra il mar Caspio e la Russia attraversa la Cecenia. Forse i veri motivi di questo scontro possono però essere individuati nell'intenzione del presidente Eltsin di sviare l'attenzione dalle accuse di corruzione cui è sottoposto e dalla drammatica situazione economica, in vista delle elezioni parlamentari.
Intanto il Cremlino ha concluso accordi con alcuni rappresentanti ceceni "graditi" sul futuro status della Repubblica fino al 2001. L'occidente non ha finora saputo esprimere una posizione univoca, ma non va dimenticato che la Russia è anche membro della CSCE e del Consiglio d'Europa, e pertanto è internazionalmente obbligata al rispetto dei diritti umani.


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