|
Academia 22
Home |
Press |
Academia |
22 |
art_15
Odyssee im Wörterbuch? Academia Nr: 22 (März - Juni / marzo - giugno 2000)von Andrea Abel Das Elektronische Lernerwörterbuch deutsch-italienisch bietet dem Benutzer eine schnelle und unkomplizierte Hilfe beim Erlernen des Wortschatzes Wörterbuchschreiber haben die schwierige Aufgabe, Bedeutungen von Wörtern zu erklären. Wörterbuchbenutzer möchten sich nicht auf eine Irrfahrt kreuz und quer durchs Wörterbuch begeben, wenn sie doch nur wissen wollen, was ein bestimmtes Wort bedeutet. Das elektronische Lernerwörterbuch deutsch-italienisch gibt dem Fremdsprachen-lernenden ein Instrument in die Hand, mit dem er über verschiedene Arten von Bedeutungsangaben rasch und unkompliziert zum Ziel geführt wird. "Ich muss im Lexikon nachschlagen, um herauszufinden, was eine Jungfrau ist. [...] Im Lexikon steht, Jungfrau, Frau (gewöhnlich jung), welche sich in einem Zustand unangetasteter Keuschheit befindet und in diesem verbleibt. Jetzt muss ich unangetastet und Keuschheit nachschlagen, und alles, was ich hier finde, ist, dass unangetastet das Gegenteil von angetastet bedeutet, und Keuschheit bedeutet keusch, und das bedeutet frei von gesetzeswidrigem geschlechtlichen Interkursus. Jetzt muss ich Interkursus nachschlagen [...] und ich weiß nicht, was das bedeutet, und ich bin es einfach leid, in dem schweren Lexikon von einem Wort zum anderen geschickt zu werden wie ein Vollidiot, und das alles nur, weil die Leute, die das Lexikon geschrieben haben, nicht wollen, dass unsereins etwas erfährt." Was der irische Autor Frank McCourt (in: Die Asche meiner Mutter ) hier literarisch beschreibt, bringt Sie vielleicht zum Schmunzeln - aber kommt Ihnen dieses Erlebnis nicht irgendwie bekannt vor? Unser Beispiel deutet auf ein häufiges und bekanntes Problem bei der Wörterbuchbenutzung hin: Der Benutzer versteht nicht, was ihm erklärt wird. Diesem Problem muss der Wörterbuchschreiber Rechnung tragen – und ganz besonders dann, wenn er ein Wörterbuch für Fremdsprachenlernende entwickelt. Genau hier liegt das Aufgabengebiet der pädagogischen Lexikographie. Das Team an der Europäischen Akademie, das sich mit der Entwicklung des ELDIT, des elektronischen Lern(er)wörterbuches deutsch-italienisch (Dizionario elettronico per apprendenti italiano-tedesco) , befasst, hat genau diese Aufgabe. Bei ELDIT handelt es sich um ein Wörterbuch mit einer genau definierten und sehr begrenzten Zielgruppe. ELDIT wendet sich an Fremdsprachenlernende, und zwar deutschsprachige Italienischlerner und italienischsprachige Deutschlerner. Diese Personen sind (Quasi-)Anfänger und haben das Ziel, sich in der jeweils anderen Sprache in alltäglichen Situationen zurechtfinden zu können. Das ist bei der Beherrschung eines Grundwortschatzes von ca. 3.000 Einheiten möglich, der Anzahl an Einträgen, die ELDIT enthalten soll.
Auf welche Art und Weise werden im ELDIT Bedeutungen angegeben und wie wird versucht, diese verständlich und lernerfreundlich zu gestalten? Die Bedeutung oder - meist - die Bedeutungen eines Wortes werden auf mehrere Arten verdeutlicht:
Bedeutungsangaben durch Definitionen Einmal wird die Bedeutung durch die wohl bekannteste Art der Bedeutungsbeschreibung angegeben, die lexikographische Definition. Die klassische Art der Definition in der Lexikographie geht so vor, dass sie einen Oberbegriff und weiters die spezifischen Merkmale eines Wortes beschreibt. Diese Art der Erklärung birgt Probleme für den Fremdsprachenlerner: Er ist nämlich nicht mit Oberbegriffen, bedeutungsähnlichen Wörtern, welche häufig gar nicht mehr Teil des Grundwortschatzes sind, vertraut, wie das bei Muttersprachlern vorauszusetzen ist. In einem Lernerwörterbuch ist es daher notwendig, andere Strategien bei der Erstellung der Definitionen anzuwenden. Damit der Benutzer nicht ein so frustrierendes Erlebnis hat, wie in dem eingangs beschriebenen Beispiel, greifen die Wörterbuchschreiber zu verschiedenen Tricks. Einige Grundregeln gelten für einsprachige Wörterbücher im allgemeinen: Zusammengefaßt könnte man sagen, dass man das, was unser Beispiel eingangs zeigt, vermeiden soll. So soll man z.B Wörter nicht durch die Angabe des Gegenteils beschreiben. Ein weiteres Problem, das man häufig in Wörterbüchern antrifft ist die sogenannte Zirkularität. Man spricht in zwei Fällen von Zirkularität: I. Wenn ein Benutzer beispielsweise das Wort "Gebäude" nachschlägt, wird dieses durch "Bau" erklärt; schaut er dann unter "Bau" nach, findet er "Gebäude". D.h. zuerst wird X als Y erklärt, dann Y als X. In diesem Fall spricht man von einer Zirkularität ersten Grades, die man in einem Wörterbuch auf keinen Fall vorfinden sollte. II. Auch eine Definition wie "Eine Schreibmaschine ist eine Maschine zum Schreiben." soll man vermeiden. Hier kommt nämlich der zu definierende Begriff im definierenden Begriff vor. Weitere Punkte gelten für L2-Wörterbücher im besonderen (L2 = die zweite Sprache, die jemand lernt): Wichtig ist, dass der Beschreibungswortschatz in den Definitionen einfach ist. "Einfach" bedeutet hier, dass in den Definitionen nur solche Wörter verwendet werden, die ihrerseits als Einträge im Wörterbuch enthalten sind. Der Wörterbuchschreiber muss in diesem Fall also mit ca. 3.000 Wörtern auskommen. Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen auf der Hand: Der Benutzer stößt auf keine Wörter, die nicht wieder im Wörterbuch erklärt werden. Durch die Möglichkeiten, die das elektronische Medium bietet, kann der Benutzer jedes beliebige Wort innerhalb der Definition anklicken. Daraufhin erscheint der Eintrag des gesuchten Wortes in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm. Es entfällt dadurch das langwierige und lästige Blättern, das es bei gedruckten Wörterbüchern gibt. Damit allein sind aber noch lange nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. Nur durch die Reduzierung des Beschreibungswortschatzes ist noch nicht ein besseres Verständnis der Definitionen garantiert. Denn die Wörter des Grundwortschatzes sind vor allem die am häufigsten verwendeten Wörter und zugleich auch die Wörter mit den meisten Bedeutungen. Daher ist es wichtig, dem Benutzer eine zusätzliche Hilfestellung zu leisten: Klickt er auf ein Wort in der Definition, das er nicht versteht, öffnet sich automatisch die Bildschirmseite, auf der sich das gesuchte Wort befindet, und zusätzlich wird die Bedeutung hervorgehoben, die das Wort in der Definition hat. Nicht nur der Beschreibungswortschatz muss einfach und verständlich sein, sondern es sind auch einfache syntaktische Strukturen erforderlich. Man sollte z.B. darauf achten, Informationen nicht in verschachtelten Nebensätzen unterzubringen, weil das zu Verständnisschwierigkeiten bei fremdsprachigen Benutzern führt.
Bedeutungsangaben durch Beispiele
Die Definition kann nicht alles. Deshalb wird in ELDIT zusätzlich zu jeder Definition auch ein sogenanntes lexikographisches Beispiel angegeben. Dabei handelt es sich um Verwendungsbeispiele in Form ganzer Sätze. Das heißt: Ein bestimmtes Wort wird in eine vollständige Aussage eingebettet. Das lexikographische Beispiel spielt in der pädagogischen Lexikographie eine wichtige Rolle. Es hat sich nämlich gezeigt, dass viele erfolgreiche Bedeutungsvermittlungen beim fremdsprachigen Benutzer in erster Linie auf gut gewählte Verwendungsbeispiele zurückzuführen sind. Schon der Philosoph Ludwig Wittgenstein schreibt: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache." Der Benutzer erhält durch das Satzbeispiel implizite Informationen über den situativ-pragmatischen Kontext, in dem er ein bestimmtes Wort verwenden kann. Die Beispiele sollen authentische, alltägliche Situationen widerspiegeln. Der Benutzer kann diese im Alltag abwandeln und in ähnlichen Situationen wiederverwenden.
Wortfelder
Im ELDIT werden die Wortschatzeinheiten innerhalb von Wortfeldern dargestellt. Die Wortfeldtheorie geht davon aus, dass es – vereinfacht gesagt – möglich ist, den Wortschatz so zu gliedern, dass Wörter, die Bedeutungsähnlichkeiten aufweisen, in Form von Feldern gruppiert werden können. In diesen Feldern werden Wörter zusammen mit Ober- und Unterbegriffen, bedeutungsähnlichen und –verschiedenen u.ä. Wortschatzeinheiten angeordnet. Sehr oft ist es nützlich, die Bedeutung eines Wortes in Opposition zu einem anderen Wort zu beschreiben. Das heißt: Ein Wort wie beispielsweise "Haus" wird zusammen mit anderen Wörtern beschrieben, die Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede aufweisen. Für den fremdsprachigen Benutzer ist es wichtig, vor allem die Unterschiede kennenzulernen. In dem Wortfeld rund um "Haus" scheinen Wortschatzeinheiten wie "Gebäude", "Bau", "Bauwerk", "Villa" usw. auf. Für den Lerner ist es wichtig zu wissen, ob er "Haus" und "Gebäude" synonym verwenden kann, oder ob es Unterschiede in der Bedeutung gibt, aufgrund derer er die beiden Wörter nicht beliebig in unterschiedlichen Kontexten austauschen kann. Desgleichen weiter: Wann kann man einen Gegenstand als Stuhl bezeichnen? Wann hingegen spricht man von Sessel, Hocker ...? Was macht einen Hügel zum Berg? In der Sprache gibt es nicht eine klare Klassifizierung, wie man es etwa von den Naturwissenschaften her kennt, wo jede Bezeichnung ihren festen Platz in einem terminologischen System hat. Innerhalb eines Wortfeldes werden Wörter aufgrund ihrer wechselseitigen Beziehungen zu anderen Wörtern beschrieben, also innerhalb des Sprachsystems selbst.
Bedeutungsangaben durch Übersetzungen
Im Hinblick auf größtmögliche Benutzerfreundlichkeit werden außerdem zu den einzelnen Bedeutungen der Wortschatzeinheiten Entsprechungen in der anderen Sprache angegeben. Die Benutzerfreundlichkeit eines Wörterbuches hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell der Lerner die gesuchte Wortbedeutung findet und wie gut er diese Wortbedeutung verstehen kann. Über diese Übersetzungen ist es für den Benutzer möglich, in den anderssprachigen Wörterbuchteil zu wechseln. Die Übersetzungen stellen eine weitere Hilfe dar, um dem Benutzer die Bedeutungen eines Wortes zu vermitteln. Das Wörterbuch kann einerseits wie ein einsprachiges Wörterbuch benutzt werden, denn die Bedeutungen werden dem Benutzer in der Zielsprache nähergebracht. Daneben hat der Benutzer aber auch die Möglichkeit, das Wörterbuch wie ein zweispachiges zu benutzen. Diese Art von Wörterbüchern werden in der Fachliteratur als "semibilingual" bezeichnet. Die meisten Lernerwörterbücher sind einsprachige Wörterbücher. Diese richten sich - im Unterschied zu ELDIT - vor allem an fortgeschrittene Lerner. Studien zeigen allerdings, dass Lerner zweispachige Wörterbücher bevorzugen. Es scheint sich abzuzeichnen, dass sich der Typus des "semibilingual" Wörterbuchs vor allem für Anfänger eignet, eine Zielgruppe, die bisher in der Lexikographie wenig beachtet wurde. Mit ELDIT versucht man zwei Ansprüchen gerecht zu werden, dem Wunsch der Lernenden nach schneller und einfacher Information und dem Wunsch aus pädagogisch-didaktischer Sicht, den (zu erlernenden) Wortschatz in der Zielsprache zu beschreiben.
Dr. Andrea Abel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich "Sprache und Recht" an der Europäischen Akademie Bozen andrea.abel@eurac.edu
Das studentenlange Blättern in Wörterbüchern nach Bedeutungsangaben hat ein Ende! Wer sucht, der findet künftig - per Mausklick Bedeutung unklar? Vier Arten von Bedeutungsangaben helfen weiter
Come viene spiegato il significato delle parole in un dizionario per apprendenti
Vi è mai capitata la frustrante esperienza di cercare una parola nel vocabolario per capirne il significato, ma di trovare una definizione ancora più incomprensibile della parola in questione? Il problema sembra assai banale, ma il fatto che sia così diffuso dimostra come non sia facile risolverlo. Tanto più quando il vocabolario è rivolto a studenti con una conoscenza limitata della lingua che stanno imparando. Uno dei principali compiti che le autrici dell'ELDIT si sono imposte è appunto quello di facilitare il più possibile la comprensione del significato delle parole presentate, adottando strategie diverse e complementari. -Le entrate lessicali vengono spiegate con parole semplici, tutte a loro volta definite. Grazie ai collegamenti ipertestuali offerti dal mezzo informatico, è possibile accedere rapidamente a tutte le parole contenute nella definizione con un semplice click. -Ogni definizione viene seguita da un esempio, che aiuta a precisare il significato della parola definita e fornisce informazioni implicite circa il contesto nel quale essa viene comunemente impiegata. -I campi semantici raggruppano parole che hanno tratti di significato comuni (sinonimi, generici, specifici, contrari...). Essi aiutano a definire il significato delle parole mettendole in confronto e in opposizione tra loro. - Ogni accezione della parola, oltre ad essere definita ed esemplificata viene anche tradotta. Lo studente dispone così anche di un rapido punto di riferimento nella propria lingua madre.
|
|