|
Academia 22
Home |
Press |
Academia |
22 |
art_19
Übersetzerinnen bald arbeitslos? Academia Nr: 22 (März - Juni / marzo - giugno 2000)Bruno Ciola Moderne Computer-Übersetzungssysteme können die Arbeit der Über-setzerin* entscheidend erleichtern. Die Übersetzerin muss sich nicht mehr mit aufwendigen Routineaufgaben abbemühen. Sie kann sich auf das ei-gentliche Übertragen der Textinhalte konzentrieren.
Stellen Sie sich vor, Sie müssen einen eiligen Geschäftsbrief ins Englische übersetzen. Dazu rufen Sie von Ihrem PC das entsprechende Programm auf, lesen per Mausklick den zu übersetzenden Brief ein und bekommen im Nu das versandtfertige Schreiben aus dem Drucker. Ganz einfach. - Dass dem in Wirklichkeit aber nicht so ist, wissen wir alle. Wer hat sich denn nicht schon über die Bedienungsanleitung eines japani-schen Elektrogerätes amüsiert: der Computer ist einfach nicht in der Lage, die kom-plexen Denkprozesse des Human-Übersetzers nachzuahmen. Die vollautomatische maschinelle Übersetzung bleibt also weiterhin ein Traum des Menschen. Dennoch: durch den Einsatz moderner Computertechnologien eröffnen sich ganz neue Perspek-tiven für die Übersetzung.
Maschine und Übersetzen Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt werden Systeme entwickelt und in der Praxis auch er-folgreich eingesetzt, die den Menschen im Übersetzungsprozess nicht gänzlich ersetzen, sondern ihn dabei auf intelligente Art und Weise unterstützen. Die Maschine erledigt in diesem Zusammenhang Aufgaben, die sehr zeitaufwendig und monoton sind, wie zum Beispiel das Suchen nach einem bestimmten Wort, das Archivieren von übersetzten Texten oder das Formatieren eines Textes nach der Originalvorlage. Die Übersetzerin kann sich dann primär auf das eigentliche Übersetzen, d.h. das Verfassen des Zieltextes, konzentrie-ren. Eingesetzt werden diese Systeme nicht nur in den Sprachenabteilungen großer Indu-striebetriebe, sondern auch von internationalen Organisationen, deren Informationen in zahlreiche Sprachen verteilt werden müssen.
Computergestützte Übersetzungssysteme Doch wie funktionieren diese Systeme? Sie bestehen in der Regel aus drei Komponenten, nämlich Satzdatenbank, Terminologiedatenbank und Filterprogrammen.
- Satzdatenbank (Translation Memory): Darin werden bereits übersetzte Texte in beiden Sprachen Satz für Satz abgespeichert und können bei weiteren Übersetzungen in Se-kundenschnelle abgerufen werden. Nehmen wir als Beispiel die Übersetzung eines Computerhandbuches. Ein häufiger Satz könnte sein: "Insert the program diskette in a floppy drive". Sobald das einmal mit "Programmdiskette in Laufwerk A einlegen" übersetzt wurde, wird dieses Segment jedesmal vorgeschlagen, wenn es im anschlie-ßenden Text wiederkehrt. Mit anderen Worten, was einmal übersetzt wurde, muss kein zweites Mal in den Computer getippt werden. Und selbst wenn sich der neue Satz vom alten leicht unterscheidet - z. B. statt "program diskette" heißt es "font diskette" - erkennt das Programm die teilweise Übereinstimmung (sog. Fuzzy-Match) und legt der Übersetzerin den Satz vor. Dieser muss dann nur noch entscheiden, ob er den Satz aus der Datenbank übernehmen will oder nicht bzw. mit welchen Änderungen. Der Nutzen dabei liegt auf der Hand: geht man davon aus, dass sich in einem Text bestimmte Passagen wiederholen bzw. ähnliche Texte zu einem späteren Zeitpunkt wieder bearbeitet werden müssen, können Zeit und Kosten für Übersetzungen deutlich gesenkt werden.
- Terminologiedatenbank:In dieser Datenbank werden einzelne Fachwörter mit beson-deren Zusatzinformationen in beiden Sprachen abgespeichert und beim Übersetzen automatisch vom System vorgeschlagen, sobald das Wort im Text vorkommt. Nehmen wir an, eine Übersetzerin arbeitet für mehrere Unternehmen im Wirtschaftsbereich in Südtirol und Österreich. Im Rahmen von Aktiengesellschaften sollte er die Benennung capitale sociale in Südtirol mit dem genormten Terminus Gesellschaftskapital wieder-geben, in Österreich hingegen wäre in diesem Zusammenhang Grundkapital gebräuch-licher. Und genau diese Zusatzinformationen können abgespeichert und bei jeder Über-setzung in kürzester Zeit abgerufen werden. Der Vorteil: wurde ein ausgangssprachli-ches Wort einmal mit einem bestimmten zielsprachlichen Wort wiedergegeben, wird dieses jeweils vorgeschlagen und erhöht somit die Kohärenz im gesamten Text.
- Filterprogramme: Mit Hilfe dieser Tools können Formatinformationen aus dem Aus-gangstext herausgefiltert und dann dem Zieltext zugeordnet werden. Angenommen, es müssen Texte in komplexen Tabellen übersetzt werden, dann werden sämtliche For-matinformationen (Spaltenanordnung, Überschriften, usw.) automatisch im übersetzten Text übernommen, d.h. das Format des übersetzten Textes ist mit jenem des Originals identisch, ohne zusätzliche "manuelle" Arbeit durch den Übersetzer. Besonders vorteil-haft wirkt sich das bei mehrsprachigen Publikationen aus, da nur einmal der Satz er-stellt werden muss, während die "druckreifen" Sprachvarianten direkt beim Übersetzen entstehen.
AusblickDie Maschine wird wohl den Mensch in absehbarer Zeit nicht ersetzen können. Die Kom-bination von Mensch und Maschinen kann aber unter gewissen Voraussetzungen die Arbeit des Übersetzers stark verändern. Mit Hilfe dieser neuen Systeme hat der Sprachmittler die Möglichkeit, zeitaufwendige Routinearbeiten durch den Computer erledigen zu lassen und sich primär auf das Übertragen der Texte zu konzentrieren. Außerdem können Über-setzungen als Mehrwert-Dienstleistungen vermarktet werden, die dank der modernen inte-grierten Filterprogamme nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch druckreife Texte liefern. Abb.: Bildschirmansicht beim Übersetzen: Ein Satz, der schon einmal übersetzt wurde, wird von Programm automatisch vorgeschlagen - selbst bei gerinfügigen Unterschieden. Dr. Bruno Ciola, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Sprache und Recht" an der Europäischen Akademie Bozen bruno.ciola@eurac.eduSeminar zum ThemaDie Forschungsgruppe "Terminologie und Fachübersetzen" untersucht Möglichkeiten und Grenzen der neuen Systeme zur computergestützten Übersetzung. In diesem Zusammen-hang veranstaltet sie auch Fachseminare, die nicht nur die theoretischen Hintergründe der Systeme beleuchten, sondern auch auf praktische Aspekte bei der Arbeit mit verschiedenen Systemen eingehen. Das nächste Seminar zu diesem Thema findet vom 30. Juni bis 1. Juli 2000 in Bozen statt. Weitere Infos dazu unter http://www.eurac.edu/TAC, email: bluterm@eurac.edu, Tel. 0471-055 100.
Quale futuro per la traduzione?
Le nuove tecnologie nell'ambito della traduzione assistita da computer stanno cambiando radicalmente (positivamente!) il lavoro del traduttore. Oggi, i recenti strumenti informatici consentono finalmente di razionalizzare il processo traduttivo: è il computer, non più il traduttore, a svolgere lavori dispendiosi e ripetitivi quali la ricerca di termini, la gestione dei testi, oppure ancora la formattazione dei testi per la stampa ecc. Non più soltanto contenuto e forma, ma anche "grafica" dunque. Imparando a conoscere questi nuovi supporti informatici, il traduttore potrà dedicare maggior tempo alla vera a propria "traduzione" del testo, e fornire al contempo al cliente un servizio con valore aggiunto.
|
|