contact | site map | imprint           7.7.2008
Logo EURAC  
  NEWS ARCHIVE    
      Events    
      Education courses    
      On research    
      New print releases    
      Job openings    
SITE SEARCH  
 

 Academia 22 
Home  |  Press  |  Academia  |  22  |  art_2  

AusbeBAUERt?
Academia Nr: 22 (März - Juni / marzo - giugno  2000)


Dass sich der bäuerliche Kleinbetrieb auch in Südtirol nicht mehr rentiert, darüber sind sich Politiker und Landwirtschaftsexperten einig. Wenig Einigkeit herrscht in der Suche nach Auswegen. Eine Studie der Akademie sorgt für Diskussionen.

Peter Rieder, Professor am Institut für Agrarwirtschaft der ETH Zürich und Autor der Studie flavio.ruffini@eurac.edu

„Innerhalb der Südtiroler Agrarpolitik zeigen sich Widersprüche in der Zielsetzung. So steht das Hauptziel – die Erhaltung möglichst aller bäuerlichen Familienbetriebe – im Konflikt mit langfristigen ökonomischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen. Nicht alle Betriebe sollten erhalten werden, wenn dafür eine Intensivierung auf den kleinstrukturierten Flächen, eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und eine zunehmende Abhängigkeit von der öffentlichen Hand in Kauf zu nehmen sind. In Südtirol müssen sich immer mehr Landwirte einen Zu- bzw. Nebenerwerb suchen, um überleben zu können. Dies führt mitunter zu einer Entprofessionalisierung ihres Berufsstandes. Eine Chance für die Südtiroler Landwirtschaft sehe ich in umweltschonend produzierten Nischen- und Qualitätsprodukten. Diese erfordert hochprofessionelle, gut aus- und weitergebildete Landwirte. Teilzeitbauern fehlt dazu einfach die Zeit."

Hans Berger, Landesrat für Landwirtschaft und Vermögen

„Ziel der Südtiroler Agrarpolitik ist es nicht, nur noch rentable und wettbewerbsfähige Großbetriebe zu unterstützen. Wir wollen auch kleinbäuerliche Strukturen erhalten, selbst wenn sie nur mit Zu- und Nebenerwerb möglich sein sollten. Schließlich geht es hier um den Erhalt des ländlichen Raums als solchen."

Georg Mayr, Südtiroler Bauernbund Obmann

„Die zunehmende Tendenz zum Nebenerwerb (derzeit sind rund 70 Prozent der heimischen Bauern Nebenerwerbsbauern) ist nicht negativ. Schließlich erlaubt dies den Bauern, weiterhin auf ihren Höfen zu leben, die ländlichen Strukturen in ihrer traditionellen Form weiterzuführen und nicht zuletzt die Landschaft zu erhalten. Einen Professionalitätsverlust befürchte ich auch nicht, denn heute wird die Qualität bereits vom Markt forciert."

Hermann Mantinger, Ehemalige Leiter der Versuchsanstalt Laimburg

„Die hohe Anbau- und Tierintensität ist nicht nur ökologisch bedenkbar. Ab einem bestimmten Intensitätsniveau wird auch die Qualität der Produkte beeinträchtigt. Die Zukunft der Südtiroler Landwirtschaft liegt in der umweltfreundlichen Produktion von Qualitätsprodukten. Mit Massenware sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.
Südtirol muss noch mehr in die Forschung investieren. Die Ausbildung und der Umweltgedanke sind ebenfalls wichtig. Eine Hürde auf diesem Weg stellt die Kleinstrukturiertheit der Betriebe dar."

Flavio Ruffini, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Europäischen Akademie Bozen

„Die Südtiroler Landwirtschaft wird zunehmend von internationalen Rahmenbe-dingungen abhängig sein, wie sinkenden Agrarpreisen, der bevorstehenden EU-Osterweiterung und den veränderten Erwartungen der Kunden an die Qualität. Hinzu kommt, dass die Landwirtschaft ihre wirtschaftliche Bedeutung für Südtirol in Zukunft einbüßen wird. Größere Flexibilität in der Agrarpolitik ist sicherlich notwendig. Dabei soll der Agrarsektor nicht weniger Geld bekommen, der Mitteleinsatz ist jedoch zu überdenken. Künftig wesentlich wichtiger wird die multifunktionale Bedeutung der Landwirtschaft. Sie wird wichtige Aufgaben im Bereich der Lebensraumsicherung, des Landschaftsschutzes und der Landschaftspflege übernehmen. sowie für Erhaltung die lebensfähigen ländlichen Raumes Besiedlung sorgen."

Albert Wurzer, Ressortdirektor im Assesorat für Landwirtschaft und Vermögen

„Dem Hofübernehmer wird sich in Zukunft nicht nur die Frage nach ausreichendem Verdienst stellen, sondern auch jene nach den Wünschen und Vorstellungen seiner Familie. Die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität auf den Höfen kann mit Subventionen und Investitionsbeiträge allein nicht erreicht werden. Eine bedeutende Rolle nimmt in Zukunft das Zusammenspiel zwischen Handwerk, Tourismus und Kaufleuten ein. Ausschlaggebend ist ein übergreifendes Konzept, das die Selbstversorgung der ländlichen Dorfgemeinschaften weiterhin ermöglicht und sichert. Floriert die gesamte Wirtschaft, so überlebt auch die Landwirtschaft."


  The latest issue
 

 
 
Copyright © EURAC 2008 Send page Print page Top of page