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 Academia 22 
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Was Sie schon immer zum Thema "Südtirol" wissen wollten
Academia Nr: 22 (März - Juni / marzo - giugno  2000)

von Richard Greiner
Neues Infoangebot im Bibliothekskatalog

Ob wissenschaftlicher Mitarbeiter oder interessierter Laie – jeder kennt diese Situation: Man recherchiert mit großem Arbeitsaufwand die für ein bestimmtes Forschungsvorhaben relevante Sekundärliteratur, tritt den Gang zur Bibliothek an und stellt bei Ansicht des angeforderten Buches oftmals enttäuscht fest: das Werk hält nicht, was der Titel zunächst zu versprechen schien. Diese Enttäuschung soll nun zumindest für das Thema "Südtirol" vermieden werden.

Für dieses an der Europäischen Akademie Bozen häufig nachgefragte Thema wurde mit der Zusammenstellung einer kommentierten Bibliographie begonnen. Die besonders wichtigen, an der Akademiebibliothek vorhandenen Bestände, werden nun zusätzlich über kurze Angaben zum Inhalt in Form eines Abstracts tiefer erschlossen.
Dazu wurden die Südtirolrelevanten Titel (Monographien und Aufsätze) aus dem vorhandenen Bibliotheksbestand ermittelt und die Gebiete Recht, Sprache, Politik, Zeitgeschichte und Soziologie ausgewählt. Für diese interessieren sich die meisten Benutzer der Akademiebibliothek. Die bislang etwa dreihundert bearbeiteten Titel bieten nun mit kurzen Inhaltsübersichten viel zusätzliche Information über Werk und Autor. Dazu folgendes Beispiel:

Belardi, Walter:
Profilo storico-politico della lingua e della letteratura ladina / Walter Belardi. - Roma : Il calamo, 1994. - 254, 8 S.: Ill., Kt. - (Biblioteca di ricerche linguistiche e filologiche ; 35)(Studi ladini ; 19) ISBN 88-85134-35-1


Abstract: Literaturhistorisch-politikwissenschaftliche Studie über Wurzeln, Entwicklung und Verschriftlichung der ladinischen Sprache bzw. Literatur. Belardi hat bereits eine umfassende soziolinguistische Studie über die Entwicklung des Ladinischen unter besonderer Berücksichtigung des sogenannten "Sellaladinischen" vorgelegt. Er resümiert im vorliegenden Band zunächst dessen Sprachentwicklung (vgl. Teil 1: sprachhistorischer Aspekt) von den Ursprüngen in römischer Zeit bis zur Germanisierung nach dem Jahr 1000 bzw. die von Süden und Norden auf das Idiom einwirkenden italienischen Einflüsse. In einem Exkurs analysiert er aktuelle Fragen (Anerkennung des Ladinischen als dritte Sprache, Verschriftlichung eines gemeinladinischen Idioms, binnenladinische Veränderungen und Varietäten, Unterschiede zwischen aktueller und historischer ladinischer Sprache usw.). Im zweiten Teil beleuchtet der Autor den literarischen Aspekt des Ladinischen. Schwerpunkt ist, nach kurzem Überblick über Ursprünge und literaturhistorische Entwicklung der schriftlichen Überlieferung, die ladinische Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Darstellung bietet einen Überblick über die literarischen Gattungen Prosa, Dramatik und Lyrik und zeigt aktuelle Tendenzen der ladinischen Literatur auf. Eine umfassende Bibliographie enthält das wissenschaftliche Schrifttum zum Thema, stellt Wörterbücher und Grammatiken vor und nennt die bedeutendsten Titel der ladinischen Literatur.

In der Regel nehmen diese knappen Inhaltsangaben im ersten Satz eine Art definitorische Einordnung des besprochenen Werks vor (hier: "Literaturhistorisch-politikwissenschaftliche Studie..."). Soweit bekannt, schließen sich im folgenden kurze biographische Angaben zum Autor und eventuell Verweise auf weitere Veröffentlichungen desselben Verfassers an. Schließlich erfolgt eine knappe Zusammenfassung des Inhalts der Publikation. Bei Monographien, die mit besonders pointiertem Aussagegehalt aufwarten, soll die dem Werk zugrundeliegende Intention durch Zitate signifikanter Passagen verdeutlicht werden.
In gleicher Weise werden unselbständige Beiträge berücksichtigt, wie das folgende Beispiel zeigt: Woelk, Jens: Anmerkungen zur deutschen Rechtssprache in Südtirol In: Informator, 1998, 4 ; S. 262-277
Abstract: Der Aufsatz ist die Schriftfassung eines Vortrags, der anlässlich einer Tagung zur Rechtslinguistik am 2. Oktober 1998 an der Europäischen Akademie Bozen gehalten wurde. Ausgangspunkt ist die Beobachtung mangelnder Einheitlichkeit bzw. niedrigen Niveaus der deutschen Rechtssprache in Südtirol und ihre (zumindest für "bundesdeutsche" Ohren) ungewohnten terminologischen Besonderheiten. Der Autor weist darauf hin, dass sich die spezifisch Südtiroler Rechtssprache 1. mit der Geltung einer anderen Rechtsordnung und 2. durch die Überlagerung dieser (italienischen) Rechtsordnung durch die deutsche Sprache erklären lässt. Abgesehen davon, sind sprachliche Besonderheiten natürlich auch ganz allgemein auf eine andere Rechtskultur zurückzuführen. In Südtirol finden sich aufgrund der territorialen wie sprachlichen Nähe zur Schutzmacht Österreich auch Entlehnungen aus deren juristischem Vokabular. Die Ausführungen widmen sich zunächst dem für die deutsche Rechtssprache in Südtirol geltenden rechtlichen Rahmen. Daran schließen sich einige Betrachtungen zur Situation der deutschen Rechtssprache in der Rechtswirklichkeit Südtirols an. Den Abschluß bilden Überlegungen zu konkreten Maßnahmen, mit denen die Qualität der deutschen Rechtssprache verbessert werden kann.

Es ist geplant, diesen Teil der Bibliographie mit "Abstracts" zu unselbstständiger Literatur durch systematische Recherchen in Fachzeitschriften zu erweitern.

Mit der kommentierten Bibliographie soll erstmals Südtirolrelevante Literatur systematisch erfasst und mit Informationen zu ihrem Inhalt versehen werden. Die dadurch mögliche vertiefte Erschließung erleichtert eine gezielte Literaturrecherche. Ab Mai sind diese Informationen einem breiteren Publikum zugänglich. Dann wird nämlich im OPAC (dem Bibliothekskatalog im Internet: http://www.eurac.edu/OPACEAB/index.asp) die schon bestehende Datenmaske (mit Feldern wie: Autor, Titel, Jahr, Schlagwörter) um das Feld Abstract für die erschlossene Literatur erweitert. Die Informationen sind in deutscher und italienischer Sprache abrufbar.
Die Bibliographie soll ferner in das vom Bereich "Minderheiten und regionale Autonomien" geplante "Minderheiten-Dokumentationszentrum" integriert werden.

Bibliographie "Zeitgeschichte Südtirols"
Während der Arbeit entstand außerdem die Idee zu einer kleinen Spezialbibliographie zur Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert: Es handelt sich um einen kurzen bibliographischen Aufsatz, der die wichtigsten Standardwerke zum Thema "Zeitgeschichte Südtirols" vorstellt und so den Einstieg in die Beschäftigung mit der komplexen Materie erleichtert.

Richard Greiner, Praktikant im Bereich "Minderheiten und regionale Autonomien"


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