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Stimme von und für Minderheiten Academia Nr: 22 (März - Juni / marzo - giugno 2000)von Günter Rautz Ein gemeinsames Netzwerk als Chance für die europäische Minderheitenpresse
Eigene Zeitungen sind ein wichtiges Sprachrohr für Minderheiten. Oft scheitert deren Realisierung an finanziellen und technischen Problemen. Ein europaweites Netzwerk für Minderheitentageszeitungen soll Abhilfe schaffen.
Über 40 Millionen Menschen in der Europäischen Union sprechen eine andere als die offizielle Sprache ihres Staates. Zur Förderung dieser Minderheitensprachen gehört unter anderen die ausreichende mediale Versorgung, auch durch Printmedien in der jeweiligen Sprache. So gibt es rund 40 Minderheitentageszeitungen, die aber nicht die mehr als 60 in der EU lebenden Sprachgemeinschaften abdecken. Ned Thomas (Mercator Media) verdeutlicht die Situation in Wales: „Etwa 500.000 Menschen sind walisischsprachig und verfügen über keine eigene Tageszeitung, obwohl die Versorgung mit Radio- und Fernsehprogrammen sehr gut entwickelt ist. Das walisische Zeitungsprojekt Scheitert schon seit längerem an Fragen wie Druck, Vertrieb und laufende Kosten." Von dem geplanten europaweiten Netzwerk für Minderheitentageszeitungen verspricht sich Ned Thomas in erster Linie professionelle Beratung und enge Zusammenarbeit. Zur Realisierung dieser Anliegen wird eine unabhängige Vereinigung von Minderheitentageszeitungen gegründet. Dabei soll das Weiterbestehen von Minderheitenzeitungen und die Schaffung neuer Zeitungen auch durch Austausch von Know-how und gemeinsamen Werbemaßnahmen gesichert werden, um eine bessere Versorgung mit Minderheitenprintmedien zu ermöglichen. Eine Mitversorgung von Minderheiten ohne Tagespresse durch bestehende Minderheitenzeitungen ist ebenso anzustreben, wie die Verwendung neuer Medien (z.B. das Internet, gemeinsame Homepage, Zeitungsarchiv, Links zu den Zeitungen und Minderheitenorganisationen), um schnell und global zu informieren. Die künftige Vereinigung beadsichtigt außerdem, gemeinsames Lobbying für den Minderheitenschutz bei den Brüsseler Institutionen oder gemeinsame Werbemaßnahmen zu tätigen, damit auch der Wirtschaft, dem Fremdenverkehr oder kulturellen und sportlichen Veranstaltungen eine breite Werbeplattform in anderen Minderheitengebieten zur Verfügung steht. Enge Kooperation und Informationsaustausch zwischen den Minderheiten in Europa soll auch das seit Februar laufende Pilot-Projekt einer Minderheitenpresseagentur des Europäischen Büros für Sprachminderheiten (EBLUL) ermöglichen. Ziel dieser Presseagentur ist es, Informationen über Minderheiten europaweit auch der Tagespresse zugänglich zu machen und dadurch wichtige Minderheitenfragen bei nationalen Stellen oder den Europäischen Institutionen zu thematisieren. Dieses Informationsservice - namens EUROLANG - deckt Themen zur Sprachenvielfalt innerhalb der EU und zur Entwicklung der europäischen Regionen ab. Das generelle Ziel von Eurolang ist es, das Interesse von nationalen und regionalen Medien auf Informationen über die Europäische Sprachenvielfalt zu richten. Diese konzentrieren sich auf Fragen zu Minderheiten- und Regionalsprachen, die z. B. auch bei den Europäischen Institutionen diskutiert und über Eurolang verbreitet werden. Die Informationen sind über Internet allen Interessierten zugänglich. Um detailierte Recherchen und Fotos herunterladen zu können, muß man sich jedoch als Benützer eintragen und ist für Medien wie etwa Minderheitentageszeitungen gratis. Die Redaktion in Brüssel arbeitet mit Korrespondenten in ganz Europa zusammen, die für aktuelle authentische Berichte garantieren. Eurolang versorgt somit nicht nur Minderheitenmedien, sondern auch Medien der Mehrheitsbevölkerung mit Berichten zu sprachlichen und kulturellen Minderheiten. Damit soll auch der eklatante Informationsmangel über Minderheiten in Europa abgebaut werden. Auf wissenschaftlicher Ebene beabsichtigt die Vereinigung von Minderheitentageszeitungen, eng mit Forschungsinstituten im Bereich Minderheiten zusammenzuarbeiten. Forschungsprojekte betreffend Minderheiten und Medien in Europa und mögliche künftige Entwicklungen sind für ein Netzwerk von Zeitungen in Minderheitensprachen von großem Interesse, können allerdings von diesem nur initiiert werden. Zum raschen Austausch von Informationen, demographischen Daten und aktuellen Ereignissen zwischen Minderheitenzeitungsredaktionen könnte auch die Europäische Akademie Bozen notwendige Dienste auf rechtlichem Gebiet leisten. Angesichts der Rechtsvereinheitlichung innerhalb der Europäischen Union und der Herausbildung von rechtlichen Mindeststandards im Minderheitenschutz durch die Rahmenkonvention und die Sprachencharta des Europarates wird eine enge Kooperation zwischen den Minderheiten, ihren Medien, NGOs und Forschungsinstituten immer bedeutsamer. Im Rahmen der Forschung und durch den Aufbau einer Datenbank zum Thema Minderheiten und Autonomien leistet der Bereich „Minderheiten und regionale Autonomien" bereits einen wichtigen Beitrag.
GÜNTHER RAUTZ Europäische Akademie Bozen Minderheiten und regionale Autonomien guenther.rautz@eurac.edu
Netzwerk von Minderheitentageszeitungen Vom 4.–5. Mai 2000 findet in Bozen, Palais Widmann die Konferenz „Netzwerk Europäischer Print-Medien. Künftige Kooperation von Minderheitentageszeitungen" statt. Von den rund vierzig an der Veranstaltung teilnehmenden Herausgebern von Minderheitentageszeitungen soll das geplante Netzwerk offiziell gegründet werden. Ziel der Vereinigung ist es, zusätzlich zum raschen Informationsaustausch redaktionelle Kosten - der meist finanziell stark belasteten Minderheitenzeitungen – zu senken, grenzü-berschreitende Zeitungsprojekte zu erleichtern und die Qualität der Berichterstattung zu steigern. Dabei werden auch die aktuelle Versorgung der Minderheiten mit Zeitungen in ihrer Muttersprache und konkrete Maßnahmen für Minderheiten ohne Tagespresse diskutiert. Außerdem werden die Verantwortlichen der Minderheitenpresseagentur (EBLUL) bei der Tagung in Bozen die Möglichkeit erhalten, die Agentur vorzustellen, wie auch die Benützer ihre Erfahrungen mit dieser neugegründeten Agentur darlegen werden. Organisiert wird die Konferenz von der Tageszeitung Dolomiten und der Europäischen Akademie Bozen mit der finanziellen Unterstützung der Europäischen Kommission DG XXII, Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Stadt Bozen, Stiftung Südtiroler Sparkassen und Südtiroler Marketing Gesellschaft. Weitere Informationen bei:
Günther Rautz, Europäische Akademie Bozen, Weggensteinstr. 12/a - 39100 Bozen Tel. +39-0471-306127
guenther.rautz@eurac.edu
Die Medienlandschaft für Minderheiten soll vielfältig werden wie das sprachliche und kulturelle Erbe in Europa Die Presseagentur Eurolang liefert seit Februar Informationen über Minderheiten in Europa (http://eurolang.net)
European Network of Printmedia. Future co-operation of Minority Dailies
At the meeting of daily minority language newspapers to be held in Bozen/Bolzano on May 4th– 5th 2000, editors of newspapers in minority languages will discuss the establishment of an association of minority dailies in Europe. Most minority dailies have economic and technical problems. The exchange of experience between the editors of the various newspapers can help secure the continuous publication of minority dailies as well as solve these financial and technical problems. Direct and closer contact between the minority dailies provides the possibility for an information-exchange, and such a network can also be helpful to minority communities without newspapers, by helping them establish new dailies. The association should also be helpful to journalists of the majority press and political institutions by providing information about minority issues. Given European standards on minority rights, there is an increasing need for co-operation between the proposed network, the EU, and national governments. „Of the more than 60 minorities represented in the EU a proportionally small number of minorities are represented through daily newspapers in their respected languages. For this reason, an increased collaboration between the already existing newspapers is essential in order to foster and promote minority languages and to maintain the cultural diversity of the Europe of today."
(Günther Rautz)
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