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Abschied von den Alpen Academia Nr: 23 (Juli / luglio 2000)KARLHEINZ WÖHLER Mit zunehmender Globalisierung des Tourismus werden Räume wie die Alpen austauschbar. Was künftig zählt, ist die Attraktion touristischer Infrastrukturen.
Ohne einen definierten Raum gibt es keinen Tourismus. Mögen Landschaft, Bauwerke oder die Menschen noch so „einmalig" sein, nur durch Definitionen wie beispielsweise „einmalig", sehenswert oder typisch können sie sich als touristische Attraktionen behaupten. Ein Palazzo bleibt nur ein Bau im Raum; er schafft noch keinen touristischen Raum bzw. „idyllischen Ort", zu dem ein „wundervoller Wanderweg" führt. Der Tourismus ist seit jeher die Maschine der Verwandlung des Raum-Alltäglichen ins Attraktive. Wenn nur die Attraktion zählt und die Attraktion sich den jeweiligen Alltagsmoden anpasst, dann verliert der Raum zusehends an Bedeutung.
Raumgebundener Alpentourismus Was den Alpenraum für Reisende seit seiner „Entdeckung" im 18. Jahrhundert so anziehend macht, ist die sinnliche Teilhabe an einem Zeitraum, der in die (tiefste und höchste) Vergangenheit verweist. Nicht nur die physische Gestalt, Flora und Fauna („Bergwelt"), sondern auch die Lebensweisen („Kulturwelt") präsentieren sich dem Besucher als etwas, das er nicht aus seiner Biographie kennt. Wie es „früher" einmal gewesen ist, wie die Naturgewalten den Raum formten und wie der Mensch diesem archaischen Raum etwas zum Überleben abgewann – all dieses Vergangene erschließt sich mit der Alpenreise (gleiches gilt auch für den Meeres-/Seetourismus). Die touristisch- infrastrukturelle Erschließung der Alpen gestaltete sich so, dass die Touristen immer näher an besonders eindrucksvolle Naturmonumente rückten. Der Alpenraum wurde zugänglicher; die Zeit seiner Entstehung blieb unzugänglich bzw. konnte nur an der gegebenen Raumverfasstheit erkannt und erschlossen werden.
Verlust von Raum und Zeit Das touristische Interesse an den Raumrepräsentationen der Vergangenheit nahm mit dem ersten Skilift ab. Entfernten sich die Touristen schon zuvor durch die pompöse Hotellerie und die gewagten Bahnanlagen von der vorherigen alpinen Lebenswelt, d.h. den vorgefundenen „uralten" Kulturformen (im Sinne von Aneignung und Nutzung des Raumes), so verlor der Alpenraum seine Transzendenz in dem Augenblick, wo er zur Basis der Freizeitgestaltung wurde. Der touristische Aufenthalt dient nicht mehr dazu, sich dem Erhabenen des „ewig" dagewesenen Raumes (und damit der Menschheitsgeschichte) zu nähern. Definierte sich der touristische Alpenraum zuvor durch Bleibendes, Beständiges, Verewigtes und Unveränderliches, so bringt die Instrumentalisierung der Alpen für die moderne Freizeitgestaltung Vergängliches, Vorläufiges, Trendiges und Machbares – kurz Zeitliches. Der touristische Alpenraum definiert sich fortan von der Lebensgeschichte und dem Lebensstil des Besuchers her.
Austauschbarkeit von Räumen Lebensstile, Kundenorientierung, Qualitätsservice, Destinationsmanagement etc. sind die Leitlinien für die Vermarktung der Alpen. Die postmodernen Wünsche und Bedürfnisse, die diesen Leitlinien die Richtung vorgeben, werden dem Alpenraum auferlegt. Seien es „Wedelrodelcarvingreviere", „eine lebendige Bergwelt", „Die Welt des Weines erleben" oder „Open-air-Konzerte in luftiger Höhe. Besser als ein Walkman" – all diese und ähnliche werblichen Auslobungen des Alpenraumes definieren die zu besuchenden Orte und Räume nicht mehr von einer Natur- und Kulturordnung der Vergangenheit her, sondern sie stellen den Alpenraum in eine Linie mit beliebig anderen touristischen Räumen, die gleichfalls eines in den Mittelpunkt rücken: Der touristische Wert liegt nicht im gegebenen Raum, er erschließt sich aus dem „wedelnden", „Wein erlebenden" oder auch dem in der „Berghütte lebenden" Touristen selbst. Das Erlebnis des Selbst und nicht das Erlebnis des Alpenraumes ist die touristische Wertfrage. Nicht mehr, wo man gewesen ist, sondern, was man gemacht bzw. erlebt hat, bestimmt und definiert den modernen Tourismus.
Konstruierte Räume Jeder Prospekt, jede Werbeanzeige, jeder Reisebericht und jede Webseite aus dem Alpenraum belegt, dass auf diese Weise von den Alpen als ein spezifisch verfasster Raum Abschied genommen wird. Wenn „Wedeln", „Mountainbiken", „kulinarische Workshops", gut Essen oder auch Wandern in einer „einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt" das ist, was den Aufenthalt im Alpenraum, gepaart mit Servicequalität und Freundlichkeit ausmacht, dann sagt dies nichts mehr über einen Raum aus: Antreff- und gestaltbar sind diese „touristischen Highlights" überall – die touristischen Räume haben sich homogenisiert. Selbst im Heimatraum ist ein derartiger „Alpentourismus" schon längst eingekehrt. Im Ski-Dome von Bottrop wird es sicherlich auch eine „Südtiroler-Wedelnacht" geben. Und der „kulinarische Workshop" aus dem Trentino wäre bestimmt ein Exportschlager für norddeutsche Volkshoch- schulen. Eines ist allerdings hier (im Heimatraum) und dort (im Alpenraum) unabdingbar: Wenn der Alpenraum nur noch durch Selbstinszenierungen und Erlebnisoptionen attraktiv ist, dann sind kapitalintensive Infrastrukturen notwendig. Weil der Kapitalmarkt in Anspruch genommen werden muß, hängt der Alpentourismus von globalen Investments ab, die sich nun beileibe nicht am spezifischen Raum, sondern an Renditen orientieren. Spätestens damit verabschieden sich die Alpen als „einzigartige Urlaubslandschaft", und sie reihen sich in eine globale Konkurrenz ein.
Überleben des Tourismus Alle touristischen Räume unterliegen diesen postmodernen Touristifikationsprozessen. Insofern ist es schwer, diese zu kritisieren. Eine „angewandte" Kritik mag der umweltverträgliche, alternative Tourismus darstellen. Diese Alternative, die die Berg-, Natur- und Kulturwelt der Alpen nach der Ent-Räumlichung der Alpen durch den Tourismus wieder zurückbringen soll, ist jedoch nicht nur eine postmoderne Musealisierung, sondern schon längst eine Variante dieser Touristifikation. Auch der umweltverträgliche Tourismus löst sich vom gegebenen und gelebten Raum ab; er verändert ebenso den Raum wie ein „Velospace" insofern, als er für (einkommen- starke) Touristen gestaltet wird. Fahrrad- und „Umwelttourismus" sind nicht raum-spezifisch – es sind Zeichen, Texte und Strukturen, die überall heimisch werden können. So oder so – die Alpen verabschieden sich, nicht aber der Tourismus in den Alpen.
KARLHEINZ WÖHLER Prof. für empirische und angewandte Tourismuswissenschaft Universität Lüneburg Schriftleiter des „Tourismus Journal" woehler@mail.rz.uni-lueneburg.deDauer und Start Der Kurs findet modulartig in den vier Destinationen Sölden/Tirol, Garmisch-Parten-kirchen/Bay-ern, St. Moritz/Graubünden und Bozen/Südtirol statt, wobei je zwei Module im Winter und zwei Module im Frühjahr abgehalten werden. Der Lehrgang beginnt Ende November 2000 in Sölden (26.-29. November), es folgt Garmisch-Partenkirchen im Januar 2001 (25.-27. Januar), St. Mo-ritz im April (26.-28. April) und Bozen vom 30. Mai bis 1. Juni 2001. Ein Modul dauert 3 Tage.
TeilnehmerInnen Der Lehrgang richtet sich an Verantwortliche und Führungskräfte im Tourismusbereich.
Info Alpenforschungsinstitut, Kreuzeckbahnstr. 19 D-82467 Garmisch-Partenkirchen Tel. +49-8821-183303 - Fax +49-8821-183310
e-mail:rosenloecher@alpenforschung.de
Anmeldeschluss 30. September 2000
Addio al turismo alpino?
Senza parole che lo definiscano, uno spazio non può diventare una meta turistica. Anche il paesaggio più bello può affermarsi come attrazione turistica solo se accompagnato da aggettivi come 'unico', 'da vedere', 'tipico'. Lo stesso vale per le opere architettoniche e per la gente di un posto. Un palazzo, ad esempio, non è di per sé un 'luogo idilliaco', raggiungibile da uno 'stupendo sentiero panoramico', ma lo diventa grazie all'industria turistica, la macchina che trasforma lo spazio quotidiano in attrazione. E quando a contare è solo l'attrazione e questa si adegua alle mode del momento, allora lo spazio specifico diventa sempre meno importante. Questo è un discorso che vale anche per le Alpi. Oggi, il turismo 'escursionistico' ed 'ecologico' non è più legato a uno spazio fisico particolare – si tratta ormai piuttosto di costrutti simbolici, di realtà testuali e strutturali che possono trovare casa ovunque. Il turista moderno non viaggia più per conoscere le peculiarità paesaggistiche e storico- culturali di un luogo. Ciò che conta veramente sono le infrastrutture apposte allo spazio, che permettono al turista di avventurarsi in se stesso, di scoprirsi. Questo processo di 'turistificazione' è in atto anche nelle zone alpine. Ciò significa che le Alpi stanno diventando sempre meno rilevanti, mentre assumono una importanza centrale le costose infrastrutture di divertimento, svago e avventura.
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