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Konfliktmanagement für Krisenbeauftragte Academia Nr: 23 (Juli / luglio 2000)EMMA LANTSCHNER Mitarbeiter internationaler Organisationen, die in Krisengebieten unterwegs sind, sind häufig menschlich als auch fachlich überfordert. An der Europäischen Akademie haben Experten über eine ganz spezielle Schulung von Krisenbeauftragten nachgedacht.
„Was hätte ich gerne gewusst, bevor ich meine Mission antrat und was würde ich meinem Nachfolger mit auf den Weg geben?" Jorge Torres, stellvertretender Leiter der politischen Abteilung der ECMM (European Community Monitor Mission) in Sarajevo und Teilnehmer am Sondierungstreffen in Bozen, bringt das Thema mit einer einfachen Frage auf den Punkt. Internationale Organisationen wie EU, UNO und OSZE sind häufig in das Schlichten und Vermitteln ethnischer und religiöser Konflikte verwickelt. Mitarbeiter solcher Organisationen, die direkt am Krisenherd tätig sind, erhalten oft nur eine kurze Einweisung in die Mission. Diese Ausbildung von nur wenigen Tagen ist meist technisch und praxisorientiert (z.B. Minenschutz, Landrover-Fahren, Bedienung von Funkgeräten) und vermittelt wenig Informationen über die Hintergründe des jeweiligen Konflikts. Prof. Joseph Marko, selbst einer der inter-nationalen Richter und Vizepräsident des Verfassungsgerichtshofes in Sarajewo, und Jens Woelk, Wissenschaftler an der Europäischen Akademie, hatten die Idee zu einem Grundkurs für die Vorbereitung auf Einsätze in Konfliktgebieten. Südtirol, so Jens Woelk, sei der ideale Austragungsort für derartige Schulungen. Hier können zukünftige Beobachter ein Beispiel gelungener Konfliktlösung mit eigenen Augen sehen. Im letzten März fanden sich Experten und Praktiker zusammen, um über Sinn, Möglichkeit und Machbarkeit einer solchen Konfliktschulung an der Europäischen Akademie Bozen zu diskutieren. Die Experten waren sich darin einig, dass es sehr wohl von praktischem Nutzen ist, über theoretische Grundkenntnisse bezüglich der Entstehung eines Konfliktes, der unterschiedlichen Konzeptionen von Demokratie, der Menschenrechte und der Autonomie zu verfügen. Bei der Arbeit mit den vielen Nichtregierungsorganisationen im Einsatzland ist es außerdem wichtig, einen Überblick über deren Aufbau, ideologischen Hintergrund und Zielvorstellungen zu haben. Besonders hervorgehoben wurde auch die Bedeutung der Kommunikation: ein Kopfnicken fasst der eine als Bejahung auf, der andere als Verneinung; wenn jemand drei Finger zeigt, will er vielleicht drei Bier bestellen, sein gegenüber fühlt sich beleidigt. Auch Stressmanagement ist ein Faktor, der nicht außer acht gelassen werden darf: Ist man auf längere Zeit den extremen Verhältnissen in Krisenregionen ausgesetzt, ist die psychologische Belastung nicht zu unterschätzen. All diese Hintergrundinformationen sollen den Krisenbeauftragten dabei helfen, die Situationen, in denen sie sich wiederfinden, besser zu verstehen und ihre Ziele effektiver verfolgen zu können. Als potentielle Zielgruppen wurden neben der OSZE und der UNO auch Organisationen vor Ort und Botschaften ins Auge gefasst. Die Bedürfnisse dieser Organisationen sind sehr unterschiedlich. Deswegen soll neben einem allgemeinen Modul in einem zweiten Teil auf die spezifischen Bedürfnisse der Organisation einerseits und die Anforderungen des jeweiligen Krisenherdes andererseits eingegangen werden. Das Projekt „Hintergrundwissen über Konfliktmanagement" steckt noch in den Kinderschuhen, doch sind sich alle Gesprächspartner der Bozner Runde einig: „Wir kommen um eine professionelle Schulung der Krisenbeauftragten nicht umhin", so Jens Woelk. „Ohne eine möglichst breitgefächerte Vorbereitung der Mitarbeiter sind die Friedensmissionen schon vor Beginn zum Scheitern verurteilt. Entscheidend wird nun sein für die jeweilige Mission und die jeweiligen Krisenbeauftragten die maßgeschneiderte Ausbildung auszuarbeiten; eine interessante und aufregende Herausforderung für die Europäische Akademie, womit sie einen Beitrag zur internationalen Friedenssicherung leisten könnte.
EMMA LANTSCHNER Europäische Akademie Bozen Minderheiten und regionale Autonomien emma.lantschner@eurac.edu Oft mangelt es an Kommunikation „Was mich an meiner Arbeit frustriert? - Die unzureichende Ausbildung und Vorbereitung auf unsere Einsätze und die fehlende Rückendeckung der internationalen Organisationen, für die wir arbeiten," platzt es aus Nina Luzzatto Gardner heraus. Die italo-amerikanische Juristin und ehemalige UN-Berichterstatterin für Menschenrechte und OSZE Beauftragte in unterschiedlichen Krisenherden auf dem Balkan weiß, wovon sie spricht. Vom UN-Verbindungsbüro in Zagreb aus hat sie von '96 bis '98 dem UN-Hauptsitz in New York über Menschenrechtsverletzungen von Seiten der kroatischen Regierung gegenüber der serbischen Minderheit Bericht erstattet. Neben den vielen bürokratischen Hürden, die es zu überwinden galt, und den menschlichen Grenzen, an die Luzzatto Gardner damals gestoßen ist, gab es auch einige grundsätzliche Kommunikationsprobleme innerhalb der UN. „Die USA sehen sich als Schmelztiegel der Nationen. Sprach-, Kultur- oder sonstige Minderheiten haben sich in den USA einfach an amerikanische Standards anzupassen, sie werden assimiliert. Die Amerikaner haben kein Verständnis für die Unterstützung von Minderheitenbestrebungen. Warum sollen wir für Serben, die in Kroatien leben und sich nicht der kroatischen Gesetzgebung unterordnen wollen, Geld locker machen?, wurde ich häufig gefragt. Um langfristig den Frieden zu sichern und nicht in wenigen Jahren wieder vor den gleichen Problemen zu stehen, war meine Antwort. Die Amerikaner sind schnell im Geld bereitstellen für humanitäre Hilfeleistung. Die Notwendigkeit langfristig in den Demokratieaufbau zu investieren, sehen sie nicht. Für mich ist die richtige Vorbereitung auf den Einsatz in einem Krisengebiet auch ausschlaggebend für das Gelingen oder Scheitern desselben. US-amerikanische Krisenbeauftragte wissen oft nicht, was in multikulturellen, multiethnischen Gebieten auf sie zukommt."
5 Morde in Tadschikistan Felix Gautsch hat bei seinen Einsätzen schon einiges erlebt. Der Gendarmeriehauptmann des Bezirks Tamsweg/ Salzburg war ein Jahr in der Westsahara im UN-Einsatz und leitete eine Fact Finding Mission in Albanien im Dienste der WEU. Sein bislang letztes Einsatzgebiet war Tadschikistan. Im Auftrag der Vereinten Nationen sollte er die dortige Regierung in Polizeiangelegenheiten beraten – der Auftrag erging aber ohne vorher das Einverständnis der Regierung einzuholen. Nach monatelangen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf ein neues Tätigkeitsfeld: die Ausbildung der Rekruten. Die Einsätze in Krisengebieten sind alles andere als ungefährlich. Diese Erfahrung hat auch Felix Gautsch gemacht. Vier seiner Kollegen wurden aus dem Hinterhalt überfallen und umgebracht. Die Tat war politisch motiviert. Bei einem weiteren Kollegen wurde ein Selbstmord vorgetäuscht. „Doch es war offensichtlich, dass es sich auch in diesem Fall um einen Mord handelte", erzählt Felix Gautsch. Eine umfassende Vorbereitung beeinflusst weitgehend das Gelingen einer Mission. Ein Einführungskurs, der Hintergrundwissen über beispielsweise die Entstehung eines Konfliktes oder die unterschiedlichen Konzeptionen von Demokratie, vermitteln soll, könnte einen Grundstock dafür darstellen.
Gardner, ehemalige UN-Berichterstatterin für Menschenrechte
Gautsch, ehemaliger WEU-Missionsleiter in Albanien
From mine deactivation to background information Of course it is important for field officers embarking on missions in conflict zones to know how to deactivate a mine, how to use the radio and communication equipment and how to for instance, drive the vehicles used in those areas. And while it is currently these factors which form the basis of most of the training given by international organisations to their field officers, there is a great deal of important information which is left out. In the hopes of satisfying these needs and providing a background course which would be useful to all those embarking on peace keeping missions, the European Academy held a workshop at the beginning of March, attended by experts in the field of conflict management and members of various international organisations and think tanks. The response was enthusiastic and the feedback positive; the need for a more theoretical and substantive ground course on conflict management was not only acknowledged, but affirmed, and a tentative structure and list of topics to be addressed was compiled.
Dalla disattivazione delle mine alle informazioni di base Sicuramente è importante per gli inviati in zone di conflitto saper disattivare mine, usare la radio e diversi altri mezzi di comunicazione e guidare un veicolo. Una preparazione di tipo tradizionale è costituita in genere da informazioni di questo tipo, mentre altre informazioni molto importanti vengono spesso dimenticate. Sperando di poter contribuire a colmare queste lacune, per mezzo di un corso di formazione base, l'Accademia Europea ha organizzato un workshop nei primi giorni di marzo, al quale hanno partecipato esperti nel campo del conflict management e membri di diverse organizzazioni internazionali. Il bisogno di un corso di base teorico è stato confermato, e si sta gia procedendo alla sua elaborazione. L'organizzazione di un corso del genere non è sicuramente un'impresa facile, però rappresenta sicuramente una sfida interessante per l'Accademia Europea, in quanto tale corso potrebbe avere un'influenza considerevole sull'intero processo di pace internazionale.
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