|
Academia 23
Home |
Press |
Academia |
23 |
art_2
Verwaltung auf e-Wegen Academia Nr: 23 (Juli / luglio 2000) Francis A. McDonough, Mitverantwortlicher für die „elektronische Regierung" in den Vereinigten Staaten, über unbegründete Ängste vor den neuen Kommunikationstechnologien.
Academia: Die elektronische Verwaltung macht es möglich. In naher Zukunft schon werden Dienstleistungen wie das Ausstellen von Dokumenten oder das Einzahlen von Gebühren über das Internet erfolgen. Schneller und billiger soll's sein. Dennoch, viele Bürger sind skeptisch. Warum? McDonough:Das Thema vernetzte Gesellschaft schürt v.a. bei der älteren Generation große Berührungsängste. Während bei den Jugendlichen der „Griff zur Maus" zum Alltag gehört, ist vielen Erwachsenen der Umgang mit Internet und E-Mail immer noch suspekt. Wenn die öffentliche Verwaltung künftig ihre Dienstleistungen im Internet anbieten wird, dann muss es auch Aufgabe der öffentlichen Verwaltung sein, den Bürgern dies so leicht wie möglich zu machen.
A:Wie kann die öffentliche Verwaltung dem Bürger Computer & Co. Schmackhaft machen? McD:Da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Zum einen sollte die Verwaltung kostenlos öffentlich zugängliche Computer mit Internetanschluss zur Verfügung stellen so z.B. in Bibliothek, Museum, Behörde usw. Zum anderen muss die Verwaltung Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen treffen, welche den Bürgern ihre Berührungsängste mit den neuen Techniken nehmen. Erst kürzlich war ich in Taiwan. In einem Vorort von Taipeh hat die örtliche Verwaltung am Bahnhofsgelände einen Computerraum mit fünfzig PCs eingerichtet. Jeder Computer hat Internetanschluss und kann zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenlos benutzt werden. Universitätsstudenten warten die Computer und stehen den Nutzern für eventuelle Fragen zur Verfügung. Das nenne ich Service am Bürger.
A:Wie steht es um die Kostenfrage? Was ist, wenn sich nicht alle Bürger einen Computer mit Internetanschluss leisten können? McD:Wie gesagt, ein kostenloser Zugang zum Internet in öffentlichen Gebäuden ist Voraussetzung. Dennoch, das Finanzielle fällt weit weniger ins Gewicht. Dank moderner Technik läuft in einigen US-amerikanischen Haushalten bereits heute der Internetanschluss über den herkömmlichen Fernseher. Und das zu einem Minimalpreis von gerade mal 200 US $. Soviel kostet z.B. die ICTV- Box, welche am Fernseher angeschlossen mit einer kleinen Tastatur schnelleren und einfacheren Zugang zum Internet bietet als der Computer.
A:Wenn der direkte Kontakt zwischen Bürger und Beamten mit zunehmender Vernetzung verloren geht, leidet auf lange Sicht nicht auch die zwischenmenschliche Beziehung darunter? McD:Da haben Sie nicht ganz Unrecht. Ohne direkten Kontakt mit dem Bürger verliert die beste elektronische Verwaltung allmählich an Glaubwürdigkeit. Die richtige Mischung wird ausschlaggebend sein. Wenn ich mir einen Geburtsschein ausstellen lassen will, muss ich nicht unbedingt mit der Schalterbeamtin übers Wetter reden. Wenn ich Finanzbeihilfe beantrage möchte, kann es hilfreich sein, wenn mich der Verwaltungsangestellte über meine ganz persönlichen Möglichkeiten in Kenntnis setzt.
A:Woran misst man die Zufriedenheit der Bürger? McD:In Großbritannien, wo die Bürgervernetzung schon weiter fortgeschritten ist als in anderen Ländern, wird in regelmäßigen Abständen eine Umfrage bei 50.000 vernetzten Bürgern gemacht, ob Sie mit den Dienstleistungen zufrieden sind. Im Bundesstaat Victoria, in Australien kann man schon seit längerem mit der öffentlichen Verwaltung „interaktiv" kommunizieren. D.h. der Bürger kann dem Internet nicht nur Informationen entnehmen, er kann auch Bußgelder fürs Falschparken einzahlen, Dokumente für eine Heirat übers Netz beziehen usw. Australien ist uns nicht nur was die Vernetzung betrifft, sondern auch was Probleme und Fehlerquoten aufgrund der Vernetzung angeht, voraus. Allen öffentlichen Verwaltungen die vermehrt über WWW kommunizieren sei ans Herz gelegt, mit den Verantwortlichen in Australien Kontakt aufzunehmen. Aus deren Erfahrungswerten lernt sich schneller!
A:Stichwort Fehler. Wie steht es um das Sicherheitsproblem einer vernetzten Verwaltung? Was, wenn Sie durch Viren lahm-gelegt wird? McD:Das ist natürlich nicht auszuschließen. Aber ein solches Virus würde auch die herkömmliche Verwaltung lahm legen, die ja größtenteils mit Computern arbeitet. Was das Sicherheitsproblem betrifft: Computerkriminalität ist nicht auszuschließen. An der Sicherheit von interaktiven Dienstleistungen muss natürlich fortwährend gearbeitet werden. Weiters müssen die Gesetze für illegale Online-Aktivitäten verschärft werden.
Das Interview führte Sigrid Hechensteiner
„Ziel der US- Regierung ist es, innerhalb 2001 in jedem Klassenzimmer mindestens einen Computer stehen zu haben." Francis A. McDonough, Leiter des Office of Intergovernmental Solutions in the General Services Administration in Washington, im Interview. Der amerikanische Experte für vernetzte Verwaltung hielt Mitte Mai ein Seminar zu diesem Thema an der Europäischen Akademie. Mitorganisator der Veranstaltung war das US-amerikanische Konsulat in Mailand.
|
|