|
Academia 23
Home |
Press |
Academia |
23 |
art_21
Die Klimaanlage, die mit der Sonne kühlt… Academia Nr: 23 (Juli / luglio 2000)HEIDI NIEDERMAIR Der neue Sitz der Akademie soll nicht nur durch die Ästhetik überzeugen, sondern vor allem durch das innovative Energiekonzept. Der Klimaanlage als Energiefresser Nr. 1 wird durch den Einsatz einer Absorptionskältemaschine der Kampf angesagt. Mit Hilfe der Sonne wird das Gebäude auf angenehme Raumtemperaturen während der Sommermonate gebracht und für „kühle" Köpfe sorgen.
„472m2 Vakuum-Röhren-Solarkollektoren werden auf das Dach montiert. Damit sollen die insgesamt 80 Büros, fünf Seminarräume und die Cafeteria gekühlt werden. Auch wenn die Quecksilbersäule die 35-Grad-Marke anzeigt, so sollen die Büros maximal 23 Grad erreichen. Die Klimaanlage, die als Dopingmittel für den Stromzähler gilt, ist somit Schachmatt gesetzt" so Klaus Kada, verantwortlicher Architekt des neuen Akademie Gebäudes. Klaus Kada hat sich auf diesem Gebiet einen Namen gemacht und bürgt nicht nur für ein optimale und ressourcenschonende Energienutzung, sondern auch für die ästhetische Verbindung des neuen und alten Gebäudes. Von ihm stammen auch das neue Krankenhausgebäude in Hartberg bei Graz sowie das Festspielhaus St. Pölten. Im Sommer 2001 beginnt für das Akademiegebäude die Probe aufs Exempel; dann werden die Mitarbeitern der Akademie das Gebäude einweihen und „testen".
Sonnenstrahlen zur Abkühlung benützten Die Sonnenstrahlen werden meist nur für die Erwärmung des Schwimmbades oder für den Warmwasserbedarf im Haushalt benützt. Einige wenige bedienen sich der Sonne, um das Einfamilienhaus im Winter auf eine angenehme Temperatur von 21 Grad zu heizen. Paradox eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Sonne im Winter, wenn sie dringend gebraucht wird, recht spärlich scheint, und im Sommer, wenn im Überschuss vorhanden, keine Abnehmer findet. Warum also nicht die Sonnenstrahlen nutzen, um sich Abkühlung zu verschaffen?
Absorptionskältemaschinen machen es möglich Sie beziehen ihre Antriebsenergie, im Gegensatz zu den weitverbreiteten Kompressionskältemaschinen, nicht aus dem Strom, sondern aus der Wärme. Und Wärme kann mit Sonnenkollektoren erzeugt werden. Je intensiver die Sonne scheint, desto heißer werden die Kollektoren am Dach erwärmt und desto mehr Energie steht für die Klimaanlage gratis zur Verfügung. Endlich eine Anwendung der Sonnenenergie, bei der Angebot und Nachfrage übereinstimmen!
Wie funktioniert die solare Klimaanlage? Um auf das von der Absorptionskältemaschine benötigte Temperaturniveau von 80-90°C zu kommen, werden Vakuumröhrenkollektoren eingesetzt, die durch die verbesserte Isolation zum einen grundsätzlich höhere Temperaturen erreichen, zum anderen auch bei niedrigeren Außentemperaturen noch akzeptable Leistung erbringen. Für Bürogebäude in Mitteleuropa liegen die benötigten Kollektorflächen normalerweise im Bereich von 0.3m2 Kollektor pro m2 Raumfläche, oder anders ausgedrückt: für die 8.000m2 Bürofläche bräuchte man 2400m2 Dachfläche. Die Dachfläche des neuen Gebäudes der Europäischen Akademie reicht jedoch nicht aus, um das Gebäude mit Vakuumröhren zu kühlen. Zusätzlich wird ein sogenanntes Blockheizkraftwerk benötigt. Diese Anlage produziert Strom und Wärme. Der Strom wird in das elektrische Netzwerk gespeist und die Wärme im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen benutzt. Diese gekoppelte Erzeugung von Strom, Wärme und Kälte lohnt sich überall dort, wo diese relativ ausgeglichen und konstant, zeitgleich und in räumlicher Nähe benötigt werden: größere Bürokomplexe, Krankenhäuser, Siedlungen, Gewerbegebiete u.ä.
HEIDI NIEDERMAIR Europäische Akademie Bozen Wissenschaftskommunikation heidi.niedermair@eurac.edu
|
|