Diese Sammlung von Daten ist umso wertvoller, je mehr Personen sich daran beteiligen und je unterschiedlicher ihre Perspektiven sind. Die Natur hat uns zwar mit Augen und Ohren ausgestattet, aber dennoch können wir nicht alles hören und sehen, was sich während einer Unterrichtseinheit im Klassenzimmer abspielt. Unsere Aufnahmefähigkeit ist auch nicht unbegrenzt. Außerdem funktioniert unser Gehirn wie ein Raster, das Informationen filtert und nach gewissen Mustern ablegt, weshalb Beobachtungen von SchülerInnen/StudentInnen kaum mit denen ihrer LehrerInnen übereinstimmen werden. Um objektive und aussagekräftige Erkenntnisse ableiten zu können, sollte die Datenbank also von der Lehrperson, von den SchülerInnnen/Student-Innen und von einem oder mehreren außenstehenden BeobachterInnen erstellt werden. Die gesammelten Daten können somit ständig diachronisch und synchronisch verglichen werden.
...um auf sie einwirken zu können.Das in der Beobachtungsphase entstandene Archiv ist die Grundlage für die nachfolgende Reflexionsphase. Alle gesammelten Daten werden verglichen, besprochen und ausgewertet. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse folgt die Planung neuer Aktionen (z.B. Unterrichtseinheiten, Ausflüge, Projekte), die nach deren Umsetzung wiederum anhand einer entsprechenden Datensammlung untersucht und ausgewertet werden.
Im Falle der Marcelline hat sich der Klassenrat beispielsweise überlegt, wie der Unterricht interdisziplinär gestaltet werden könnte. Eine Analyse der tatsächlichen Situation ergab, dass eine zentrale Thematik, wie etwa die Vorgeschichte, zeitgleich in verschiedenen Fächern erarbeitet werden sollte. Zum Thema „Vom Nomadendasein zur Sesshaftigkeit; von Jägern und Sammlern zu Ackerbau und Viehzucht" wurden in Religion der Mutter Erde-Kult und der Glaube an Naturgötter durchgenommen, in Werkarbeit prähistorische Gefäße nachgebildet, in Literatur mythologische Texte gelesen und in Naturkunde verschiedene Samen nicht nur erklärt sondern auch gesät. Die Beobachtung und Reflexion dieser Aktion führte zu einer neuen Fragestellung, und zwar, wie der Spracherwerb innerhalb dieser fächerübergreifenden Struktur zu verbessern sei.
Die Suche nach Antwort wirft hundert neue Fragen aufEin Zyklus der Aktionsforschung besteht aus Reflexions-, Planungs-, Aktions- und Beobachtungsphasen. Jede gewonnene Erkenntnis wirft neue Fragen auf, was dazu führt, dass Aktionsforschungszyklen niemals vollständig abgeschlossen sind. Deshalb wird aus der Abfolge analoger Zyklen eine Art Forschungsspirale. Die Erkenntnisse, die aus der Aktionsforschung gewonnen werden, entspringen ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld. Sie erwachsen aus spezifischen Bedürfnissen, da jede Unterrichtssituation einzigartig und unwiederholbar ist. Und dennoch lässt sich eine Theorie entwickeln, die auf verallgemeinerbaren Grundsätzen basiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann. Datensammlungen, beispielsweise, geben nur Aufschluss über eine spezifische Situation, dienen jedoch als Grundlage für die Erarbeitung neuer Projekte. In der Aktionsforschung werden alle Aspekte einer bestimmten Situation ausgeleuchtet. Folglich sind Lehrpersonen sowohl Subjekt, bzw. die Ausführenden, als auch Objekt ihrer eigenen Untersuchungen. Lehrpersonen betreiben also aktiv Forschung.
Und so wird Lehre zur Wissenschaft...Die ständige Selbstbeobachtung unter Beachtung forschungsspezifischer Prinzipien führt letztlich dazu, dass Lehrpersonen bei Ausübung ihres Berufes zur eigenen Fortbildung beitragen: Sie analysieren ihre eigenen Handlungen, lernen von den gesammelten Erkenntnissen und reflektieren ihre Unterrichtsmethode(n).
LehrerInnen/ForscherInnen tragen auch wesentlich zur Steigerung des Berufsprofils bei. Durch die Aufwertung steigt das Ansehen, was wiederum mit einer Steigerung des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls einhergeht. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen, mit BeobachterInnen und SchülerInnen/StudentInnen fördert auch die Solidarität zwischen den verschiedenen Gruppen sowie das Verantwortungsgefühl, die Autonomie und die Emanzipation der Eizelnen. Wichtig ist aber vor allem, wie Alessandra Peja von der Mittelschule „Marcelline" feststellt, dass SchülerInnen/StudentInnen Spaß am Lernen und Interesse an neuen Inhalten haben.
ELISABETH RAMOSER
Europäische Akademie Bozen
Sprache und Recht
elisabeth.ramoser@eurac.eduArbeitsheft „Fachsprachen und Didaktik"Im März 2000 organisierte der Bereich „Sprache und Recht" ein Seminar zu diesem Thema. Professor Martin Dodman, international anerkannter Experte im Bereich Aktionsforschung mit Schwerpunkt Linguistik und Sprachlehre, hielt im Rahmen der Veranstaltung einen Gastvortrag zum Thema „Reflexionspraxis und Aktionsforschung in der Sprachlehre".
Sein Referat erscheint gemeinsam mit weiteren Seminarbeiträgen im Oktober als Tagungsband der Europäischen Akademie Bozen.
Quaderno: "I linguaggi specialistici e la loro didattica"
Nel marzo 2000 ha avuto luogo il seminario d aggiornamento organizzato dall'area scientifica "Lingua e diritto".
L'articolo qui presentato è nato in seguito alla relazione di Martin Dodman dal tema "Prassi riflessiva e ricerca-azione nell'insegnamento linguistico". Nella relazione, il docente ha presentato riflessioni sulla prassi didattica degli insegnanti, sottolineando gli aspetti positivi della ricerca-azione, che permette una grande flessibilità e adattabilità ai percorsi formativi individuali di studenti e insegnanti.
In ottobre usciranno gli atti del convegno pubblicati all'interno della collana scientifica i "quaderni dell'Accademia Europea di Bolzano".
Fachsprachen und DidaktikI linguaggi specialistici e la loro didattica hrsg. von/a cura di Stefania Cavagnoli/Anny Schweigkofler Europäische Akademie Bozen
Accademia Europea di Bolzano 160 S./p.
ISSN 1125-3827
Arbeitsheft Nr./Quaderno N° 26 Lit. 20.000.-Für Bestellugen/Per ordinare Tel. 0471 306074
www.eurac.edu/quad.asp