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 Academia 24 
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Am Anfang war nicht das Wort ...
Academia Nr: 24 (September / settembre  2000)

ANNY SCHWEIGKOFLER, IRENE GIROTTO
Seit zwei Jahren wird an drei italienischen Kindergärten Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Die Kinder sollen nicht nur Wörter lernen, sie sollen spielerisch ein Gefühl für die Zweitsprache entwickeln.

„Wie viele Wörter kann mein Kind auf Deutsch, wenn es ein Jahr lang die Sprache lernt? 5, 10 oder 30?" Eine Frage, auf die ZweitsprachlehrerInnen oder –erzieherInnen keine Antwort zu geben wissen. Auf Fragen wie: Wie arbeitet ihr Zweitsprachenlehrer? ,ließen sich viele Antworten geben. Die Arbeitsweise ist dann auch ausschlaggebend für den Lernerfolg der Kinder. Dieses Dilemma spiegelt einerseits die Kommunizierbarkeit von Arbeitsmethoden, andererseits aber auch ein tief sitzendes Vorurteil wider, nämlich jenes, dass sich Sprache vom Wort über den Satz zum Text aufbaut. Beobachtet man das Sprachlernen (nicht nur bei Kindern!) mit der „nötigen" Distanz, wird man sehr bald erkennen, dass am Beginn eine Situation steht. Als Erwachsener lerne ich z.B. anfangs meist die Situation des „sich einander vorstellen" kennen. Die Formulierungen „ich heiße…, ich komme aus…, ich arbeite…" werden gelehrt, indem man sie in eine das Verstehen fördernde Situation z.B. ein Rollenspiel einbettet. Eine Sprache zu unterrichten bedeutet dem gemäß, solche Situationen aufzubauen. Hat man sich erst einmal darauf geeinigt, welche Themen und Situationen für die Zielgruppe interessant sein könnten und auf welchen Schwerpunkt Bezug genommen wird, dann ist es auch nicht mehr weit zur Frage: Was will ich damit erreichen?

Fremdsprachenunterricht arbeitet mit interkulturellen Handlungen
Zweitsprach- und FremdsprachenlehrerInnen gehen in ihrer Planung zunächst von größeren Zeiteinheiten (Jahr) aus und überlegen, wie sich kleinere Momente einfügen lassen. Das ist sehr wichtig, wenn man nicht nach jeder kurzen Arbeitssequenz wieder bei Null anfangen will. ZweitsprachenlehrerInnen gehen davon aus, das Sprache in erster Linie Kommunikation bedeutet. Kommunikation wird an sogenannten Sprechhandlungen innerhalb eines Themas festgemacht: begrüßen, verabschieden, verneinen, Wünsche äußeren, Schmerz mitteilen usw. Je nachdem welches Thema oder welche Situation gewählt wird, stehen bestimmte Sprechhandlungen im Vordergrund. Beim Erfahrungsbereich „Körper und Bewegung" könnten Sprechhandlungen für die Arbeit mit Kindern folgendermaßen lauten: nach dem Befinden fragen (oder) und antworten, Schmerz mitteilen, das eigene Vorhaben/Tun äußern.
Im Rahmen dieser Sprechhandlungen wird auf bestimmte Redemittel Wert gelegt: beispielsweise „Wie geht es dir?" „Schlecht" „Ich habe Bauchweh!" „Ich möchte schlafen". Eingebettet sind diese Sprechhandlungen und die entsprechenden Redemittel in ein didaktisches Verfahren, das Rollenspiele, Lieder, Fingerpuppentheater, Bilderbücher usw. vorsehen kann. Erleben Kinder eine Sprache auf diese Weise mit einem für sie spannenden Thema, wollen sie mitmachen und deshalb verstehen. Die Strategien, die sie dabei entwickeln, schaffen die Basis für „verstehendes Handeln", das spiralförmig eine zweite Sprache aufbaut. Das kann die Imitation von Lauten genauso beinhalten wie das Nachsprechen von Wörtern oder die kreative Produktion von sogenannter Mischsprache (code mixing).
Zu Beginn ist jede nicht bekannte Aussage in einer anderen Sprache
– für Erwachsene wie für Kinder
-.ein einziges langes Wort.
- Erst mit zunehmender Sprachkompetenz begreifen Lerner, aus welchen Teilen, sich Sprache zusammensetzt. Die Funktion von Sprache in verschiedenen Situationen begreifen sie jedoch sehr schnell. Und diese Funktion ist der Ausgangspunkt beim Lernen und Lehren.

ANNY SCHWEIGKOFLER
Europäische Akademie Bozen
anny.schweigkofler@eurac.edu

IRENE GIROTTO
Italienisches Schulamt-Dokumentationszentrum
„Der Bär ist krank…" Kinder lernen Sprache durch Handlung.


Studiare parole non è imparare una lingua

"Allora: quante parole tedesche hai imparato oggi a scuola?" Se alcuni genitori credono ancora che imparare una lingua straniera significhi imparare parole nuove, gli insegnanti sanno da tempo che le cose stanno diversamente. All'inizio non vi può essere il verbo, bensì una situazione comunicativa che i bambini possano comprendere e nella quale vien loro chiesto di immergersi attivamente. Le strategie impiegate sono diverse: la lingua straniera viene presentata come una cosa da scoprire attraverso gioco e sperimentazione; le attività proposte dagli insegnanti consentono al bambino di vivere un'esperienza linguistica globale, in cui corpo, mente e cuore concorrono per comprendere la cultura straniera e imparare a comunicare al suo interno.


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