Fünf Jahre lang wurden die Bergwiesen auf den Waltner Mähdern im Passeiertal im Rahmen des Projekts INTEGRALP untersucht, analysiert und beprobt. Und wozu das alles? Um zu beurteilen, was passiert, wenn Mähwiesen zu Weiden werden oder Weiden langsam wieder zu Wäldern. Die Waltner Mähder, eine idyllische Almlandschaft oberhalb des kleinen Bergdorfes Walten in der Gemeinde St. Leonhard in Passeier, ist typisch für die Kulturlandschaft in Südtirol. Die steilen Hänge wurden schon seit eh her für die Gewinnung von Bergheu und als Sommerweide für das Vieh genutzt. Heute sind diese Nutzungsformen jedoch in Folge ihrer geringen Rentabilität stark gefährdet. Bei Bergmähdern ist es für die Bauern am naheliegendsten günstiger gelegene, d.h. häufig gering geneigte und gut erschlossene Flächen, zu intensivieren und Grenzertragsflächen zu extensivieren, in Weideflächen umzuwandeln oder aufzulassen. Und genau das ist auch auf den Waltner Mähdern passiert.
Die Folgen solcher Bewirtschaftungsänderungen sind sehr vielschichtig und häufig erst bei genauerer Betrachtung erkennbar. Daher wurden an die 70 unterschiedliche Fragestellungen im Projektgebiet wissenschaftlich untersucht. Herausgekommen ist dabei – kurz zusammengefasst und vereinfacht folgendes:
Wenn sporadisch gemäht wirdDurch die extensive Mahdnutzung wird die Vielfalt der Pflanzen gefördert. Auf solchen Mähwiesen trifft man auch auf seltene, streng geschützte Arten. Durch die Artenvielfalt wird das Heu zudem schmackhafter und medizinisch wirksamer. Der größere organische Anteil im Boden verbessert dessen Struktur und damit seine Kraft, Wasser aufzunehmen und „zurückzuhalten". Es fließt weniger Wasser an der Oberfläche ab und entsprechend weniger Erde wird weggeschwemmt. Besonders wichtig: Die hohe Durchwurzelungsdichte „hält" den Boden und verhindert so das Losbrechen von Bodenrutschungen, sogenannte Blaiken.
Wenn gedüngt und regelmäßig gemäht wirdDie mäßige Düngung bei einer Intensivierung der Mahdnutzung erhöht die Nährstoffe im Boden und damit den landwirtschaftlichen Ertrag und die Qualität des Futters. Zudem verhindert sie, dass der Boden versauert. Auf den durch die alljährliche Mahd kurzen Grasstoppeln gleitet der Schnee weniger als auf plattgedrückten Langgrasteppichen, das Lawinenrisiko sinkt. Allerdings verschwinden viele Arten und es verringert sich die Dichte der Durchwurzelung. Zudem wird durch den notwendigen Bau von Erschließungswegen an vielen Stellen die vorher geschlossene Bodendecke angebrochen, der Oberflächenabfluss erhöht und damit auch der Abtrag der Oberflächen verstärkt.
Wenn Vieh weidetIn Punkto Vielfalt der Landschaft und der Arten besticht die extensive Beweidung. Gleichzeitig verringern die durch die Beweidung entstehenden Viehganglen das Abrutschen der Schneedecke und die Entstehung von Blaiken. Diesen durchaus positiven Aspekten steht jedoch der Verbiss der Jungbäume gegenüber, der ihr Wachstum und ihre Vitalität drastisch hemmt und damit die natürliche Wiederbewaldung verzögert.
Wenn gar nichts mehr getan wirdDas unbeaufsichtigte Brachlegen von Flächen ist aus ökologischer Sicht die ungünstigste Nutzungsform. Kurzfristig scheinen zwar Vorteile da zu sein: Die Artenvielfalt nimmt anfänglich deutlich zu und es bilden sich unterschiedlichste Vegetationsformen aus. Im Laufe der Zeit profitieren aber vor allem die Zwergstrauchbestände von den neuen Bedingungen und verdrängen viele Gräser und Kräuter wieder.
Und diese wiederum werden schlußendlich bis in eine Höhenlage von 2100 m vom Wald abgelöst. Bis zur dichten Bestockung vergehen jedoch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, wobei einige der durchlaufenen Stadien instabil sind: Erosion und Lawinen nehmen zu, das Gefahrenrisiko für die im Tal liegenden Ortschaften nimmt zu. Nicht zu vergessen ist zudem der Verlust von landwirtschaftlichen Produktionsflächen.
Wenn der Wald zurückkehrtEine Wiederbewaldung verbessert vor allem den Gebietswasserhaushalt: Der dichte Baumbestand und seine positive Wirkung für den Wasserhaushalt im Einzugsgebiet führt nach Regenfällen zu einer geringeren und langsameren Wasserabgabe an die Bäche. Die Gewalt der Wildbäche wird somit gedämpft. In einem natürlichen Wald kommt es auch selten zu Schneegleiten oder der Bildung von Blaiken. Flächendeckende Waldnutzung heißt aber gleichzeitig die Vielfalt der Landschaft und somit der Pflanzen deutlich zu verringern.
Was aus Sicht der Pflanzenvielfalt optimal ist, wirkt sich auf den Ertrag also unter Umständen negativ aus, und vom Wasserrückhaltevermögen her ideale Bewirtschaftungsformen sind aus Sicht der Landschaftsvielfalt vielleicht ungünstig.
Zusammenfassend ergab das Projekt folgendes: Die extensive Mahdnutzung erweist sich aus ökologischer Sicht als die beste Bewirtschaftungsvariante für die Waltner Mähder. Sie ist deutlich höher einzustufen als die Waldnutzung, welche die zweitbeste Variante darstellt. An dritter Stelle liegt eine Umwidmung von Mähwiesen in Weideflächen. Die intensive Mahdnutzung, gefolgt von der Brachlegung, sind die ungünstigsten Nutzungsvarianten.
Das bedeutet für die konkrete Umsetzung: Die beste Bewirtschaftungsform ist die extensive Mahdnutzung, wobei ein Schnitt auch in Intervallen von mehreren Jahren durchgeführt werden könnte. Sie sollte soweit als möglich gefördert werden. Da eine flächendeckende Förderung der Mahdnutzung im Almbereich ökonomisch nicht tragbar sein wird, sollten gering geneigte und somit nicht erosionsgefährdete Flächen in erster Linie einer extensiven Weidenutzung zugeführt werden. Dadurch könnten Kulturlandschaften mit geringem Aufwand großflächig offen gehalten werden. Steile Flächen sollten hingegen aufgeforstet werden. Dadurch würde die Zeitspanne der ökologisch instabilen Sukzessionstadien verkürzt werden.
Eine flächendeckende Wiederbewaldung sollte möglichst vermieden werden, da damit ein vehementer Verlust an Landschafts- und Artenvielfalt einhergeht. Zusätzlich gehen Kulturflächen verloren.
Eine intensive Mahdnutzung sollte nicht großflächig durchgeführt werden, besonders dann nicht, wenn damit neue Erschließungswege notwendig werden. Die unbeaufsichtigte Brachlegung von Flächen sollte möglichst verhindert werden, da das über viele Jahre hinweg instabile Sukzessionsstadien mit einer Reihe von negativen Folgeerscheinungen mit sich bringt.
ERICH TASSER, ULRIKE TAPPEINER Europäische Akademie Bozen Alpine Umwelt
erich.tasser@eurac.edu ulrike.tappeiner@eurac.edu
Conseguenze ecologiche da cambiamenti nell'uso del suolo
Dal 1995 nell'ambito del progetto INTEGRALP „Conseguenze ecologiche dovute a cambiamenti dell'uso del suolo in zone montane" nell'alta Val Passiria (Comune di San Leonardo) sui "Waltner Mähder" sono state effettuate numerose analisi. Lo scopo dei partner del progetto (Accademia Europea, Ripartizione Forestale, Ripartizione Acque Pubbliche e Opere Idrauliche, Ufficio Idrologico della Provincia Autonoma di Bolzano, Centro sperimentazione agraria e forestale di Laimburg, Università di Innsbruck e Forstliche Bundesversuchsanstalt di Innsbruck) era quello di mettere in evidenza nel modo più completo ed esauriente possibile gli effetti ecologici dovuti ai cambiamenti dell'uso del suolo.
I ricercatori hanno concentrato i loro sforzi per valutare le conseguenze ecologiche indotte da cambiamenti nel tipo di agricoltura di montagna sulla vegetazione, sul terreno, sul rimboschimento, sull'erosione come anche nell'ambito dello slittamento nevoso.
L'impostazione del progetto e l'elaborazione dei dati hanno permesso di risalire sia all'importanza delle caratteristiche locali (ad es. livello altitudinale, clima, geologia, ecc.) sia agli effetti indotti a singoli fattori, quali l'entità del raccolto agricolo, lo sviluppo boschivo e la formazione di solchi in superfici erbose.
Il progetto è stato coordinato dalla Ripartizione Forestale della Provincia Autonoma di Bolzano.
Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse des Projektes INTEGRALP findet sich ab Oktober in:
Berglandwirtschaft: Auswirkungen von Bewirtschaftungsänderungen im Berggebiet
Erich Tasser, Ulrike Tappeiner, Alexander Cernusca
Europäische Akademie Bozen 220 S.
ISSN 1125-3827
Arbeitsheft Nr. 28 - Lit. 22.000.-Für Bestellungen: Tel. 0471 306074
www.eurac.edu/quad.asp