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Academia 24  
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Von Schneehühnern, Zirmhäzern und Drachen Eine Erlebnisreise durch drei Nationalparke der Ostalpen in Bildern und Geschichten
Academia Nr: 24 (September / settembre  2000)

ALEXANDRA TROI
Das sieht seltsam aus, das ist schön, das bewegt sich, das will ich kennen lernen... von dieser Neugier getrieben haben wir eine ganze Reihe von Geschichten gesammelt, die ökologisches Fachwissen mit erlebbarer Umwelt, Tradition und Kultur verbinden und den „Lebensraum Alpen" beschreiben. Entstanden ist daraus ein Buch, das Bildband, ökologisches Fachbuch und Erlebnisbuch gleichermaßen ist. Erklärende Texte und ansprechende Bilder führen in über 30 Themen ein, die abgerundet werden durch Geschichten zur Vernetzung von Natur und Technik, Mensch und Pflanze, Ökologie und Wirtschaft und zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Handeln anregen.
Die schönste Möglichkeit, das Buch zu lesen, ist wohl, es einfach aufzuschlagen, darin zu blättern, die Bilder auf sich wirken zu lassen und Gedanken zu spinnen. Wie kann zum Beispiel die Blume, die sich in den Schotter zu kauern scheint, in so luftigen Höhen überleben?

Im Hochgebirge gilt: Nur wer sich schützt, überlebt! Bei Pflanzen und Tieren ist ein Überleben unter den extremen Umweltbedingungen im Hochgebirge nur dann möglich, wenn die Organismen optimal angepasst sind. Solche Anpassungen lassen sich besonders gut bei Pflanzen erkennen: Der erste Trick: Am Boden bleiben
Ein flacher Wuchs trägt zum Windschutz bei und verbessert die Temperaturverhältnisse. Außerdem können die Pflanzen dadurch mehr Kraft in ein weitverzweigtes Wurzelsystem investieren.
Der zweite Trick: Die Blätter schützen. Um die Blätter vor den extremen Bedingungen zu schützen, gibt es Blätter mit Behaarung, Blätter mit versteifter, harter Außenwand oder Blätter mit einer Art Wachsschicht.
Der dritte Trick: Die Alten schützen die Jungen. Vor allem die Gräser bedienen sich dieser Strategie. Alte, abgestorbene Blätter schützen die empfindlichen jungen Triebe.
Der vierte Trick: Nicht alles auf einmal. Viele Pflanzen im Gebirge entwickeln sich nur langsam und dehnen die Entwicklung von Blüten und Samen auf mehrere Jahre aus.

Gletscherhahnenfuß – ein Spezialist für's Extreme: Auch Schnee im Sommer kann ihm nichts anhaben

. Wir Menschen, die wir immer wieder mehr oder weniger stark ins mühsam erarbeitete Gleichgewicht der Natur eingreifen, machen den Pflanzen und Tieren das Leben in diesen Grenzregionen auch nicht leichter. Viele Arten haben sich deshalb nur in geschützten Lebensräumen erhalten können, wie sie sie in den Nationalparks finden. Im Mittelpunkt des Buches stehen deshalb der Nationalpark Stilfser Joch, der Schweizerische Nationalpark und der Nationalpark Hohe Tauern, um welche sich die Geschichten ranken. Verreter dieser Parks haben aktiv an der Gestaltung des Buches mitgearbeitet. Wenn Sie schon einmal im Nationalpark des Stiflser Jochs waren, dann ist Ihnen sicher die wunderbare Aussicht von der Passtrasse auf die kargen alpinen Matten und die steilen Felszüge in Erinnerung geblieben. Und Sie haben sich vielleicht gefragt, wie kommen jene wild zerklüfteten Felsformationen zustande, die bizarren Grate und kühnen Türme.

. Jeder, der schon einmal eine Wasserflasche in einer kalten Winternacht im Freien vergessen hat und am darauffolgenden Morgen die Glasscherben wegräumen musste, ist sich der Kraft des Frostes bewusst. Genau diese Kraft ist es, die maßgeblich an der äußeren Gestaltung des Hochgebirges aktiv beteiligt ist. In den Felsregionen etwas oberhalb der Waldgrenze bis hin zur Schneegrenze tritt die Frostsprengung als der dominante Verwitterungsprozess auf. Dabei dringt Wasser in Gesteinshohlräume ein und gefriert bei Minustemperaturen. Das sich bildende Klufteis weist eine Zunahme des Volumens von ca. 10% auf. Der so entstehende Druck auf die umgebenden Gesteinswände lockert das Material. Wiederholtes Auftauen und Gefrieren kann schließlich zur Absprengung von einzelnen Steinen oder gar von ganzen Felspartien führen. Dem hochalpinen Touren- und Berggeher ist das Knacken und Krachen sich plötzlich lösender Felsbrocken ein bekanntes, wenn auch unliebes Begleitgeräusch. So werden einerseits eckige Gesteinsbrocken und kantiger Block- und Scherbenschutt in mächtigen Schuttkegeln und Schutthalden angehäuft. Andererseits bilden sich nach der Absprengung zerklüftete Grate und markante Felszacken. Je nach Art und Schichtung des Gesteins sind Form und Umfang der Verwitterungsprozesse bzw. der Frostsprengung sehr unterschiedlich. Dies ist besonders deutlich im Nationalpark Stilfser Joch zu erkennen, wo kompaktes Dolomitgestein neben leichter abtragbaren kristallinen Schiefern auftritt. Der fünfte Trick: Doppelt genäht hält besser. Um ihre Vermehrung sicher zu stellen, können sich viele Pflanzen auf mehrere Arten vermehren, über Samen, gleichzeitig aber auch über Ausläufer, Brutknospen, Tochtertriebe oder Tochterrosetten. Der sechste Trick: Hilf Dir selbst. Nachdem im Hochgebirge zu wenig Insekten vorhanden sind, um eine Bestäubung zu garantieren, bestäuben sich viele Arten selbst.

Naturgewalten pur also. Neben denen der Mensch ganz klein wird. Und der soll den Alpen gefährlich werden können? Oh ja, er kann. Oft sogar ohne sich dessen so richtig bewusst zu sein, wie das Beispiel des Schneehuhnes zeigt:
Wenn wir heute die Natur vor menschlichen Übergriffen schützen wollen, soll das nicht gleich heißen, dass der Mensch in den Alpen nur stört und nichts zu suchen hat. Die Bewohner der Alpen leben seit langer Zeit in und mit der Natur – aber nur mit Anstrengung und Anpassung, das zeigt nicht zuletzt das mühselige Leben der Bergbauern:

Waren es früher natürliche Räuber, die das Schneehuhn bedroht haben, sind heute andere, neue Gefahren hinzugekommen, die von Störungen durch den Mensch ausgelöst werden. Kommt ein Skifahrer der Schneehöhle der Schneehühner oder anderen Verstecke zu nahe, suchen die Tiere panikartig das Weite. Oft kehren sie erst Stunden später in ihre Höhle zurück. Bei der Flucht wird sehr viel Energie verbraucht, die im Winter durch das spärliche Nahrungsangebot nur begrenzt ersetzt werden kann. Und damit sie flugtauglich bleiben, können sich die Tiere auch nicht wie andere Arten ein Fettpolster anlegen. Deshalb führen häufige Störungen im Winter zur Schwächung der Tiere bis zum Tod durch Verhungern.
Seit Jahrhunderten sömmern Ahrntaler Bauern ihr Vieh auf den Almen nördlich des Alpenhauptkammes: in den besten Zeiten waren es etwa 400 Rinder, 2000 Schafe, 500 Ziegen, 100 Schweine und ein Dutzend Pferde. Vor allem der Auftrieb (im Mai/Juni) war beschwerlich: die Tiere waren nach dem langen Winter den steilen, zweitägigen Marsch nicht gewohnt und am Tauern selber lag oft noch hoher Schnee. Dann mussten Tauernknechte den Weg freischaufeln und trittsicher machen. Am schwersten hatten es dabei wohl die Schweine – und die Mägde, denen sie anvertraut waren. Kreativität war gefragt: Bei starkem Sonnenschein wurde die empfindliche Schweinehaut mit Ruß eingeschmiert, um sie vor Sonnenbrand zu schützen. Mühsam war auch der Transport der Almerzeugnisse zurück an die Heimathöfe. Dies besorgten eigene Träger: etwa 60 bis 70 kg Butter und Käse trugen die Kleinhäusler in Kopfkraxen in rund acht Stunden 1000 Meter hinauf und wieder hinunter.

Würde sie vielleicht auch die Geschichte vom Gadria-Drachen interessieren, der im Vinschgau eine ganze Stadt unter Schlamm versenkt hat? Oder haben sie sich schon gefragt, warum der Tannenhäher im Volksmund „Zirmhäzer" heißt? Wussten sie, dass der Tourismus am Stilfser Joch durch einen Mordfall, der durch alle europäischen Zeitungen ging, in Schwung kam? Und wie lebendig Steine sind?
Wenn Sie neugierig geworden sind: in den kommenden Ausgaben der Academia werden wir die eine oder andere Geschichte aus dem „Lebensraum Alpen" vorstellen. Und wenn Sie mehr als nur ein bisschen kosten wollen: Ab Oktober erwartet Sie der Bildband druckfrisch in Ihrer Buchhandlung.

ALEXANDRA TROI
Europäische Akademie Bozen
Alpine Umwelt
alexandra.troi@eurac.edu


NEU! NUOVO!

Bildband: Lebensraum Alpen Nationalparks: Geschichten und Bilder Hrsg. Europäische Akademie Bozen Tappeiner Verlag - Lana
256 Seiten, kartoniert mit Schutzumschlag 200 Farbabbildungen ISBN: 88-7073-254-1 erscheint Ende Oktober 2000

Vita nelle Alpi: esce in autunno il volume illustrato
… una rassegna di ambienti alpini diversi, dislocati lungo tutto il transetto altitudinale con esempi provenienti da tre parchi nazionali delle Alpi occidentali. Non si tratta semplicemente di una descrizione di ambienti di vita, ma anche delle loro caratteristiche, delle particolarità, curiosità e ovviamente anche dei loro „abitanti": dagli adattamenti che piante e animali hanno dovuto adottare per essere in grado di sfidare le difficili condizioni climatiche in alta quota, alle tradizioni contadini, al movimento dei ghiacciai di roccia fino alla leggenda del drago Gadrià. La struttura di questo libro permette un vero e proprio "zapping" fra tematiche diverse, rese attraenti dalle immagini.
Infatti sono le quasi 200 figure di questo volume illustrato che insieme ai testi trasmetteranno al lettore la voglia di visitare la aree protette, di verificare se la nigritella odora veramente di vaniglia, di riconoscere le piante dai pennacchi bianchi delle zone umide, di ripensare alle condizioni disumane alle quali erano sottoposti i soldati sul fronte di guerra a quasi 3000 m. Numerosi autori del Parco Nazionale Svizzero, di quello degli Alti Tauri e del Parco Nazionale dello Stelvio nonché dell'Accademia Europea si sono impegnati a trasmettere informazione e curiosità del mondo alpino per avvicinarlo e farlo conoscere non solo alla popolazione locale, ma anche ai numerosi turisti e alla persone interessate alla "Vita nelle Alpi".


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