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"Wichtig ist die Schaffung einer wissenschaftlichen Plattform für alle"
Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Südtiroler Theaterverbandes Klaus Runer
Europäische Akademie: In Südtirol entstehen Hochschulstrukturen. Die Europäische Akademie Bozen ist die erste wissenschaftliche Einrichtung Südtirols. Sie ist an der Entwicklung von regionalspezifischer Wissenschaft und Forschung maßgeblich beteiligt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Runer: Grundsätzlich sehe ich in der Errichtung von Hochschulstrukturen eine große Chance für unser Land. Allerdings sollten wir uns immer wieder ins Bewußtsein rufen, daß wir ein kleines Land sind und solche Strukturen auch unserer Größe und unseren Bedürfnissen angepaßt sein müssen. Ich meine damit, daß wir eine Hochschule in Südtirol unter das etwas volkstümliche Motto "klein aber fein" stellen sollten.
Europäische Akademie: Worauf ist Ihrer Erfahrung nach in der heutigen Situation des Aufbaus besonders zu achten?
Runer: Bereits bei der Grundsteinlegung sollten die Ziele klar definiert sein. Wir dürfen nicht nach den Sternen greifen, sondern wir sollten das Machbare so schnell wie möglich in die Tat umsetzen. In der jetzigen Situation des Aufbaus ist es äußerst wichtig darauf zu achten, daß die Bevölkerung unseres Landes verstärkt sensibilisiert wird. Nur wenn alle drei Volksgruppen von der Notwendigkeit solcher Einrichtungen überzeugt sind, kann gut weitergearbeitet werden.
Europäische Akademie: Gibt es so etwas wie "zehn Gebote", auf die man besonderes Augenmerk legen muß, wenn man Wissenschaft auf hohem Niveau kultivieren will? Wo liegen die "Knackpunkte"?
Runer: Damit eine seriöse, wissenschaftliche Arbeit überhaupt möglich wird, braucht es ein geeignetes Umfeld. Es ist absolut notwendig, daß genügend Freiräume vorhanden sind. Gleichzeitig ist eine internationale Verknüpfung von größter Bedeutung. Seriöse wissenschaftliche Arbeit findet nicht im "stillen Kämmerlein", sondern auf der Basis internationaler Zusammenarbeit statt.
Europäische Akademie: Wissenschaft ist nicht umsonst, und Ergebnisse sind nicht immer sofort sichtbar. Wie argumentieren Sie in dieser Situation?
Runer: Es ist klar, daß die Forschung einer längerfristigen Investition bedarf. Die Ausgaben hierfür können kaum mit konkreten Resultaten aufgewogen werden. Dieses Problem ist so alt wie die Menschheit.
Europäische Akademie: Ihre Assoziationen zum Namen "Europäische Akademie"?
Runer: Ganz persönlich muß ich zugeben, daß der Name "Europäische Akademie" in mir mehr negative als positive Assoziationen hervorruft. Europa ist und bleibt für mich ein künstliches Gebilde, das in mir die Angst vor Gleichmacherei weckt. Das Wort Akademie ist mir einfach zu elitär. Ich hätte mir einen einfacheren Namen gewünscht.
Europäische Akademie: Welches werden Ihrer Meinung nach die wichtigsten Aufgaben der Akademie sein? Welche Ergebnisse erwarten Sie sich von ihrer Arbeit?
Runer: Die wohl wichtigste Aufgabe der Akademie wird die Errichtung von Hochschulstrukturen in Südtirol sein. Ihr kommt dabei die Vordenker- bzw. Vorreiterrolle zu.
Europäische Akademie: Welche Vorteile bringt eine solche Einrichtung?
Runer: Die Vorteile einer solchen Einrichtung liegen in der Schaffung einer Plattform, auf die eine noch nicht absehbare Entwicklung im Bereich der Wissenschaften aufgebaut werden kann.
Europäische Akademie: Besteht Ihrer Erfahrung nach die Chance, daß die Hochschulstrukturen in Südtirol wirklich europäisches Format erreichen, oder läuft man in der Provinz am Ende doch Gefahr, in provinziellen Ansätzen steckenzubleiben?
Runer: Europäisches Format anzusteben ist zwar löblich, es zu erreichen, wohl etwas überheblich. Wir sollten uns immer wieder ins Bewußtsein rufen, daß wir Provinz sind und wohl auch bleiben werden. Dies ist sicher nichts schlimmes, denn unsere Stärken liegen im Provinziellen. Ein kleiner, überschaubarer Raum birgt gute Chancen, Überdurchschnittliches hervorzubringen. Thomas Bernhard hat einmal gesagt: "Das Glück blüht in der Provinz".
Europäische Akademie: Wissenschaft ist einem immer rascheren Wandel unterworfen. Die wissenschaftliche Welt wird heute auch stärker kritisiert als früher. Man fordert eine neue Verantwortlichkeit für die gesellschaftlichen Belange. Wie würden Sie den wissenschaftlichen Diskurs aus der Perspektive Ihres Faches heraus heute kritisch positionieren?
Runer: Ich glaube nicht, daß die Wissenschaft einem rascheren Wandel als die Gesellschaft an sich unterworfen ist. Kritik an ihr wurde schon immer geübt. Heute ist diese vielleicht etwas offener und hörbarer. Die Wissenschaft wird der Gesellschaft immer einen Schritt voraus sein. Folglich kann man eine Verantwortlichkeit nur bedingt einklagen.
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