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Terminologiearbeit in Südtirol: eine Bestandesaufnahme
von Brigitte Schnock und Felix Mayer
Vor wenigen Wochen ist der Abschlußbericht des Projekts Pointer ("Proposals for an Operational Infrastructure for Terminology in Europe") veröffentlicht worden. "Pointer" war Teil des EU-Programms "Multilingual Action Plan" (MLAP) und wurde von der Europäischen Kommission unterstützt. Im Rahmen dieses Projekts wurden auf der Basis einer europaweiten Erhebung konkrete Empfehlungen für eine künftige europäische Terminologieinfrastruktur erarbeitet. Über 40 namhafte Verbände, Unternehmen und Institutionen in ganz Europa, darunter der Fachbereich "Sprache und Recht" der Europäischen Akademie Bozen, beteiligten sich an der Arbeit, die im Frühjahr 1996 zu Ende ging. Der Fachbereich 'Sprache und Recht' war im Rahmen des Pointer-Projekts an den folgenden drei Teilprojekten beteiligt:
- Regionalanalyse der terminologischen Aktivitäten und ihrer infrastrukturellen Bedingungen in Südtirol
- Untersuchung von Terminologieverwaltungssystemen in Europa
- Ausbildung von Terminologen in Europa: Stand und Perspektiven
Im folgenden werden zusammenfassend die Ergebnisse der Regionalanalyse in Südtirol erläutert; die beiden anderen Teilprojekte werden in einer späteren Ausgabe vorgestellt.
Ziel der Regionalanalyse, die parallel in allen Ländern der Europäischen Union durchgeführt wurde, war die Untersuchung der Terminologiearbeit, der Terminologieverwaltung, der Terminologieressourcen sowie der Kooperation in terminologischen Fragen im Bereich der öffentlichen Verwaltung, der Privatwirtschaft und der freiberuflichen Übersetzertätigkeit. Vor diesem Hintergrund wurden Vorschläge zur Förderung der Terminologiearbeit und zur Vernetzung terminologischer Aktivitäten in Südtirol erarbeitet. Die Ergebnisse der Südtiroler Studie flossen in die europäische Gesamtstudie ein. Grundlage der Untersuchung in Südtirol waren Leitfadeninterviews mit Sprachexperten aus den genannten Sektoren. Im Rahmen der qualitativen Erhebung wurden Behördenstellen untersucht, die auf staatlicher Ebene sowie auf Landes- und Gemeindeebene eine zentrale Rolle bei Sprach- und Terminologiefragen sowie im Bereich Übersetzung spielen. Zudem wurden Interviews in Südtiroler Unternehmen durchgeführt, die einen besonderen Zweisprachigkeitsbedarf aufweisen. Befragt wurden darüber hinaus freiberuflich tätige Übersetzerinnen und Übersetzungsagenturen. Berücksichtigt wurde die Terminologiearbeit in den Sprachen Italienisch und Deutsch. Mit der Konzeption, Durchführung und Auswertung der qualitativen Erhebung war CO.R.E.S., Cooperativa di ricerche economiche e sociali, Bozen, betraut.
Die rechtliche Gleichstellung der italienischen und deutschen Sprache in Südtirol erzeugt in der öffentlichen Verwaltung einen erheblichen Bedarf, Texte sowohl in italienischer als auch in deutscher Sprache zu erarbeiten. Die Klärung und Vereinheitlichung der italienischen und deutschen Fachterminologie in den Gebieten Recht und Verwaltung stellt für die Behörden somit eine ständige Herausforderung dar.
Die Untersuchung der terminologischen Aktivitäten der Übersetzungsämter zeigt allerdings, daß auf Verwaltungsebene systematische Terminologiearbeit erst in den Anfängen steckt: Die Klärung terminologischer Fragen findet bei den untersuchten Ämtern in erster Linie innerhalb des eigenen Mitarbeiterstabes statt. Umfassende Sprachkenntnisse einzelner - oftmals leitender - Mitarbeiter erweisen sich dabei als wichtige Quelle, um terminologische Unklarheiten zu beseitigen. Rückfragen in Bezug auf die Terminologie eines Textes werden auch an die Ämter innerhalb der Verwaltung gerichtet, von denen der zu übersetzende bzw. zu korrigierende Text verfaßt wurde; in seltenen Fällen werden andere Behörden zu Rate gezogen, die im gleichen Fachgebiet Übersetzungen anfertigen. Die Zusammenarbeit beschränkt sich dabei auf die telefonische Abklärung von Fachbegriffen im Einzelfall.
Die amtsinternen Bestände an Fachwörterbüchern und Fachbüchern werden überwiegend als eher begrenzt eingeschätzt; sie werden ergänzt durch persönliche Sammlungen von Fachzeitschriften, Prospekten usw. Teilweise greifen die Übersetzer auf die Fachliteratur der Landes- und der Stadtbibliothek in Bozen zurück; ein Amt arbeitet mit bundesdeutschen und österreichischen Institutionen bei der Klärung rechtsterminologischer Fragen zusammen.
Bei allen Übersetzungsämtern, die Eingang in die Erhebung gefunden haben, beschränkt sich die Aufbereitung der Terminologie auf die Erstellung von Listen, die die italienische und deutsche Entsprechung enthalten und die nur eine Auswahl der relevanten Fachtermini umfassen. Sie sind üblicherweise auf Blättern, Karteikarten oder in einem Textverarbeitungsprogramm (Word, Winword) auf PC erfaßt; sie stellen das Ergebnis individueller Bemühungen der einzelnen Übersetzer dar, mit einem vertretbaren Arbeitsaufwand zumindest den notwendigsten Terminologiebedarf des Amtes abzudecken. Auch wenn eine Terminologiedatenbank zur Verfügung steht, werden meistens nur Wortlisten erfaßt. Als größtes Hindernis bei der kontinuierlichen Weiterführung und Fortentwicklung der Terminologieverwaltung gilt Zeitmangel. Angesichts der Unvollständigkeit der Glossare und der fehlenden Dokumentation (Definitionen, Kontexte, Quellen) in den terminologischen Einträgen werden die von den jeweiligen Ämtern erarbeiteten Listen als ungeeignet für einen Terminologieaustausch bewertet. Daher gibt es derzeit in Terminologiefragen auch noch keine über den Einzelfall hinausgehende regelmäßige oder gar institutionalisierte Kooperation zwischen den verschiedenen Ämtern einer Behörde oder zwischen verschiedenen Südtiroler Behörden. Dazu fehlen nicht zuletzt auch ämter- bzw. behördenübergreifende einheitliche Verfahren oder Richtlinien, auf deren Grundlage die Rechts- und Verwaltungsterminologie systematisch aufbereitet und innerhalb der Südtiroler Verwaltung ausgetauscht werden könnte.
Im Hinblick auf die Vereinheitlichung der juridischen Fachterminologie stellen die Mitarbeiter der Übersetzungsämter in den Behörden hohe Erwartungen an die Ergebnisse der Arbeit der Paritätischen Kommission für die Rechts-, Verwaltungs- und sonstige Fachterminologie (vgl. auch Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Terminologiearbeit in Südtirol).
Um die terminologischen Aktivitäten und Infrastrukturen in der Südtiroler Wirtschaft zu dokumentieren und zu evaluieren, wurden auch sechs Handels- bzw. Produktionsbetriebe in die Untersuchung miteinbezogen. Mit Ausnahme einer Firma, die lediglich drei Angestellte hat, stellen die übrigen fünf Unternehmen mit zwischen 16 und 200 Beschäftigten gemessen an der Südtiroler Unternehmensstruktur vergleichsweise große Betriebe dar.
In allen untersuchten Betrieben setzt sich die Belegschaft aus Mitarbeitern sowohl italienischer als auch deutscher Muttersprache zusammen. Dabei wird der Zweisprachigkeitsbedarf im Bereich der Firmenkorrespondenz überwiegend direkt von den Sachbearbeitern abgedeckt, die die Geschäftsbriefe üblicherweise in der jeweiligen Muttersprache, unter Umständen allerdings auch in der Zweitsprache verfassen. Auch die Fachtexte werden teilweise direkt von den fachlich zuständigen Mitarbeitern in der benötigten Sprache angefertigt.
Übersetzungen von Fachtexten werden in den untersuchten Unternehmen vielfach von Mitarbeiterinnen ausgeführt, die in der Sachbearbeitung oder im Sekretariat beschäftigt sind und die nicht immer über eine sprachliche Ausbildung verfügen. Lediglich in zwei der befragten Firmen ist je eine ausschließlich mit Übersetzungsarbeiten betraute Fachkraft beschäftigt. Umfangreiche Texte mit hohem Schwierigkeits- bzw. Spezialisierungsgrad (Werbung, Recht usw.) werden üblicherweise an freiberufliche Übersetzer vergeben.
Eine zentrale Rolle bei der Klärung von Terminologiefragen spielt in den untersuchten Unternehmen die Zusammenarbeit mit den betriebsinternen Fachleuten. Sie verfügen in aller Regel über die Kenntnis der Fachtermini in der italienischen wie der deutschen Sprache und können bei der Übersetzung von Fachtexten unmittelbar zu Rate gezogen werden. Sie korrigieren die Texte zudem unter fachlichen Gesichtspunkten. Fachwörterbücher leisten den Übersetzern häufig nur geringe Hilfe. Dies wird einerseits mit der vergleichsweise schlechten Aufbereitung der Fachterminologie in der italienischen Sprache begründet, und es wird andererseits auf den unternehmensinternen Sprachgebrauch bei Fachtermini zurückgeführt, der in Wörterbüchern nicht zu finden ist.
Angesichts der innerbetrieblichen Verfügbarkeit terminologischen Expertenwissens verzichten drei der sechs befragten Unternehmen vollständig auf eine systematische Erfassung von Terminologie. Im Bedarfsfall greifen die Mitarbeiter auch auf die Terminologie in bereits übersetzten Texten zurück, die teilweise in Akten abgelegt, teilweise auf PC gespeichert sind. Die beiden sprachlich ausgebildeten und hauptberuflich im Übersetzungsbereich tätigen Mitarbeiterinnen zweier Unternehmen haben terminologische Datensammlungen erarbeitet und in Textverarbeitungsprogrammen auf PC erfaßt. Es handelt sich dabei jedoch um persönliche Listen, deren Wiederverwendung eine große Erfahrung im Umgang mit der unternehmensinternen Fachterminologie voraussetzt. Zum größten Teil gründet daher die Fachsprachenkompetenz innerhalb der Betriebe auf dem terminologischen Wissen einzelner Personen (Fachexperten oder Übersetzer), das in seiner Komplexität schriftlich nicht fixiert ist.
Eine Zusammenarbeit mit anderen Firmen im Hinblick auf die Erarbeitung oder den Austausch von Terminologie findet in keinem der befragten Unternehmen statt. Da die firmeninterne Terminologie als sehr spezifisch gilt, wird eine Zusammenarbeit als unergiebig eingeschätzt. Zudem deutet sich an, daß nicht zuletzt die Sicherung von Wettbewerbsvorteilen den Verzicht auf eine betriebsübergreifende Kooperation in Terminologiefragen bedingt.
Zur Abdeckung des Zweisprachigkeitsbedarfs in Südtirol kommt freiberuflichen Übersetzern in den privatwirtschaftlichen Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung und bei den Verbänden usw. eine bedeutende Rolle zu. An freiberufliche Übersetzer werden Übersetzungsaufträge vergeben, die unter quantitativen oder qualitativen Gesichtspunkten intern nicht ausgeführt werden können. Die freiberuflichen Anbieter von Übersetzungsdienstleistungen auf dem Südtiroler Markt unterscheiden sich hinsichtlich ihres Professionalisierungsgrades erheblich voneinander. Neben zweisprachigen Personen, die ohne formale Qualifikation im Übersetzungsbereich tätig sind, fertigen sprachlich ausgebildete Übersetzer haupt- oder nebenberuflich Übersetzungen an. Insbesondere die jüngeren Freiberufler verfügen in der Regel über eine Hochschulausbildung im Bereich Dolmetschen und/oder Übersetzen.
In der Untersuchung wurden drei selbständig tätige, formal qualifizierte Einzelübersetzerinnen befragt, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen einem halben Jahr und zehn Jahren als Freiberuflerinnen tätig waren, sowie die Leiter zweier Südtiroler Übersetzungsagenturen. Wichtigste Quelle der relevanten Fachterminologie sind für die befragten Übersetzer die Auftraggeber der Übersetzungsarbeiten, mit deren Fachpersonal bei begrifflichen Unklarheiten Rücksprache gehalten wird. Teilweise liefern die Auftraggeber auch bereits vorab Vorschläge bezüglich der zu verwendenden Terminologie. An zweiter Stelle stehen Terminologierecherchen in Fachwörterbüchern und in der Fachliteratur Südtiroler Bibliotheken. Bei längerer Berufspraxis verfügen die Einzelübersetzerinnen zudem über ein umfassendes Archiv mit Prospekten, Fachzeitschriften und bereits übersetzten Texten, auf die sie bei terminologischen Fragen zurückgreifen. In einigen Fällen wird bei Behörden um terminologische Unterstützung angefragt. Zwei der befragten Einzelübersetzerinnen sind dem Landesverband der Übersetzer angeschlossen, dessen Mitglieder Terminologie untereinander austauschen. In einer Liste ist aufgezeichnet, welche Mitglieder über Glossare in bestimmten Fachgebieten verfügen; diese Glossare liegen auf Papier oder in Textverarbeitungsprogrammen erfaßt vor. Elaborierte Formen der Terminologiearbeit und -verwaltung werden von den freiberuflichen Übersetzern durchgängig als zeitraubende und nicht honorierte zusätzliche Arbeit eingeschätzt. Allerdings gehört die systematische Sammlung und Aufbereitung von Fachterminologie insbesondere bei den jüngeren Übersetzern, die über eine Qualifikation im Bereich Terminologiearbeit verfügen, zum selbstverständlichen Bestandteil der Übersetzungs- und Dolmetschtätigkeit. Dies gilt vor allem, wenn es sich um große Übersetzungsaufträge handelt bzw. wenn vom gleichen Auftraggeber weitere Übersetzungsaufträge zu erwarten sind. Die Terminologieverwaltung beschränkt sich jedoch im wesentlichen auf die Erstellung zweisprachiger Glossare, die in Textverarbeitungsprogrammen erfaßt sind. Zwar wird die Nützlichkeit von Terminologieverwaltungssystemen erkannt; der Aufbau terminologischer Datenbanken wird angesichts eines nicht unerheblichen Konkurrenzdrucks durch nicht-professionelle Übersetzer allerdings vielfach als zu zeit- und damit kostenaufwendig eingeschätzt.
Abgesehen von der Kooperation im Bereich der Terminologiearbeit zwischen den Mitgliedern des Landesverbandes der Übersetzer und des Dolmetscherverbandes Bozen arbeiten selbständig tätige Übersetzer bzw. Dolmetscher eher selten zusammen. Wie am Beispiel des Landesverbandes der Übersetzer deutlich wurde, sind die Möglichkeiten der Verbände letztlich begrenzt: Es fehlt vor allem an finanziellen Mitteln und nicht zuletzt auch an einer ausreichenden technischen Ausstattung, um den Mitgliedern umfassende und systematische Unterstützung in terminologischen Fragen gewähren zu können.
Wie aus dem Abschlußbericht der Gesamtstudie des Pointer-Projekts hervorgeht, unterscheidet sich die terminologische Situation in Südtirol kaum von der in anderen europäischen Ländern und Regionen. Überall besteht ein erheblicher Bedarf an Maßnahmen zur Förderung von Terminologiearbeit und an Zusammenarbeit in diesem Bereich. Im einzelnen werden im Abschlußbericht die nachfolgend aufgeführten Schwachstellen beschrieben, die in unterschiedlicher Ausprägung die Situation der Terminologie in Europa kennzeichnen:
- Ein grundlegender Mangel besteht in der unzureichenden Kommunikation und Kooperation zwischen allen, die im Bereich der Terminologie arbeiten. Dies hängt eng damit zusammen, daß ein Informations- und Bewußtseinsdefizit im Hinblick auf Terminologie besteht.
- Es fehlt an Aus- bzw.Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der Terminologie.
- Es fehlen finanzielle Mittel sowie die notwendige technische Ausstattung, die für eine sorgfältige Terminologiearbeit benötigt werden.
- Es fehlen geeignete Verfahren zur Qualitätskontrolle und Validierung von Terminologie.
- Es fehlen qualitativ hochwertige Terminologiebestände.
- Der Vertrieb und die Wiederverwertbarkeit terminologischer Bestände sind unzureichend.
- Die Copyright-Problematik im Hinblick auf terminologische Fragen ist noch nicht ausreichend präzise geklärt.
Vor diesem Hintergrund wurden im europäischen Abschlußbericht Empfehlungen zur Förderung der Terminologiearbeit und zur Vernetzung terminologischer Aktivitäten entwickelt. Hierzu zählen insbesondere der Aufbau terminologischer Zentren (sog. "Centres of excellence"), die koordinierende Funktionen im Bereich der Terminologie übernehmen, Ausbildungsmaßnahmen anbieten, Forschung initiieren und normierend tätig sind etc. Es sollten auch sog. "Broker-Dienste" aufgebaut werden, die auf kommerzieller Basis Terminologie erarbeiten, sammeln und vertreiben. Dabei kommt der Qualitätssicherung von Terminologie ein besonders hoher Stellenwert zu.
Vergleicht man nun die Vorschläge, die in der europäischen Gesamtstudie gemacht werden, mit den Initiativen, die in Südtirol festzustellen sind, so zeigt sich, daß hier wichtige Maßnahmen bereits eingeleitet worden sind. So nehmen seit einiger Zeit sowohl die "Paritätische Terminologiekommission" als auch der Fachbereich "Sprache und Recht" der Europäischen Akademie Bozen eine zentrale Stellung im Bereich der Rechts- und Verwaltungsterminologie ein. Aufgabe der Paritätischen Terminologiekommission ist es, die Fachterminologie, die in Südtirol von den öffentlichen Organen, Ämtern und Konzessionsunternehmen zu verwenden ist, zu bestimmen und auf dem neuesten Stand zu halten, um die Einheitlichkeit der italienischen und deutschen Rechts- und Verwaltungs-terminologie zu gewährleisten. Der Fachbereich "Sprache und Recht" arbeitet eng mit der Terminologiekommission zusammen und bereitet insbesondere die Terminologie für die Kommission auf. Dazu wird deskriptive Terminologiearbeit durchgeführt, wobei ausgewählte Fachgebiete systematisch untersucht werden. Bei terminologischen Inkonsistenzen werden Vorschläge zur Vereinheitlichung entwickelt. Bei der Terminologiearbeit im Fachbereich werden auch Ergebnisse genutzt, die im Rahmen von Forschungen zur Terminologie- und Rechtsverglei-chung, zur Erarbeitung von Methoden bei der Extraktion von Terminologie und im Bereich der rechnergestützen Terminographie erarbeitet werden. Ziel ist, die Ergebnisse der deskriptiven Terminologiearbeit des Fachbereiches sowie der präskriptiven Terminologiearbeit der Terminologiekommission in Form von Glossaren sowie in maschinenlesbarer Form zu veröffentlichen. Es ist zu erwarten, daß in den nächsten Monaten erste Ergebnisse veröffentlicht werden können.
Dem Fachbereich "Sprache und Recht" kommt auch im Hinblick auf die Fort- und Weiterbildung eine zentrale Bedeutung zu: In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von Veranstaltungen zur Terminologie und zum Übersetzen in den Bereichen Recht und Verwaltung angeboten, die in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Darüber hinaus arbeitet der Fachbereich eng mit den benachbarten Universitäten zusammen: So absolvieren seit kurzem Studierende des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Innsbruck Praktika in der Europäischen Akademie, wo sie in die Bozner Terminologiedatenbank und die rechtsvergleichende Terminologiearbeit eingeführt werden. Der Fachbereich bietet zudem Beratung und Unterstützung bei terminologischen oder übersetzungsbezogenen Fragestellungen an; eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Einführung in moderne Methoden, Verfahren und Werkzeuge zu. Schließlich pflegt der Fachbereich Kontakte zu in- und ausländischen Partnern. Hierzu zählen zum einen Kontakte mit Forschern, die im Bereich der Terminologie tätig sind, zum anderen Kontakte zur Praxis; einen Schwerpunkt stellt hier der Informations- und Erfahrungsaustausch dar. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Empfehlungen des europäischen Abschlußberichts und der darauf aufbauenden Bestrebungen der Europäischen Union, die Entwicklung und Vernetzung terminologischer Aktivitäten zu fördern, darf erwartet werden, daß die terminologischen Aktivitäten, die im Fachbereich "Sprache und Recht" der Europäischen Akademie Bozen angesiedelt sind, weiter ausgebaut werden können.
Die Regionalanalyse in Südtirol zeigte auch auf, daß in Wirtschaft und Industrie sowie bei freiberuflichen Übersetzern systematische Terminologiearbeit bislang nur in geringem Maße betrieben wird; zudem ist ein großer Bedarf an der Vernetzung terminologischer Aktivitäten festzustellen. In diesem Zusammenhang wird die Einrichtung eines Terminologie-Broker-Dienstes vorgeschlagen, der eng mit dem Fachbereich "Sprache und Recht" zusammenarbeiten und der langfristig auf privatwirtschaftlicher Basis operieren sollte.
Ziel dieses Dienstes soll sein, die Terminologiearbeit der Anwender in den Bereichen Wirtschaft, Industrie und Technik durch den Aufbau einer zentralen Terminologiedatenbank sowie einer Terminologiequellenverwaltung zu unterstützen und zu koordinieren. Aufgabe des Broker-Dienstes wäre es, die verfügbaren Terminologiebestände der Anwender unter marktwirtschaftlichen Aspekten zu sammeln und nach terminologischen Kriterien aufzubereiten. Der Dienst sollte mit Broker-Diensten auf europäischer Ebene eng zusammenarbeiten, um eine umfassende Abdeckung der terminologischen Bedarfe auch im Bereich der österreichischen, bundesdeutschen, schweizerischen usw. Fachsprachen zu erreichen. Es ist zu erwarten, daß unter diesen wirtschaftlichen Voraussetzungen eine Intensivierung terminologischer Aktivitäten im Privatwirtschaftssektor in Gang gesetzt werden kann, die sich qualitätsverbessernd auf die Übersetzungsarbeit auswirken wird. Kleine Wirtschaftsunternehmen stellen die Mehrheit der Südtiroler Betriebe dar. Sie sind bislang - wie aus der Studie hervorgeht - eher in geringerem Maße bereit, in qualitativ hochwertige Übersetzungen zu investieren. Daher wäre in diesem Zusammenhang auch von Bedeutung, insbesondere bei diesen kleinen Wirtschaftsunternehmen Überzeugungsarbeit zu leisten. Dabei käme sicherlich auch den Wirtschaftsverbänden und den Wirtschaftsassessoraten der Provinz eine zentrale Rolle zu.
Brigitte Schnock, freiberufliche Soziologin, Eppan Dr. Felix Mayer, Projektleiter Terminologie im Fachbereich "Sprache und Recht"
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