| | „Spiel" ist ein tüchtiger Begriff (und bleibt's auch nach J. Huizingas kultur und M. Eigens naturwissenschaftlichem Standardwerk), universell genug, um einen allgemein akzeptierbaren Schlüsselbegriff abzugeben. Und nach diesen zwei Autoren gilt: Das Spiel ist älter als jede andere Kulturäußerung (Huizinga) ‑ möglicherweise auch, weil alles Geschehen in unserer Welt am ehesten einem Spiel gleicht (Eigen).
So wurde das Thema auch beim Bozner Treffen „gespielt": Die Evolution, ein großes Spiel, das sich selbst organisiert (W. Wieser); Spieler, natürlich lebende und künstlich generierte, einzeln und in Gruppen, die über Strategien ihren Vorteil suchen oder Kompromisse finden (H. Seidler, K. Sigmund, P. Henning); Tier- und Menschenkinder, die spielend lernen, die Welt von Erwachsenen zu be- und ergreifen (G. Galizia, T. Seiler, F. d'Arcais). Auch die dynamische Darstellung der Realität durch das komplexe Geschehen in den Zellverbänden des Gehirns (V. Braitenberg, N. Birbaumer, G. Palm) kann als Spiel nach Regeln.
Doch wer selbst mitten im Spiel, das Spiel beobachtend ‑ das Spiel entschlüsseln will, sei auf der Hut davor, die Regeln zu einfach zu fassen. Davor warnten schließlich alle Referenten. Denn das Muster der Welt wird nur manchmal und nur für begrenzte Zeit nach deterministischen Regeln gewirkt; auch und gerade aus der gewissermaßen „vorsichtig" gewordenen modernen Physik kommt die Warnung vor „Langweiligkeit": Wo alles festgelegt, deterministisch abliefe, bleibe kein Spiel-Raum, entstünde kein Zufall und keine Freiheit der Wahl ‑ und eben (Schlimmstes von allem) nichts Neues. |