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„Wir finden schön, was gut für uns ist“
Bestimmte Formen in der Landschaft und in der Architektur gefallen uns Menschen besser als andere. Dabei spielen die Anordnung von Formen und ihre Komplexität eine Rolle. Doch geht das Phänomen über die intuitive Vorliebe für bestimmte Landschaftsformen hinaus: Studien zeigen, dass sich diese Formen auch positiv auf die geistige und körperliche Gesundheit auswirken. So findet der Mensch Erholung beim Anblick natürlicher Landschaften, Stress nimmt messbar ab, und Patienten genesen deutlich besser und schneller mit Blick aufs Grüne.
Um besser zu verstehen, welche spezifischen Formen wir bevorzugen und warum, haben der Neurowissenschaftler Alexandros Lavdas und die Landschaftsökologin Uta Schirpke von Eurac Research einen Online-Fragebogen entwickelt und ausgewertet. Die Befragten sollten angeben, welche Bilder ihnen am besten gefielen; zur Auswahl standen Bilder alpiner Landschaften, die die Forscher jeweils manipuliert hatten, indem sie unterschiedliche geometrische Elemente, Gebäude oder verschiedene Vegetationen einsetzten. Zusätzlich wurde nach dem Warum der Wahl gefragt: weil es am schönsten sei, am interessantesten, weil es mehr Sinn mache oder weil es sich vertrauter anfühle.  
Die Auswertung der 144 beantworteten Fragebögen aus ganz Europa zeigt, dass die Befragten vereinfachte Formen mehrheitlich unattraktiv finden. Was hingegen sehr anziehend ist, sind so genannte fraktale, also „gebrochene“ geometrische Formen, die sich in ihrer Wiederholung selbst ähnlich sind. Sie sind überall in der Natur zu finden: Bäume, deren Form sich in jedem Ast und jedem Zweig verkleinert wiederholt, Blutgefäße, Flusssysteme, Küstenlinien. „In unserem Fragebogen haben wir die am häufigsten in der Natur vorkommenden fraktalen Formen ins Extreme gewendet und auf diese Weise künstlich nachgeahmte fraktale Wiederholungen in die Landschaftsbilder eingesetzt, die eigentlich nichts Natürliches mehr an sich haben“, erklärt Alexandros Lavdas. Die Auswertungen zeigen, dass die Befragten solche Brechungen mit vielen Wiederholungen – also eine hohe Komplexität, die jedoch einer bestimmten Ordnung folgt – immer bevorzugen. „Dies hat unsere Annahme untermauert, dass die Vorliebe für bestimmte geometrische Formen schon in uns steckt, uns möglicherweise sogar angeboren ist und nicht auf einer erworbenen Vertrautheit beruht“, so Lavdas. Die Befragten finden sogar die zur Auswahl stehende tropische Vegetation aufgrund ihrer Form im alpinen Gelände schön, wenn auch weniger vertraut und weniger sinnvoll. Bei den in die Bilder eingefügten Gebäuden verhält es sich ähnlich: Komplexere Gebäude mit fraktalen Wiederholungen werden von der Mehrheit der Befragten als schöner eingestuft, auch wenn sie aus einer anderen Epoche oder Kultur stammen. „Die von uns eingefügten Gebäude sind eigentlich absolute Fremdkörper und es geht uns nicht darum, uns beispielsweise für orientalische Baukunst in den Alpen einzusetzen“, macht Uta Schirpke deutlich. „Wir wollen vielmehr zeigen, dass unser Geschmack nicht willkürlich ist. Daher würden wir diese Art von Studie gerne fortführen und die Methodik verfeinern, möglicherweise auch, indem wir Gehirnströme beim Betrachten der verschiedenen Bilder messen und sehen, wie Menschen darauf reagieren.“ Uta Schirpke arbeitet am Institut für Alpine Umwelt von Eurac Research im Bereich Ökosystemleistungen von Berglandschaften: Sie untersucht, wie die Natur zum menschlichen Wohlergehen beiträgt und wie sich Landschaftsänderungen darauf auswirken. Der Neurowissenschaftler Alexandros Lavdas ist am Institut für Biomedizin für die Bildgebung, das „Imaging“ im Bereich der Gen- und Zellforschung verantwortlich. Ein Schwerpunkt seiner Forschung ist die Entwicklung und Regeneration des Nervensystems, gleichzeitig forscht er im Bereich der Neuroästhetik, den neurobiologischen Grundlagen ästhetischer Empfindungen, etwa bei der Rezeption von Kunst oder Musik..

Die Erkenntnisse der beiden Forscher sollen dazu beisteuern, Landschaften besser zu erhalten – besonders, wenn es um alpine Landschaften und Entscheidungen in der Tourismusplanung geht.

Die interdisziplinäre Studie ist im renommierten Fachmagazin PLOS ONE publiziert worden. (https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0235257)

29.07.20

Foto Credit: Adobe Stock/Roberto Zocchi

Kontakt: Uta Schirpke - uta.schirpke@eurac.edu, Alexandros A. Lavdas - alexandros.lavdas@eurac.edu

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