Alles in Frage stellen
Alles in Frage stellen

Von den IT-Unternehmen können andere Sektoren den Innovationsdrang abschauen, wobei Innovation soweit geht, dass sogar Dinge in Frage gestellt werden, die gut funktionieren. Das sagt Chiara Grosselli, Verantwortliche der Kommunikationsabteilung von IBM Italia, im SWZ-Interview.

 

Frau Grosselli, „Lernen von anderen Branchen" lautet das Motto des Abends an der Eurac, zu dem Sie am 14. Dezember nach Bozen kommen. Was können nun andere Sektoren von IT-Unternehmen und im Speziellen von IBM lernen? Ich habe mir in den vielen Jahren, die ich nunmehr für IBM arbeite, schon oft die Frage gestellt, wie IBM immer eine Realität im Informatikbereich bleiben konnte, während andere Unternehmen verschwanden bzw. neue Unternehmen geboren wurden; immerhin ist IBM schon seit den Siebzigerjahren im Informatikbereich tätig, und selbst Microsoft ist beispielsweise erst später geboren worden. Ich denke, auf diese meine Frage eine Antwort gefunden zu haben, und dieselbe Antwort kann auch für Ihre Frage Gültigkeit haben: Von IBM können andere Unternehmen lernen, keine Angst vor Innovation zu haben und sogar soweit zu gehen, selbst jene Dinge in Frage zu stellen, die gut funktionieren. Was funktioniert, wird normalerweise nicht geändert, aber IBM ist es gelungen, Veränderungen stets vorwegzunehmen. Zum Beispiel hat IBM schon von E-Business gesprochen, als sich darunter noch niemand etwas vorstellen konnte - heute ist E-Business eine Realität. Auch haben wir nicht davor zurückgeschreckt, uns des Themas Open Source anzunehmen - und zwar als das Thema noch nicht in aller Munde war wie heute. Kommunikation ist für die Unternehmen heutzutage ein schwieriges Terrain. Wie kann es ihrer Meinung nach den Unternehmen gelingen, in der Flut an Botschaften die Konsumenten zu erreichen? Leider konzentriert sich Kommunikation nach wie vor zu viel auf die Unternehmen und zu wenig auf die Kunden - und das, obwohl allgemein bekannt ist, dass der moderne Kunde äußerst kritisch ist und zu entscheiden weiß. Daher ist Kommunikation umso effizienter, je stärker sie sich auf die Bedürfnisse der Kunden konzentriert. Der Kommunikation muss es gelingen, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Wir zum Beispiel wollen mit unserem neuen Slogan „Cosa ti rende speciale?" unseren Kunden, den Unternehmen, zu verstehen geben, dass für uns kein Unternehmen gleich wie das andere ist. Jedes Unternehmen hat seine Besonderheiten, und wir möchten die Unternehmen erreichen, indem wir deren konkrete Bedürfnisse erkennen. Das läuft auf Imagewerbung mehr als auf Produktwerbung hinaus. Sind sie der Meinung, reine Imagewerbung wird wichtiger werden? Es ist eine Tatsache, dass viele Produkte am Markt heute kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind und Produktwerbung daher schwierig ist. Ich bin der Meinung, dass sowohl Image- als auch Produktwerbung ihre Berechtigung hat. Allerdings werden diese beiden Arten von Kommunikation immer mehr verzahnt sein müssen. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Kunden und Lieferanten überall auf der Welt sein können. Und in dieser Welt müssen wir uns einer Vielzahl von Kommunikationsinstrumenten bedienen ... ... natürlich auch des Internet. Allerdings nutzen die meisten Unternehmen die Möglichkeiten des Internet nur zu einem Bruchteil aus. Weil sie es nicht brauchen oder weil sie die Möglichkeiten noch nicht erkennen? Für IBM ist das Internet zweifelsohne ein enorm wichtiges Kommunikationsinstrument. Unser Marketing nutzt den Kanal Internet stark. Erstens weil dieser Kanal relativ kostengünstig ist, und zweitens weil wir Produkte und Leistungen mit hoher Komplexität anbieten, die die Werbung nicht vollständig kommunizieren kann. Daher arbeiten wir in der Werbung mit dem Slogan „Cosa ti rende speciale?" und verweisen auf unsere Internetseite, wo die Inhalte erklärt werden. Ich bin der Meinung, dass auch andere Unternehmen einen Ort brauchen, wo sie Inhalte platzieren können. Daher rate ich jedem Unternehmen, das Medium Internet mit seinen ungeahnten Möglichkeiten zu nutzen. Zum einen ist das Internet kostengünstig, zum anderen lässt es Rückschlüsse auf Kundenprofile zu, indem die Interessierten auf das Netz zugreifen. Welche Zukunft erwarten Sie für das Mobiltelefon. Wird es in erster Linie ein Sprech- und SMS-Medium bleiben oder werden die Konsumenten - auch geschäftlich - irgendwann die technischen Möglichkeiten ausschöpfen, die die Handys theoretisch schon heute bieten? Würde ich bei Nokia arbeiten, würde ich wohl antworten, dass das Mobiltelefon in absehbarer Zukunft ein Alleskönner sein wird. Aber Scherz beiseite: Ich bin sicher, dass die verschiedenen Technologien, die heute existieren, schrittweise zusammenwachsen werden. Wie sie das tun werden, kann ich nicht vorhersagen. Aber sie werden es tun. Das gilt nicht nur für die Handys. Und die Kunst wird es sein, die Inhalte über verschiedenen Technologien transportierbar zu machen. Interview von Südtiroler Wirtschaftszeitung erschienen am 07.12.2006

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