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Innovation und Liquidität zum Neustart
Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Südtiroler Wirtschaft sind stärker als die Effekte der großen Finanzkrise von 2008. Die Unternehmen haben im März mehr als ein Drittel des Umsatzes verloren. Das zeigt die Sonderbefragung des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen, die in Zusammenarbeit mit Eurac Research durchgeführt wurde.

Die Krise betrifft fast alle Wirtschaftsbranchen und viele Aspekte der betrieblichen Tätigkeit. Trotzdem haben einige Unternehmen den Notstand auch als Chance genutzt und Innovationen angestoßen und umgesetzt. Fast alle Südtiroler Unternehmen geben an, dass sich der Covid-19-Notstand sehr negativ auf Umsatz und Rentabilität ausgewirkt hat. Neben dem Tourismus sind die Automobilzulieferer, die Weinwirtschaft, die persönlichen Dienstleistungen sowie der Einzel- und Großhandel am stärksten betroffenen. Die Krise berührt alle Aspekte der betrieblichen Tätigkeit, von der Finanz- bis zur Personalverwaltung, von den Beziehungen mit den Lieferanten bis zur Logistik. Ganz besonders aber beklagen sich rund drei Viertel der Unternehmen über finanzielle Schwierigkeiten und mangelnder kurzfristiger Liquidität. Fast zwei Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer können nicht abschätzen, wann ihre Tätigkeit wieder ein normales Niveau erreichen wird. Nur 22 Prozent erwarten, dass dies bereits bis Ende des Jahres geschehen wird.
In jenen Sektoren, die offen halten konnten, reagierten Betreiber oft mit organisatorischen Neuerungen, wie z.B. Online-Handel und Hauszustellung. Die Krise veranlasste viele Unternehmen auch dazu, im Homeoffice zu arbeiten. In vielen Fällen wird sich dieses neue Arbeitsmodell auch dauerhaft durchsetzen können.
In den kommenden Monaten wird es notwendig sein, vor allem die kleinsten Unternehmen zu schützen, wie Handwerker und Einzelhändler, welche die Basis der Wertschöpfungskette darstellen.
„Nach dem ersten Schock hat sich die Südtiroler Wirtschaft jetzt an die neuen Gegebenheiten angepasst und startet neu. In dieser Phase geht es vordringlich darum, den Unternehmen die notwendige Liquidität zu sichern. Langfristig ist wichtig, dass sowohl Unternehmen als auch der öffentliche Sektor weiter in die Digitalisierung investieren. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist entscheidend, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben", so Handelskammerpräsident Michl Ebner.
Im Zuge der Umfrage haben Forscherinnen und Forscher von Eurac Research die Bedeutung der Globalisierung für Südtiroler Unternehmen sowie die möglichen Auswirkungen der aktuellen Covid-19-Krise auf Globalisierung und Digitalisierung genauer untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Globalisierung in erster Linie mit dem Zugang zu neuen Märkten, mit der Abnahme von Handelsbarrieren und einem besseren und schnelleren Austausch von Informationen in Verbindung gesetzt wird.
87 Prozent der Unternehmen erwarten, dass die aktuelle Situation den Prozess der Globalisierung vorantreiben dürfte, insbesondere bezüglich technologischer Aspekte, wie etwa der Digitalisierung. Rund ein Viertel der Unternehmen setzen aufgrund der aktuellen Notsituation bereits jetzt verstärkt auf neue Technologien und Verfahren. Dazu gehören die Nutzung von Internetkommunikationstools, Onlinevertrieb und Hauszustellung oder der sozialen Netzwerke.
Was die Handelsglobalisierung anbelangt, rechnen Südtiroler Unternehmen mit einem geringen Einfluss der Krise. Lediglich 16 Prozent erwarten eine Dezentralisierung der Märkte.
„Zwei Reaktionen stechen deutlich hervor. Zum einen der Wille, regionale Kooperationen stärker auszubauen, zum anderen die Beschleunigung der Digitalisierung durch die Übernahme neuer Technologien“, fasst Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research, zusammen.
Die Südtiroler Unternehmen gehen außerdem davon aus, dass die Krise Auswirkungen auf die gesellschaftliche und politische Dimension der Globalisierung haben dürfte. Fast ein Viertel gab an, dass die aktuelle Situation zu einer Neuordnung der Zivilgesellschaft führen könnte. Zudem gehen die Unternehmen davon aus, dass die Krise eher zu einer Schwächung als zu einer Stärkung der europäischen Integration beitragen dürfte.

18.05.20

Kontakt: Andreas Dibiasi, T 0471 055 432, andreas.dibiasi@eurac.edu

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