CHRIS: Bevölkerungsstudie zur Gesundheit in Südtirol
Was ist eine Bevölkerungsstudie?
Bevölkerungsstudien erfassen und untersuchen klinische Daten von tausenden Personen, um Ursachen von Krankheiten sowie deren Auftreten und Verbreitung in der Gesellschaft auf die Spur zu kommen. Solche Studien sind ein unverzichtbares Instrument der biomedizinischen Forschung, weil sie es ermöglichen, den Gesundheitszustand von Menschen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Alle vier bis fünf Jahre werden über Gesundheitszustand oder Krankheitsverläufe in der Bevölkerung Informationen gesammelt. Dadurch sollen Erkenntnisse über Ursprung und Schwere von verbreiteten Krankheiten gewonnen und erklärt werden, weshalb manche Personen gegen bestimmte Krankheitsbilder besser geschützt scheinen als andere.
Bevölkerungsstudien wie die CHRIS-Studie verfolgen das Ziel Risikofaktoren von Krankheiten zu erkennen, indem sie das Verhältnis zwischen genetischen und Umweltfaktoren in Betracht ziehen.
Umweltfaktoren beeinflussen unser Leben und unseren Gesundheitszustand und können das Auftreten bestimmter Krankheiten fördern. Faktoren wie Umweltverschmutzung oder das Klima können nicht direkt vom Einzelnen verändert oder beeinflusst werden; der persönliche Lebensstil dagegen, also Ernährung, Bewegung, der Genuss von Alkohol oder das Rauchen können sehr wohl vom Einzelnen beeinflusst werden. Umweltfaktoren gelten dann als Risikofaktoren, wenn sie das Auftreten oder die Verschlechterung von Krankheiten zur Folge haben. Im Gegensatz dazu werden sie zu Schutzfaktoren, wenn sie bestimmten Krankheitsbildern entgegenwirken oder den Gesundheitszustand gar verbessern.
Die genetischen Faktoren beziehen sich auf Informationen, die in der DNA enthalten sind, und mit Hilfe einer Blutprobe gewonnen werden können.
Die DNA ist mit einer Enzyklopädie zu vergleichen, die alle notwendigen Anweisungen enthält, damit sich unser Organismus entwickeln kann und funktioniert. Die einzelnen Einträge in dieser Enzyklopädie sind die Gene, welche die Informationen enthalten, die unsere körperlichen Eigenheiten oder einzelne Körperfunktionen festlegen. Manche Gene enthalten anomale Informationen, die für das Auftreten bestimmter Krankheiten verantwortlich sind. Andere komplexe Krankheiten entstehen durch das Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren.
Worum handelt es sich bei der CHRIS-Studie und was sind deren Ziele?
CHRIS (Cooperative Health Research in South Tyrol) heißt die Bevölkerungsstudie, die vom Zentrum für Biomedizin vorangetrieben wird. Das Zentrum für Biomedizin wurde von der EURAC und dem Südtiroler Sanitätsbetrieb gemeinsam gegründet. Die CHRIS-Studie möchte neue Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen genetischen Faktoren, Umweltfaktoren und dem Lebensstil einer Person gewinnen. Die Erforschung dieser Zusammenhänge wird Informationen über die Entstehung und den Verlauf verschiedener Krankheiten liefern und in einem zweiten Moment zur besseren Vorsorge, Diagnostik und Behandlung dieser Krankheiten beitragen.
Die CHRIS-Studie will Antworten auf einige noch offene Fragen im Zusammenhang mit Volkskrankheiten geben. Was verursacht chronische Krankheiten wie Diabetes, Erkrankungen des Herz-Kreislauf- und Nervensystems, an denen immer mehr Menschen in Südtirol und in der Welt leiden? Beeinflussen Lebensstil und Umwelteinflüsse deren Entwicklung? Welche Rolle spielt unser genetisches Erbe? Durch die Analyse des Gesundheitszustandes und der Gewohnheiten der Bevölkerung versuchen die Forscher Risikofaktoren für die weitverbreitetsten Krankheiten zu entdecken und konzentrieren ihre Forschung auf Herz-Kreislaufsystem, Nervensystem und Stoffwechsel. Die Ergebnisse werden von hohem wissenschaftlichen Wert sein und einen großen Einfluss auf die internationale Forschungsgemeinschaft haben. Die Folge: vertiefende Forschungsaktivitäten, deren Erkenntnisse dann in Südtirol zur Anwendung gelangen. Langfristiges Ziel der Studie ist es, den Gesundheitszustand der Südtiroler Bevölkerung zu verbessern und zwar durch mehr Prävention, frühzeitige Diagnosen und durch die Behandlung der Krankheiten.
Welche Forschungsmethoden kommen in der CHRIS-Studie zur Anwendung?
CHRIS ist eine so genannte epidemiologische, prospektive Bevölkerungsstudie. Das heißt: Die Forscher sammeln in einer Datenbank Informationen über den Gesundheitszustand von Personen, die freiwillig an der Studie teilnehmen. Auf diese Weise sollen neue Erkenntnisse über die Wechselbeziehung zwischen Genen und Umwelt bei der Entstehung von Krankheiten gewonnen werden.
Mit Hilfe detaillierter Befragungen, einer vollständigen medizinischen Untersuchung und durch die Untersuchung von Blut- und Urinproben werden Informationen in einer Datenbank zusammengeführt, die klinische Parameter, Krankengeschichte und Informationen zu Gewohnheiten und Lebensstil (sportliche Betätigung, Rauchen oder Ernährung) enthalten. Die Analyse dieser Daten bildet dann die Grundlage, auf der die Ursachen und Faktoren untersucht werden, die das Auftreten von Krankheiten beeinflussen.
Die Studie sieht außerdem vor, dass biologische Proben (Blut, Urin, DNA) aufbewahrt, und Bestandteil der CHRIS-Biobank werden. Biologische Proben sind eine wichtige Informationsquelle der Forschung: Analysiert man die aus den Blutproben extrahierte DNA, ist es möglich, Gene auszumachen, die für bestimmte Krankheiten verantwortlich sind. Die so gewonnenen Ergebnisse tragen zu einem immer vollständigeren Gesamtbild der molekularen Funktionsweise von Krankheiten bei und sind Wegbereiter neuer Forschungslinien. Es ist daher wichtig, eine beständige und repräsentative Zahl von Teilnehmern zu haben, um signifikante wissenschaftliche Ergebnisse zu erhalten.
Wer sind die Initiatoren der CHRIS-Studie?
Die EURAC und der Südtiroler Sanitätsbetrieb führen in ihrem Zentrum für Biomedizin die CHRIS-Studie durch.
Das Zentrum für Biomedizin ist aus dem EURAC-Institut für Genetische Medizin hervorgegangen, das sich aus einem interdisziplinären und internationalen Forscherteam zusammensetzt und das sich seit 2004 mit genetischen Bevölkerungsstudien beschäftigt. Besonderer Forschungsschwerpunkt bilden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems. Weiterer Initiator des Zentrums für Biomedizin ist der Südtiroler Sanitätsbetrieb, eine Institution, die sich um die Gesundheit aller Südtiroler kümmert. Die Aktivitäten des Sanitätsbetriebes stützen sich auf neuste Forschungsergebnisse und umfassen die Information der Bürger, Präventionsmaßnahmen, Diagnosen und Behandlungen von Krankheiten.
Finanzierungen: Das Projekt CHRIS wird durch Fördermittel der Abteilung Bildungsförderung, Universität und Forschung der Autonomen Provinz Bozen für das Zentrum für Biomedizin finanziert.