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DOSSIER: DER WOLF IN SÜDTIROL

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September 2017

Nachdem sie mehr als ein Jahrhundert lang verschwunden waren, haben Wölfe jetzt wieder Spuren ihrer Anwesenheit in Südtirol hinterlassen. Viele sind es nicht. Man kann sie wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Da sie nicht sesshaft sind und man sie nur gelegentlich sehen kann, existiert noch keine offizielle Zählung. Und dennoch bereitet ihre Anwesenheit Kopfzerbrechen.

Dieses Dossier soll einen Überblick über die Situation verschaffen und liefert:

  • die verfügbaren Daten
  • den gesetzlichen Rahmen
  • die politischen Leitlinien auf europäischer und lokaler Ebene.

Überdies versuchen wir, die Folgen für den Fall abzuwägen, dass die lokalen Behörden entscheiden, 1) gezielte Tötungen anzuordnen, 2) keine Maßnahmen zu ergreifen, 3) in Schutzmaßnahmen für Haustiere wie beispielsweise Elektrozäune oder Sterilisierungskampagnen zu investieren. 

  1. Einführung
  2. Wie viele Wölfe leben in Südtirol?
  3. Woher kommen die Wölfe?
  4. Was hat die Wiederbevölkerung der Wölfe begünstigt?
  5. Sind Wölfe aggressiv?
  6. Warum verursachen Wölfe Angst?
  7. Welcher gesetzliche Rahmen regelt das Wolfsmanagement? ​
  8. Was geschieht in anderen Ländern? Ist ein Zusammenleben mit Wölfen möglich?
  9. Wie geht die Europäische Union vor?
  10. Welche Position bezieht die lokale Politik?
  11. Welche Alternativen gibt es in Südtirol?
  12. Schlussfolgerung​​​

​Das Dossier als PDF hier herunterladen

Einführung​

Wölfe besiedeln seit jeher die Berggebiete in ganz Europa einschließlich der Apenninen und der Alpen.

Im 19. und 20. Jahrhundert waren sie vom Aussterben bedroht: In den 70er Jahren beliefen sich die in Italien übrig gebliebenen Exemplare auf weniger als 100.

Gegenwärtig steigt die Zahl der Wölfe. Die offiziellen Daten des Umweltministeriums und des „Istituto superiore per la protezione e la ricerca ambientale" (ISPRA, übergeordnetes Institut für Umweltschutz und Umweltforschung) geben für Italien eine schwankende Population von 1500 bis 2000 Exemplare an. Das sind etwa 17 bis 18 % aller in der Europäischen Union lebenden Wölfe.  

Falls sich die Wölfe auf italienischem Territorium ausbreiten und regelmäßig fortpflanzen, gehen jüngste Forschungen davon aus, dass die Population jedes Jahr um 20 bis 30 Prozent ansteigen könnte.

Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie viele Wölfe jedes Jahr infolge menschlichen Handelns (Wilderei, Verkehrsunfälle usw.) sterben. Grobe Schätzungen der Experten belaufen sich auf 15 bis 20 Prozent der Gesamtzahl. Die Wilderei stellt möglicherweise die Haupttodesursache der Wölfe in Italien dar. 

Wie viele Wölfe leben in Südtirol?

Südtirol folgt dem nationalen Trend. Mehr als ein Jahrhundert lang fanden sich hier keine sesshaften Wölfe: Das letzte Exemplar wurde 1896 in Villnöß getötet. Die Präsenz von Wölfen in Südtirol im Laufe der Geschichte bezeugen nicht nur bibliografische Quellen sondern auch Ortsnamen wie „Oberwolfgrube", „Wolfenhof" und viele andere. 

 

Seit einigen Jahren sind die Wölfe zurück. Anfang Februar 2017 hat eine Kamera im Gadertal zwei Exemplare abgelichtet. Spuren wurden auch in Toblach gefunden. Das Amt für Jagd und Fischerei der Autonomen Provinz Bozen hat diese Meldungen in seinem Jahresbericht über die Wildfauna aufgenommen. Aufgrund des sporadischen Auftretens ist es derzeit nicht möglich, die Zahl der Wölfe, die sich in Südtirol aufhalten, zu schätzen. Man vermutet, dass die Wölfe das Südtiroler Territorium durchwandern und dann weiterziehen.

Für das benachbarte Trentino hingegen liegen Daten vor: Dort führt die Landesbehörde seit 2010 eine gezielte Überwachung durch, die auch genetische Untersuchungen vorsieht. Ein jährlich erscheinender, detaillierter Bericht gibt an, dass im Jahr 2016 im Trentino insgesamt 15 Exemplare gezählt wurden.

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Woher kommen die Wölfe?

Die Wölfe, die in Südtirol gesichtet wurden, kommen aus dem Süden (Trentino und Venetien) und aus dem Osten (Slowenien). Experten vermuten, dass sie der europäischen Art des Canis lupus angehören, die in den Ostalpen verbreitet ist. Es wurden jedoch keine genetischen Untersuchungen an den Exemplaren vorgenommen, die in der Provinz Bozen gesichtet wurden.

Von Kalabrien bis hin zu den Westalpen mit Tendenz, sich Richtung Zentral- und Ostalpen zu verlagern, ist hingegen die Subspezies Canis lupus italicus verbreitet.

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Was hat die Wiederbevölkerung der Wölfe begünstigt?

Die Wölfe haben alleine den Weg zurück nach Italien und somit nach Südtirol gefunden. Anders als beim Braunbär war kein menschliches Eingreifen nötig.

Folgende Aspekte haben die Wiederbesiedlung begünstigt und begünstigen sie noch:

  • Zwischen 7% und 20% der Wolfspopulation lebt nicht im Rudel und hält sich nicht dauerhaft in einem Territorium auf. Diese Wölfe sind auf der Suche nach neuen Territorien und entfernen sich hierfür um bis zu 500 km von ihrem Herkunftsgebiet.
  • Wölfe passen sich leicht verschiedenen Umweltbedingungen an. Sie sind Jäger und reine Fleischfresser mit einem Bedarf von etwa zwei Kilogramm Nahrung pro Tag. Sie bevorzugen Wildtiere, Hirsche, Rehe, Gämse, Mufflons und Wildschweine. Im Notfall passen sie sich der verfügbaren Nahrung an, darunter Zuchtvieh mittlerer Größe wie Schafe und Ziegen, insbesondere, wenn sie nicht angemessen gehütet werden.
  • Wölfe haben, wie auch Wildschweine und Hirsche, von der Entvölkerung der Landgebiete profitiert, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat und immer noch andauert.
  • In den Jahren 1971 und 1976 wurden die Wölfe mittels Ministerialdekreten von der Liste der „schädlichen Arten" gestrichen.

 

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Sind Wölfe aggressiv?

Nein, im Gegenteil: Wölfe sind scheue Tiere, die für den Menschen im Wesentlichen ungefährlich sind. In den letzten 150 Jahren konnte in Italien kein Angriff auf Menschen vermeldet werden.
Dennoch hat die spontane Rückkehr des Wolfes und seine ökologischen Bedürfnisse zu Konflikten geführt. Diese betreffen hauptsächlich einige wirtschaftliche Aktivitäten in Berggebieten wie die Landwirtschaft, die Weidewirtschaft und die Viehzucht.

 

In Südtirol wurden im Jahr 2016 insgesamt 225 Schadenersatzanträge für Schäden eingereicht, die von der Wildfauna verursacht wurden: Beschädigungen, Verkehrsunfälle, Wilddieberei. Die geschätzte Summe der Schäden beläuft sich insgesamt auf etwa 67.000 Euro. Lediglich 11 Anträge, sprich, weniger als 5 Prozent, betrafen die großen Raubtiere (Bär und Wolf). Insgesamt wurden die von Wölfen verursachten Schäden für 2016 auf weniger als 3000 Euro quantifiziert, die für 17 getötete Schafe und 1 getötete Ziege ausgezahlt wurden.

Auf nationaler Ebene kann die Höhe der Schäden, die von Wölfen verursacht wurden, nicht geschätzt werden. Nicht alle Regionen erfassen und überwachen das Ausmaß und die Art der Schadensfälle und erheben etwaige Entschädigungskosten.

 

Außerdem sind die Verfahren zur Schadensfeststellung nicht immer so konzipiert, dass zwischen Schäden, die von Wölfen und von Hunden verursacht werden, unterschieden werden kann. Das europäische Projekt IbriWolf spricht von etwa 700.000 streunenden Hunden in Italien im Vergleich zu ungefähr 2000 Wölfen. Aufgrund dieser Zahlen läuft der Canis lupus Gefahr, seine genetische Identität zu verlieren und als eigenständige Art auszusterben, indem er in der Masse der streunenden Hunde untergeht. Doch der Verlust der Biodiversität ist nicht die einzige Gefahr. Die Kreuzungen von Hund und Wolf sind gegenüber Menschen und ihre Aktivitäten zutraulicher, sodass sie potenziell äußerst schädlich und gefährlich werden können. Die Kreuzung Hund-Wolf ist ein wenig bekanntes Phänomen, das jedoch eine große Gefahr für das Zusammenleben dieses Raubtieres mit dem Menschen darstellt. 


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Warum verursachen Wölfe Angst?

Die von Wölfen verursachten Schäden sind im Vergleich zu den Schäden, die von anderen Tiere verursacht werden, sowohl zahlen- als auch wertmäßig gering. Allerdings tendieren sie dazu, sich lokal zu konzentrieren und schnellen in Ermangelung wirksamer Präventionsmaßnahmen, dort in die Höhe. In einigen Fällen sind die Verluste für die einzelnen Züchter oder lokalen Gemeinschaften untragbar.

Zudem hat der Wolf, der von jeher eine beträchtliche emotionale Wirkung hat, in den Menschen Ängste hervorgerufen, die nur vermeintlich als bewältigt gelten. Man denke hierbei an die Märchenwelt. In den letzten Jahren hat die Presse diese Ängste häufig durch Sensationsmeldungen geschürt. Viele lokale und nationale Zeitungen benutzten in Zusammenhang mit Wölfen häufig die Begriffe „Bedrohung" oder „Angriff":

  • „Wenn Wölfe zur Bedrohung werden" (Le Iene, TV-Programm)
  • „Achtung vor dem Wolf!" (Striscia la Notizia, TV-Programm)
  • „Aus der Provinz: Wenn Wölfe gefährlich werden" (L'Adige)
  • „Angriff der Wölfe" (L'Arena)
  • „Wölfe: Jäger zum Töten bereit" (Alto Adige)

 

 

Welcher gesetzliche Rahmen regelt das Wolfsmanagement? 

In den 70er Jahren wurde in Italien wie auch in Europa und in den USA die ökologische Bedeutung dieser Art erkannt. Verhaltensforscher und Biologen haben beobachtet, dass Wölfe ihre Rolle als Umweltregulierer bestmöglich ausüben: Sie halten die Populationsgröße ihrer Beute unter Kontrolle und beseitigen Kadaver von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. 

Hauptregelungen:

 

JahrGesetzAnordnung
1973USA: Anlage II zur Übereinkunft von Washington (CITES) 
1979Berner Übereinkunft 
1992Europa: Habitat-Richtlinie (92/43)Der Wolf gehört zu den Arten von gemeinschaftlichem Interesse
1971, 1976Italien: MinisterialdekretDer Wolf wird von der Liste der schädlichen Arten gestrichen. Jagd- und Vergiftungsverbot.
1992Gesetz 157/92 (Regelungen über den Schutz warmblütiger wildlebender Tiere und die Jagd)Für Personen, die einen Wolf töten, sind bis zu 3000 Euro Geldstrafe und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten vorgesehen.

In Italien erfolgt das Management von Wölfen auf Ministerialebene, da die Wildfauna wie auch Wälder, Bergwerke und im Erdboden entdeckte archäologische Güter als „unverfügbares Staatsvermögen" betrachtet werden. 


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Was geschieht in anderen Ländern? Ist ein Zusammenleben mit Wölfen möglich? 

Ja, auch wenn die instinktive Reaktion die ist, nicht mit ihnen zusammenzuleben und sie – wenn auch selektiv – zu töten. Dies ist die Vorgehensweise in der Schweiz, wo die Kantone für den Fall, dass einzelne Wölfe beträchtliche Schäden anrichten, eine außerordentliche Genehmigung für die Tötung erteilen können.

Österreich verhandelt derzeit mit der Europäischen Union über eine Ausnahmeregelung für die Jagd.

In Rumänien gestaltet sich die Situation ein wenig anders. Dort sind die Zoologen der Karpaten bereit, einige Exemplare zu opfern, ohne jedoch die zahlreiche Population einem Risiko auszusetzen.

Wieder anders hat hingegen Deutschland entschieden: Nachdem die Daten über die von Wölfen verursachten Schäden veröffentlich wurden - in fast 20 Jahren weniger als 500.000 Euro im Vergleich zu den über 60 Millionen, die allein 2015 für die Beseitigung von Schäden durch Marder aufgewendet wurden - hat der Umweltminister die Strategien für die Verbreitung von Präventionsmaßnahmen intensiviert.

In erster Linie handelt es sich um Elektrozäune für Herden, Hütehunde, Tonfrequenzabwehrgeräte und Köder für die chemische Kastration von Wölfen. Es handelt sich um einfache Systeme, die jedoch eine Änderung der gelegentlich tief verankerten Gewohnheiten der Landwirte erfordern.

Wissenschaftler scheinen diese Bemühungen zu schätzen. Eine kürzlich durchgeführte Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Ecology and the Environment" veröffentlicht wurde, zeigt, dass in Fällen, in denen tödliche Methoden angewendet wurden, die Abnahme der Angriffe auf Zuchtvieh nur bei 29 Prozent lag - und dies auch nur vorübergehend. In 43 Prozent der Fälle haben die Forscher hingegen eine Zunahme der Angriffe gegen Haustiere beobachten können. Dieses Phänomen ist wohl auf die Auflösung des Rudels infolge der Beseitigung der Alphatiere zurückzuführen.

Der Einsatz von nicht tödlichen Maßnahmen wie beispielsweise der nächtliche Schutz der Herde, die Verwendung von Zäunen und Hütehunden sowie die Abhaltung von Raubtieren durch Köder und Sterilisierung konnte die Angriffe von Wölfen um über 80 Prozent abwehren. 


Wie geht die Europäische Union vor? 

Die Europäische Union unterstützt mehrere Studien, die von verschiedenen öffentlichen Einrichtungen und Forschungseinrichtungen durchgeführt werden, um die Art zu schützen und das Zusammenleben von Menschen und Wildfauna zu fördern, und den betreffenden Gebieten konkrete Vorteile zu verschaffen.

In den Alpen läuft beispielsweise das Projekt WolfAlps, das von der Region Piemont betreut wird und Partner in Slowenien und in anderen italienischen Regionen hat (u. a. Muse in Trient). Im Rahmen des Projekts wurden auch Schulprojekte und Wanderwege wie der „Wolf Hike" im Nationalpark der Seealpen entwickelt. Darüber hinaus sind öffentliche Informationsstellen wie beispielsweise das Zentrum „Uomini e lupi" in Entracque, in der Provinz Cuneo, entstanden.

Auch haben Forscher nachweisen können, wie die Präsenz von Wölfen Touristen anzieht, die sich für einen naturnahen Urlaub in einer naturbelassenen Landschaft interessieren, und den Markt für wolffreundliche Produkte ankurbelt. Die Autonome Provinz Bozen wurde zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Nationalpark von Mercantour in Frankreich dazu eingeladen, ihre Erfahrungen in die verschiedenen Aktivitäten einfließen zu lassen. 

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Welche Position bezieht die lokale Politik?

Kürzlich gab die Landesverwaltung bekannt, sich nicht mehr an den europäischen Projekten Ursus und WolfAlps beteiligen zu wollen. Diesbezüglich erklärte sie, dass die jüngsten Raubfälle durch Wölfe, die im August 2017 zum Rückzug von etwa 400 Schafen vonseiten der Züchter der Seiser Alm geführt haben, nicht mehr von den Züchtern und Landwirten toleriert werden können.

Die Provinz hat ebenfalls angekündigt, beim Umweltministerium eine Ermächtigung beantragen zu wollen, um im Bedarfsfall mit gezielten Entnahmen – sprich Einfangen oder Töten – vorgehen zu dürfen.

Allerdings obliegt die Zuständigkeit betreffend Wildfauna jedoch dem Staat. Der Handlungsspielraum der Provinz ist daher gegenwärtig äußerst klein.

Die wichtigsten Interessensvertretungen wie der Südtiroler Bauernbund und der Jägerverband haben sich ausdrücklich gegen die Präsenz von Wölfen in der Provinz Bozen ausgesprochen. Wölfe werden von diesen Verbänden als schädlich für Landwirtschaft und Viehzucht, für die touristischen Aktivitäten der Almbetriebe und für die Unversehrtheit des Menschen angesehen.

Umweltverbände wie Legambiente, Lipu und WWF kritisieren die Haltung der Provinz. 

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Welche Alternativen gibt es in Südtirol?

Auch wenn die Wölfe in Südtirol derzeit nur „auf Durchreise sind", stufen Fachleute ihren Vormarsch als unaufhaltsam ein. Angesichts einer in Zukunft möglichen höheren Präsenz der Wölfe sind verschiedene Optionen denkbar.

Option 1:

Selektive Tötun​gen bis zum Erreichen​ einer jährlich festgelegten Zahl

ProContra
  • Ein Teil der Öffentlichkeit empfindet mehr Sicherheit
  • Weniger getötete Beutetiere, weniger Schadenersatzforderungen
  • Mehr Zustimmung für die politischen Entscheidungsträger vonseiten der ländlichen Wählerschaft
  • Mehr Beutetiere für Jäger

     
  • Ein Teil der Bevölkerung empfindet Ungerechtigkeit
  • Denkbar negative Auswirkung auf die Biodiversität
  • Unkontrollierte Vermehrung der Huftiere, mehr Schäden für Landwirte und mehr Verkehrsunfälle
  • Mögliche Zunahme von Übergriffen einzelner Wölfe, die keinem Rudel mehr angehören
  • Weniger „naturverbundene Touristen"
  • Weniger Förderungen aus EU-Programmen
  • Provinz weicht von den nationalen und europäischen Strategien ab, folglich Verlust von Image und Einflussvermögen

Option 2:

Keine Maßnahmen

ProContra
  • Höherer Anteil an renaturierten Flächen
  • Verbesserte Biodiversität, gesündere Umwelt
  • Höheres Gleichgewicht zwischen Raub- und Beutetieren

     

     
  • Diffuse Wahrnehmung von Unsicherheit
  • Erhöhte Erbeutung von Zuchttieren, mehr Schadenersatzforderungen
  • Landwirte und Züchter verlassen die Alpen, was sozioökonomische Auswirkungen mitbringt
  • Weniger Touristen, die nicht Liebhaber einer ursprünglichen Natur sind
  • Weniger Zustimmung für die politischen Entscheidungsträger von Seiten der ländlichen Wählerschaft
  • Weniger Huftiere für die Jagd verfügbar

Option 3:

Keine Tötung. Statt dessen Eindämmungen und nicht tödliche Präventionsmaßnahmen sowie  Entschädigungen. Beispielsweise Elektrozäune, Hütehunde, Unterführungen oder Grünbrücken, Abwehrmittel und Sterilisierung der Wölfe durch Köder

ProContra
  • Verbesserte Biodiversität
  • Mehr Arbeitsplätze in der Umsetzung der Maßnahmen
  • Mehr sanfter oder naturnaher Tourismus
  • Weniger getötete Beutetiere
  • Trend in Richtung natürliches Gleichgewicht zwischen Fleischfressern/Huftieren
  • Mehr Förderungen aus EU-Projekten
  • Steigerung der Wahrnehmung und des Bewusstseins der Bevölkerung gegenüber den Bedürfnissen der Landwirte und Viehzüchter

     

     
  • Anstieg öffentlicher Ausgaben für verschiedene Maßnahmen
  • Mögliche Konflikte zwischen Hütehunden und Wanderern
  • Notwendigkeit, die etablierten Gewohnheiten von Landwirten und Züchtern zu verändern
  • Notwendigkeit einer fortlaufenden Kontrolle an den realisierten Strukturen
  • Verringerung (wenn auch nur gering) der Anzahl der jagdbaren Huftiere

Schlussfolgerung

Seit Jahrtausenden teilen sich Menschen und Wölfe dasselbe Territorium, und seit Jahrtausenden lösen Wölfe bei Menschen Bewunderung, Ängste und Konkurrenzgedanken aus.

Jedes Mal, wenn sich Menschen und Wölfe gegenüberstehen, wiederholt sich die Geschichte: Der Mensch fühlt sich nicht nur durch die tatsächliche Gegenwart des Wolfes bedroht oder durch ein mögliches Zusammentreffen in der Natur. Er befürchtet zudem in seiner Raumnutzung eingeschränkt zu sein. Der Wolf ist eine jener Tierarten, die unsere Vorstellung von Freiheit und mangelnder Kontrolle, jedoch auch von Angst, Wildheit und Mystizismus verkörpern. Diese Gegensätze sowie Konkurrenzsituationen existieren heutzutage nicht mehr. Die Menschen haben ihre Gesellschaft nicht dadurch aufgebaut, dass sie sich in die natürliche Umgebung integriert haben. Sie haben ihre Umgebung vielmehr für ihre sozialen und wirtschaftlichen Interessen nutzbar gemacht. In Zeiten von Globalisierung, Identitätsverlust und Umweltproblemen stellt der Wolf eine so nicht erwartete und neue Situation dar, die anfänglich zwar Angst auslösen kann, die jedoch auch – wenn man sie mutig angeht – auf Grundlage von wissenschaftlichen Daten sowie einem partizipativen und ehrlichen Ansatz, beträchtlichen gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen mit sich bringen kann.

Der Wolf kann eine Chance z.B. für ein naturbelassenes Ökosystem oder die Attraktion bestimmter Touristen sein und nicht nur eine Bedrohung für den Einzelnen.

Die gegenwärtige Herausforderung liegt darin zu verstehen, ob das zukünftige Managementsystem des Südtiroler Territoriums auf das inklusive Modell „et-et" (Zusammenleben von Mensch und Raubtier) oder auf das ausschließende Modell „aut-aut" (entweder Mensch oder Raubtier) Bezug nimmt, wobei gemeinsam Chancen, Kosten und Nutzen zu beurteilen sind, die sich daraus ergeben würden.

In gleichem Maße, wie der Wolf von der ländlichen Bevölkerung fast „gehasst" wird, wird er von der Stadtbevölkerung übermäßig in Schutz genommen: zwei grundverschiedene Ansichten. Die Wahrheit könnte – wie so oft – in der Mitte liegen.

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