Rechtsvergleichende Untersuchung des Policy-Making im Mehrebenensystem. Dargestellt am Beispiel der Universitätswesens
Projektbeschreibung

Das Mehrebenensystem bewirkt im Universitätsrecht ein Spannungsverhältnis zwischen Internationalisierung und Differenzierung. Von der europäischen Ebene gehen kräftige, das Ausbildungssystem betreffende Vereinheitlichungstendenzen aus. Damit überschneidet sich eine Differenzierungstendenz, die aus den unterschiedlichen bildungspolitischen Konstellationen der jeweiligen Länder resultiert. In dieser Fragenstellung fügt sich die rechtsvergleichende Untersuchung ein, welche die Kompetenzaufteilung zwischen den verschiedenen Entscheidungsebenen im Hochschulwesen beleuchtet. Gegenstand der Analyse ist der gegenwärtige Reformprozess, der sowohl die Organisationsstrukturen als auch die Finanzierung, den Aufbau der Studiengänge, das Promotionswesen und die Bildungsinhalte an der Universität erfasst.

Dabei sind wesentliche Unterschiede zwischen einem Bundesstaat wie Deutschland und einem Regionalstaat wie Italien zu verzeichnen. In Deutschland ist die Kompetenz im Hochschulbereich vor allem den Ländern zugewiesen. Eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Bund, Ländern und Universitäten kommt den Institutionen des kooperativen Föderalismus und den Mittlerorganisationen zu (Kultusministerkonferenz, Wissenschaftsrat, Hochschulrektorenkonferenz, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutscher Akademischer Austauschdienst).
In Italien ist hingegen fast ausnahmslos der Zentralstaat für die Universität zuständig, die jedoch über eine sehr umfassende Autonomie verfügt. Allerdings sind die Grenzen auch im Lichte der Rechtsprechung des italienischen Verfassungsgerichtshofes nicht immer leicht zu ziehen. Als drittes Vergleichselement ist das österreichische Hochschulwesen Gegenstand der Untersuchung. Dieser Bereich fällt traditionell in die Kompetenz des Bundes, wenn auch nach der Universitätsreform aus dem Jahre 2002 weitgehende Zuständigkeiten den einzelnen Universitäten zugewiesen wurden.
Allen drei Staaten gemeinsam ist der Trend zur Europäisierung und Internationalisierung im Bereich der Forschung, der darin zum Ausdruck kommt, dass die grenzüberschreitende wissenschaftliche Kooperation ausgebaut und verstärkt wird. Eine zentrale Bedeutung für die Internationalisierung der Universitäten im Bereich von Ausbildung und Studium kommt gegenwärtig dem Bologna-Prozess zu. Innerhalb dieses Rahmens sind verschiedene Ziele zur Errichtung des europäischen Hochschulraums und zur Förderung der europäischen Hochschulen formuliert worden, die unter uneingeschränkter Achtung der Vielfalt der Kulturen, der Sprachen, der nationalen Bildungssysteme und der Autonomie der Universitäten erreicht werden sollen.

Die rechtsvergleichende Untersuchung mit dem Titel "Die Universität im Mehrebenensystem zwischen territorialer Differenzierung und europäischer Harmonisierung - Von der Ordinarienuniversität zu neuen Steuerungsmodellen" wurde von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer als Habilitationsschrift angenommen. Die Veröffentlichung in Buchform ist in Vorbereitung und wird 2013 erscheinen.               



Last update: 7.11.2012 12:28
Rechtsvergleichende Untersuchung des Policy-Making im Mehrebenensystem. Dargestellt am Beispiel der Universitätswesens
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