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Spracherwerb in der Mittelschule
Erste Langzeitstudie in Südtirol nimmt den Lernfortschritt in Deutsch, Italienisch und Englisch unter die Lupe.

Drei Jahre lang begleiteten Forscher des Instituts für Angewandte Sprachforschung von Eurac Research 170 Südtiroler Schüler und Schülerinnen auf ihrem Weg durch die Mittelschule, um mehr über den Spracherwerb in Deutsch, Italienisch und Englisch zu erfahren. Acht Klassen aus vier deutsch- und vier italienischsprachigen Mittelschulen nahmen zwischen 2015 und 2018 an der Studie teil. Die Forscher konnten so erstmals für Südtirol den Lernfortschritt der Schüler über mehrere Jahre hinweg beobachten und dadurch neue Erkenntnisse über den individuellen Spracherwerb in diesem für Jugendliche wichtigen Abschnitt des Bildungswegs gewinnen. Die Ergebnisse stellen manche Vorannahmen in Politik und Gesellschaft in Frage: So ist in den untersuchten Klassen zum Beispiel kein Zusammenhang zu erkennen zwischen dem Lernfortschritt der Klasse in den Schul- und Unterrichtssprachen und dem Anteil an Schülern mit anderer Muttersprache als Deutsch und Italienisch. Im Detail werden die Studienergebnisse am Mittwoch, 27. November, im Forschungszentrum Eurac Research vorgestellt (16 Uhr).

Für die Studie, die in enger Zusammenarbeit zwischen Eurac Research und dem Kompetenzzentrum sowie den Sprachenzentren durchgeführt wurde, setzten die Forscher eine Vielzahl von Methoden ein – Tests zur Erhebung des Sprachstands, audiovisuelle Aufnahmen, Fragebögen, Unterrichtsbeobachtungen, Interviews mit Lehrkräften, Direktoren und Direktorinnen –, um umfassende Aussagen treffen zu können. Neben den Sprachkompetenzen wurden somit zahlreiche Faktoren erfasst, die den Spracherwerb von Kindern und Jugendlichen beeinflussen können, etwa der sprachliche Hintergrund in der Familie, der Sprachgebrauch im Alltag, Schreib- und Lesegewohnheiten oder Mediennutzung. Studien, die derart genau und über einen so langen Zeitraum den Lernfortschritt von Schulklassen erfassen, sind ausgesprochen selten: Zum einen braucht es dafür eine langfristige Finanzierung, zum anderen eine große Bereitschaft vonseiten der Schuldirektion, Lehrerschaft und Eltern, wie die Sprachwissenschaftlerin Maria Stopfner betont, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Lorenzo Zanasi für die Studie verantwortlich war.  „Bei dieser Studie handelt es sich um eine explorative Untersuchung, die keine Aussagen über die Situation in ganz Südtirol zulässt. Unsere Ergebnisse zeigen aber Tendenzen auf und können den Anstoß liefern, vorgefasste Annahmen zu überdenken und genauer hinzusehen, “ so Stopfner.

Wie die Studie zeigt, ergibt sich nämlich ein ganz anderes Bild, wenn man den Lernfortschritt misst – in diesem Fall von der ersten bis zur dritten Mittelschule – anstatt die Kompetenzen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erheben und zu vergleichen, wie es etwa vielfach bei Lernstandserhebungen gemacht wird. „Bei solchen Erhebungen haben die Schüler, die die Sprache als Erstsprache sprechen, natürlich einen Vorteil gegenüber denen, die die Sprache erst noch lernen müssen,“ so Zanasi. Nimmt man jedoch den Lernzuwachs als Maßstab, gehören Schüler mit anderen Erstsprachen als Deutsch und Italienisch oft mit zu den erfolgreichsten Schülern. Für Stopfner wäre ein Perspektivenwechsel, der den Lernzuwachs in den Mittelpunkt rückt, von großem Vorteil: „Nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer: Speziell in stark heterogenen Klassen fühlen Lehrer ja immer auch den Druck, das Niveau der Erstsprachensprecher zu erreichen. Dabei übersehen sie leicht, wie groß die Fortschritte sind, die die Schüler in Wirklichkeit machen. Und das ist ja im Grunde die wesentliche Leistung und Aufgabe von Bildung.“

Die Ergebnisse der Studie lassen auch keinen Zusammenhang zwischen dem sprachlichen Lernzuwachs einer Klasse und dem Anteil an Schülern mit anderen Familien- und Herkunftssprachen erkennen. Ebenso wenig zeigt sich ein Zusammenhang mit dem beruflichen Hintergrund der Eltern.
In einem Punkt bestätigen die Studienergebnisse jedoch die allgemeine Wahrnehmung: Wenn sie es nicht für die Schule tun, lesen und schreiben Schüler und Schülerinnen heute vor allem online. 

Die Studie war Teil des Projekts „SMS – Sprachenvielfalt macht Schule“ (http://sms-project.eurac.edu), bei dem das Institut für Angewandte Sprachforschung von Eurac Research in den vergangenen sieben Jahren mit der Pädagogischen Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion, der Direzione Istruzione e Formazione italiana und der Ladinischen Bildungsdirektion zusammenarbeitete, um die Mehrsprachigkeit an Südtirols Schulen zu erforschen und zu fördern. Das mit dem Europäischen Sprachenlabel ausgezeichnete Projekt soll in den kommenden Jahren weitergeführt werden: Erfahrungen und Erkenntnisse der vergangenen sieben Jahre sowie die Pläne für die Zukunft werden am 27. November ebenfalls vorgestellt.

Zur Video-Animation zur Mehrsprachigkeit in Südtirols Schulen und ihrer Förderung und Erforschung: https://www.youtube.com/watch?v=9YXvMZkzhmI

Für weitere Informationen: maria.stofpner@eurac.edu

27.11.19
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