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„Schüler in Südtirol haben enorme mehrsprachige Kompetenzen“
Sprachwissenschaftler von Eurac Research entwickeln Instrumentarium für die Mehrsprachigkeitsforschung und erheben erstmals die vollständigen Sprachrepertoires von Schülern in Südtirol.

Felix, ein Mittelschüler aus Gröden, fährt mit seinen Eltern nach Frankreich in den Urlaub. Am Anfang ist er schüchtern und findet es ziemlich schwierig, sich mit anderen Kindern zu verständigen. Mit Händen und Füßen und der Grundlage aus Ladinisch, Deutsch und Italienisch kommt Felix jedoch überraschend gut mit dem Französischen zurecht. Am Ende des Urlaubs kann er im Dorfladen sogar allein einkaufen, obwohl die Verkäuferin nur Französisch spricht.
Beispiele wie dieses fanden die Sprachforscher von Eurac Research, als sie das Sprachrepertoire von 240 Jugendlichen aus deutschen, italienischen und ladinischen Schulklassen in Südtirol erfassten. Es zeigt, dass die Schüler sich ihrer mehrsprachigen Ressourcen durchaus bewusst sind. Genau das wollten die Forscher auch untersuchen: nicht die Sprachkenntnisse in einzelnen Sprachen, sondern die sprachübergreifenden Kompetenzen der Jugendlichen in authentischen Situationen und wie sie diese nutzen und einsetzen. Um dies erfassen zu können, entwickelten die Forscher ein neues und für die Mehrsprachigkeitsforschung einzigartiges Instrumentarium an Erhebungsmethoden.   

Insgesamt 29 Sprachen fanden die Sprachwissenschaftler von Eurac Research im dreijährigen Forschungsprojekt „RepertoirePluS“ als Teil der Sprachrepertoires von Schülern an deutsch- und italienischsprachigen sowie ladinischen Mittel- und Oberschulen. 45 Prozent der 240 Schüler haben Kenntnisse in vier Standardsprachen, 30 Prozent in drei; die restlichen Schüler sprachen fünf bis sechs Sprachen, einige sogar sieben oder acht. Dazu kommen noch die insgesamt 32 erfassten Dialekte und lokalen Varietäten.
Doch beschränkt sich die Studie nicht nur auf die quantitative sprachliche Vielfalt: Die Art und Weise, wie die individuelle Mehrsprachigkeit erhoben wurde, ist in ihrer Form einzigartig. Für RepertoirePluS erarbeiteten die Sprachforscher einen Mix aus quantitativen und qualitativen Erhebungsmethoden, bestehend aus einem umfassenden und detaillierten Fragenkatalog, aus Interviews und einem sogenannten Sprachendorf. Das Sprachendorf ist ursprünglich eine für den Fremdsprachenunterricht entwickelte Methode: In gespielten Alltagsszenen üben Schüler, das Gelernte in einer Sprache auch außerhalb des Klassenzimmers zu gebrauchen. Bei RepertoirePluS passten die Sprachforscher das Sprachendorf an mehrsprachige Situationen an, bezogen dabei auch viele nicht in der Schule unterrichtete Sprachen mit ein und konnten damit zum ersten Mal sichtbar machen, wie die Jugendlichen ihre Mehrsprachigkeit effektiv einsetzen. „Wir konnten beobachten, dass sich die Jugendlichen sehr bewusst darüber sind, welches individuelle Repertoire sie an Sprachen haben und dass sie sich als mehrsprachige Menschen sehen. Sie setzen das auch ganz selbstverständlich ein. Sie konnten z. B. Origami-Faltanleitungen auf Niederländisch oder Rumänisch verwenden, ohne diese Sprachen je explizit gelernt zu haben“, erklärt die Sprachforscherin Dana Engel, die für die Projektarbeit verantwortlich ist, und resümiert: „Die von uns beobachteten Schüler sind neuen Sprachen gegenüber sehr neugierig und sehen, dass sie sie brauchen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen – und wenn es nur ein paar Wörter sind, die einem auch später nützen können.“
Die Sprachforscher von Eurac Research arbeiten derzeit Materialien aus, um das Sprachendorf auch Schulen zugänglich zu machen. „Es gibt viele Lehrpersonen, die die sprachliche Vielfalt in ihren Klassen sehen, aber das Gefühl haben, sie im traditionellen Unterricht weder erfassen noch ihr Rechnung tragen zu können“, beobachtet Engel und macht deutlich: „Es ist wichtig und durchaus möglich, mit diesen individuellen sprachlichen Repertoires der Schüler zu arbeiten. Gleichzeitig ist es ein Riesenpotential für die Zukunft der Schüler, nicht nur in Hinsicht auf den globalen Arbeitsmarkt.“ Es zeigt sich, dass Südtiroler Schüler bereits über die Werkzeuge für die Entfaltung der mehrsprachigen Kompetenz verfügen – die Sprachforschung kann nun noch effektiver dazu beitragen, diese auch sichtbar zu machen.

Schulen können sich bei Interesse für Material zum mehrsprachigen Unterricht an das Institut für Angewandte Sprachforschung von Eurac Research wenden unter: linguistics@eurac.edu

Kontakt: Dana Engel, Dana.Engel@eurac.edu, T 0471 055141

22.06.20
Foto Credits. Eurac Research/ Annelie Bortolotti

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