Alfredo Salafia - Meister des ewigen Schlafs
Alfredo Salafia - Meister des ewigen Schlafs

Buch - Neuerscheinung: EURAC-Forscher enthüllt Techniken des berühmten sizilianischen Einbalsamierers

 

Wie gerade erst Eingeschlummerte muten die Leichname an, die er einbalsamiert hat. Sie sind makellos erhalten über viele Jahrzehnte - dank der geschickten Hand des Meisters und seiner eigens entwickelten Konservierungstechniken. Der „Meister" ist Alfredo Salafia, der sizilianische Einbalsamierer, der um den Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere weltbekannte Beweise seiner Kunst hinterließ, darunter die Mumie des italienischen Revolutionärs Francesco Crispi und jene des zweijährigen Mädchens Rosalia Lombardo, welche vielen als die schönste Mumie der Welt gilt.

 

Das Geheimnis dieser verblüffenden Kunstfertigkeit drohte für immer im Verborgenen zu bleiben, hätte nicht Dario Piombino-Mascali vom EURAC-Institut für Mumien und den Iceman die Aufzeichnungen des Meisters zusammengetragen, aufgearbeitet und veröffentlicht. Das Buch „Il maestro del sonno eterno" („Der Meister des ewigen Schlafs") wurde vom Verlag LaZisa herausgegeben und ist soeben in italienischer Sprache erschienen.

 

Rosalia Lombardo ist 1920 an einer Lungenentzündung gestorben. Der Leichnam des zweijährigen Mädchens ist lange Zeit in der Kapuzinergruft in Palermo aufbewahrt worden. Weltweit bekannt wurde die Mumie vor allem, weil ihr lebensechter Anblick das Gefühl weckt, die kleine Rosalia beim friedlichen Schlafen zu betrachten.

 

Das Geheimnis dieser Täuschung liegt in einem raffinierten Kunstgriff des Meisters. „Salafia hat in einigen Fällen zusätzlich Paraffin in Ether aufgelöst und diese Lösung unter die Haut injiziert. Dies hat bewirkt, dass sich eingefallene Gesichtszüge strafften", erklärt Dario Piombino-Mascali in seinem Buch. Der Forscher hat die Aufzeichnungen Salafias gesammelt, die von den Nachkommen dessen zweiter Frau aufbewahrt worden waren, und sie mithilfe der minutiösen Rekonstruktion des Stammbaums zusammengetragen. Es lässt sich vermuten, dass Salafia selbst seine Entdeckungen veröffentlichen wollte. Doch sein überraschender Tod verhinderte sein Vorhaben.

 

Die Forschungsergebnisse von Dario Piombino-Mascali enthüllen nicht nur die Techniken, die der Meister zugunsten des ästhetischen Erscheinungsbilds der Leichen anwandte, sondern auch jene Methoden, mit welchen er die internen Organe auf bemerkenswerte Weise konservieren konnte. Auf Röntgenbildern ist beispielsweise deutlich zu sehen, dass Gehirn, Leber und einer der beiden Lungenflügel der kleinen Rosalia Lombardo trotz der Austrocknung vollständig erhalten sind.

 

„Die Kenntnis über die Formel der Zusammensetzung, die Salafia für die Einbalsamierung der Leichen angewandt hat, erlaubt uns, dem Zerfall seiner einzigartigen Werke entgegenzuwirken", schließt EURAC-Forscher Dario Piombino-Mascali.

 

Für weitere Informationen:

Dario Piombino-Mascali, Tel. 0471 055 564

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