​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​ ​JOBS​​CALLS​​​​​​​​PR​ES​S​​​​​​RESTRICT​E​D AREA
Highlight

​​​„Internationale Kooperationen von entscheidender Bedeutung"

Carlos Cruz Infante spricht über die Beziehungen zwischen der EU und Südamerika


Lateinamerika brennt – nicht nur im übertragenen Sinne. Millionen Venezolaner verlassen ihr Land, wo politische und humanitäre Krise sich​ gegenseitigen Zündstoff liefern. Bolivien versinkt nach dem Rücktritt Evo Morales im Chaos und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lässt pro Minute, Regenwald von der Fläche eines Fußballfeldes abholzen. In Chile wird über eine neue Verfassung diskutiert. Über 12.000 Kilometer liegen zwischen Südtirol und Lateinamerika und doch sind wir den Geschehnissen dort so nahe, wie nie zuvor. Wie nahe, wurde vor kurzem bei einem Vortragsabend des Centers for Advanced Studies von Eurac Research in Zusammenarbeit mit der Stiftung Südtiroler Sparkasse​ deutlich: Der junge chilenische Soziologe, Carlos Cruz Infante sprach über das weltweit größte Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten.


Carlos Cruz Infante war bereits in sehr jungen Jahren eine wichtige Person in Chile und leitete dort die Strategie- und Kommunikationsabteilung des Generalsekretariats der chilenischen Regierung, ist profunder Kenner lateinamerikanischer Politik und als Berater der Inter-American-Development Bank tätig. Vor Kurzem sprach er im Rahmen der Vortragsreihe „Zukunft Europas" und auf Einladung des Center for Advanced Studies von Eurac Research und der Sparkassenstiftung über die Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika - insbesondere über das EU-Mercosur-Abkommen. Im Juni 2019 einigten sich die EU und die Staaten des südamerikanischen Handelsbündnisses – Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – auf ein Freihandelsabkommen. Es ist der größte Meilenstein wirtschaftlicher Zusammenarbeit seit der Unabhängigkeit Lateinamerikas und das bisher größte Freihandelsabkommen der Welt, das einen neuen Markt mit dem Zugang zu etwa 780 Millionen Menschen öffnet. 


Roland Benedikter, Co-Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research moderierte die Veranstaltung im Tagungssaal der Sparkasse Academy. Er unterstrich den Einfluss des Handelsabkommens auch auf eine kleine Region wie Südtirol. 91 Prozent der EU-Waren sollen nach einer vollen Umsetzung des Abkommens zollfrei in die Mercosur-Staaten exportiert werden. Das werde auch in Südtirol spürbar sein. Noch hänge das Abkommen aber am seidenen Faden. Frankreich hat bereits die Nicht-Ratifizierung des Abkommens angedroht und auch der österreichische Nationalrat stimmte unlängst gegen die Kooperation.


Ein Fehler, wie Carlos Cruz Infante in seinem Vortrag unterstrich: „Internationale Kooperationen sind von entscheidender Bedeutung für den Fortschritt Südamerikas, weil sie die lateinamerikanischen Staaten dazu antreiben, höhere Standards zu setzen und sich an einer neuen Rechtsstaatlichkeit zu orientieren." Ohne diesen direkten Ansporn habe Südamerika kaum Chancen, Europa auf Augenhöhe zu begegnen.

Um die Dynamiken deutlich zu machen, präsentierte Cruz Infante einen Abriss der historischen Entwicklung seines Kontinents bis zur aktuellen Lage. Lateinamerika habe sich in den vergangenen Jahrzehnten durchaus positiv entwickelt. So habe sich das Bruttoinlandsprodukt seit dem Jahr 2000 verdoppelt, Gesundheitsversorgung und Bildungsmöglichkeiten haben sich verbessert, die Lebenserwartung sei gestiegen. Geblieben sei jedoch die extreme Ungleichheit. Zwar gebe es florierende Unternehmen – diese werden jedoch von nur einer Handvoll Mächtiger kontrolliert. „Um in einem OECD-Mitgliedsland von den ärmsten zehn Prozent zum Mittelstand aufzusteigen, braucht es etwa 4,5 Generationen. Wer hingegen zu den ärmsten 10 Prozent in Brasilien gehört, kann sich ausrechnen, dass seine Nachkommen ganze neun Generationen - 270 Jahre - brauchen werden, um ein mittleres Einkommen zu erreichen - in Kolumbien sind es sogar elf Generationen," erläuterte der junge Soziologe.


Ein weiteres Problem Südamerikas sei die sogenannte holländische Krankheit. Aufgrund des Verkaufs von Rohstoffen, steigen die Exporte über die Leistungsbilanz der Staaten, was dazu führt, dass Waren zwar billig importiert, jedoch nicht mehr zu konkurrenzfähigen Preisen exportiert werden können. Hinzu komme die Unfähigkeit der südamerikanischen Staaten, politische Entscheidungen durchzusetzen. Das habe wiederum mit der Schwäche der Institutionen zu tun.

„Lateinamerika muss in Bildung investieren, es braucht starke Institutionen, ein progressives Steuersystem und mehr Möglichkeiten der Bürger, sich zu beteiligen. Lateinamerika braucht einen europäischen Maßstab", unterstrich Cruz Infante. Nicht nur das EU-Mercosur-Abkommen biete dafür eine Möglichkeit – auch mit der Pazifik-Allianz – also mit Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru - könne und müsse eine Kooperation angedacht werden. Südamerika könne trotz der Hindernisse ein wertvoller Partner der Europäischen Union sein. Der europäischen Politik rät Carlos Cruz Infante zur Eile und ruft dazu auf, in Verhandlungen zu treten, um den Wandel in Südamerika auf den Weg zu bringen, von dem alle Parteien nur profitieren können.​

 

Die Präsentation zum Vortrag finden Sie HIER.

CONTACT
Drususallee 1/Viale Druso 1
39100 BOZEN-BOLZANO
Tel. +39 0471 055 800
Fax. +39 0471 055 099
​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​QUICK LINKS
AWARDS

 ​​​
  FOLLOW US​​


​​


​ 
CONTACT

Viale Druso, 1 / Drususallee 1
39100 Bolzano / Bozen - Italy
How to reach us​
Tel: +39 0471 055 055
Fax: +39 0471 055 099
Email: info@eurac.edu
Partita IVA: 01659400210
Priv​acy
Host of the Alpine Convention