MEINE WURZELN
.
.

 

RealPlayer

 

Prettau im Ahrntal

Prettau mit der Birnlücke im Hintergrund
Prettau bilden den imposanten Abschluss des Ahrntals und ist gleichzeitig die nördlichste Gemeinde Italiens. An drei Seiten grenzt das Gemeindegebiet an Österreich, wobei nach Norden hin Nordtirol, nach Osten Salzburg und nach Süden Osttirol anschließen. Das hintere Ahrntal war schon seit jeher ein Grenzgebiet, was der Name der 3500 m hohen Dreiherrnspitze bezeugt.

Geographische Lage von Prettau

Prettau erreicht man von Bruneck aus in Richtung Sand in Taufers fahrend. Neben der imposanten Burg Taufers läuft die Strasse ins Ahrntal an dessen Ende die etwa 600 Personen zählende Gemeinde Prettau liegt. Das Dorf ist durch den bäuerlichen Charakter geprägt, dessen Ursprung in der Besiedelung durch Germanen und Slawen liegt. Bereits diese Völker bevorzugten Einzelhöfe, was dazu führte, dass Prettau sich zu einer typischen Streusiedlung entwickelte. Kasern, eine Fraktion von Prettau, bildet den Abschluss des heutigen Dauersiedlungsraums und gleichzeitig auch das touristische Zentrum. Von Kasern aus erreicht man etwa das Wallfahrtskirchlein Hl. Geist, den Almweiler Trinkstein und die Birnlückhütte sowie die Lenkjöchlhütte.

Panoramablick über PrettauÜberflug über PrettauDas Gemeindegebiet selbst ist eines der größten in Südtirol. Das Dorf liegt auf knapp 1500 m, Kasern sogar über 1600 m. Es wird umrahmt von einer ganzen Reihe von 3000-nder, von denen die bekanntesten der Rauchkofel (3252 m), die Dreiherrnspitze Rundflug zum Lenkjöchl(3499 m), die Große Löffelspitze (3195m) und die Rötspitze (3495 m) sind.. Ein weiterer, sehr bekannter Berg ist der Klockerkarkopf (2912m) - ein unscheinbarer, versteckter Berg, der unter dem Namen "Vetta d'Italia" besser bekannt ist. Prettau ist somit Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Wanderungen zu den umliegenden Almen und Schutzhütten bis hinauf zu den gletscherbedeckten Bergen. In dieser einzigartigen Bergwelt ist noch viel von jener Ursprünglichkeit erhalten, die Natur und Mensch auszeichnet. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass heute ein erheblicher Teil des Gemeindegebietes auf der orographisch linken Seite und der gesamte Talabschluss in den Naturpark Rieserferner-Ahrn eingegliedert ist.

Die Wallfahrstkirche Hl. GeistMurmeltierGletscherhahnenfußPhotogalerie

zum Seitenanfang

 

Prettauer Besonderheiten

Der "Prettauer"

Menschen lebten in Prettau - zumindest zeitweise - bereits in der Bronzezeit. Sie dürften dort Landwirtschaft und wohl auch schon Bergbau betrieben haben. Eine dauerhafte Besiedelung reicht aber erst in das 5. Jahrhundert nach Christus zurück. Prettau wurde wahrscheinlich von Norden her über die Jöcher besiedelt worden sein. Die Birnlücke, der Tauern, das Hl. Geist-Jöchl und die Hundskehle dienten bereits damals als wichtige Verkehrsverbindungen zwischen Nord und Süd.

Mit der Neuentdeckung des Kupfers und dem raschen Aufstieg des Bergbaues im 15. Jahrhundert wanderten von überall her Knappen nach Prettau. Die Bevölkerung wuchs rasch an. Prettau gewann an Bedeutung. Gleichzeitig mit den Knappen kamen jedoch auch fremde Ideen und Religionen ins Tal. Die konservative bäuerliche Volkskultur stand nun der Erwerbswelt und Kultur der Bergwerksleute gegenüber. In diesem Spannungsfeldentwickelte sich schon frühzeitig ein starkes Szene der Volsbühne PrettauKulturschaffen. Ein markanter Ausdruck davon tritt schon bald im aufblühendem Theaterwesen zum Vorschein. "Nigglásspiel" (Nikolausspiele), "Paradeisspiele" (Paradiesspiele) und nicht zuletzt der "Prettauer Faust" geben Zeugnis davon. Die Theatertradition hat sich in Prettau über die Jahrhunderte hinweg erhalten und auch heute ist die Volksbühne Prettau weit über das Pustertal hinaus bekannt.


Die über Jahrhunderte andauernde Durchmischung der Bevölkerung dürfte auch dazu geführt haben, dass sich dort ein etwas "anderer" Menschenschlag entwickelt hat. "Der Prettauer ist gescheit, sagen die Leute im übrigen Ahrntal. Tatsächlich sind sie aufgeschlossener, interessierter und redefreudiger als die übrigen Ahrntaler. Der Prettauer erlaubt sich, selbst zu denken, er ist kein unüberlegter Jasager, sondern bildet sich selbst ein Urteil und getraut sich, dasselbe auch zu vertreten, er will nicht belehrt, sondern überzeugt werden.", so ein guter Kenner und Freund des Tales.

 

Der Bergbau und seine Folgen

Bereits in der Bronzezeit dürften die Kelten in Prettau im Tagesbau Kupfer abgebaut haben, wie Entwaldeter Talschlußvorgeschichtliche Funde aus der Bronzezeit belegen (Bronzekelch und Axt). Wirklich Bedeutung erhielt der Bergbau aber erst im 15. Jahrhundert. Ja, es wuchs sogar zum größten Konkurrenten des Bergwerks in Schwaz heran, welches damals das bedeutendste im ganzen Alpenraum war. Das Kupfer wurde Untertag abgebaut. Zu seiner Spitzenzeit wohnten und arbeiteten bis zu 2000 Personen in Prettau. Der blühende Bergbau hatte jedoch auch seine Kehrseite. Prettau ist schneesicher!Die Wälder in Prettau wurden zur Kohlegewinnung für die Verhüttung des Erzes regelrecht vernichtet. Lawinen, Hochwasserereignisse und Muren waren die Folge. Und auch, das an sich schon herbe Klima in Prettau verschlechterte sich durch die Entwaldung noch weiter. Der Spruch "In Prettau sind 8 Monate Winter und 4 Monate ist es kalt" trifft wohl auch deshalb heute noch zu.

Trotzdem wurde weiter abgebaut. Erst 1893 zwangen die fallenden Kupferpreise und die gestiegenen Kohlepreise Graf Hugo von Enzenberg, den damaligen Alleinbesitzer, zur Schließung des Bergwerks. Dies führte zu einer wirtschaftlichen Katastrophe in Prettau. Im 20 Jahrhundert wurde das Bergwerk immer wieder für kurze Zeit geöffnet. So etwa arbeiteten während des 1. Weltkrieges etwa 15 Knappen im Bergwerk, Leben im Dunkeln; Moviewobei das Kupfer hauptsächlich in den so genannten "Zementieranlagen" gewonnen wurde. Anfang der 80-iger Jahre wurde es vorläufig das letzte Mal geschlossen. Seit dem Frühjahr 1996 ist der St.-Ignaz-Stollen im Besucherbergwerk zu Prettau als Schaustollen zu besichtigen. Die Besucher fahren mit der Grubenbahn einen Kilometer in den Stollen ein und lernen neben der harten Arbeit der Knappen im Berg auch die unerwartete Vielfalt des Lebens im Dunkel kennen.

 

Prettauer Traditionen und Bräuche

Poschtmuito beim KlöppelnDie Schließung des Bergwerks im Jahre 1893 bedeutete für Prettau einen wirtschaftliche Niedergang aber auch einen Neuanfang. Auf Betreiben der Pfarrer Johann Pescosta und Franz Kleinlechner wurden drei Frauen nach Wien geschickt, um dort das Spitzen-Klöppeln zu erlernen. Nach ihrer Ausbildung kehrten diese nach Der `Klöppelpingel´Prettau zurück, wo sie eine Klöppelschule einrichteten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Klöppeln zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Die Klöppelkunst wurde perfektioniert und der gute Ruf der Spitzen gelangte bald über Europa hinaus bis nach Amerika und Afrika. Auch heute klöppeln noch viele Hausfrauen und führen damit dieses Tradition weiter.

Geschnitzte WurzelmaskenGleichzeitig mit dem Klöppeln dürfte sich in Prettau auch das typische "Wurzelschnitzen" entwickelt haben. Dabei dienen Baumwurzeln als Grundlage für geschnitzte Masken und allerhand Gesichter.

 

Das Ahrntal hat schon seit jeher ein reges Brauchtum gehabt. Neben den landesweit üblichen Bräuchen gibt es aber einige Besonderheiten. Zu diesen zählen etwa das "Pitschilesing" zu Allerheiligen, bei denen vermummte Gruppen von Haus zu Haus ziehen, um singend um eine Gabe, also ein "Pitschilan" zu bitten (früher Neujahrschreien in Prettauwaren es häufig Brotlaibe, heute meist Geld). Ein ähnlicher Brauch ist auch das "Noijouschrain" (Neujahrschreien). Am Neujahrstag gehen die Kinder von Haus zu Haus zum "Noijouschrain"; vor jeder Haustür wird laut und in einem singenden Tonfall der Spruch gerufen: "Wio wintschn enk a glickselligis, fraidnraichis nois Jou, Glick und Seïgn s´gonze Jou!". Die Kinder erhalten dafür Süßigkeiten, die sie in ihre umgehängten Leinensäcke stecken, oder einen kleinen Geldbetrag (besonders in Prettau).

Schon seit dem Mittelalter ist der Ahrntaler Männer-Kreuzgang zur "Kornmutter" nach Ehrenburg Tradition (Erengburga Kraize): Wegstrecke Prettau - Ehrenburg - Prettau: ca. 100 km. Am Freitag der Bittwoche bricht man um Mitternacht bei der Prettauer Pfarrkirche auf. In allen Ortschaften kommen Leute dazu, und man zieht betend durch das Tal, wobei in allen Kirchen - entweder auf dem Hin- oder Rückweg - Halt gemacht, gebetet und gesungen wird. In Ehrenburg werden die Kreuzgänger feierlich empfangen. Ganz früher soll der Kreuzgang drei Tage gedauert haben, und es durften auch Frauen mitgehen. Wegen verschiedener Missbräuche - z.B. sollen die mitgehenden Frauen die "frommen" Wallfahrer allzu sehr abgelenkt haben - hat die kirchliche Behörde versucht, diesen Brauch abzuschaffen, allerdings vergeblich. Überhaupt gehören Bittgänge nach Hl. Geist zur Traditon im Ahrntal. Der bekannteste ist wohl die Jugendwallfahrt im September.

KischtamichlAm Vorabend des Kirchtages stellen Burschen des Dorfes meistens ohne moderne technische Hilfsmittel den "Kischtamichlbaam", einen riesigen Lärchenstamm auf, auf dessen Spitze der "Kischtamichl", eine Strohpuppe mit - gewöhnlich - einem Krapfen und einer Schnapsflasche in der Hand, befestigt wird. Nun müssen die Burschen Nachtwache halten, damit der "Kischtamichl" nicht von den Burschen des Nachbardorfes gestohlen wird, denn dies wäre eine große Schande. Gelang es den Burschen des Nachbardorfes trotz aller Vorsicht der - allerdings oft betrunkenen - Wächter den "Michl" zu stehlen, so hängten sie ihn zum Gespött im Nachbardorf kopfüber auf dem dortigen "Kischtamichlbaam" auf.

Kraiza werfnAber es gibt auch Bräuche, die es nur in Prettau gibt: "Kraiza raabm" ist einer davon. In Prettau ist es üblich, dass die Braut nach der Hochzeitsmesse Münzen unter die Kinder wirft, welche an der "Kirchstiege" warten. Die Kinder versuchen sich nun möglichst viele der Geldstücke zu erkämpfen ("zi raabm"). Dieser Brauch dürfte auf die Zeit der Prettauer Bergknappen zurückgehen, welche den Bauern mit dieser Geste deutlich zeigen wollten, dass auch sie Geld besaßen.
In Kasern wird nicht ein "Kischtamichl" aufgestellt, sondern sein weibliches Gegenstück, die "Usche" (Ursula). Dies geschieht nicht am allgemeinen Kirchtag, sondern am "Uschntog", am Sonntag nach dem Fest der hl. Ursula (21. Oktober), der vom "Notdurfter" in Prettau bis Heilig Geist gefeiert wird.

zum Seitenanfang

 

Interessantes am Rande...

Prettau und Natura 2000
Prettau und der Landschaftswandel
Die Zukunft der Landschaft
C'era una volta un prato alpino...
Das blaue Gold - Unser Trinkwasser

 

 

Nützliche Links:

Schaubergwerk Prettau Gemeinde Prettau Volksbühne Prettau Lekjöchl-HütteJausestation FalkensteinFerienregion Tauferer-Ahrntal Naturpark Rieserferner-Ahrn

Für alle Links, die sich auf meiner Homepage befinden, gilt folgendes: Ich distanzieren mich hiermit ausdrücklich von Seiteninhalten andere Webbetreiber, auf die ich einen Querverweis ("Link") gelegt habe. Für den Inhalt der einzelnen gelinkten Homepages ist ausschließlich der betreffende Autor selbst verantwortlich. Der Betreiber dieser Seiten kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, falls jemand die Seiten ohne vorherige Kenntnisname dieser Bedingungen betritt. Sollte dies der Fall sein, wird davon ausgegangen, das der Benutzer mit all diesen Punkten einverstanden ist. Wenn sie mit den hier genannten Nutzungsbestimmungen nicht einverstanden sind, bitten ich Sie, diese Homepage unverzüglich zu verlassen. Danke!