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Alle Sprachen müssen eine Rolle spielen

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20 April 2022
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Die Deutsche Bildungsdirektion Südtirols hat kürzlich den Führungskräften von Kindergärten und Schulen das neue Gesamtkonzept zu Sprache(n) und Mehrsprachigkeit vorgestellt. - © Tschurtschenthaler / PA Südtiroler Landesverwaltung

Die Deutsche Bildungsdirektion Südtirols hat kürzlich den Führungskräften von Kindergärten und Schulen das neue Gesamtkonzept zu Sprache(n) und Mehrsprachigkeit vorgestellt. Welche Rolle darin die Herkunftssprachen vor allem von SchülerInnen mit Migrationshintergrund spielen, haben wir Evi Debora Schwienbacher von der Pädagogischen Abteilung gefragt.

La Deutsche Bildungsdirektion della Provincia di Bolzano ha recentemente presentato ai/alle dirigenti scolastici/scolastiche e ai/alle direttori/direttrici delle scuole dell'infanzia il nuovo Gesamtkonzept zu Sprache(n) und Mehrsprachigkeit. Ne abbiamo parlato con Evi Debora Schwienbacher della Pädagogische Abteilung, per capire quale ruolo hanno le lingue di origine degli alunni, compresi gli alunni con background migratorio, nel Gesamtkonzept.

Evi, da cosa nasce il Gesamtkonzept zu Sprache(n) und Mehrsprachigkeit?

Das Gesamtkonzept ist das Ergebnis der Bemühungen der neuen Arbeitsgruppe „Mehrsprachigkeit", der Mitglieder aus allen Referaten der Pädagogischen Abteilung, der Landesschuldirektion und der Landeskindergartendirektion angehören. In einer ersten Phase analysierte die AG die Auswirkungen des von der Landesregierung beschlossenen Maßnahmenpakets 2016-2020 zur Förderung der Mehrsprachigkeit in den deutschen Schulen, um dann zu ermitteln, welcher Bedarf noch zu decken ist. Das Ergebnis dieser Arbeit ist das Gesamtkonzept, das nun im Internet für Schulen und Interessierte unter folgendem Link zur Verfügung steht: https://www.provinz.bz.it/bildung-sprache/didaktik-beratung/sprachen-und-mehrsprachigkeit.asp

A chi si rivolge il Gesamtkonzept e a cosa serve?

Das Gesamtkonzept richtet sich an alle Schulen und Kindergärten. Zum einen liefert es den Führungskräften und Lehrpersonen die theoretischen Grundlagen und Denkanstöße für eine Standortbestimmung zur Förderung der Mehrsprachigkeit; außerdem macht es Vorschläge und bietet praktische Instrumente an, um die nächsten Schritte der Schule oder des Kindergartens auf dem Weg zu einer umfassenden Mehrsprachigkeitsdidaktik festzulegen. Damit ist das Gesamtkonzept ein flexibles Instrument, das der großen Heterogenität der Südtiroler Schullandschaft gerecht wird.

L’Alto Adige è un territorio sempre più eterogeneo da un punto di vista linguistico e culturale. Negli ultimi decenni la popolazione studentesca, soprattutto nei centri urbani, è andata via via diversificandosi grazie ai flussi migratori, e molte classi accolgono ora lingue come l’albanese, l’arabo o il farsi. Che ruolo hanno, nel vostro Gesamtkonzept, le lingue diverse da quelle di istruzione?

Alle Sprachen und Sprachrepertoires, die in der Klasse vorhanden sind, spielen eine wichtige Rolle: die Unterrichtssprachen ebenso wie alle Herkunftssprachen. Dieser Aspekt ist bereits im Begriff der Mehrsprachigkeit selbst enthalten, den wir in einem weiten und umfassenden Sinne verstehen. Für uns umfasst Mehrsprachigkeit sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, innere und äußere Mehrsprachigkeit. Alle Sprachen und Sprachvarietäten, einschließlich Dialekte, sind wichtig. Aus diesem Grund haben wir auch die Pluralform des Substantivs "Sprache(n)" im Titel des Gesamtkonzepts verwendet, weil es um alle Sprachen geht. Diese Pluralität ist ein wichtiger Aspekt, der hervorgehoben werden muss, auch um das Bewusstsein der Lehrpersonen für die Rolle aller Sprachen im Klassenzimmer zu fördern. Das Konzept der Mehrsprachigkeit wird oft auf zweierlei Weise wahrgenommen: Einerseits ist Mehrsprachigkeit gleichbedeutend mit größeren Chancen und Möglichkeiten (persönlich, sozioökonomisch...), andererseits wird die tatsächliche Mehrsprachigkeit der Klassen manchmal als Herausforderung empfunden, ohne dass vielleicht erkannt wird, dass die anderen Sprachen das Deutschlernen sogar erleichtern können.

Che suggerimenti dai a quei/quelle docenti che vivono la diversità linguistica delle loro classi come una sfida, soprattutto quando l’obiettivo è proprio insegnare la lingua della scuola?

Angesichts der Herkunftssprachen, die nicht die Unterrichtssprachen sind, kann ein Gefühl der Überforderung und des Unbehagens entstehen; meistens aus der Wahrnehmung heraus, dem "eigentlichen" Auftrag nicht gerecht zu werden. Was es zu hinterfragen gilt ist, worin dieser "eigentliche" Auftrag angesichts der heutigen SchülerInnenpopulation besteht. In diesem Zusammenhang möchte ich unterstreichen, dass es zahlreiche wissenschaftliche Studien gibt, die belegen, dass die Arbeit mit Sprachen im Klassenzimmer dem Erlernen der Unterrichtssprache tatsächlich förderlich ist. Ich empfehle immer, auszuprobieren, Sprachen zu integrieren. Unsere Aufgabe ist auch das: die Lehrpersonen – die in den allermeisten Fällen ihr Bestes geben – dabei zu unterstützen, derartige Ängste abzubauen und sich auch auf neue Unterrichtsansätze einzulassen.

Quale beneficio porta adottare un approccio plurilingue nella didattica a scuola?

Ein integrativer Ansatz in Bezug auf Sprachen und Kulturen entwickelt bereits im Vorschulalter eine positive, offene Haltung. In den höheren Klassenstufen wird dies noch wichtiger, da es die SchülerInnen dazu anregt, eine Multiperspektivität zu entwickeln, die ihnen helfen kann, mit den Unsicherheiten und der Komplexität der Realität umzugehen. Unsere Aufgabe als Schule ist es, die SchülerInnen auf das Leben vorzubereiten.

Cosa ti auguri per la scuola del futuro?

Eine Selbstverständlichkeit der Mehrsprachigkeit im Umgang mit anderen; im Kontext des Lehrens und Lernens genauso wie im Leben.

About the Interviewed

Evi Debora Schwienbacher ist Mitarbeiterin im Referat Fachdidaktik der Pädagogischen Abteilung für den Bereich Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeitsdidaktik. An derselben Institution war sie von 2010 bis 2016 Fachdidaktikerin für Englisch an allen Schulstufen tätig. Ihre Laufbahn als Englischlehrerin an Südtiroler Mittel- und Oberschulen begann sie im Jahre 1999.

Marta Guarda

Marta Guarda è ricercatrice senior presso l’Istituto di Linguistica Applicata di Eurac Research, dove si occupa di educazione plurilingue e interculturale. Attualmente è responsabile di una iniziativa di ricerca sulla valorizzazione dei repertori linguistici di tutti gli alunni presso le scuole primarie dell’Alto Adige.

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Citation

https://doi.org/10.57708/b121204048
Guarda, M. Alle Sprachen müssen eine Rolle spielen. https://doi.org/10.57708/B121204048

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