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Eurac Research feiert den 30 Geburtstag. Zu diesem Anlass erzählen 30 junge Forscherinnen und Forscher in 30 Sekunden-Videos was sie auf ihrem Fachgebiet in den nächsten 30 Jahren vorhaben.

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Das Schreiben beherrschen

Ein Bick in die Runde reicht, um festzustellen, dass verschriftlichte Sprache allgegenwärtig ist. Sie ist ein unverzichtbares Mittel für unzählige Handlungen: Diese reichen von den banalsten, wie dem Verfassen einer Whatsapp-Nachricht an unsere Mutter, um ihr mitzuteilen, dass wir nicht zum Abendessen kommen, bis hin zu komplexeren, wie der Bewerbung um eine Stelle mit Lebenslaufs und Motivationsschreibens oder dem Text für eine Kampagne auf Change.org. Schreibkompetenz ist heute gefragter denn je. Dennoch wird sie in der schulischen, aber auch universitären Ausbilung unzureichend gelehrt und geübt, weil wir davon ausgehen, dass es sich um eine angeborene Begabung handelt.

Andererseits warnen Sprachexperten seit Jahren, dass Menschen, die Schwierigkeiten beim Verstehen und Produzieren von Sprache haben, oft auch sozioökonomisch benachteiligt sind. Deshalb schlagen sie neue Methoden für den Schreibunterricht vor etwa in Form von Workshops, um allen die gleichen Ausgangschance beim Erlernen dieses doch recht komplexe kommunikative Werkzeugs zu geben.

Arianna BienatiLinguistin

Transformation

Um die Klima- und Biodiversitätskrise zu bewältigen braucht es einen tiefgreifenden Wandel, eine Umgestaltung, die die Energiesysteme genauso betrifft wie die gesellschaftlichen Prozesse.

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Kuck mal, wer da schwimmt

Die Alpen werden auch als „Wassertürme Europas” bezeichnet. Ihre aquatischen Lebensräume - Feuchtgebiete, Seen und Fließgewässer - sind besonders sensible Ökosysteme. Hier leben eine Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, die untrennbar mit ihrem Lebensraum verbunden sind. Sie siedeln sich in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren wie der Struktur eines Gewässers (Gewässermorphologie), der Höhenlage, der biogeographischen Region oder der Natürlichkeit eines Gewässers an. Intakte aquatische Ökosysteme sind Voraussetzung für sauberes Trinkwasser.

Mit dem Klimawandel stehen sie unter hohem Druck: Nirgendwo sonst sind so viele Arten bedroht oder bereits verschwunden wie im oder am Wasser. Gefährdet sind Flora und Fauna aber auch durch direktes Einwirken von uns Menschen: wenn wir etwa Flüsse verbauen und begradigen. Um zu verstehen, wie unsere alpinen aquatischen Ökosysteme funktionieren und wodurch sie bedroht werden, benötigt es erstmal eine Bestandsaufnahme der Vielfalt aller Pflanzen- und Tierarten. Die gibt es in dieser Form für Südtirol noch nicht.

Magdalena VanekÖkologin
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Maßnahmen gegen Energiearmut

An Energiearmut leidet, wer keinen Zugang zu Energiedienstleistungen hat; sich diese also nicht leisten kann. Und das sind auch in den Industrieländern immer mehr Menschen, weil Energiekosten ständig steigen. In vielerlei Hinsicht ist Energiearmut eine Folge der finanziellen Armut, aber nicht nur. Oft liegen die Ursachen auch in der schlechten Energieeffizient gekoppelt an hohe Energiepreisen. Energiearmut kann demnach nur mit gezielten Instrumenten bekämpft werden, die skalierbar und kosteneffizient sind und die spezifischen Ursachen angehen.

Leider ist es oft so, dass gerade die von Energiearmut betroffenen Menschen nicht in der Lage sind, die grundlegenden Investitionen zu tätigen, die notwendig sind, um die Armut an der Wurzel zu packen, wie beispielweise die Nachrüstung ihrer Häuser. Selbst wenn die Regierung oder jemand anderes in die Verbesserung der Effizienz investiert, ist es oft schwierig, das Verhalten anzupassen, damit die Maßnahme Wirkung zeigt.

Nicolas CaballeroÖkonom
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Schöne Photovoltaik

Photovoltaik-Technologien können auf allen verfügbaren Oberflächen von Gebäuden installiert werden, einschließlich Fassaden. Sie unterstützen die Energiewende, weil sie sauberere und gerechtere Energie erzeugen, die vielfältige Anwendung haben kann. Ihre Ästhetik wird jedoch stark von den verwendeten Materialien bestimmt. Großflächige Photovoltaikmodule kommen deshalb oft in modernen, hochtechnisch anmutenden Gebäuden zum Einsatz, während sie in traditionelleren Gebäuden eher versteckt eingesetzt werden. Was durchaus verständlich ist, weil traditionelle Gebäude ihre ganz eigene architektonische Sprache haben, die stark in der lokalen Tradition verankert liegt und als solche geschützt werden muss.

Um den Erfordernisse der Energiewende mit denen der Bewahrung architektonischer Traditionen gleichermaßen gerecht zu werden, entsteht eine neue Generation von Photovoltaik-Technologien , deren Formen, Farben und Oberflächen mit den traditionellen Baumaterialien kompatibel sind, und die sich fast unauffällig in die bestehende Bebauung einfügen.

Martina PelleIngenieurin
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Zeit ist Leben

Die vorherrschende Lebens- und Wirtschaftsweise im Globalen Norden, und damit auch bei uns in Südtirol und Italien, beruht auf der systematischen Übernutzung von Ökosystemen und natürlichen Ressourcen. Diese Übernutzung bedroht schon heute die langfristigen Lebensgrundlagen der Menschheit. Außerdem kann unser Konsum- und Produktionsverhalten nur durch den alltäglichen Zugriff auf billige Arbeitskraft, vor allem im Globalen Süden, aufrechterhalten werden. Soziale, ökonomische und ökologische Kosten werden auf diese Weise in Raum und Zeit ausgelagert.

Vielen Menschen, auch hier in Südtirol, ist dies bewusst. Dennoch ist es schwer, die dominante, nicht-nachhaltige Lebensweise zu ändern. Sie ist stabil in unserem Alltag verankert, etwa durch physisch-materielle Infrastrukturen (z.B. Autobahnen, Einkaufszentren), Institutionen (z.B. Banken, Ministerien) sowie gesellschaftliche Normen und Alltagspraktiken. Auch die dominanten Lösungsstrategien für eine Nachhaltigkeitstransformation (z.B. technologische Lösungen, „grünes“ Wachstum) haben zu keinem fundamentalen Wandel geführt. Sie hinterfragen die tief verankerten, systemischen Ursachen für die gegenwärtige Nicht-Nachhaltigkeit nicht (z.B. die kapitalistische Wachstumswirtschaft) und tragen dadurch zu ihrer Stabilisierung bei.

Ansätze einer sogenannten sozial-ökologischen Transformation zielen darauf ab, nicht-nachhaltige gesellschaftliche Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen zu identifizieren und zu analysieren. Ziel ist es u.a., konkrete Lösungsstrategien zu untersuchen und Möglichkeiten für zukunftsfähige, sozial und ökologisch verträglichere Lebens- und Wirtschaftsformen aufzuzeigen.

Felix WindeggerÖkologischer Ökonom
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Wasserknappheit auf der Spur

Berge sind die Wasserspeicher unseres Planeten. Sie versorgen das umliegende Flachland mit Trinkwasser. Aber immer häufiger versiegt das Wasser auf seiner Reise von der Höhe in das Flachland, wo das meiste Wasser verbraucht wird. Selbst in wasserreichen Regionen wie etwa im südlichen Afrika versiegen viele Wasserhähne und Menschen müssen sich auf teure Wassertanker verlassen, um mit Trinkwasser versorgt zu werden. Der Klimawandel ist nur ein Teil des Problems. Wasserknappheit im südlichen Afrika wird auch durch die schlechte lokale Infrastruktur verursacht und durch den enormen Bevölkerungswachstum. Daneben gibt es globale, systemische Ursachen, wie die Umleitung von Ressourcen aus unterentwickelten in bereits entwickelte Gebiete, die wiederum die Ungleichheiten auf lokaler und globaler Ebene verschärfen.

Jess DelvesPolitische Ökologin
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Für eine nachhaltige Zukunft

In der Anfangsphase der Covid-19-Pandemie sind Industrieproduktion und Transport fast vollständig ausgefallen, was zu einer messbaren Reduzierung der Treibhausgase geführt hat. Langfristig ist dies natürlich keine Lösung, um den Klimawandel abzumildern? Der Weg hin zu einer nachhaltigeren Welt ist weder linear, noch wird er von allen gemeinschaftlich beschritten. Es sind vielmehr viele Wege voller Hindernisse und Widersprüche. Sich hier eine Bahn zu brechen, erfordert höchste Kompromissbereitschaft. Es gilt unsere Produktionssysteme und unser Konsumverhalten zu überdenken, mit all den positiven und negativen Folgen für die Gesellschaft. So können sich etwa die positiven Maßnahmen zur Bewässerung ökologischer Landwirtschaft negativ auf das Ökosystem eines Sees oder Flusses auswirken oder aber anderen Sektoren das benötigte Wasser entziehen. Es ist wichtig, das dynamische und komplexe Zusammenspiel menschlicher Faktoren (und folglich auch wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Faktoren) zu antizipieren und zu entschlüsseln, um gemeinsame Zukunftsvisionen zu entwickeln.

Matteo RizzariUmweltökonom und Politikwissenschaftler

In den nächsten Wochen werden regelmäßig neue Videos hinzugefügt.