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Eurac Research: eine Geschichte von Innovation, Transformation und Resilienz

Hannes Obermair

History is not the past, it is the present. We carry our history with us. We are our history. 1

James Baldwin, Black English: A Dishonest Argument, 1980

I.

„Es war die beste Zeit und es war die schlimmste Zeit, ein Jahrhundert der Weisheit und ein Jahrhundert des Unsinns, eine Epoche des Glaubens und eine Epoche des Unglaubens, eine Periode des Lichts und eine Periode der Finsternis. Es war der Frühling der Hoffnung und der Winter des Verzweifelns. Wir hatten alles, wir hatten nichts vor uns; wir steuerten alle gerade dem Himmel zu und wir eilten alle gerade in die entgegengesetzte Richtung …“ (Dickens 1970, S. 3).2 

Die berühmten Eingangsformulierungen, die Charles Dickens seinem Meisterwerk „Eine Geschichte von zwei Städten (A Tale of Two Cities)“ von 1859 voranstellte, haben ihr prophetisches Potential nicht verloren. Zwar auf dem Höhepunkt des viktorianischen Zeitalters geäußert und auf dessen Widersprüche hin ausgerichtet, bringt die Diagnose einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen eine stets gegenwärtige Erfahrung von Paradoxie in beinahe biblischen Worten zur Sprache. In unserer Lebenszeit ist dieses Umschlagen 2020/21 eingetreten, als eine globalisierte Angsterfahrung die Weltgemeinschaft überzogen hat (Honigsbaum 2020; Thießen 2021). Die durch das Coronavirus verursachte Pandemie legte nicht nur die Weltwirtschaft partiell lahm, sondern bedrohte auch den kommunikativen Zusammenhalt der internationalen, nationalen und regionalen Gemeinschaften. Die Verstörung war tiefgehend, und sie ist von bleibender Wirkung, nun auch immens verstärkt durch den Krieg in der Ukraine und dessen enorme Verwerfungen und unabsehbaren Folgen. Die Polarisierung zwischen geimpfter Bevölkerung und (organisierter) Impfgegnerschaft verdeckte nur notdürftig soziale Ungleichheiten, Ressentiments und Wutpotentiale moderner Gesellschaften (Nolte et al. 2020; Alfani et al. 2021). Das 51. Weltwirtschaftsforum diagnostizierte tiefgreifende soziale Frakturen, die der explosiven Mixtur von Massenarbeitslosigkeit, neuen geopolitischen Krisen, sich steigernden Umweltverwüstungen und nachfolgenden Hungersnöten entspringen würden (World Economic Forum 2021).

Rasch auch wurde von einer neuen Zeitrechnung gesprochen: Before und After Corona waren in der allgemeinen Wahrnehmung an die Stelle des eurozentrisch-christlichen Inkarnationsstils B.C. und A.C. getreten (Maier 2013; Ghosh 2020). Damit verknüpft sich eine grundlegende Systemfrage, und sie ist aktuell auch nicht annähernd auf befriedigende Weise beantwortet: Wie geht es voran nach der Globalisierung der Infektion und ihrer Zyklen? Jegliches lineare Paradigma von Wachstum und Fortschritt scheint gebrochen oder zumindest neuen Ausgangsbedingungen unterworfen. Dem pessimistischen Szenario des paradigmatischen Bruchs stellt sich zugleich eine apokalyptische Endzeiterwartung an die Seite, die in optimistischer Absicht – vor dem Hintergrund von Umkehr und Resilienz – einen ersehnten Neubeginn alles Gesellschaftlichen formuliert und offensiv einfordert, zugleich aber auch an den gesellschaftlichen Rändern in eine irrationale Sprachlosigkeit und Gewaltbereitschaft zu stürzen droht (Reuter 2020, S. 21ff.; Censis 2021). Paradoxerweise rückt dabei die globale Klimakrise zum Stabilisierungsfaktor auf, indem sie – den pandemischen Schock gleichsam überstrahlend – auf die eigentliche planetarische Herausforderung aufmerksam macht, ohne dass freilich das drohende Armageddon am Weltklimagipfel im schottischen Glasgow zu entscheidenden Handlungsdurchbrüchen geführt hätte (Stockwell et al. 2021). Insgesamt ist ein sozialer Zustand erreicht, der sich nicht mehr mit den historischen Erfahrungen mit Pandemien auflösen lässt und aufgrund der disziplinierenden Macht von staatlicher Medizin – einer regelrechten Foucault’schen Biomacht – die zivilgesellschaftliche Grundierung durch Sozial- und Selbstdisziplinierung schonungslos offenlegt (Gosewinkel/Reichardt 2003; van Bavel et al. 2020).

Die Covid-Erfahrung fiel punktgenau auch in die Zeit, als erste Vorbereitungen auf das 2022 fällige 30-Jahr-Jubiläum von Eurac Research konzipiert wurden. Auch hier saß die Verstörung tief, und sie wurde auf vielen Ebenen reflektiert. Es ging nicht mehr bloß darum, ob wissenschaftliche Forschung von den Auswirkungen der Pandemie beeinflusst würde. Es stellte sich vielmehr die Frage, in welcher Weise die globale Krisenerfahrung und die damit verbundene Einsicht in die Schwächen der Weltgesellschaft sich praxeologisch und transformatorisch auf forschendes Tun auswirken würden. Vor dem Hintergrund einer Einrichtung wie Eurac Research, die das europäische Programm im Titel führt, stellte sich dabei die Herausforderung doppelt dar: Sie ist global, weil sie auf Lebenswelten und Arbeitsweisen generell abfärbt und diese verändert, sie ist aber auch spezifisch europäisch und konditioniert den kontinentalen Wissensraum und dessen Identitäten (Gobel et al. 2018). Vor allem aber warf die Krisenerfahrung die Frage auf, wie ein Haus der Grundlagenforschung, ebenso der angewandten Wissenschaft, auf die universale Herausforderung reagieren und möglichst anwendungs- und zukunftsorientierte Ansätze zur Verfügung würde stellen können.

Die Vorgänge seien hier stichwortartig beschrieben, um das im Titel eingeführte Resilienzkonzept (also die Fähigkeit, auf maximale Stresserfahrung mit flexibler Anpassungsbereitschaft zu reagieren) mit Anschauung zu füllen. Eine Umstellung von über 600 Mitarbeitenden auf Arbeitsformen des Home- bzw. Remote-Office wurde auf verblüffende Weise fast im Handumdrehen bewerkstelligt. Im Zweijahreszeitraum 2020/21 sank die wissenschaftliche Produktivitätskurve nicht nur nicht ab, sie erhöhte sich vielmehr eindrucksvoll. Unter dem Motto „Vertrauensvoll durch den Sturm“ wurden so unterschiedliche Felder wie Arbeitssicherheit, Kinderbetreuung, biomedizinische Leistungen oder Forschungskommunikation effektvoll bedient und gebündelt. Laut der anonymisierten Great-Place-to-Work-Umfrage haben die verschiedenen Institute und Zentren von Eurac Research mit italienweit Platz 14 ihr bislang bestes Ergebnis erzielt; die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahm um 6,4% (auf über 600) zu, EU-Projekte konnten um ein Viertel gesteigert werden, der Gesamtumfang an wissenschaftlichen Publikationen stieg um ein Fünftel, der Drittmittelanteil erreichte mit 53% einen neuen Spitzenwert (Eurac Research 2022, S. 50ff.). Diese Performance stand in einem gewissen Gegensatz zu den auch öffentlich verhandelten Mühen, die zeitgleich die universitären Bürokratien bzw. die öffentlich-rechtlichen Dienstgeber der Südtiroler Kommunen und der Landesverwaltung in Atem hielten – allzu lähmend schienen sich dort die über Jahrzehnte eingeübten strukturellen Misstrauensverhältnisse zwischen „oben“ und „unten“ auszuwirken.

Scheinbar mühelos bewährte sich an Eurac Research 2020 das Konzept der Lean Leadership, einer Unternehmenskultur, die auf dem vertieften Vertrauen der Geschäftsleitung in ihre Mitarbeitenden beruht. „Befähigen statt belehren“, „Autonomie statt Kontrolle“ – diese Prinzipien waren entscheidend für die erstaunliche Hausse in Krisenzeiten. Auf die Herausforderung des Lockdowns reagierte die Führungsriege der Akademie mit einer Mischung aus Orientierung und Liberalität, die Verunsicherungen und Verwerfungen ernst nahm, Grenzziehungen vornahm, aber auch psychologische Stütze bot. Als die vierte Infektionswelle Ende 2021 auf ihren Höhepunkt zusteuerte, erinnerten die drei Spitzen von Eurac Research, Direktor Stephan Ortner, Vizedirektorin Roberta Bottarin und Präsident Roland Psenner, in einem eindringlichen internen Post daran, Eurac Research sei „ein Forschungszentrum, das sich in seiner Arbeit ausschließlich auf wissenschaftliche Methoden und Ergebnisse stützt. Das Verbreiten von Thesen, die diesen Ansatz ablehnen, ist weit von unserer Auffassung von Wissen und von unserer Vision entfernt. Was die Impfung gegen Covid-19 anbelangt, ist es uns wichtig zu unterstreichen, dass Eurac Research den Südtiroler Sanitätsbetrieb bei allen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie unterstützt. Dies gilt ebenso für die Impfkampagne. Auch in Zukunft werden wir unsere Ressourcen und unser Fachwissen in den Dienst des Sanitätsbetriebs stellen.“3 Bei klarer Grenzziehung gegenüber relativierenden oder ablehnenden Positionen wurde ein Haltungskonflikt offen angesprochen, der zwar nur eine sehr überschaubare Minderheitenposition betraf, und mit subtiler Disziplinierungsgeste zur Kenntnis genommen. Mit Niklas Luhmann könnte man formulieren, dass hier auf exemplarische Weise eine wechselseitig gesicherte „Erwartbarkeit von Erwartungen“ formuliert wurde, die einer sozialen Verhaltungszumutung Geltung verschaffte – zugleich wurde eine hohe Konfliktschwelle gesenkt, die dann gelten würde, wenn eine kollektive Stresserfahrung sofort auf die ungebremste Auseinandersetzung hinausliefe, und damit Erwartungsunsicherheit reduziert (Luhmann 1981, S. 478ff.).

Zur selben Zeit hat Eurac Research, im Zusammenwirken mit der Steinbeis University Berlin, mehrere Szenarien entworfen, die die regionale Entwicklung prognostizieren und lokale mit globalen Fragenstellungen verknüpfen halfen (Habicher et al. 2020). Die idealtypischen Entwürfe operieren mit gezielten Zuspitzungen und verorten „glokale“ Pfadabhängigkeiten vor dem Hintergrund des universalen gesellschaftlich-ökologischen Transformationsdrucks. Welten des regionalen Bewusstseins werden mit Dispositionen des Neo-Kosmopolitismus, der individuellen Freiheit und der grünen Innovationen effektvoll kontrastiert, um abschließend in eine Art Zukunftsradar mit erheblichen Chancen von Umverteilung, Nachhaltigkeit und zivilgesellschaftlicher Partizipation zu münden.

Eine solche Orientierung auf Optimierung bestehender Verhältnisse reiht sich in eine Reform- und Nachbesserungshaltung ein, deren Gestus als Sozialtechnik der Einzelschritte im Sinne Karl Poppers annähernd charakterisiert werden kann – Folgen politischen und ökonomischen Handelns müssen stets revidierbar gehalten werden (Keutz 2011). Eine solche Prädisposition scheut auch vor nur scheinbar minimalen Maßnahmen nicht zurück, etwa wenn seit 2020 die oberirdischen Parkplätze der Akademie in einen Park mit Teich umgestaltet oder die Dachlandschaften mit mehreren Bienenvölkern belebt wurden. Diese dienen der Bestäubung der engeren Grünumgebung des an zwei Seiten noch vom Verkehr umtosten, an den anderen Seiten hingegen ausschließlich von zu Fuß oder per Rad passierenden Menschen gesäumten Bauensembles.

Nun mögen die Dachbienen von Eurac Research nicht für einen Bestätigungsfehler herhalten müssen, indem aus einem Einzelfaktum eine etwas schräge kognitive Rahmung gezimmert wird. Vielmehr möchte die folgende Heuristik einen knappen Überblick über bisherige Entwicklungsphasen der Europäischen Akademie geben. Dies erfolgt unter einer doppelten Perspektive. Erster Ausgangspunkt ist die Vorannahme, dass das Werden einer Forschungseinrichtung nur dann angemessen zu verstehen ist, wenn die Institutionengeschichte mit dem historischen Gedächtnis gepaart wird, also die strukturellen Rahmenbedingungen mit einem Blick auf die institutionellen und personellen Netzwerke und Bewegungspfade verknüpft werden (Durlauf/Blume 2008). Zum anderen ist die im Folgenden gebotene Analyse und Periodisierung von der Auffassung bestimmt, dass 30 Jahre Eurac Research im Kern die wissenschaftliche Sozialisierung einer Region verkörpern und damit einen noch nicht hinreichend reflektierten regionalen Paradigmenwechsel bedeuten. Ein Aufriss der Euracgenese und -entwicklung ist zugleich eine Geschichte von Wissenschaft unter zunächst schwierigen Umweltbedingungen. Sie führt von sich aus auf die Beobachtung, dass im regionalen Umfeld wissenschaftlich-methodische, darüber hinaus komplexe und reflexive Argumentationsweisen nur mühsam Akzeptanz fanden und erst nach und nach in das Selbstverständnis einer Wissenskultur vor Ort eingegangen sind. Die zentrale These ist die Annahme einer intellektuellen Wirkkraft, die Eurac Research bedeutsame und unverzichtbare Schrittmacherfunktionen in einer tendenziell wissenschaftsfernen Umgebung zuerkennt. Eine solche Zuschreibung will jedoch nicht Forschung und Entwicklung für aktuelle soziale Gestaltung funktionalisieren, sie behält vielmehr den apriorischen Mehrwert von Wissenschaft gegenüber gesellschaftlichen Verhältnissen stets im Blick.

II.

Für eine Modellbildung in diachroner Perspektive bietet sich zunächst das Jahrfünft 1992–1997 an. Es reicht von einem nüchternen notariellen Akt bis zur Etablierung einer Universität, von einem administrativen Beginn innerhalb einer lokal wie transregional energiedichten Politikphase bis zur Zellteilung Forschung-Lehre, die von Eurac Research selbst angestoßen und erfolgreich auf den Weg gebracht wurde. In historisierender Absicht könnte man diesen Abschnitt notdürftig mit dem Dreigestirn Gründung, Konsolidierung und Bewährung bezeichnen.

Am 8. April 1992 setzte vor einem Bozner Notar eine vom damaligen Landeshauptmann Luis Durnwalder angeführte Gruppe von Notabeln ihre Unterschrift unter ein Dokument, mit dem eine „Europäische Akademie für Angewandte Forschung und Fortbildung – Bozen“ als privatrechtliche Vereinigung mit Sitz in der Weggensteinstraße 12 ins Leben gerufen wurde. Mit der Ernennung von Aufsichts- und Verwaltungsräten sind als Gründungsmitglieder die Südtiroler Landesverwaltung, das Südtiroler Bildungszentrum, das Südtiroler Kulturinstitut, das Consorzio Lavoratori Studenti und das Istituto Altoatesino di Coordinamento Culturale aufgeführt. Das sprachgruppenübergreifende Geflecht und sozialpolitische Netzwerk legte zugleich auch eine Satzung vor, wonach als „weisungsfreie“ Forschungsziele die Felder „Sprache und Recht, Umweltfragen im Alpenraum, ethnische Fragen und regionale Autonomien“ festgelegt wurden. Im nüchternen Aufgabenprofil war das Selbstverständnis als „postuniversitäre Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt auf praxisorientierter Forschungs- und Fortbildungstätigkeit“ annähernd abgelegt (Stuflesser 2010, S. 281).

Mit dem Bezug des frisch renovierten Deutschhauses, der ehemaligen Landkommende des Deutschen Ordens im Bozner Dorf, als Sitz der Akademie wurde die überfällige Laisierung bzw. Säkularisierung von Wissenschaft in einem noch weitgehend konservativ-spätkatholisch geprägten Umfeld auch symbolisch vollzogen. Zugleich bedeutete die Initiative die – deutlich verspätete – Abkehr öffentlicher Entscheidungsträger von der überaus defensiven Haltung, die Südtirols Nachkriegspolitik im Bereich Forschung und Ausbildung durchzogen und jegliche Emanzipationsbemühung niedergedrückt hatte (Peterlini 2012, S. 288–302; Stuflesser 2010). Es war ein Schritt, durchwirkt von Pragmatismus, den das junge Kabinett Durnwalder I in deutlichem Kontrast zur abwehrenden, von Kriegstraumata und doppelter Diktaturerfahrung bestimmten Haltung der Vorgängergeneration um Silvius Magnago unternahm – zu stark war der Außendruck geworden, einem im Zuge der Autonomiekonjunktur aufblühenden regionalen Wirtschafts- und Sozialsystem nicht auch didaktisch-wissenschaftliche Regelungsinstanzen an die Seite zu stellen. Zu sehr auch bedrückte das Eingeständnis, die mitteleuropäische Welfare-Region sei in wissenschaftspolitischer Hinsicht eigentlich Kolonisierungsland und bei Forschung und Entwicklung von den umgebenden Regionen Trentino und Bundesland Tirol längst abgehängt worden (Blanco et al. 2011; Heiss 2022).

Die signifikante Expansion der Forschung in Südtirol ab den frühen 1990er Jahren war somit maßgeblich von der offiziellen Politik und damit von systemimmanenten Orientierungen geprägt, die innovativ auf eine Verlusterfahrung und Abstiegsfurcht reagierten. Ein zweites, nicht weniger wirkungsmächtiges Motiv bildete das verheißungsvolle Grundrauschen der Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der Implosion des Ost-West-Gegensatzes. Die sowohl pragmatische wie auch macht- und realpolitische Wende des ausgehenden 20. Jahrhunderts und ein verspätetes regionales Wirtschaftswunder ermöglichten einen forschungspolitischen Kurswechsel, der gleichsam im Windschatten einer generellen Gunstphase erfolgte (Bergonzi/Heiss 2004). Drittens wurde, zum selben Zeitpunkt, Italiens Öffentlichkeit von einem tiefgreifenden Korruptionsskandal erschüttert, der zu einem erheblichen Umbau der Parteienlandschaft führte und auch für die fein austarierte Südtiroler Autonomiepolitik Unwägbarkeiten nach sich zog (Ginsborg 2003; Ferrandi/Pallaver 2007, S. 208ff.). Auch diese Drohkulisse regte zum Verlassen des vorgefertigten Skripts im Schauspiel kleinregionalen Lebens an. Südtirols Eliten nahmen die sich immer stärker durchzeichnende „postnationale Konstellation“ (Habermas 1998) als günstiges Momentum wahr – der italienische Nationalstaat hatte spätestens mit der Streitbeilegungserklärung von 1992, die die zwischen Rom und Wien schwelende Südtirolfrage historisiert hatte, den Kontrolldruck gegenüber Bozen deutlich zurückgefahren und eine regionale Forschungskonjunktur mit begünstigt. Als Gunstfaktor wirkte auch die überfällige Entzauberung des kulturpolitischen Mantras, die „Landesuniversität“ Innsbruck könne und müsse allein eine Art von wissenschaftlicher Grundversorgung Südtirols sichern.

Kausalität und Kontingenz sind in dieser Phase kaum mehr zu unterscheiden. Mitte der 1990er Jahre wurde rasch klar, was die Etablierung von wissenschaftlicher Forschung und Bildung in Südtirol bedeutete. Dies war nicht zum gesellschaftlichen Nulltarif zu haben, und der universalistische Imperativ von Wissenschaft entfaltete rasch seine Eigendynamik. Eurac Research reservierte von sich aus Autonomie für Forschung und schuf Raum für die bislang gescheute Praxis des ergebnisoffenen Fragens. Verbesserungspotentiale von Sprachverhältnissen (Ruf nach mehrsprachiger Schule) und Autonomiepolitik (Engführungen von Sprachgruppenproporz und ethnopolitischer Statistik) wurden rasch benannt und vom deutschsprachigen Leitmedium der Regionalpresse, den „Dolomiten“, umgehend perhorresziert. Nicht weiter umgehen ließ sich auch die Frage nach einer Professionalisierung der akademischen Lehre – der das Nachkriegssüdtirol lange Zeit bindende Universitätsstreit harrte seiner überfälligen Lösung (Peterlini/Obermair 2008, Bd. 1). Auch hier hatte sich eine breite Gegnerschaft formiert, die mit der beinahe militanten Präferenz für die Innsbrucker Universität jegliche Südtiroler Eigeninitiative hintanzuhalten trachtete. Der gordische Knoten ließ sich nur lösen, indem Eurac Research einen Entwurf für eine Universitätsgründung vorlegte, der zwei Wagnisse einging (Peterlini/Obermair 2008, Bd. 2, S. 105–108). Einerseits scheute das Projekt nicht davor zurück, sich mit der Bezugnahme auf europäische Vorbilder eine zu hohe Hypothek einzuhandeln. Zum anderen wurden als handlungsleitende Motive jene ökonomischen Sachzwänge aufgegriffen, die vor allem die Südtiroler Wirtschaftseliten zu Verbündeten innerhalb des eher wirtschaftsfernen Kontexts der Wissensproduktion machte. Um das prominente universalistische Ideal, das mit einer Universität von sich aus angesprochen ist, auf regionale Verhältnisse herunterzubrechen, waren Konsens und Unterstützung durch politische und ökonomische Akteure gleichermaßen gefordert. Als diese Allianz gelang, lief die „Freie Universität Bozen“ (FUB) 1997/98 gefahrlos vom Stapel, wenngleich unverkennbar verkürzt auf die harten Fächer von Ökonomie, Technik und Naturwissenschaften – mit Ausnahme der schwerer zurechenbaren Designfakultät wurden indes weiche Humandisziplinen nach Brixen ausgelagert. Dort blickten sie, ohne wirklich eigenes Forschungsappeal gewinnen zu können, auf die Ausbildung von Vorschul- und Grundschullehrkräften. Die FUB bezog 1998 im Stadtzentrum Bozens ein linear-zurückhaltend gestaltetes Bauensemble, das nach einem internationalen Architekturwettbewerb von den beiden Zürcher Architekten Matthias Bischoff und Roberto Azzola entworfen worden war. Das Ergebnis nahm Abstand vom Konzept einer Bildungsfabrik in peripherem Gelände, und bemühte sich um das Ineinandergreifen von Universität und Stadt, indem es den Wissensraum einer Universität mit der Urbanität des öffentlichen Raums auch ästhetisch wirkungsvoll verschränkte (Helfenstein 2003).

III.

Mit der Universitätsgründung wurde, unter der Hand, eine folgenschwere Dichotomisierung von Lehre und Forschung etabliert (Woelk 2005). Der FUB wurden zunächst die Aufgaben einer reinen Lehranstalt zugewiesen; diese schulische Konnotation und der damit verbundene greifbare Nutzen förderten gewiss die lokale Akzeptanz, waren aber auch eine systemische Bürde, die nur mühsam und nach und nach durch die Etablierung von Kompetenzzentren, die Bereitstellung von Forschungsmitteln und die Etablierung forschungsstarker Professuren kompensiert werden konnte. Auch die Mehrsprachigkeit der FUB stellte kein Alleinstellungsmerkmal dar, bot jedoch einen erheblichen Mehrwert in der interregionalen Wettbewerbssituation (Montanari/Quay 2019). Die universitären Schrittmacherfunktionen von Eurac Research hingegen begannen nun auf diese selbst zurückzuwirken und – zumindest aus der Sicht einflussreicher Politakteure und -akteurinnen der Südtiroler Landesregierung – jenen „organisierten Skeptizismus“ (Merton 1985, S. 99) erneut in Frage zu stellen, den eine weisungsungebundene Forschungseinrichtung und ihre normative Grundstruktur von Wahrheitsorientierung, kognitiver Rationalität und ergebnisoffener Neugierde nur als Drohpotential erscheinen lassen konnten. Solchen Vorbehalten war vor allem durch Expansion zu begegnen. Das Jahrfünft bis 2002 stand daher unter dem Signum von Selbstbehauptung, struktureller wie personeller Expansion und Campus-Orientierung. Am Ende der Drangphase stand mit dem baulichen „Raumschiff“ an der Talfer eine selbstbewusste architektonische Landmarke, die Eurac Research auf Dauer stellte und in einem symbolischen Kraftakt den subkutanen Konflikt mit der Politik für sich entschied.

Die Unhintergehbarkeit von angewandter und grundlagenorientierter Forschung und die damit unmittelbar verbundene Erhöhung des Diskursniveaus mussten zunächst gegen affektuelle Kritik verteidigt, eine Fusion von Akademie und Universität – wie von einigen Kräften der offiziellen Kulturpolitik offen angedacht – als wissenschaftspolitische Implosion vermieden werden. Wobei hier anzumerken ist, dass das Spannungsfeld Lehre-Forschung niemals als simpler Dualismus zu haben ist und deren Überschneidungen gleichsam naturwüchsig sind. Ambiguitätstoleranz war demnach das Gebot dieser Zeit wissenschaftspolitischer und universitätskultureller Aktivität, auch deren Erblast. Geltung und Geltungsfähigkeit der „euracianischen“ Wissensfelder waren kontinuierlich zu artikulieren und strukturell zu festigen.

Die Erfahrungen maximalen Kontrasts zwischen einem lehrorientierten Betrieb der FUB und einem globalen akademischen Forschungsauftrag von Eurac Research kamen dem Unterfangen der Profilbildung letztlich zugute. Die institutionelle Resilienz der Akademie sah sich einer Bewährungsprobe ausgesetzt, die sie durch weitere Auffächerung und inhaltliche Ausdifferenzierung ihrer Forschungsfelder bewältigte. Zugleich wurden ihr zunächst hybrider Status und ihre Doppelfunktion als Katalysator und Akteur nach und nach in Richtung Forschungsoffensive überwunden. Als 2010 der dynamische Gründungspräsident Werner Stuflesser eine erste institutionsgeschichtliche Bilanz ziehen konnte, waren aus dem primordialen Anfangspunkt von 1992 bereits fünf Forschungssäulen hervorgegangen (Stuflesser 2020, S. 282–283). Sie gliederten sich in zehn Institute. Von diesen arbeitete das Institut für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit der Angewandten Sprachwissenschaft als einer Säule komparatistisch angelegter ethnopolitischer Policy zu (Abel 2007). Die beiden Institute für Minderheitenrecht bzw. für Föderalismus- und Regionalismusforschung rechneten zum Themenfeld Minderheiten und Autonomien und gingen rasch internationalen Dimensionen nach – ethnozentrischen Konzepten wurde hierbei eine deutliche Absage erteilt (Salamun 2005). Zukunftsorientierung unter dem Signum nachhaltiger regionaler Entwicklung verhießen die Koordinierungsstelle der Alpenkonvention sowie die Institute für Alpine Umwelt, für Angewandte Fernerkundung, für Erneuerbare Energie sowie für Regionalentwicklung und Standortmanagement (Stolze/Tasser 2015; Pezzutto et al. 2021). Das Institut für Public Management nahm die betriebswirtschaftlichen Dimensionen öffentlicher Verwaltung in den Blick und legte den wachsenden Modernisierungsbedarf des „stahlharten Gehäuses“ (Max Weber) regionaler Administrationsabläufe, in der Südtiroler Praxis oft molluskenartig anmutend, schonungslos offen (Cologna et al. 2003). Biowissenschaftliche Pfade beschritten die Institute für Mumien und den Iceman sowie für Genetische Medizin, indem sie einerseits den Serendipitätsumstand des Ötzifundes für anatomisch-pathologische Befunde nutzten und zum anderen kollektivmedizinische Großuntersuchungen forcierten (Pattaro et al. 2015; Zink 2016).

IV.

Zentraler Stabilisierungsfaktor und symbolischer Ausdruck dieser Akademie 2.0 war das neue Haus, das an einem der zentralen Achsen des urbanen Gefüges, und damit des öffentlichen Raums, im Herbst 2002 bezogen werden konnte. Dabei handelt es sich um ein Gebäudeensemble, dessen historische Bausubstanz auf ein faschistisches Bauvorhaben von 1934/36 zurückgeht (Risse-Lobis 2003). Von den beiden Paduaner Architekten Francesco Mansutti und Gino Miozzo geplant, transportiert das frühere Haus der faschistischen Parteijugend – der „Gioventù Italiana del Littorio“ – neben der nüchternen rationalistischen Formensprache auch die Erblast eines politisch-autoritär aufgeladenen Ortes. Hier wurden jene Mentalitäten und Dispositionen herangebildet, die dem Traum totaler Herrschaftsausübung und rassistisch-imperialer Größe dienstbar sein sollten. Es war die kulturelle Leistung des Grazer Architekten Klaus Kada, mit einem behutsamen Umbau die im Ursprungsbau angelegte Ambiguität der reaktionären Moderne nicht zu verleugnen und durch subtil abgesetzte, nüchterne und lineare Ergänzungsbauten als architektonische Schichtenabfolge lesbar zu machen (Bradaschia 2008). Alt und neu sind durch den Gegensatz von Glas bzw. Beton und dem pompejanischen Rot des historischen Bestandes unmittelbar greifbar und sinnlich wahrnehmbar geblieben, die Übergänge zwischen den Bauteilen ohne Kaschierungen gesetzt. Der Turm als früheres Wahrzeichen bildet mit seinem Eckbau eine platzähnliche Fläche vor dem neuen Entrée, das selbstbewusst in das modernistische Ambiente der neuen Institutsbauten führt. Die Platzierung der Fachbibliothek in der früheren Turnhalle und die Ausgestaltung des rundförmigen Auditoriums zu einem technisch formidabel ausgestatteten Konferenz- und Veranstaltungssaal unterstreichen auf subtile Weise die Zivilisierung des vormals paramilitärischen Komplexes. Eine dezente Farbgestaltung im Inneren betont die akademische Atmosphäre der weitläufigen Räumlichkeiten und ihrer Übergänge. Audimax, Glasbaukörper, alte und neue Büros umschließen einen begrünten Innenhof, der mit einem hoch frequentierten Social Space unterhalb der Rundhalle eine Patio-ähnliche Anmutung verströmt und einen innerstädtischen Campus ausbildet. An dem auf zwei Stelzen zur Achse der Drususallee hin auskragenden Riegelbau prangt mit dem Logo von Eurac Research die hauseigene Marke der Wissenschaft. Das Akademie-Branding an der Fassade setzt auf die visuelle Leitfarbe Rot: Es unterstreicht mit dem zweiten Lemma „Research“ nachdrücklich die Forschungsorientierung der Institution, verdeutlicht auf sinnfällige Weise die Tätigkeit im Inneren der Gebäude und nimmt mit seinem jugendlichen Narrativ jeglichen Elitismus zurück, ohne den intrinsischen Qualitätsanspruch zu verleugnen.

Der Subtext dieses Erscheinungsbildes lautet: Das Haus der Forschung steht der Zivilgesellschaft offen, es fördert partizipative Beteiligung auf hohem Niveau und bindet die Bevölkerung in seine Arbeitsprozesse aktiv ein. Das Transparenzgebot von Wissenschaft wird neben den Informationsangeboten der Webseite (www.eurac.edu) und den Jahresberichten vor allem vom Periodikum „Academia Magazine“ gewährleistet. Seit der Erstlingsausgabe vom Dezember 1994 bemüht sich eine engagierte Redaktion um die gut nachvollziehbare Darstellung von Forschungsfeldern, Projektentwicklungen und gesellschaftlich relevanten Thematiken. Das den Akademienamen programmatisch im Titel führende Wissenschaftsmagazin bildet in nunmehr über 80 Ausgaben den Stand aktueller Fragestellungen ab und verleiht dem Anspruch öffentlich verhandelter Wissenschaftlichkeit eine solide diskursive Basis. Die gleichermaßen elegante wie informative Grafik wird intern gestaltet, auch ist es seit wenigen Jahren gelungen, den Mitteilungen der FUB durch gemeinsame Herausgeberschaft ein Forum zu bieten. Niederschwelligkeit in der Wissenschaftskommunikation – im Kern das Verlassen des Elfenbeinturms – ist ohne soziale Medien nicht zu erreichen. Zahllose Webinare und Zoom-Konferenzen sowie die Online-Blogs von Eurac Research (www.eurac.edu/de/blogs) greifen diese Vermittlungschancen und ihre spezifischen Denkfiguren und diskursiven Möglichkeiten wirkungsvoll auf (Streifeneder et al. 2021).

Wichtige Aufmerksamkeitsgewinne verhießen die offiziellen Besuche von Tenzin Gyatso, des 14. Dalai Lama, in den Jahren 1997, 2005, 2009 und 2013. Nicht nur wurde hiermit eine Symbolfigur der antichinesischen Dissidenz der tibetischen Minderheit anerkannt, sondern auch das Südtiroler Autonomiemodell als friedensstiftende Modelllösung für ethnopolitische Konflikte hervorgekehrt. Auf dieser Linie lag, dass 2020 Eurac Research und die Universität der Vereinten Nationen (United Nations University-UNU), als akademischer Arm der UN, ihre seit Jahren gepflogene Zusammenarbeit besiegelten – Bozen rückte mit diesem Schritt zum offiziellen Dienstsitz der Vereinten Nationen und gleichzeitig zum einzigen Standort der UNU in Italien auf. Der Kooperationserfolg ordnet sich in das breite Netzwerk bereits bestehender, vertraglich fixierter wissenschaftlicher Partnerschaften mit weltweit 126 Institutionen ein (Eurac Research 2021, S. 42–43). Ebenso ist das Haus seit 2003 Dienststandort für die Alpenkonvention, ein in thematischen Protokollen abgelegtes Nachhaltigkeits­instrument.

Doch verhieße eine solche systemische Bricolage weniger Glanz denn Brüchigkeit, würde sie nicht auf eine im Selbstverständnis der derzeit elf Institute und fünf Zentren verankerte Einheit der reflektierenden Wissenschaften gegründet. 2022 besteht das Gitter an Einrichtungen – mit ihren englischsprachigen Hauptbezeichnungen – aus: Institute for Alpine Environment, Institute for Applied Linguistics, Institute for Biomedicine, Institute for Comparative Federalism, Institute for Earth Observation, Institute for Minority Rights, Institute of Mountain Emergency Medicine, Institute for Mummy Studies, Institute for Public Management, Institute for Regional Development, Institute for Renewable Energy, Center for Advanced Studies, Center for Autonomy Experience, Center for Global Mountain Safeguard Research, Center for Sensing Solutions und dem Extreme climate simulation center (terraXcube). In solcher Fülle sind die Übergänge von natur- zu humanwissenschaftlichen Disziplinen fließend angelegt, und die strukturelle Vielfalt hat als stete Mahnung die Erfahrung des früheren transdisziplinären Mangels vor Augen (Oexle 2000). Ein Luxusort des Geistes, ein nach dem ideellen Vorbild einer Max-Planck-Gesellschaft gebildeter „Denkort“ (Gruss/Rürup 2010), geht allerdings in seiner Tätigkeit nicht nahtlos auf – die Praxis von Wissenschaft ist niemals nur vom Ergebnis her zu betrachten, sondern als Prozess definiert, der in der Akkumulierung von Wissensbeständen dessen Träger selbst verändert. Dabei weist gegenüber historisch gewachsenen Forschungseinrichtungen mit ihren zumeist hochgradig arbeitsteiligen und entlang der Linie Geistes- vs. Naturwissenschaften getrennten Arbeitsfeldern Eurac Research eine intentional angelegte inter- und transdisziplinäre Grundausrichtung auf. Dass die „zwei Kulturen“, die intellektuellen Denk- und Gegenwelten im Sinne von Charles P. Snow (Kreuzer 1987), sich besser verzahnen ließen, hat mit dem Sonderweg Südtirols als wissenschaftsgeschichtlichem Latecomer zu tun. Es die Beobachtung einer eigentümlichen Paradoxie: In diesem Fall hat strukturell-mentale „backwardness“ als Nebeneffekt eine positiv konnotierte Anomalie erzeugt, wurden ungünstige Ausgangsbedingungen in überschießende Energie und produktive Muster verwandelt.

Der regionale forschungspolitische Paradigmenwechsel zeitigt erhebliche gesellschaftspolitische Folgen. Ist das verhängnisvolle Dreieck von Ethnie, Provinzialität und plötzlichem Wohlstand erst einmal durchbrochen, kann der Gegensatz von Politik und Forschung nicht mehr widerspruchslos konstruiert werden. Anders formuliert, setzt Eurac Research mit seiner prinzipiellen Außenperspektive, vorgebracht „von innen“, seit 30 Jahren ein Modell mit Differenz. Es durchbricht die Engführungen eines „Südtirolismus“ und greift die Komplexität und die Chancen einer multikulturellen und plurizentrischen Gesellschaft auf. Die Chiffre Südtirol war bis dahin ein bequemer Diskurseffekt, der sich aus der Sicht politischer Eliten ausschließlich für die Konstitution ökonomischer Hegemonie nutzen ließ. Hinzu kam auch im kleinregionalen Raum die toxische Mischung aus Globalisierungsfolgen und Neoliberalismus, die zur dauerhaften Schwächung der Zivilgesellschaft führte (Zwick 2018). Dagegen steht das offene Bemühen, eine neue Äquivalenzkette als dauernden Prozess anzustoßen: Ein auf diese Weise generiertes Wissen hält sich von sich aus von eingefrorenen Traditionsbeständen und bequemen oder kompensatorischen Selbstbildern fern. In ihm wirkt, bisweilen auf unbewusste Weise, das Potential der Aufklärung fort, deren Versprechen eines „Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) freilich ewig unabgeschlossen bleiben muss und dessen Wirkung stets prekär bleibt.

V.

Die kräftigen Ausbauschritte von Eurac Research haben einen erheblichen Kredit des Wissenschaftlichen generiert, das materielle Gehäuse der Forschung hat hierbei selbst „gelernt“ und sich in den letzten beiden Jahrzehnten baulich, begrifflich und forschungspraktisch verändert (Brand 1994; Kofler et al. 2018). Ein umfassendes internes Weiterbildungsangebot trainiert die Mitarbeitenden nachhaltig, ein diskretes Backoffice entlastet von bürokratischen Hemmnissen und beflügelt Forschungsförderung und Mittelerwerb. Materiell erfolgt die Expansion in jüngerer Zeit verstärkt auf den weiten Flächen des NOI Techparks Südtirol/Alto Adige im Süden Bozens. Der 2017 begründete Technologie- und Wissenschaftspark im früheren Industriegebiet zieht nach und nach Forschungszentren und Hightech-Industrie an sich und verzahnt Sektoren von Eurac Research mit Abteilungen der FUB, mit Fraunhofer Italien, der Klimahausagentur und dem agrikulturellen Versuchszentrum Laimburg (Mulazzani 2018). Das Fabrikhafte, das mit solcher Etablierung von Think Tanks und Ausgründungen einhergeht, steht mit seinen Expansionsschritten auch für die Kolonisierung einer früheren „terra nullius“, und zwar nicht als Graswurzelbewegung, sondern als Knotenpunkt öffentlichen Mitteleinsatzes aus lokalen, nationalen und transregionalen Beständen. Denn wo das Geld herkommt, um Forschungsausgaben zu schultern, bleibt weiterhin die zentrale Frage in der Etablierung des wissenschaftlichen Milieus. Dieses ist zwar nicht zu Unrecht als autopoietischer Vorgang zu fassen, dessen Grammatik in organisatorischer Ästhetik nicht aufgeht, sondern die zugrundeliegenden Dispositionen und ihre Träger verändert, also gesellschaftlich performativ wirkt (Stichweh 1987; Shilling 2005). Doch erschöpfen sich die Effekte von Forschung und Entwicklung nicht in einer ein- oder auch mehrmalig intentional hervorgebrachten Feedback-Schleife. Die Gemeinschaft einer „Denkfabrik“ zu verstetigen, ihre Orte der Kreativität, der Innovation, der interdisziplinären und zugleich praktischen Forschung zu stabilisieren, dies benötigt – im Widerspruch zum neoliberalen Diskurs – eine andauernde proaktive Haltung des „Staats“, also der vorhandenen politischen Umgebung. Es ist deren essentielle Aufgabe, die strukturellen Rahmenbedingungen durch Grundinvestitionen zu erhalten und zu fördern (Mazzucato 2020). An dieser Frage entscheiden sich, unabhängig von einer günstigen Drittmittelakquise (die an Eurac Research ohnehin sehr hohe Anteile erreicht), die materiellen Bedingungen der Konstitution und Existenz von Wissenschaft und Forschung. Deren prinzipielle Vulnerabilität ist jenseits des Offensichtlichen einer institutionellen Präsenz stets zu berücksichtigen.

Dies ist das unvermeidliche Paradox des Wissenschaftlichen, auch in Südtirol. Die der wissenschaftlichen Praxis inhärente emanzipative Wende, vor der (regionale) Politik im Vorhinein Angst hat, muss von dieser im selben Augenblick gefördert werden, um nicht ihre eigenen intelligiblen und legitimatorischen Quellen abzuschnüren. Dann aber führt die deutliche Ablehnung ethnisierter oder subnationaler Diskurse, die das Ethos von Forschung auszeichnet, zu Entkoppelungseffekten, die als unbequem wahrgenommen werden (Anderson 1983; De Paoli 2017). Es liegt in der Natur von Eurac Research, Differenzmarkierungen hervorzubringen, die in neue Kategorisierungen des gesellschaftspolitischen Feldes münden und von sich aus das disziplinierende Milieu der Provinz überwinden helfen. Wer Wissenschaft am Ort ihrer Entstehung aufsuchen will, der darf ihre gesellschaftliche Funktion nicht vernachlässigen und muss daher auch ihren Produzenten- und Adressatenkreis sowie deren stetiges Rückwärts- und Vorwärtsschreiten thematisieren (Gigerenzer/Todd 2000).

Dies inkludiert bisweilen Frontstellungen. Wissenskulturen und die analytischen und prognostischen Qualitäten einer Forschungsakademie entfalten immer wieder ihre wissenschaftlich gezähmte subversive Wirkung, wenn sie populistische Narrative diskursiv unterwandern (McCarthy 1996). Brain-Gain ist nicht redundanzfrei zu bekommen. Symbolische Konflikte verlaufen entlang der Linien inhaltlicher Differenzen, ob nun im Raubtiermanagement, bei nachhaltiger Landwirtschaft, in erinnerungskulturellen Fragestellungen oder in medizinethischen Disputen. Die Verwissenschaftlichung von Diskursebenen erfolgt in einem langsamen, auch mühsamen Prozess, dessen Ergebnisse gegen die Zumutungen von einflussreichen Lobbies, den Verbänden von Handwerk, Tourismus und Dienstleistern, aber auch gegen eine demokratiepolitisch fragwürdige Medienkonzentration in einer Hand zu verteidigen sind. Diese Mehrebenenaktion von Wissenschaft stellt ein unverzichtbares Momentum der Freiheit dar, das tatsächlich der Verwirklichung von Demokratie dient.

In letzter Instanz sind akademische Forschung und Wissenschaft elementarer Teil einer funktionierenden Zivilgesellschaft, deren Wohl und Wehe nicht allein in ökonomisch messbaren Daten aufgeht. Ihr Gelingen entscheidet sich vielmehr an immateriellen Faktoren wie Zivilcourage, Pluralismus, Gewaltenteilung, Achtung vor Differenz, Wissensniveaus, Resilienzvermögen und – Glücksversprechen.


Abstract

The article traces the historical-organizational development of Eurac Research, both from a functionalist and an intentionalist point of view. This means that no inevitability of the development process is assumed, but rather the specific conditions of its path dependencies are examined, and the respective profiles of the fields of work and research are reconstructed. Particular attention is paid to Eurac Research’s resilience strategies and problem-solving competence as a central part of its “seat in life” within regional political and social conditions. The central starting point of this approach is the categorical distinction between academy and university, whereby the deeper perception of this difference of research vs. teaching is of crucial importance for the not always favorable South Tyrolean perception of science and the fractured scientific landscape of the European region of Tyrol-South Tyrol-Trentino. The prehistory of the building itself and its exemplary transformation under the sign of civilization and democratization will also be considered, as the buildings of Eurac Research, now a campus-like topography, have a lasting influence on the everyday practice of the staff.

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1 Für kritische Lektüre und Anregungen danke ich Harald Pechlaner, Roland Psenner, Hans Heiss, Josef Prackwieser, Julia Reichert, Patrick Rina, Klara Obermair und Dorothea Kugler.

2 "It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of light, it was the season of darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair, we had everything before us, we had nothing before us, we were all going direct to Heaven, we were all going direct the other way …" (Dickens 1970, S. 3; Übers. d. Vf.).

3 Online-Post auf eurac.workplace.com vom 30. November 2021 (7. Dez. 2021).