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Abwanderung am Berg: Leben und Arbeiten in Südtiroler Randgemeinden

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17 February 2014
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Abwanderung am Berg: Leben und Arbeiten in Südtiroler Randgemeinden - © Manuel Demetz

Südtirol ist in allen Landesteilen wirtschaftlich und sozial weitgehend ausgewogen entwickelt. Im alpenweiten Vergleich steht die Provinz gut da, wie eine Analyse der EURAC von über 5.000 Gemeinden aus dem Jahr 2011 belegt. Aber auch in Südtirol sind einige entlegene Berggemeinden von Abwanderung und Arbeitsplatzverlust betroffen. Die Schließung der Werke der Hoppe AG im Passeier zeigt beispielsweise die Kehrseite der Medaille.

Oftmals sehen junge Menschen vor Ort keine Arbeits- und Lebensperspektive mehr. Betriebe geben auf, weil es keine Nachfolger gibt. Unternehmen wandern ab, um sich an neuen Absatzmärkten besser positionieren zu können. In den wenigen Betrieben, die bleiben, kommen zu viele Bewerber auf einige wenige Ausbildungsplätze. Mit dieser Entwicklung einher geht ein Verlust des Vereinslebens. Das Gemeinschaftsgefühl schwindet. Öffentliche Einrichtungen schließen, kulturelle Angebote werden rar.

Das EURAC-Institut für Regionalentwicklung prüft, wie sich Berggemeinden auch künftig als attraktive Lebens-, Arbeits- und Erlebnisräume positionieren können. Gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung und lokalen Interessengruppen wägt sie ab, welche Maßnahmen notwendig und machbar sind, um der Abwanderung entgegenzuwirken. Lokale Potentiale nutzen ist das Leitmotiv. Vor allem gemeindeübergreifende Zusammenarbeit ist langfristig wirkungsvoll. Auch Provinz- und Landesgrenzen sollten kein Hindernis sein. So können Ideen, Kräfte und finanzielle Mittel besser wirken.

Konkret zeigt sich dies an der Planung von Gewerbegebieten. Diese entstehen auch in Südtirol häufig dort, wo freier Grund ist und nicht, wo es Gebäudeleerstände und Arbeitskräfte gibt. Aber gerade in entlegenen Gemeinden braucht es Gewerbegebiete für kleine und mittlere Betriebe. So bleiben dezentrale Arbeitsplätze erhalten. Davon profitieren insbesondere die Landwirte im Nebenerwerb. Ein gutes Beispiel ist die gemeinsame Handwerkerzone der Gemeinden St. Martin und St. Leonhard in Passeier. Wie eine derartige Gemeindekooperation funktionieren kann, ist in einem Handbuch für die interkommunale Gewerbestandortentwicklung des EURAC-Instituts dokumentiert. Dies ist das Ergebnis des COMUNIS-Projektes.

Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit ist auch das A und O im ESF-geförderten Projekt “Zukunft 2030”. Als Ideen- und Impulsgeber unterstützt das EURAC-Institut insgesamt 14 Gemeinden darin, Potentiale lokaler Wertschöpfung zu erkennen und zu fördern. Ein Beispiel ist die “Inwertsetzung” des heimischen Wassers im “Tal der Badlen”. Gemeint ist das Ultental.

Periphere Gemeinden bergen attraktive Chancen in sich. Immer mehr suchen Menschen aus den Städten die Ruhe und den günstigeren Wohnraum im Grünen. Telematik und Infrastrukturen verbinden die kleinsten Dörfer mit der großen Welt. Das macht gerade den ländlichen Raum interessant für neue Einwohner. Auch daran forscht das EURAC-Institut für Regionalentwicklung. Neue Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsräume entstehen. Da, wo früher und bisher die Abwanderung das Problem darstellte, sind neue Attraktivitätspotentiale gegeben. Sie so zu nutzen, dass ihre Vorteile langfristig erhalten und gesichert bleiben, ist die große Herausforderung. Dabei spielen zunehmend die Mobilität und die Connectivity (Breitbandanschluss) entscheidende Rollen.

Autor: Miriam L. Weiß

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