ScienceBlogs
Home

Edipo siamo noi: Warum wir aufhören müssen, uns als Krönung der Schöpfung zu betrachten

1
24 March 2022
1
Ödipus sind wir alle. Può una società che si prende cura mostrare una via d'uscita dalla tragedia del clima? - © Vereinigte Bühnen Bozen/Egeon

Un contributo visionario, bilingue e sperimentale per una società che si prende cura. Ein visionärer, zweisprachiger und experimenteller Beitrag für eine sorgende Gesellschaft.

L’Edipo Re di Sofocle si apre tragicamente: una terribile pestilenza si è abbattuta su Tebe, il fumo dei sacrifici satura le strade e la città risuonano dei pianti e dei gemiti di chi ha perso qualcuno. L’oracolo viene consultato per capire come allontanare questo flagello, e il responso è chiaro: la pestilenza è sintomo di una città corrotta e solo un doloroso percorso di identificazione delle cause di questa corruzione per estirparla potrà guarirla.

Nelle Memorie di Adriano, Marguerite Yourcenar scrisse che “quasi tutto quello che gli uomini han detto di meglio è stato detto in greco” e di fronte all’amara attualità del testo sofocleo non possiamo che condividere la sua opinione. Sofocle parlava di peste nel mito una manciata di anni dopo che una peste vera che aveva causato la morte di almeno un terzo della popolazione di Atene e il ricordo doveva essere ancora dolorosamente presente. Anche oggi una peste sta imperversando, anzi: una teoria di pesti. La pandemia da COVID-19, la crisi climatica, la perdita di biodiversità, i conflitti bellici, le crisi economiche e le crescenti disuguaglianze economiche e sociali. Tutti questi elementi non sono che manifestazioni esterne, sintomi. Agire sui sintomi è indubbiamente necessario, ma per curare una malattia bisogna cercarne e curarne la causa profonda, altrimenti nuovi sintomi continueranno ad insorgere.

Caring è un’attività che include tutto quello che facciamo per preservare e guarire il nostro mondo per poterci vivere nel miglior modo possibile.

Jean Tronto

La malattia che ci affligge è da identificarsi nella nostra società individualistica, dualistica, antropocentrica, patriarcale e capitalista che persegue l'accumulo, la crescita e l'espansione. La guarigione è possibile solo grazie a un drastico ripensamento del nostro sistema sociale ed economico, del nostro modo di vivere, di come ci relazioniamo con persone, animali, piante ed ecosistemi.

L’ottica cura/care/Sorge può costituire la chiave di volta su cui costruire questo sistema più resiliente, più sostenibile, finalmente libero da categorie binarie. Infatti, “Caring” è un’attività che include tutto quello che facciamo per preservare e guarire il nostro “mondo” per poterci vivere nel miglior modo possibile, scrive Joan Tronto, sottolineando tra l’altro l’interdipendenza di tutti gli esseri viventi.

Sorge sollte sich laut dieser Definition also nicht nur als moralisches, individuelles Konzept, sondern vielmehr als politische Praxis und institutionelle Verantwortung auf eine gesellschaftliche Ebene erheben, in der das Wohlbefinden, die Bedürfnisse, der Schutz und die Rechte aller im Vordergrund stehen. “Caring” heißt insofern auch die Hochschätzung des zwischenmenschlichen Miteinanders, der Reziprozität und bedeutet damit Solidarität, Inklusion und gegenseitige Unterstützung. Sich sorgen heißt füreinander einstehen, pluralistische, kollektive Allianzen und Bündnisse bilden.

Nein, der Mensch ist nicht die Krönung der Schöpfung, sondern muss lernen, in Beziehung zu treten. Eine sorgende Gesellschaft bemüht sich um andere Menschen, um andere Lebewesen, um gesamte Ökosysteme, pflegt sie und interagiert mit ihnen, ohne sie zu zerstören.

Collettivo CARE Kollektiv

Doch das ist nicht genug. Obwohl im Hinblick auf die Klimakrise, die Zerstörung der Ökosysteme und das Schwinden der Biodiversität, das Wohlergehen der Menschen stark vom Wohlergehen der Umwelt abhängt, reicht das Konzept der sorgenden Gesellschaft über eine anthropozentrische Perspektive hinaus. Sorge schließt in diesem Sinne nicht nur Menschen ein, sondern bezieht sich auch auf das Wohlergehen von Pflanzen, Tieren, Pilzen und natürlichen Elementen, welche nicht länger als „tote Materie“ und somit als minderwertige und deshalb auszubeutende Rohstoffe und Konsummittel wahrgenommen werden.

Jede Gesellschaft ist dafür verantwortlich, wie sie das Verhältnis zur Umwelt definiert. In einer sorgenden Gesellschaft wird der Mensch auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. Nein, er ist eben nicht die Krönung der Schöpfung, sondern muss in eine wechselseitige Beziehung zu nicht-menschlichen Spezies treten. Eine sorgende Gesellschaft lässt das Anthropozän hinter sich. Sie bemüht sich um eine Gesellschaftsform, die sich um andere Menschen, um andere Lebewesen, um gesamte Ökosysteme sorgt, diese pflegt und mit ihnen interagiert, ohne sie zu zerstören.

Eine sozial-ökologische Wende, eine Transformation, muss aus diesem Grund unter einem Paradigmenwechsel stattfinden, der nicht-linear, pluralistisch und partizipativ ist. Zahlreiche Ansätze, Vorschläge, gelebte Praxis und mutige Beispiele versuchen bereits, diese Utopie in Normalität zu verwandeln:

Società: il capitale sociale aumenta grazie a una più attiva partecipazione alla vita comunitaria, politica e organizzativa, ad azioni di volontariato e solidarietà e a una maggiore socievolezza informale. Sono incoraggiate iniziative di vicinato, spazi multifunzionali, fattorie solidali, banche del tempo, co-housing e co-working

Wirtschaft: Wachstum und Entwicklung werden anhand alternativer Kriterien wie Resilienz, Suffizienz und Kooperation definiert und gemessen. Die Kreislaufwirtschaft wird gefördert und Gemeingüter, das Tauschen und Teilen sowie gemeinschaftliches Nutzen wird begünstigt. Negative Umwelt-und Sozialkosten werden internalisiert.

Lavoro: riduzione del lavoro retribuito, meno disuguaglianza dei salari, riconoscimento e valorizzazione del lavoro - retribuito e non - della cura (ad esempio lavori domestici, assistenza dei bambini, di persone diversamente abili e anziani etc.)

Politik und Institutionen: Bürger:innenhaushalte, deliberative Mini Publics oder Rotationsverfahren können das Vertrauen und die Legitimation der Institutionen durch eine stärkere politische Beteiligung aller Betroffenen fördern. Der Meinungsbildungsprozess wird mit gut aufbereiteten Informationsmaterialien und im Austausch mit Expert:innen begleitet und eine professionelle Moderation versucht, alle Standpunkte gleichberechtigt zu Gehör zu bringen.

Ambiente: anche alla natura e alle generazioni future vengono riconosciuti dei diritti fondamentali. La distruzione dell’ambiente, degli ecosistemi, nonché l’impatto sul clima viene perseguitato come un crimine internazionale contro la pace.

Anthropos, Tyrann (Ödipus)

Die Problematik der Klimakrise und visionäre Ansätze, wie eine sozial-ökologisch verträgliche Gesellschafts-und Wirtschaftsform gestaltet werden kann, werden im Rahmen der Inszenierung "Anthropos, Tyrann (Ödipus)" ab dem 26. März 2022 an den Vereinigten Bühnen Bozen (VBB) in Kooperation mit Eurac Research vorgestellt. All'interfaccia tra arte e scienza, cinque attrici e cinque gruppi di ricercatrici e ricercatori scavano nelle profondità del mito di Edipo e lo rileggono alla luce delle crisi attuali.

Linda Ghirardello

Linda Ghirardello ist Forscherin am Center for Advanced Studies von Eurac Research in Bozen. Sie studierte Kultur- und Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Menschenrechte in Österreich, Frankreich und Italien. Ihre Forschungsinteressen betreffen insbesondere sozioökonomische Ungleichheiten und feministische politische Theorie.

Silvia Gigante

Silvia Gigante ist Politologin am Center for Advanced Studies von Eurac Research. Sie wuchs in Bozen auf und studierte Politikwissenschaft und internationale Entwicklung an der Universität Wien, der University of Nottingham und der Università degli Studi di Firenze. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit befasst sie sich mit Aktionsforschung und Transformationsprozessen für mehr Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Governance. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören außerdem auch Gender-Theorien, Policy Analysen und Ethik.

Giulia Isetti

Giulia Isetti wuchs in Genua, Ligurien, auf. Sie studierte Klassische Philologie an mehreren Universitäten in Italien, Deutschland und England und promovierte 2013 in Altgriechisch. Nach einem weiterführenden Studium der Betriebswirtschaftslehre und einigen Berufserfahrungen im Ausland (Deutschland und Belgien), lebt sie seit 2017 in Bozen, wo sie als Senior Researcher am Center for Advanced Studies von Eurac Research arbeitet. Ihre Forschungsthemen erstrecken sich über verschiedene Bereiche, mit besonderem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Resilienz, Religion und Digitalisierung.

Daria Habicher

Daria Habicher ist Sozioökonomin am Center for Advanced Studies von Eurac Research und Co-Leiterin des EFRE-Projektes „Tiny FOP MOB”. Sie ist überzeugt davon, dass Veränderung von innen und von unten kommen muss. Hoffnung machen ihr wertvolle Begegnungen auf der Straße, in der Projektarbeit und in den Tiefen des Ozeans.

Anna Weithaler

Anna Weithaler studierte Philosophie (BA, MA) an der Universität Innsbruck und Helsinki und Musik- und Instrumentalmusikerziehung (BEd, MEd) an der Universität Mozarteum (Standort Innsbruck). Nach einem Praktikum am Center for Advanced Studies von Eurac Research ist Anna Weithaler nun Doktorandin am Institut für Philosophie der Universität Innsbruck und Kollegiatin des Doktoratskollegs „Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung“ am Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen – kulturelle Konflikte“ der Universität Innsbruck.

Tags

Citation

https://doi.org/10.57708/b120137794
Ghirardello, L., Gigante, S., Isetti, G., Habicher, D., & Weithaler, A. Edipo siamo noi: Warum wir aufhören müssen, uns als Krönung der Schöpfung zu betrachten. https://doi.org/10.57708/B120137794

Related Post

ScienceBlogs
02 February 2022imagining-futures

Die Region als Gemeingut

Davide Brocchi
Eurac Research logo

Eurac Research ist ein privates Forschungs-Zentrum mit Sitz in Bozen, Südtirol. Unsere Forscher kommen aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Bereichen und aus allen Teilen der Welt. Gemeinsam widmen sie sich dem, was ihr Beruf und ihre Berufung ist – die Zukunft gestalten.

Was wir tun

Unsere Forschung befasst sich mit den größten Herausforderungen, vor denen wir in Zukunft stehen: Menschen brauchen Gesundheit, Energie, gut funktionierende politische und soziale Systeme und ein intaktes Umfeld. Dies sind komplexe Fragen, und wir suchen nach Antworten in der Interaktion zwischen vielen verschiedenen Disziplinen. Unsere Forschungsarbeit umfasst dabei drei Hauptthemen: lebensfähige Regionen, Vielfalt als lebensförderndes Merkmal, eine gesunde Gesellschaft.

Great Place To Work
ISO 9001 / 2015ISO 9001:2015
05771/0
ISO 27001ISO 27001:2013
00026/0
ORCID Member

Except where otherwise noted, content on this site is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International license.

Gemäß der Verordnung (EU) 2016/679 teilen wir Ihnen mit, dass diese Webseite eigene technische Cookies und Cookies Dritter verwendet, damit Sie effizient navigieren und die Funktionen der Webseite einwandfrei nutzen können. Wenn Sie weiterhin auf diesen Seiten surfen oder auf „OK“ klicken, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie unter "Privacy Policy".

Privacy Policy