CLIMATE CHANGE MONITORING SOUTH TYROL
+ 9 % CO2
Äquivalent Emissionen seit 2019
Treibhausgas-Emissionen nach Sektor
Treibhausgase sind Gase, die zum Treibhauseffekt der Erde beitragen. Sie können natürlichen oder anthropogenen Ursprungs sein. Die durch menschliche Aktivitäten verursachten Emissionen sind der Hauptgrund für die globale Klimaerwärmung. Die Summe der Emissionen pro Sektor ist ein wichtiger Indikator für den Klimawandel, da sie anzeigt, wie stark unser Verhalten das Klima beeinflusst.
Hintergrund
Treibhausgase strahlen einen Teil der von der Erde ausgehenden Wärmestrahlung zurück. Dieser „Treibhauseffekt“ trägt zu einer Erwärmung der Atmosphäre, der Erdoberfläche und der Meere bei. Für den Temperaturanstieg ist vor allem das Kohlendioxid (CO₂) verantwortlich, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle, Benzin, Diesel) sowie bei industriellen Prozessen entsteht. Auch direkte Methan-(CH₄)-Emissionen und Lachgas-(N₂O)-Emissionen, vor allem aus der Landwirtschaft, tragen zum Treibhauseffekt bei.
Beschreibung der Ergebnisse
Die Verbrennung fossiler Energieträger ist für rund 80 Prozent der gesamten direkten Emissionen Südtirols verantwortlich. Diese liegen in Südtirol historisch betrachtet niedriger als im europäischen und italienischen Durchschnitt. Grund hierfür ist die geringe Präsenz von Schwerindustrie, die Abwesenheit großer thermischer fossiler (Gas- oder Kohle-)Kraftwerke zur Stromproduktion bei gleichzeitiger erheblicher Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien, insbesondere durch Wasserkraft, sowie die starke Nutzung von Biomasse zum Heizen von Gebäuden, sowohl in Fernwärme-Systemen als auch in individuellen Heizungen. Im Zeitraum von 2019 bis 2022 haben sich die Emissionen in Südtirol um 9 % erhöht.
Methode
Für Südtirol wird mithilfe des INEMAR-Inventars (Inventario Emissioni Aria) im Abstand von zwei bis vier Jahren ein Emissionsinventar erstellt, unter anderem für Treibhausgase. In diesem System werden nur jene Emissionen berücksichtigt, die innerhalb Südtirols entstehen, zum Beispiel die gesamten Emissionen der Verbrennung von Diesel und Benzin von Autos oder Lkws, die in oder durch Südtirol fahren. Emissionen, die bei der Gewinnung von Rohstoffen und der Produktion von beispielsweise Autos, Elektrogeräten oder anderen Importgütern außerhalb Südtirols entstehen, werden dabei nicht berücksichtigt. Diese Emissionen werden als „graue und konsumbedingte Emissionen“ bezeichnet. Um den vollständigen Treibhausgasausstoß Südtirols zu berechnen, müssten jedoch auch die außerhalb Südtirols angefallenen Emissionen mit einbezogen werden.
Ohne eine drastische Reduktion dieser Emissionen bis 2030 wird die globale Erwärmung fortschreiten. Dies würde zum irreversiblen Verlust der verletzlichsten Ökosysteme sowie zu Krisen für gefährdete Personen und Gesellschaften führen (2). Im Europäischen Green Deal haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union darauf geeinigt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % im Vergleich zu 1990 zu senken und bis 2050 klimaneutral zu sein.
1) Zuordnung der Makrosektoren des Emissionesinventars INEMAR:
WÄRME - 01_Produzione di energia e trasformazione combustibili, 02_Combustione non industriale
INDUSTRIE - 03_Combustione nell'industria, 04_Processi produttivi
VERKEHR - 07_Trasporto su strada, 08_Altre sorgenti mobili e macchinari
LANDWIRTSCHAFT - 10_Agricoltura
SONSTIGE - 05_Estrazione e distribuzione combustibili, 06_Uso di solventi, 09_Trattamento esmaltimento rifiuti
Vergleich mit Italien und Europa
In Südtirol wurden im Jahr 2019 pro Kopf etwa 5 Tonnen Kohlendioxid emittiert (3). In diese Berechnung fallen jedoch nur die Emissionen, die in der Provinz beim Kauf fossiler Brennstoffe entstehen. Der italienweite Durchschnitt liegt mit 7,2 Tonnen pro Kopf höher (4). Der geringere CO₂-Ausstoß in Südtirol ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Stromproduktion überwiegend durch Wasserkraft erfolgt und dadurch kaum Emissionen anfallen. Die Industrie spielt eine geringere Rolle als in Gesamtitalien (4) und im Heizungsbereich wird in Südtirol wesentlich stärker auf Biomasse gesetzt (und dafür Öl und Gas eingespart) (5). EU-weit liegt der durchschnittliche Beitrag mit 8,2 Tonnen pro Kopf noch etwas höher (6).
Quellenverzeichnis
1) Sparber et al. 2022: Auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität: Szenarien für Südtirol Ergänzende wissenschaftliche Analysen zum Klimaplan – Update 2022
2) IPCC, 2018: Global Warming of 1.5°C.
3) ASTAT, 2019: Demografische Daten.
4) Zebisch et al. 2018: Klimareport
5) Sparber et al. 2020: Studio decarbonizzazione riscaldamento in Alto Adige
6) Eurostat 2021: Treibhausgasemissionen pro Kopf.
Kontakt
Eurac Research: Wolfram Sparber, Steffi Misconel Schreiber, Institut für Erneuerbare Energie
Daten bereit gestellt durch: Autonome Provinz Bozen: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz
1) Zuordnung der Makrosektoren des Emissionesinventars INEMAR:
Wärme: 01_Energieerzeugung und Brennstoffverarbeitung, 02_Nichtindustrielle Verbrennung
Industrie: 03_Verbrennung in der Industrie, 04_Herstellungsprozesse
Verkehr : 07_Straßentransport, 08_Andere mobile Quellen und Maschinen
Landwirtschaft: 10_Landwirtschaft
Sonstige: 05_Kraftstoffgewinnung und -verteilung, 06_Verwendung von Lösungsmitteln, 09_Abfallbehandlung

