Global Mountain Sustainability Forum und Sextner Kamingespräche stellen die Partizipation als Schlüssel zu einem zukunftsfähigen Leben und Wirtschaften in Berggebieten ins Zentrum
Petra Wolffhardt, Thomas Bausch, Harald Pechlaner, Tanja Rainer, Jörg Sommer and Josef Margreiter at the "Sextner Kamingespräche - Sesto fireside talks" on the occasion of the 2nd GMS Forum
Credit: Christian Tschurtschenthaler | All rights reservedPartizipation ermöglicht Resilienz, Stabilität und Transformation
Man dürfe nicht annehmen, dass Partizipation schmerzfrei sei, unterstrich Sommer: „Beteiligung kann Konflikte zwar nicht immer lösen, aber sie kann sie sichtbar und bearbeitbar machen. Partizipation ermöglicht dadurch zweierlei: Stabilität und Transformation. Viele Probleme werden nur im Streit miteinander gelöst.“ Gleichzeitig stärkt Partizipation die Resilienz einer Gesellschaft, eine Eigenschaft, die in der gegenwärtigen Krisensituation wichtiger denn je ist.
Partizipative Prozesse auf den Weg zu bringen, erfordere aber durchaus eine genaue Analyse der Zielgruppe, worauf Petra Wolffhardt, Produkt- und Serviceentwicklerin der Raum|Schmiede Lienz hinwies. Man dürfe sich nicht wundern, wenn bei einer Informationsveranstaltung kaum Frauen und Mütter anwesend seien, wenn diese als Abendformat geplant sei. Andere Uhrzeiten und eine Kinderbetreuung bei der Veranstaltung selbst könnten hier bereits einen entscheidenden Unterschied machen. Auch Thomas Bausch, Direktor des Kompetenzzentrums Tourismus und Mobilität an der Freien Universität Bozen betonte, dass man sich bereits im Vorfeld eines partizipativen Projektes genau überlegen müsse, wo die Grenzen liegen, wie Information vonstattengehen und wie die Prozessstruktur gestaltet sein soll. Eine fachliche Grundlage sei wichtig, um eine Diskussion im luftleeren Raum zu vermeiden.
Klare Kommunikation und zeitnahe Umsetzung
Kaum Probleme, die Zielgruppe zum Mitmachen zu bewegen, hat die Kinder- und Jugendarbeit in Südtirol. „Es ist kein Thema zu schwierig, als dass man es Kindern und Jugendlichen nicht zutrauen könnte – sei es die Planung eines Spielplatzes oder der Gemeindeentwicklungsplan“, sagte Tanja Rainer, Vorsitzende des Südtiroler Jugendringes. Kinder und Jugendliche sind zwar die Zukunft, aber sie brauchen in der Gegenwart schon eine Stimme. Dabei bestehe keine Gefahr, mit einer unerfüllbaren Wunschliste konfrontiert zu werden, wenn die Rahmenbedingungen, etwa finanzielle Möglichkeiten, klar kommuniziert werden. Dass es klare Kommunikationsstrategien und eine zeitnahe Umsetzung im Anschluss an partizipative Prozesse braucht, wurde von allen Diskussionsteilnehmenden betont.
Die Sextner Kamingespräche fanden eingebettet in eine größere wissenschaftliche Konferenz statt, nämlich in das Global Mountain Sustainability Forum, das bereits zum zweiten Mal ausgerichtet wurde. Das Global Mountain Sustainability Forum wurde vom Center for Advanced Studies von Eurac Research, dem Center for Global Mountain Safeguard Research - GLOMOS, der United Nations University (UNU), dem Tourismusverein Sexten und Sexten Kultur organisiert. Die Grußworte bei den Sextner Kamingesprächen überbrachte Christoph Rainer, Präsident des Vereines Sexten Kultur.
Das Global Mountain Sustainability Forum
Die Erforschung nachhaltiger und resilienter Beziehungen zwischen Mensch und Berg steht im Mittelpunkt der zweiten Ausgabe des „Global Mountain Sustainability Forum“. Das Hauptaugenmerk der wissenschaftlichen Konferenz liegt auf den aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen und bietet Forscherinnen und Forschern, Tourismustreibenden und Entscheidungstragenden aus Bergregionen weltweit eine Plattform zur Diskussion. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, was wir von Berggebieten und Berggemeinschaften in Bezug auf eine nachhaltige Transformation unserer modernen Gesellschaft lernen können. Während sich die Konferenz auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Thema konzentrierte, wurden im Rahmen der öffentlichen Abendveranstaltung mit den Sextner Kamingesprächen Menschen aus verschiedensten Bereichen der Praxis an einen Tisch geholt, um nach Strategien zu suchen, die das Leben in Bergregionen mittels Partizipation und Teilhabe aller noch nachhaltiger gestalten.


