CLIMATE CHANGE MONITORING SOUTH TYROL
6 % weniger
Schneebedeckung unterhalb von 1000 Höhenmetern in Südtirol seit 2002
Schneebedeckung
Der Indikator zeigt den Wert der Schneebedeckung (Snow Cover Area, SCA %) über Südtirol in Prozent. Er vergleicht den aktuellen Wert (current SCA) mit dem aus den Daten von 2002 bis heute errechneten Durchschnitt und zeigt auch die in diesen Jahren verzeichneten Höchst- und Mindestwerte.
Beschreibung der Ergebnisse
In höheren Lagen (2.000 bis 3.000 m und darüber) gab es im Untersuchungszeitraum im Winter eine nahezu stabile Schneebedeckung, bei der mehr als 70 % der Fläche mit Schnee bedeckt waren. In tieferen Lagen (1000 bis 2000 m und unterhalb von 1000 m) sind hingegen starke Schwankungen von Jahr zu Jahr sowie eine leichte Tendenz zu einer abnehmenden Schneedecke in den letzten 20 Jahren zu beobachten. Der Winter 2016/17 war der Winter mit der geringsten Schneedecke in diesen Höhenlagen.
Schneebedeckung (Snow Cover Area) 2024/2025
Im Gegensatz zur vorangegangenen Saison war die letzte Saison durch einen regnerischen September gekennzeichnet, dem ein sehr trockener November mit einer weit unterdurchschnittlichen Schneedecke und historischen Tiefstwerten folgte (siehe Abbildung 2). Die Schneefälle Mitte November brachten die Schneedeckenwerte näher an den Durchschnitt heran. Mit Ausnahme kurzer Momente, in denen sie den Durchschnitt während des Winters erreichten oder leicht übertrafen, waren die Werte tendenziell niedriger und blieben dann während des gesamten Frühjahrs konstant unter dem Durchschnitt.
loading ...Schneebedeckung (Snow Cover Area) 2023/2024
Der Herbst 2023 war im September trocken, im Oktober und in der ersten Novemberhälfte jedoch sehr nass mit Schneefall in hohen Lagen.
Dies spiegelt sich auch in Abbildung 3 wider: Der Beginn der Saison 2023/2024 war durch eine zunächst niedrige und dann deutlich überdurchschnittliche Schneedecke Anfang November 2023 gekennzeichnet. Leider wurde das Defizit in den Wintermonaten, vor allem zwischen Ende Januar und Mitte März, wieder sehr ausgeprägt. Im Frühjahr 2024 wurden ab Ende April wieder durchschnittliche und überdurchschnittliche Werte erreicht, nachdem ähnlich wie im Vorjahr reichlich Niederschlag gefallen war.
loading ...Schneebedeckung (Snow Cover Area) 2022/2023
Auch der Winter 2022/2023 war durch eine tendenziell unterdurchschnittliche Schneebedeckung gekennzeichnet (siehe Abb. 4). Trotz dieses großen Defizits im Winter war der Frühling 2023 im Gegensatz zu 2022 durch erhebliche Niederschläge um den Mai herum gekennzeichnet. Der Regen, der in den tiefen Lagen fiel, wurde von starken Schneefällen in den Hochlagen begleitet, da die Temperaturen in dieser Periode unterdurchschnittlich waren. Dies führte dazu, dass die Schneedecke am Ende der Saison fast durchschnittliche Werte erreichte, wie die Abbildung zeigt.
Schneebedeckung (Snow Cover Area) Winter 2021/2022
Der Winter 2021/2022 war der Winter mit der zweitniedrigsten (für Höhenlagen unter 1000 m) und der viertniedrigsten (für Gebiete zwischen 1000 bis 2000 m) Schneedecke seit 2002. Besonders im Frühjahr (März bis April) war das Jahr 2022 das Jahr mit der niedrigsten Schneedecke für alle Gebiete unter 2000 m seit 2002 (siehe Abb. 5).
Eine geringe Schneedecke im Winter führt zu einem geringen Abfluss von Schnee im späten Frühjahr/Frühsommer und kann zu Wasserknappheit in der Landwirtschaft, im Tourismus, in der Industrie und bei der Energieerzeugung führen.
Wasserknappheit ist im Jahr 2022 in Norditalien ein wichtiges Thema, weil eine Kombination aus geringer Schneedecke, fehlenden Niederschlägen und einem sehr warmen Frühjahr und Sommer mit überdurchschnittlichen Temperaturen eine große Auswirkung auf die Wasserverfügbarkeit hat.
loading ...Europäischer und internationaler Vergleich
Allgemein hat sich die Schneebedeckung in den letzten Jahren erheblich verändert (1) (2). Mehrere neuere Studien haben gezeigt, dass die Schneemenge und die Schneedauer in den letzten 20 bis 30 Jahren abgenommen haben, wenn auch mit erheblichen Schwankungen hinsichtlich der Bezugsjahre und Gebiete. Die am stärksten betroffenen Gebiete sind die Anden, Teile des Himalaya und die nordamerikanischen Gebirgszüge. Was die Alpen betrifft, so ist der Rückgang der Schneedeckenausdehnung und -dauer im Laufe der Jahre nicht konstant. Bei Analysen auf der Grundlage bodengebundener Schneehöhendaten beträgt der durchschnittliche Trend von November bis Mai -8.4 % pro Jahrzehnt (1971 bis 2019), während die Schneedauer um -5.6 % pro Jahrzehnt abnimmt (3).
Methode
Der Grafik wurde aus täglichen MODIS-Satellitenbildern gewonnen. Die Bilder werden mit einem von Eurac Research (4) entwickelten Algorithmus verarbeitet, um die Schneebedeckung zu ermitteln. Der Algorithmus wurde unter Berücksichtigung der Besonderheiten von Berggebieten (Topographie und Heterogenität der Abdeckung) und unter Verwendung der 250-m-Auflösungsdaten von MODIS entwickelt. Das Ergebnis ist ein Produkt mit einer besseren Auflösung als das von der NASA entwickelte MODIS MOD10 Produkt (500 m). Aus diesen täglichen Bildern wurden die Durchschnittswerte der Schneebedeckung in Südtirol berechnet, wobei eine Interpolation vorgenommen wurde, um fehlende Informationen aufgrund der häufigen Bewölkung auszugleichen. Aus diesen Tagesdurchschnittswerten wurden dann die Jahresdurchschnittswerte sowie die jeweiligen Mindest- und Höchstwerte ermittelt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass der MODIS-Satellit zwar nur Informationen über die letzten 20 Jahre liefert und daher langfristige Trends nicht bewertet werden können, diese Daten jedoch eine sehr wichtige Informationsquelle darstellen, da sie die höchstmögliche Bodenauflösung bieten, was für das Verständnis von Schwankungen – insbesondere in Berggebieten –von grundlegender Bedeutung ist.
Betroffene Sektoren
Wassermanagement
Landwirtschaft
Naturgefahren
Wasserkraft
Tourismus
Verwandte Indikatoren
Quellenverzeichnis
(1) Beniston, M., Farinotti, D., Stoffel, M., Andreassen, L. M., Coppola, E., Eckert, N., Fantini, A., Giacona, F., Hauck, C., Huss, M., Huwald, H., Lehning, M., López-Moreno, J.-I., Magnusson, J., Marty, C., Morán-Tejéda, E., Morin, S., Naaim, M., Provenzale, A., Rabatel, A., Six, D., Stötter, J., Strasser, U., Terzago, S., and Vincent, C., 2018: The European mountain cryosphere: a review of its current state, trends, and future challenges, The Cryosphere 12, 759-794. https://doi.org/10.5194/tc-12-759-2018
(2) Notarnicola, C., 2020: Hotspots of snow cover changes in global mountain regions over 2000-2018. Rem. Sen. Environ. 243, 111781. https://doi.org/10.1016/j.rse.2020.111781
(3) Matiu, M., Crespi, A., Bertoldi, G., Carmagnola, C. M., Marty, C., Morin, S., Schöner, W., Cat Berro, D., Chiogna, G., De Gregorio, L., Kotlarski, S., Majone, B., Resch, G., Terzago, S., Valt, M., Beozzo, W., Cianfarra, P., Gouttevin, I., Marcolini, G., Notarnicola, C., Petitta, M., Scherrer, S. C., Strasser, U., Winkler, M., Zebisch, M., Cicogna, A., Cremonini, R., Debernardi, A., Faletto, M., Gaddo, M., Giovannini, L., Mercalli, L., Soubeyroux, J.-M., Sušnik, A., Trenti, A., Urbani, S., and Weilguni, V., 2021: Observed snow depth trends in the European Alps: 1971 to 2019, The Cryosphere, 15, 1343–1382. https://doi.org/10.5194/tc-15-1343-2021
(4) Notarnicola, C.; Duguay, M.; Moelg, N.; Schellenberger, T.; Tetzlaff, A.; Monsorno, R.; Costa, A.; Steurer, C.; Zebisch, M. Snow Cover Maps from MODIS Images at 250 m Resolution, Part 1: Algorithm Description. Remote Sens. 2013, 5, 110-126. doi:10.3390/rs5010110
Kontakt
Eurac Research: Alexander Jacob, Carlo Marin, Claudia Notarnicola, Valentina Premier, Bartolomeo Ventura, Institut für Erdbeobachtung

