CLIMATE CHANGE MONITORING SOUTH TYROL
+ 38 % im Winter
+ 9 % im Sommer
durchschnittlich mehr Niederschlag im Jahr seit 1981
Niederschlag
Der Indikator zeigt für jedes Jahr die Gesamtniederschläge (Regen und Schnee) im Winterhalbjahr (Oktober bis März) sowie im Sommerhalbjahr (April bis September) an. Jährliche Anomalien sind definiert als die Differenz zwischen dem gesamten saisonalen Niederschlag eines Jahres und dem Durchschnitt des 30-jährigen Zeitraums von 1981 bis 2010. Die Kenntnis der saisonalen Schwankungen der Niederschlagsmenge ist für die Bewertung möglicher Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit von wesentlicher Bedeutung. Dies betrifft insbesondere die Landwirtschaft, Bergökosysteme und die künstliche Beschneiung, aber auch die Wasserkrafterzeugung.
Winteranomalien Oktober bis März
loading ...Sommeranomalien April bis September
loading ...Mittelwert der Gesamtniederschläge im Winter und Sommer des Zeitraums 1981 bis 2010: Die Betrachtungszeiträume sind halbjährig und gehen von Oktober bis März und von April bis September. Quelle: Amt für Meteorologie und Lawinenwarnung der Autonomen Provinz Bozen; Prozessierung und Darstellung: Eurac Research
Beschreibung der Ergebnisse
Wie aus den Karten ersichtlich ist, fallen die höchsten Niederschlagssummen im Durchschnitt im Sommerhalbjahr, wobei die feuchtesten Bedingungen im östlichen Teil der Provinz verzeichnet werden. Die Grafik zeigt die Winter- und Sommerniederschlagsanomalien für jedes Jahr von 1980 (1981 für die Winterreihe) bis 2024, ausgedrückt als räumliches Mittel über Südtirol. Die Wintersaison 2000/2001 war außergewöhnlich niederschlagsreich und wies die höchste Niederschlagsanomalie auf. Dies ist vor allem auf die besonders starken Niederschläge im Oktober und November zurückzuführen. Was die Sommersaison betrifft, so wurde zu Beginn der 2000er Jahre die längste aufeinanderfolgende Periode mit weniger Niederschlag als normal (Durchschnittswerte von 1981 bis 2010) seit 1980 verzeichnet.
Obwohl die berechneten Trends in beiden Jahreszeiten statistisch nicht signifikant sind, deutet die zeitliche Entwicklung der Anomalien auf eine zunehmende Tendenz der Niederschläge in Südtirol hin, vor allem im Winterhalbjahr (+38 % seit 1981 nach der Thei-Sen-Berechnung). Aufgrund der höheren Temperaturen fällt der Niederschlag jedoch häufiger in Form von Regen, während Schneefall seltener und in höheren Lagen auftritt.
Methode
Die Grafik basiert auf den täglichen meteorologischen Beobachtungen von mehr als 80 Messstellen des Amtes für Meteorologie und Lawinenwarnung der Autonomen Provinz Bozen. Sie wird durch Beobachtungsdaten einiger grenznaher Standorte in der Schweiz und Österreich ergänzt. Die gesammelten Reihen wurden mithilfe einer geostatistischen Methode auf einem regelmäßigen Gitter mit einer Auflösung von 1 km für das gesamte Staatsgebiet interpoliert.
Vor der Interpolation wurden alle Beobachtungsreihen auf Messfehler und zeitliche Homogenität überprüft. Fehlende Tageswerte wurden mithilfe eines statistischen Verfahrens rekonstruiert, um die zeitliche Kontinuität der Reihen zu maximieren.
Durch die Interpolation kann ein regionaler Mittelwert gebildet werden, der repräsentativer und stabiler ist als ein Mittelwert, der auf der Grundlage einzelner Stationen berechnet wurde. Trends werden mit der Theil-Sen-Methode berechnet und ihre Signifikanz mit dem Mann-Kendall-Test bestimmt. Ein Trend gilt als signifikant, wenn der resultierende p-Wert kleiner als 0,05 ist.
Betroffene Sektoren
Schnee und Gletscher
Wasser
Flora und Fauna
Wassermanagement
Boden
Naturgefahren
Ökosystemleistungen
Landwirtschaft
Forstwirtschaft
Tourismus
Transportinfrastrukuren
Verwandte Indikatoren
Zukunftsszenarien
Im Allgemeinen zeigen die Niederschläge in Südtirol in den kommenden Jahrzehnten keine nennenswerten Veränderungen und es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden betrachteten Emissionsszenarien. Die Projektionen für die jährlichen Niederschläge bis zum Jahr 2100 zeigen eine zunehmende Tendenz, und für die durchschnittlichen jährlichen Gesamtsummen im Zeitraum 2071 bis 2100 zeigt der Median der Simulationen eine Zunahme von etwa 7 % gemäß dem RCP 8.5-Szenario im Vergleich zu den durchschnittlichen Mengen im Referenzzeitraum 1981-2010. Während die Sommerniederschläge (April bis September) in den kommenden Jahrzehnten unverändert bleiben, wird für die Winterniederschläge (Oktober bis März) eine Zunahme prognostiziert, wobei die Werte im Zeitraum 2071 bis 2100 im Durchschnitt um 12 % (RCP 4.5) bzw. 14 % (RCP 8.5) über denen des Zeitraums 1981 bis 2010 liegen werden.
loading ...loading ...
loading ...
Die durch die Klimaprojektionen vorhergesagten Veränderungen der Jahresniederschläge in Südtirol zeigen Unterschiede in ihrer räumlichen Verteilung zwischen den beiden Emissionsszenarien. Zwar wird überall ein Anstieg der jährlichen Niederschlagsmengen im Vergleich zum 30-jährigen Zeitraum 1981 bis 2010 projeziert, doch in den meisten Teilen der Provinz bleibt der Anstieg moderat und liegt in allen Fällen unter 10 %. Starke prozentuale Zunahmen sowohl mittel- als auch langfristig, insbesondere für das RCP-Szenario 8.5, finden sich im westlichsten Teil von Südtirol, im oberen Vinschgau.
Räumliche Verteilung der mittleren relativen Unterschiede im Jahresniederschlag über die Zeiträume 2041 bis 2070 und 2071 bis 2100 im Vergleich zum dreißigjährigen Referenzzeitraum 1981-2010 für die beiden Emissionsszenarien RCP 4.5 und RCP 8.5. Die angegebenen Werte entsprechen dem Median der 11 (RCP 4.5) und 17 (RCP 8.5) verfügbaren Modellsimulationen. Quelle: EURO-CORDEX; Prozessierung und Darstellung: Eurac Research.
Methode
Die Klimaszenarien für die jährlichen und saisonalen Niederschläge für Südtirol wurden aus EURO-CORDEX-Klimasimulationen über Europa für die beiden Emissionsszenarien RCP 4.5 und RCP 8.5 erstellt. RCP steht für „Representative Concentration Pathways“, also Projektionen, wie sich die Emissionen der Treibhausgase in der Atmosphäre in der Zukunft entwickeln.
RCP 4.5 entspricht einem mittleren Szenario, bei dem die Treibhausgasemissionen zwar gedrosselt werden, ihre Konzentrationen in der Atmosphäre in den nächsten 50 Jahren aber weiter ansteigen und das Ziel von +2 °C nicht erreicht wird. RCP 8.5 stellt das pessimistischste Szenario dar, bei dem die Treibhausgasemissionen kontinuierlich ansteigen, ohne dass Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen werden.
Die täglichen Niederschlagsprojektionen von 1971 bis 2100, die von verschiedenen Klimamodellen (Ensembles) für die beiden Szenarien (11 für RCP 4.5 und 17 für RCP 8.5) bereitgestellt wurden, wurden mit Hilfe eines Downscaling-Prozesses verarbeitet, der es ermöglicht, die simulierten Werte von der ursprünglichen räumlichen Auflösung (in diesem Fall etwa 12 km) auf eine feinere Auflösung (in diesem Fall 1 km) zu übertragen. Dieser Schritt ermöglicht es, systematische Fehler zu verringern, die in den Modellsimulationen auftreten und auf die begrenzte räumliche Auflösung der verfügbaren Modelle zurückzuführen sind, die keine angemessene Darstellung der lokalen Merkmale bieten, insbesondere in Gebirgsregionen mit komplexer Orographie. Das angewandte Downscaling-Verfahren basiert auf der Delta-Quantile-Mapping-Methode (QDM, Cannon et al., 2015), bei der die simulierten Werte mit Beobachtungen über einen gemeinsamen Referenzzeitraum verglichen und so korrigiert werden, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilungen übereinstimmen. Außerdem werden bei der QDM-Methode die Korrekturen so vorgenommen, dass das ursprünglich in den Simulationen vorhandene langfristige Klimasignal nicht verändert wird.
In diesem Fall ist der Bezugszeitraum 1981 bis 2010, und die Korrektur wurde auf der Grundlage des 1 km-Gitterdatensatzes durchgeführt.
Aus den korrigierten Simulationen wurden die jährlichen, winterlichen (Oktober bis März) und sommerlichen (April bis September) Gesamtwerte von 1971 bis 2100 für jedes Ensemblemodell und für beide Szenarien berechnet. Die Ensemble-Indikatorwerte wurden dann aggregiert, indem der Median der 11 (RCP 4.5) und 17 (RCP 8.5) Modellsimulationen für jedes Jahr berechnet und die Inter-Quantilsspanne, d. h. die Spanne der Werte zwischen dem 25. und 75. Perzentil verwendet wurde, um eine Schätzung der Variabilität der Modellsimulationen zu liefern.
Kontakt
Eurac Research: Alice Crespi, Center for Climate Change and Transformation
Daten bereitgestellt durch das Amt für Meteorologie und Lawinenwarnung der Autonomen Provinz Bozen

