null

magazine_ Article

1

Gebündelte Lösungen erleichtern Rundumsanierung von Gebäuden

Ein europäisches Projekt unter der Leitung von Eurac Research stellt Standardlösungen für jede Klimazone bereit.

© Agència de l'Habitatge de Catalunya
31 August 2021

Der Superbonus hat viele Menschen dazu bewogen ihre Eigenheim renovieren und die Energieeffizienz zu verbessern. Sanierungsarbeiten sind jedoch auch mit Stress verbunden. Im Rahmen des europäischen Projekts 4RinEu hat nun ein Forscherteam unter der Leitung von Eurac Research mehrere Lösungspakete entwickelt, um Energieeffizienz und Wohnkomfort zu verbessern. Sie wurden auf mehreren Pilot-Baustellen in Europa getestet und können je nach finanziellen Möglichkeiten und der Klimazone ausgewählt werden, in der sich das Gebäude befindet.

Ausgangspunkt ist eine vorgefertigte Fassade aus Holzmodulen, die Isolierung und aktive Komponenten beinhaltet – sie wird passend an die bestehende Fassade des Gebäudes angebracht. Dieser Grundlage können andere technische Komponenten hinzugefügt werden: beispielsweise ein dezentrales Lüftungsgerät, eventuell ausgestattet mit einem Wärmetauscher, der die Wärme aus der Abluft zurückgewinnt, sowie gebäudeintegrierte Photovoltaik-Paneele oder solarthermische Kollektoren. Außerdem kann ein smarter Deckenventilator eingebaut werden, der seine Geschwindigkeit automatisch und in Abhängigkeit von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit anpasst. Eine weitere mögliche Komponente ist ein sogenannter Energy Hub, ein hydraulisches System, das die Wärmeströme im Gebäude steuert, um die Heizung und Kühlung zu optimieren. Allgemein wählen Planungsteams die Technologien für die energetische Sanierung entsprechend ihrer Erfahrung aus. „Um die Arbeiten zu erleichtern und die Ergebnisse zu optimieren, haben wir mit unserem Projekt eine Reihe von Lösungspaketen entwickelt, die die finanziellen Möglichkeiten und klimatischen Bedingungen berücksichtigen. Mit diesen Werkzeugen wollen wir die Planer unterstützen“, erklärt Roberto Lollini, der die Forschungsgruppe für Energieeffizienz von Eurac Research leitet und für das europäische Projekt 4RinEU verantwortlich ist. „Für jede Kombination haben wir ermittelt, wieviel an Energie - und somit Strom – und Wärmekosten - eingespart werden können, um wieviel die Emissionen, Kosten und Bauzeiten sinken und der Wohnkomfort steigt. Jede Bewertung wurde für sechs europäische Regionen mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen durchgeführt: vom Mittelmeerraum bis hin zu nordeuropäischen Ländern und der atlantischen Zone. Entsprechend der Lage und den Bedürfnissen kann das geeignete Lösungspaket ausgewählt werden.“ So wird beispielsweise die Kombination aus vorgefertigter Fassade und smarten Ventilatoren in südlichen Ländern bevorzugt. Dort sinkt der Energiebedarf um bis zu 82 Prozent, während die Einsparungen in nördlichen Ländern bei 64 Prozent liegen, da dort weniger Energie zum Kühlen, sondern vielmehr zum Heizen im Winter verbraucht wird. Zusätzlich zu diesen Berechnungen hat das Forschungsteam Daten von Pilot-Baustellen in den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Italien gesammelt.

Die Ergebnisse der Pilot-Baustellen

Auch wenn die Lösungspakete unterschiedliche technische Lösungen vorsehen, haben alle dieselben Vorteile. Grundsätzlich beeinträchtigen die Baustellen die Bewohner weniger und ihre Dauer ist kürzer. In Bellpuig (Spanien) wurde das System an einem Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen getestet. In nur zwei Tagen wurden die vorgefertigten Paneele an die Fassade angebracht. Die Sanierungsarbeiten wurden nach einem Monat abgeschlossen, die Dauer entspricht der Hälfte herkömmlicher Arbeiten. Außerdem konnten die Menschen – wie auch in den Test-Gebäuden in Oslo und Soest (Niederlande) – während der gesamten Bauzeit in ihren Wohnungen bleiben. Weitere Vorteile sind, dass man sich zu Hause wohler fühlt, die Energierechnungen niedriger ausfallen und die Wohnungen durch die Sanierung an Marktwert gewinnen. In Bellpuig haben die Forscher berechnet, dass der Energieverbrauch dank der vorgefertigten Fassade, dem Ventilationssystem mit Wärmerückgewinnung und der Photovoltaikanlagen um 60 Prozent gesenkt werden konnte. In der niederländischen Stadt Soest nahm der Verbrauch in der Seniorenresidenz, die an der Studie teilgenommen hat, um 80 Prozent ab. Gleichzeitig kam es zu einer Wertsteigerung der Wohnungen. Nicht nur die wirtschaftlichen Faktoren haben den Senioren das Leben erleichtert, sondern auch der thermische und akustische Komfort hat sich verbessert.

Methodik

Das richtige „Rezept“ für jedes Gebäude basiert auf Daten und Informationen, die die Forscher in einer Vorphase sammeln, dem sogenannten Audit. Die tatsächlichen Leistungen können nach der Nachrüstung anhand der im Projekt entwickelten Methodik gemessen und überprüft werden. Die Daten werden in eine App eingespeist, mit der die Menschen in den sanierten Wohnungen ihren Verbrauch kontrollieren können. Die kontinuierliche Überwachung der Leistung ermöglicht es, die Verwaltung und Instandhaltung der Immobilie zu optimieren und neue, tiefgreifende Eingriffe in kurzen Zeitanständen zu vermeiden. „Wir arbeiten derzeit an weiteren europäischen Großprojekten in diesem Bereich“, erklärt Wolfram Sparber, der das Institut für Erneuerbare Energie von Eurac Research leitet. „Viele Südtiroler Unternehmen verfügen über eine langjährige Erfahrung und ein ausgeprägtes Know-How im Umgang mit dem Baustoff Holz. Die derzeitigen Entwicklungen auf dem Sanierungsmarkt stellen für sie eine große Chance dar, ihren Marktvorteil zu sichern und weiter auszubauen“.

Download

"Rezepte für die Tiefsanierung Ihres Gebäudes"

Related People

Roberto Lollini

Tags

Institute & Center


Related Content

news

Grüne Lösungen für Städte

Wie sie klimafreundlicher und lebenswerter werden können

events22.-30.07.2021

Tiny FOP MOB - das rollende Reallabor aus Holz und Hanf

article

“Mai demolire”

È il mantra dei vincitori del premio Pritzker per l’architettura ed è una scelta obbligata se si tratta di edifici storici

Related Research Projects

1 - 10
Eurac Research logo

Eurac Research ist ein privates Forschungs-Zentrum mit Sitz in Bozen, Südtirol. Unsere Forscher kommen aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Bereichen und aus allen Teilen der Welt. Gemeinsam widmen sie sich dem, was ihr Beruf und ihre Berufung ist – die Zukunft gestalten.

Was wir tun

Unsere Forschung befasst sich mit den größten Herausforderungen, vor denen wir in Zukunft stehen: Menschen brauchen Gesundheit, Energie, gut funktionierende politische und soziale Systeme und ein intaktes Umfeld. Dies sind komplexe Fragen, und wir suchen nach Antworten in der Interaktion zwischen vielen verschiedenen Disziplinen. Unsere Forschungsarbeit umfasst dabei drei Hauptthemen: lebensfähige Regionen, Vielfalt als lebensförderndes Merkmal, eine gesunde Gesellschaft.

Great Place To Work
ISO 9001 / 2015
ISO 9001:2015
05771/0
ISO 27001
ISO 27001:2013
00026/0

Gemäß der Verordnung (EU) 2016/679 teilen wir Ihnen mit, dass diese Webseite eigene technische Cookies und Cookies Dritter verwendet, damit Sie effizient navigieren und die Funktionen der Webseite einwandfrei nutzen können. Wenn Sie weiterhin auf diesen Seiten surfen oder auf „OK“ klicken, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie unter:

Privacy Policy