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Mehrsprachigkeit auf Südtirols Social-Media-Profilen

  • Deutsch
  • English
  • Italiano
  • Project duration: July 2015 - July 2016
  • Project status:
    Abgeschlossen

Das Projekt befasst sich mit Faktoren der Sprachwahl und des Sprachwechsels in der geschriebenen Alltagssprache in Südtirol. Untersucht werden dabei Texte Südtiroler SchreiberInnen aus ihren Social-Media-Profilen auf Facebook. Das dazu verwendete DiDi-Korpus bietet Facebook-Konversationen sowohl von der Pinnwand (halb-öffentlich in Form von Statusmeldungen und dazugehörigen Kommentaren) als auch aus dem privaten Postfach (Facebook-Chat bzw. Privatnachrichten) von ca. 140 SchreiberInnen. Neben dem Auftreten unterschiedlicher Sprachen soll auch die Verwendung deutscher Varietäten im Korpus genauer beleuchtet werden.

Die Verwendung von unterschiedlichen Sprachen und Varietäten ist ein auffälliges Merkmal der Kommunikation auf Social-Networking-Sites. Durch die globale Vernetzung via Web wird das Medium nicht nur zur Kommunikation im lokalen – und zumeist gleichsprachigen – Umfeld, sondern auch zur Überbrückung von geografischen, politischen und sprachlichen Grenzen verwendet. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit, außer in der eigenen Erstsprache auch in Zweit- und Fremdsprachen zu kommunizieren. Zudem werden neben den jeweiligen Standardvarietäten in diesem Medium lokale Varietäten in schriftlicher Form tradiert (vgl. Siebenhaar 2006a, Androutsopoulos 2013). Diese Situation zeigt sich auch für Südtirol, deren vielgestaltige, durch innere und äußere Mehrsprachigkeit (vgl. Riehl 2007) geprägte Sprachenlandschaft sich in der SNS-Kommunikation ihrer BewohnerInnen widergespiegelt. In einer Studie der Europäischen Akademie Bozen zum Sprachgebrauch auf Südtirols Social-Networking-Profilen im Rahmen des Projekts DIDI ( „Digital Natives – Digital Immigrants. Schreiben auf Social Network Sites: Eine korpusunterstützte Sprachbeobachtung des aktuellen Sprachgebrauchs in Südtirol unter besonderer Berücksichtigung des Alters“ der Europäischen Akademie Bozen. Nähere Informationen in Glaznieks/Stemle 2014, Frey/Glaznieks/Stemle 2014 bzw. unter  http://www.eurac.edu/de/research/projects/Pages/ProjectDetails.aspx?pid=11204 [zuletzt abgerufen am 18.03.2015]) wurde unter anderem festgestellt, dass die überwiegende Mehrzahl der teilnehmenden ProbandInnen zumindest zwei unterschiedliche Sprachen verwenden und auch innerhalb des Deutschen sowohl dialektale als auch nicht dialektale Varietäten zur Kommunikation heranziehen. Eine genauere Analyse etwa über die Entscheidungskriterien für die eine oder andere Sprache bzw. Varietät existiert jedoch noch nicht. Untersuchungen zeigen, dass sprachliche oder soziodemografische Faktoren mit der Wahl der Sprache bzw. Varietät in Beziehung stehen und im Sinne eines bewussten Akts der Sprachgestaltung einen wesentlichen Anteil zur Identitätsbildung und sozialen Positionierung des/der Schreibenden in diesem Medium ausmachen (vgl. Androutsopoulos 2003, Leppännen et al. 2009). Bisherige Forschungsbestrebungen beschäftigten sich vorwiegend mit öffentlichen Daten aus dem Netz (z. B. Storrer 2013) oder mit SMS- bzw. Chatnachrichten (z. B. Pekarek-Doehler 2011, Ueberwasser 2013, Christen/Tophinke/Ziegler 2002) und mit Themen wie dem Auftreten von Regionalismen (z. B. Siebenhaar 2006b) oder Codeswitching-Phänomenen von MigrantInnen (z. B. Androutsopoulos 2006). Die gezielte Analyse von Mehrsprachigkeitsphänomenen in Social-Networking-Profilen (am Beispiel von Südtirol) mit einem Fokus auf Faktoren der Sprach- bzw. Varietätenwahl bildet derzeit ein Forschungsdesiderat.

Ziele

Das Forschungsprojekt soll der Frage nachgehen, wie aus einer mehrsprachigen Region kommende NutzerInnen einer Social-Networking-Site dort mit den ihnen zur Verfügung stehenden Sprachen und Varietäten umgehen und welche sozialen und sprachlichen Faktoren mit ihrer Sprach- und Varietätenwahl in Beziehung stehen. Dafür soll das 2014 erstellte DiDi-Korpus zur Dokumentation der Sprache auf Social-Networking-Profilen in Südtirol hinsichtlich individueller Mehrsprachigkeitsphänomene der NutzerInnen analysiert werden. Das Korpus enthält die gesamte Facebook-Kommunikation von 136 UntersuchungsteilnehmerInnen aus dem Jahr 2013 sowie soziodemografische Informationen (Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund, Interneterfahrung, Erstsprache, Dialektkenntnisse bzw. -herkunft und Häufigkeit der Nutzung von Social-Media-Kommunikationsformen) zu den teilnehmenden Personen (mit Fokus auf SchreiberInnen mit Deutsch als Erstsprache).

Eine Identifikation der dominierenden Sprache der einzelnen Texte sowie der Varietät (Dialekt/ nicht Dialekt) liegt bereits im Korpus vor. Als Basis für die Beantwortung weiterer Fragestellungen soll in einem ersten Schritt untersucht werden, wie häufig einzelne Nutzer die Sprache oder Varietät wechseln und ob es zu Wechseln innerhalb einer Konversation oder sogar innerhalb eines einzelnen Beitrages kommt. Dafür ist es notwendig, die vorherrschende Sprache bzw. Varietät nicht nur auf der Ebene ganzer Beiträge, sondern auch feiner granuliert innerhalb der Beiträge zu bestimmen sowie passende Methoden zu schaffen, um einerseits diese Bestimmung möglichst automatisiert und zeitsparend vorzunehmen und andererseits eine darauffolgende Analyse möglichst effizient zu gestalten.

Anschließend sollen die so aufbereiteten Daten in einem zweiten Schritt genauer analysiert werden.

Forschungsleitend sind dabei folgende Fragestellungen:

  1. Lassen sich Faktoren erkennen, die mit der Wahl einer bestimmten
    1. Sprache (Deutsch/Italienisch/Englisch)
    2. Varietät (Dialekt vs. nicht Dialekt)

in Verbindung stehen? Wenn ja, welche Faktoren (sozial/sprachlich) lassen sich bestimmen?

2. Lassen sich Faktoren erkennen, die allgemein mit einem Wechsel der Sprache oder der Varietät in Verbindung stehen? Wenn ja, welche Faktoren (sozial/sprachlich) lassen sich bestimmen?

Die Ergebnisse des Projekts leisten einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation sprachlicher Entwicklungstendenzen in Südtirol und können Aufschluss über Auswirkungen und Entwicklungen der Mehrsprachigkeit innerhalb der Alltagskommunikation geben. Somit können sie als Grundlage für sprachpolitische Entscheidungen sowie für die Planung weiterer Sensibilisierungs- und Fördermaßnahmen für ein multilinguales Südtirol nützlich sein. Zusätzlich können Erkenntnisse über die Anwendungsszenarien dialektaler Varietäten in schriftlicher Form sowie über die individuellen Entscheidungskriterien für die eine oder andere Sprache in einem mehrsprachigen Umfeld gewonnen werden.

Im Rahmen des Projekts soll zudem das verwendete Korpus Südtiroler Social-Media-Beiträge weiter aufgearbeitet und verbessert werden, indem ggf. notwendige linguistische Annotationen zur Beantwortung der Forschungsfragen im Korpus ergänzt werden. Dabei sollen gängige automatisierte Methoden zur linguistischen Annotation angewandt und ihre Validität für die Anwendung auf die vorliegenden Social-Media-Daten evaluiert werden.

 

Publications
Using Data Mining to Repurpose German Language Corpora. An evaluation of data-driven analysis methods for corpus linguistics
Frey J (2020)
Doktorarbeit (PhD)
Comparison of Automatic vs. Manual Language Identification in Multilingual Social Media Texts
Frey JC, Stemle E, Doğruöz AS (2019)
Buchkapitel
Building computer-mediated communication corpora for socio-linguistic analysis

http://hdl.handle.net/10863/10130

Dialekt als Norm? Zum Sprachgebrauch Südtiroler Jugendlicher auf Facebook
Glaznieks A, Frey JC (2018)
Buchkapitel
Jugendsprachen/Youth Languages: Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung/Current Perspectives of International Research

https://doi.org/10.1515/9783110472226-038

https://hdl.handle.net/10863/7699

Der plurilinguale Sprecher in Facebook. Neue Medien und Pluriliteracy in Südtirol
Frey JC (2018)
Vortrag

Konferenz: 4th LRI Workshop for young academics "Language Policy - Language Use - Language Standard" | Meran | 7.6.2018 - 8.6.2018

Becoming a multilingual speaker. New Media and pluriliteracy in South Tyrol
Frey JC (2018)
Vortrag

Konferenz: Round table "Social Net(work)s in Education and Language Sciences" | Heidelberg | 15.6.2018 - 15.6.2018

Pluriliteracy on Social Media. The Multilingual Practices of South Tyroleans on Facebook
Frey JC (2018)
Vortrag

Konferenz: Language, Identity and Education in Multilingual Contexts | Dublin | 2.2.2018 - 4.2.2018

The DiDi Corpus of South Tyrolean CMC Data: A multilingual corpus of Facebook texts
Frey J, Glaznieks A, Stemle EW (2016)
Naples
Beitrag in Konferenzband

Konferenz: Third Italian Conference on Computational Linguistics (CliC-it 2016) | Naples | 5.12.2016 - 6.12.2016

Weitere Informationen: http://ceur-ws.org/Vol-1749/paper27.pdf

https://hdl.handle.net/10863/8949

Mehrsprachigkeit auf Südtirols Social-Media-Profilen
Frey J (2016)
Bozen/Bolzano
Vortrag

Konferenz: Work in Progress Linguistics Colloquium Eurac Research/Free University of Bolzano | Bozen | 11.6.2015 - 11.6.2015

The DiDi Corpus of South Tyrolean CMC Data: A multilingual corpus of Facebook texts
Frey J, Glaznieks A, Stemle EW (2016)
Naples
Vortrag

Konferenz: Third Italian Conference on Computational Linguistics (CliC-it 2016) | Naples | 5.12.2016 - 6.12.2016

DiDi: A multilingual corpus of non-public South Tyrolean computer-mediated communication
Frey J (2016)
Lancaster
Vortrag

Konferenz: UCREL Summer School in corpus-based NLP | | 10.7.2016 - 15.7.2016

"Bitte deutsch schreiben!" Multilingual and diglossic - a linguistic description of South Tyrolean Facebook users
Glaznieks A, Frey JC (2015)
Vortrag

Konferenz: Multilingualism in the Digital Age | Reading | 19.6.2015 - 19.6.2015

Partner
Universität Bologna, Dipartimento di Interpretazione e Traduzione Forlì
Projekt Team
1 - 1

Projects

1 - 9
Project

ITACA

Textkohärenz in der italienischen Bildungssprache

Duration: September 2020 - December 2021Funding:
Provincial P.-L.P. 14. Research projects (Province BZ funding /Project)

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Eurac Research ist ein privates Forschungs-Zentrum mit Sitz in Bozen, Südtirol. Unsere Forscher kommen aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Bereichen und aus allen Teilen der Welt. Gemeinsam widmen sie sich dem, was ihr Beruf und ihre Berufung ist – die Zukunft gestalten.

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Unsere Forschung befasst sich mit den größten Herausforderungen, vor denen wir in Zukunft stehen: Menschen brauchen Gesundheit, Energie, gut funktionierende politische und soziale Systeme und ein intaktes Umfeld. Dies sind komplexe Fragen, und wir suchen nach Antworten in der Interaktion zwischen vielen verschiedenen Disziplinen. Unsere Forschungsarbeit umfasst dabei drei Hauptthemen: lebensfähige Regionen, Vielfalt als lebensförderndes Merkmal, eine gesunde Gesellschaft.

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