Was haben acht Nachnamen mit Liebe zu tun?

Regionale Spannungsfelder, Identität, Kultur und Stereotype … und was das alles mit Sprache (und vor allem mit Liebe?!) zu tun hat. Dieses Monat präsentiert Ask a Linguist einen Film, der sich rund um diese Themen dreht.
Wenn der Süden auf den Norden trifft, sind klischeebeladene Witze und oberflächliche Vorurteile kaum zu vermeiden. Dabei ist Spanien ganz gewiss keine Ausnahme: Das südliche Andalusien und das nördliche Baskenland sind zwei Regionen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – und das gibt eine Menge Zündstoff.
Ocho apellidos vascos (wörtlich: „Acht baskische Nachnamen“), einer der erfolgreichsten spanischen Filme dieses Jahrtausends, spielt mit viel Humor und (Selbst-)Ironie auf diese regionalen Spannungen und Klischees sowie auf das enge Zusammenspiel zwischen Sprache, Kultur und Identität an, das – vor allem in Spanien – nicht selten zu politischen Auseinandersetzungen und ideologischen Reibereien führt.
Der Film erzählt die Geschichte von Rafa, einem lebensfrohen Andalusier, der sich in die stolze Baskin Amaia verliebt. Um ihr Herz zu gewinnen, lässt er sich von ihr zu einem Schwindel überreden und gibt sich vor Amaias Vater als ihr baskischer Ex-Freund Antxon aus, der sie kurz vor der geplanten Hochzeit verlassen hat. Dabei erkennt Rafa aber schnell, dass es gar nicht so einfach ist, seine andalusische Identität zu verbergen. Er muss nicht nur sein überspitzt dargestelltes „typisch andalusisches“ Erscheinungsbild mit streng gegelten Haaren und sportlich-eleganter Kleidung ablegen, sondern auch seinen übertrieben charmanten Charakter zügeln und sogar seine Liebe zum Fußballclub Betis Sevilla leugnen. In seiner Rolle als waschechter Baske tritt er von einem Fettnäpfchen ins andere und droht immer wieder aufzufliegen – nicht zuletzt, weil einer seiner angeblichen acht typisch baskischen Nachnamen (die jeder „echte“ Baske als Zeichen seiner tief verwurzelten baskischen Familie haben muss) gar nicht baskisch ist. Schlussendlich zieht er seine Aufgabe aber souverän durch und wird sogar versehentlich zum Anführer einer Demonstrationsgruppe für die baskische Unabhängigkeit. Am Ende des Films siegt jedoch die Ehrlichkeit und die Erkenntnis, dass Andalusier gar nicht so schlimm sind und Basken „ja auch nichts dafürkönnen, dass sie Basken sind“, wie es Rafa seinen sevillanischen Freunden versucht zu erklären.
In Spanien erntete dieser Film von Emilio Martínez-Lázaro sehr viel Lob, allerdings auch heftige Kritik – in beiden Fällen meist aufgrund der ironisch-humorvollen und klischeehaften Darstellung einer tiefgreifenden soziokulturellen Wirklichkeit. Außerhalb Spaniens ist der Film kaum bekannt. Der Grund: Die starken Anspielungen auf die feinen sprachlichen und kulturellen Unterschiede zwischen den beiden spanischen Regionen machen eine Übersetzung schwierig bis unmöglich. Der gesamte Film basiert auf versteckten Stereotypen, die ein gewisses Gespür für die kulturellen Besonderheiten voraussetzen, das einem ausländischen Publikum meistens fehlt. Vor allem aber spielt der Film mit sprachlichen Aspekten wie Aussprache, Intonation oder lexikalischen Besonderheiten, um die regionale Abgrenzung zwischen diesen beiden Welten zu unterstreichen. Wie soll der markante andalusische Akzent, der eine so bedeutende Rolle im Film spielt, in einer anderen Sprache wiedergegeben werden? Und was wird im Baskenland gesprochen, wenn nicht Baskisch? (Wobei das Baskische auch im restlichen Spanien aufgrund der enormen Unterschiede zu anderen europäischen Sprachen kaum verstanden wird – genau darauf spielt der Film natürlich unter anderem an.)
Trotz dieser Herausforderungen mit Blick auf die Übersetzung bzw. Synchronisation gibt es den Film auch auf Deutsch (8 Namen für die Liebe). All jenen, die ein wenig Spanisch verstehen, würde ich aber auf jeden Fall empfehlen, sich den Film in der spanischen Originalversion (eventuell mit Untertiteln) anzusehen.

Marlies Alber
Übersetzerin und Terminologin für Deutsch, Italienisch und Spanisch mit einer besonderen Leidenschaft für „kleine“ Sprachen wie Ladinisch oder Baskisch und einem Herz für Tiere.
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