ScienceBlogs
Home

Kunst und Raum – ein Ort wird zum Ort durch Kunst und Kultur

1
23 June 2014
1
Kunst und Raum – ein Ort wird zum Ort durch Kunst und Kultur - © Unsplash

Wann sind Orte bekannt oder unbekannt, wann sind Orte klein oder groß? 

Am Anfang war der Mensch. Und so steht auch am Anfang von Kunst und Kultur der Mensch als kreativer Geist, als Quelle und Ursprung künstlerischer und kultureller Werke. Es sind die Menschen, ob Künstler oder Kulturschaffende, die Räume und Orte verändern und sie über ihr Wirken gestalten, die aus unbekannten Orten, begehrte und bedeutende Orte machen; die aus unbedeutenden und unbeliebten Städten Attraktions- und Anziehungspunkte für Menschen und Touristen machen. Dann können Orte verbinden, trennen, inspirieren und spirituell, kulturvermittelnd oder philosophisch angehaucht sein. Durch Kunst und Kultur können sie Räume für Mensch und Natur oder sogar für die Leere sein. Sowohl über Kunst als auch über Kultur erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, mit der Geschichte und mit der Wirklichkeit. Sie können Ausdrucksformen gesellschaftlicher Debatten sein.

Für Künstler ist die Kunst eine Form der Kommunikation, ein Medium um Inhalten Ausdruck zu verleihen, um Fragen zu stellen, Realitäten kritisch darzustellen, aber auch um Orten und Räume Identität zu geben. Wenn Hannsjörg Voth mit seinen Bauskulpturen und Kunstwerken in der Marha-Ebene in Marokko internationale Aufmerksamkeit dadurch erregt, indem er z.B. eine Himmelstreppe in unglaublichen Dimensionen errichtet, so hat das eine Wirkung und Bedeutung für Ort und Mensch. Der Künstler schafft durch seine Werke eine Brücke zwischen den Kulturen Europas und Afrikas, zwischen Marokko und Deutschland. Die Bedeutung und Wirkung seiner Kunst zeigt nicht zuletzt der von Freunden und Förderern in Zusammenarbeit mit dem Künstler gegründete Verein zum Erhalt der Bauskulpturen und Kunstwerke in der Marha-Ebene Marokkos. Unter anderem wurde die lokale Bevölkerung mit der Pflege, dem Schutz und der touristischen Inwertsetzung beauftragt.

Wird nun ein Ort als Austragungsort für künstlerische und kulturelle Veranstaltungen gewählt, so gilt es die Wirkungskraft von Kunst und Kultur auf die gegenwärtige und zukünftige Wahrnehmung und Bedeutung der gewählten Räume und Orte zu berücksichtigen. Bei der Identifikation künstlerischer und kultureller Inhalte einer Veranstaltung oder eines Events können Projekte und Themen gewählt werden, die einen gewissen Bezug zum Ort, zur Region oder zum Raum haben, in denen sie wirken. Genauso können künstlerische oder kulturelle Inhalte gewählt werden, die in keinem Bezug zum Austragungsort stehen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob bei der Wahl der Projekte die künstlerische Qualität oder die Anzahl der Besucher und Interessenten im Vordergrund steht. Wahrscheinlich sind mehrere Wege in Ansätzen richtig und das Optimum liegt, wie immer in der Mitte.

Unbekannte kleine Orte werden zu beliebten “großen” Orten, weil sie mit großen Werken oder bekannten Kulturveranstaltungen in Verbindung gebracht werden. Auf diese Weise partizipiert auch der Ort selbst an der Inszenierung und Darstellung von Kunst und Kultur. Er setzt sich selbst in Szene und präsentiert sich als „großer“ Ort. Wesentlich für den Ort und seine Bewohner ist, dass die durch Kunst und Kultur geschaffene positive Wirkung eine gewisse Nachhaltigkeit hat und über das Event selbst hinaus Wirkung zeigt. Es sollte ein Prozess der Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Menschen für Kunst und Kultur in Bewegung gesetzt werden.

Darüber hinaus ist Kultur ein bedeutender Bestandteil guter Lebensqualität, der eine Stadt, eine Region oder einen Ort attraktiv macht. In der Vermarktung von Regionen und deren Positionierung als lebenswerten Raum gewinnen kulturelle und künstlerische Highlights sowie die durch die Verbindung von Kulturen entstehende kulturelle Vielfalt an einem Ort an zentraler Bedeutung. Um Kunst und Kultur in einer Region zu halten und kulturelle Vielfalt zu bewahren braucht es Menschen, die sie schaffen. Um Kreativarbeiter, Künstler und Kulturschaffende anzuziehen und zu halten, müssen ihre Potentiale, Chancen und Möglichkeiten erkannt und erweitert werden. Kunst und Kultur selbst brauchen Autoren, Schauspieler, Musiker, Komponisten, bildende Künstler und Architekten. Sie brauchen aber auch Orte und Räume, die spielerisch und kreativ gestaltet werden können. Es entstehen Bibliotheken auf Schiffen oder in Kirchen, Kulturzentren in Klöstern sowie Bühnen auf Industriegebäuden, in Hinterhöfen oder auf Seen.

Mögliche Leuchtturmprojekte und außergewöhnliche Orte, die für Kunst und Kultur genutzt werden, gibt es viele. Gibt es sie auch in Südtirol? Welche Möglichkeiten bieten Projekte und Orte für Kunst und Kultur in Südtirol?

Autoren: Giulia Dal Bò und Elisa Innerhofer

Links zum Thema

 

Tags

Facebook Comments

Related Post

ScienceBlogs
04 February 2015regionalstories

Marchio territoriale – prevalgono i limiti o le potenzialità?

Manuel Demetz
Eurac Research logo

Eurac Research ist ein privates Forschungs-Zentrum mit Sitz in Bozen, Südtirol. Unsere Forscher kommen aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Bereichen und aus allen Teilen der Welt. Gemeinsam widmen sie sich dem, was ihr Beruf und ihre Berufung ist – die Zukunft gestalten.

Was wir tun

Unsere Forschung befasst sich mit den größten Herausforderungen, vor denen wir in Zukunft stehen: Menschen brauchen Gesundheit, Energie, gut funktionierende politische und soziale Systeme und ein intaktes Umfeld. Dies sind komplexe Fragen, und wir suchen nach Antworten in der Interaktion zwischen vielen verschiedenen Disziplinen. Unsere Forschungsarbeit umfasst dabei drei Hauptthemen: lebensfähige Regionen, Vielfalt als lebensförderndes Merkmal, eine gesunde Gesellschaft.

Great Place To Work
ISO 9001 / 2015ISO 9001:2015
05771/0
ISO 27001ISO 27001:2013
00026/0
ORCID Member

Gemäß der Verordnung (EU) 2016/679 teilen wir Ihnen mit, dass diese Webseite eigene technische Cookies und Cookies Dritter verwendet, damit Sie effizient navigieren und die Funktionen der Webseite einwandfrei nutzen können. Wenn Sie weiterhin auf diesen Seiten surfen oder auf „OK“ klicken, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie unter:

Privacy Policy