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Makroregion Alpen – mit Weitblick neue Geographien erforschen

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21 April 2014
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Makroregion Alpen – mit Weitblick neue Geographien erforschen - © Unsplash

Ende 2013 beauftragte der Europäische Rat die EU-Kommission (EK) eine Strategie “Makroregion Alpen” für den Alpenraum auszuarbeiten. Das geschieht zusammen mit den Alpenländern und der Alpenkonvention (AK). Damit sind die offiziellen Weichen für eine zukünftige Makroregion Alpen gestellt. In der EU existieren mit der Baltischen Seen Region und der Donau Region bisher zwei Makroregion-Strategien. Neben dem Alpenraum, legen bis Ende 2014 auch die Adriatische und Ionische Region ihre Makroregion-Strategie fest. Die Alpenstaaten und –regionen beabsichtigen somit, sich über einen strategischen Einsatz von EU-Fördergeldern u.a. im Rahmen von Strukturfonds wie dem Alpine Space Programm abzustimmen und diese zielgerechter zu bündeln. Gemäß EK sollen im Rahmen einer Makroregion-Strategie die in einem definierten geografischen Gebiet existierenden Herausforderungen zusammen mit den Mitgliedstaaten und Drittländern begegnet werden. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit soll eine wirtschaftliche, soziale und territoriale Kohäsion erreicht werden.

Seit ein paar Jahren beherrscht das Thema „Makroregion“ die politische und wissenschaftliche Diskussion in den Alpen. Es existiert eine eigene Arbeitsgruppe der Alpenkonvention „Makroregionale Strategie für die Alpen“. Dabei geht es laut Mandat darum, „eine entschlossenere strategische Ausrichtung ihrer Maßnahmen und Prioritäten zu fördern und zu lenken, realistische Zielsetzungen zu formulieren und konkrete und messbare Maßnahmen für eine alpenweite Zusammenarbeit zu empfehlen und zu erlassen.“

Doch was ist mit „definiertes geographisches Gebiet“ gemeint? Woran misst sich eine makroregionale Abgrenzung? Welche Ziele verfolgt das Konzept Makroregion, die eine bestimmte Abgrenzung begründen können?

Hier knüpft eine aktuelle Forschungsarbeit über den „Erweiterten Alpenraum“ des EURAC-Instituts für Regionalentwicklung und Standortmanagement an, der rund 40.000 Gemeinden umfasst. In diesem deutlich über das Alpenraum-Programmgebiet hinausgehenden Untersuchungsraum werden geographische Aspekte zur Makroregion wissenschaftlich untersucht (siehe PDF-Karte Makroregion-Alpen-Karte). Das Institut bietet damit einerseits einen „erweiterten und neuen Blick“ auf den Alpenraum. Andererseits leistet es einen fachlichen Beitrag zu den teilweise sehr kontroversen Diskussionen über Anfang und Ende des zukünftigen Alpen-Makrogebietes.

Die Auffassungen darüber oszillieren zwischen einer weiten Abgrenzung, die jener des Alpenraum-Programms mit 70 Mio. Einwohnern auf 390.000 km² entspricht, und einer engen Abgrenzung, wie sie der Perimeter der Alpenkonvention mit 14 Mio. Einwohnern und 191.000 km² darstellt. Damit verbunden sind jeweils unterschiedliche Folgen für die Governance einer Makroregion.

Aufgrund der engen funktionalen Verflechtungen des eigentlichen Alpengebietes (= Alpenkonventionsgebiet), mit den voralpinen Räumen, spricht vieles für eine weiträumigere Abgrenzung. Das lässt sich auch bei der Betrachtung der Donau-Makroregion schlussfolgern, in der in 14 Staaten 115 Mio. Einwohner auf rund ein Fünftel der EU Fläche leben. Ziel ist es laut Manfred Perlik aber nicht, „mit territorialen Analysen die exakte Ausdehnung dieses Perimeters zu bestimmen. Denn dieser definiert sich mit jeder Wirtschaftsbeziehung (Praktiken und Bedürfnisse einzelner Wirtschaftsbranchen) und jeder sozialen Praxis (unterschiedliche Präferenzen gesellschaftlicher Akteurgruppen) anders (variable Geometrie)“. Hingegen kann der erweiterte Alpenraum auf europäischer Ebene prozessuale Raummuster aufzeigen, die für Regionalpolitiken in den europäischen Gebirgsräumen und den europäischen Peripherien, beide sind nicht deckungsgleich, nützlich sind.

Die erste ausgearbeitete Karte zur jährlichen Bevölkerungsentwicklung zwischen 2000 und 2010 zeigt, dass klare internationale Entwicklungsunterschiede existieren. Und Entwicklungsmuster haben sich gefestigt: der ostösterreichische Raum bleibt ein überwiegender Entsiedlungsraum, während die voralpinen Gebiete Bevölkerung gewinnen. Die abgebildeten Prozesse zeigen, so Manfred Perlik, „dass die agglomerationsnahen Berggebiete in die Agglomerationen funktional integriert werden. Sie zeigen aber noch vielfach ein rurales Erscheinungsbild“.

Die Arbeit zum „Erweiterten Alpenraum“ führt vorangegangene Arbeiten des Instituts zur alpenweiten sozio-ökonomischen Entwicklung (u.a. Projekt Agralp), die auf Gemeindeebene Prozesse der Regionalentwicklung und Raumnutzung kartographisch abbilden, sinnvoll weiter.

Autor: Thomas Streifeneder

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