"Könnte bahnbrechend sein für Länder mit bedeutendem Kulturerbe, aber knappen Ressourcen"
Die Conservation Soft Box: eine innovative Technologie, vielseitig und kostengünstig, um menschliche Überreste und archäologische Funde zu schützen.
Was ist die Conservation Soft Box?
Marco Samadelli: Die Conservation Soft Box ist eine flexible Vitrine aus Kunststoff, bei der Rohre eine schützende Hülle um das Objekt herum stützen. Die Vitrine ist luftdicht, die Bedingungen im Inneren sind kontrolliert. Ein Aktivkohlefilter absorbiert eventuell von organischen Resten abgegebene Gase. Die Feuchtigkeit bleibt dank speziell angefertigter Silikagel-Beutel konstant: Sie werden so aufbereitet, dass der für die Konservierung in dieser spezifischen Umgebung ideale Feuchtigkeitsgehalt garantiert ist. Einmal in einer Conservation Soft Box eingeschlossen, ist jede Mumie oder jedes andere Fundstück für einen langen Zeitraum sicher aufbewahrt und erfordert nur minimale Pflege.
Ist sie kompliziert herzustellen?
Samadelli: Das Zusammenbauen der Box dauert nicht lange. Aber für die Auswahl aller Komponenten und die Feinjustierung hat es Jahre gebraucht – und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, beispielsweise mit Eco Research, einem auf chemische Analysen spezialisierten Forschungszentrum in Bozen. Ich habe sehr viele Materialien getestet, bevor ich die aus chemischer Sicht stabilsten gefunden habe. Das jetzt erzielte Ergebnis garantiert den gleichen Schutz wie die aufwändigsten und teuersten Vitrinen. Die Box hat enormes Potenzial, um Mumien und andere Überreste wie Textilien oder antike Artefakte zu konservieren.

Zwei ägyptische Mumien, konserviert in einer Conservation Soft Box. Die Conservation Soft Box ist ein innovatives, vielseitiges und kostengünstiges System zum Schutz mumifizierter menschlicher Überreste und organischer Fundstücke wie Stoffe, Papier und Holz.
Credit: Eurac Research | Marco SamadelliUnd wie sieht es mit den Kosten aus?
Samadelli: Vor etwa zehn Jahren erhielten wir ein Patent für eine so genannte passive Vitrine: Sie kann ohne Strom Kulturgüter vor Pilz- und Bakterienbefall schützen. Die Conservation Soft Box erzielt sehr ähnliche Ergebnisse, jedoch zu deutlich geringeren Kosten. Mit einer Conservation Soft Box können wir ein Kulturgut für wenige hundert Euro schützen, während für eine Glasvitrine – egal ob traditionell oder passiv – tausende Euro erforderlich sind. Was das für Länder bedeuten kann, die nicht viel in den Erhalt von Kulturgütern investieren können, aber über ein bedeutendes Kulturerbe verfügen, ist leicht auszumalen. Ich hoffe wirklich, dass dies der Weg ist, um ihnen die Möglichkeit zu geben, dieses Erbe zu erhalten und zur Geltung zu bringen.
Dient die Conservation Soft Box nur zur Aufbewahrung in Museen?
Samadelli: Außer für die Konservierung eignet sich die Conservation Soft Box auch sehr gut für den Transport, für die Desinfektion von mit Schimmel und Bakterien kontaminierten Fundstücken oder für neue Studien. Denn durch das Verlagern in die Box können die direkt von den menschlichen Überresten abgegebenen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) isoliert und gründlich untersucht werden – ohne Verunreinigungen von außen. Ein Beispiel sind die Gerüche, die von ägyptischen Mumien ausgehen und auf die harzartigen Substanzen zurückgehen, die bei der Einbalsamierung verwendet wurden.
Marco Samadelli, Experte für die Konservierung organischer Überreste bei Eurac Research, und seine Kollegin, die Anthropologin Alice Paladin, bereiten ein mumifiziertes Individuum für eine Computertomographie vor. Das Individuum befindet sich in einer Conservation Soft Box.
Credit: Eurac Research | Marco SamadelliSie haben die Conservation Soft Box in Ihren verschiedenen Forschungsprojekten getestet und setzen sie auch ein. Vor kurzem haben Sie sie auf dem XI. Weltkongress für Mumienforschung in Cuzco, Peru, vorgestellt. Und wie geht es nun weiter?
Samadelli: Wir planen Workshops für Konservierungsfachleute aus aller Welt, um ihnen zu zeigen, wie sie selbst eine Conservation Soft Box bauen können. So können sie dazu beitragen, besonders empfindliche Kulturgüter besser zu schützen.


