Agrivoltaikanlage
Ein Hightech-Obstgarten in Auer testet die Symbiose von Landwirtschaft und Photovoltaik
Die Photovoltaikanlage überspannt eine circa 3.000 Quadratmeter große Apfelplantage, umfasst 13 Reihen, und wird eine Leistung von 70 Kilowattpeak erbringen – genug, um den Strombedarf von etwa 20 Haushalten zu decken. Sie ist in drei Bereiche unterteilt, in denen Module mit unterschiedlichen Transparenzgraden oberhalb von schmaleren und breiteren Apfelbaumzeilen angebracht sind.
Die Höhe der Anlage stellte die größte technologische Herausforderung dar. Die Rotationsachse der Module befindet sich 4,80 Meter über dem Boden, damit die Bäume ungestört wachsen können und die Plantage regulär bewirtschaftet werden kann. Das von der Firma Convert Italia/Valmont Solar hergestellte Tragwerk wurde in einem Windkanal getestet, um zu garantieren, dass es alle Witterungseinflüsse aushält, besonders den Segeleffekt der Paneele bei starkem Wind. Als Material wurde Cortenstahl gewählt, weil es sehr witterungsbeständig ist und sich seine Farbe harmonisch in die Obstgärten einfügt.
Die Anlage ist mit einem modernen Monitoringsystem ausgestattet. An unterschiedlichsten Stellen sind Sensoren und Instrumente integriert, die Parameter wie das Sonnenlicht für die Photosynthese, Temperatur und Feuchtigkeit des Bodens und der Luft sowie die Windgeschwindigkeit und -richtung messen. Auch die landwirtschaftliche Entwicklung der Apfelplantage wird laufend überwacht: wie die Bäume wachsen, wieviel Wasser sie benötigen, die Blüte, Quantität und Qualität der Ernte.
Die Photovoltaikanlage wurde im Rahmen des Horizon Europe Programms finanzierte EU-Projekt Symbiosyst realisiert. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren; 16 Partner aus ganz Europa sind daran beteiligt. Neben der in Südtirol eröffneten Agri-PV-Anlage, sieht es den Bau von zwei weiteren Pilotanlagen vor: eine über einer Obst- und Gemüseplantage in Barcelona, und eine auf einem Gewächshaus in den Niederlanden. Außerdem sind einige bereits bestehende Anlagen Teil des Projekts, die teilweise umgebaut und erneuert werden. Anhand dieser Fallstudien wird das Projektteam die Stromerzeugung und möglichen Verwendungsarten vor Ort in verschiedenen Kontexten bewerten: um den Bedarf einer Energiegemeinschaft oder einer Industriezone, eines Obst- und Gemüsekonsortiums oder des Unternehmens selbst zu decken.
Luís André Pereira Fialho
Research Group LeaderInstitute for Renewable EnergyT +39 0471 055 268luis.fialho@eurac.edu



