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25 Jahre Gemeindewahlen im Blick
Ein digitales Dashboard macht Entwicklungen in der Südtiroler Lokalpolitik sichtbar
Die wichtigsten politischen Entscheidungen fallen oft nicht in Rom, Bozen oder Brüssel, sondern direkt vor der eigenen Haustür: im Rathaus. Gerade deshalb ist der Blick auf die Entwicklung der Gemeindewahlen in Südtirol besonders aufschlussreich. Die interaktive Online-Plattform – das Dashboard – vereint Daten verschiedener öffentlicher Einrichtungen und zeigt unter anderem die Entwicklung von Wahlbeteiligung, Kandidaturen, ungültigen Stimmen, parteipolitischer Vielfalt sowie die Verteilung nach Geschlecht und Sprachgruppen.
Ein zentrales Ergebnis: Südtirols Lokalpolitik wird weiblicher, aber nicht vielfältiger. Während Frauen 2025 nahezu ein Drittel der Ratsmitglieder stellen und damit in den Gemeinderäten deutlich stärker vertreten sind als zu Beginn der 2000er-Jahre, bleibt ihre Präsenz in den Bürgermeisterämtern weiterhin gering. 2025 wurden 17 Bürgermeisterinnen und 99 Bürgermeister gewählt. Auch im langfristigen Vergleich zeigt sich eine deutliche Schieflage: Über alle 696 analysierten Gemeindewahlen hinweg kamen Frauen nur 56-mal ins Bürgermeisteramt, Männer hingegen 640-mal. Unterschiede zeigen sich auch beim Vergleich der Bezirke: Während im Burggrafenamt 2025 sieben Bürgermeisterinnen gewählt wurden, gibt es im Pustertal keine einzige Frau im Bürgermeisteramt.
Gleichzeitig macht das Dashboard sichtbar, dass auf lokaler Ebene zentrale Indikatoren demokratischer Beteiligung seit Jahren rückläufig sind. Die Wahlbeteiligung bei den Gemeindewahlen ist seit 2000 kontinuierlich gesunken. Auch die Zahl der Kandidaturen ist zurückgegangen; 2025 wurde mit 4.372 Kandidierenden für Bürgermeisteramt und Gemeinderat der niedrigste Wert im gesamten Beobachtungszeitraum erreicht. Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei den Bürgermeisterwahlen: In immer mehr Gemeinden fehlt echter Wettbewerb. In beinahe jeder dritten Gemeindewahl in Südtirol tritt inzwischen nur eine einzige Person für das Bürgermeisteramt an.
Auch die parteipolitische Landschaft bleibt trotz einzelner Veränderungen stark konzentriert. Zwar hat sich die Anzahl und Bedeutung einzelner wahlwerbender Parteien und Gruppen im Lauf der Jahre verändert, in den Gemeinderäten dominieren jedoch weiterhin vor allem die Südtiroler Volkspartei und die Bürgerlisten. Ab 2015 erreicht landesweit keine weitere Partei oder Gruppe mehr als 3,6 Prozent der Sitze.
„Mit dieser interaktiven Online-Plattform wollen wir die Entwicklung der Gemeindepolitik nicht nur dokumentieren, sondern einem breiten Publikum zugänglich machen und ein Werkzeug für mehr Transparenz in der lokalen Demokratie anbieten“, unterstreicht Peter Decarli vom Institut für Public Management von Eurac Research, das das Dashboard ausgearbeitet hat.
Die Daten stammen aus den amtlichen Wahlergebnissen und Kandidierendenlisten der Autonomen Region Trentino-Südtirol und wurden so aufbereitet, dass sie einfach nachvollziehbar und vergleichbar sind. Berücksichtigt wurden die Gemeindewahlen im Zeitraum von 2000 bis 2025.
Link zum Dashboard „Gemeindewahlen Südtirol“: https://gemeindewahlen.eurac.edu

