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Zwischen Skepsis und Solidarität

Eine Umfrage zeigt, wie der Tourismus in Zeiten der Pandemie in Südtirol wahrgenommen wird

Die Pandemie hat dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung in Südtirol mit dem Tourismus im Land stärker auseinandersetzt. Eine Befragung von 1.007 Personen im Zuge einer repräsentativen Haushaltsbefragung macht deutlich, dass die Menschen den Tourismus einerseits als Risiko sehen und dass ihm andererseits eine wichtige Rolle für die heimische Wirtschaft zugedacht und der Branche in dieser Zeit auch Solidarität entgegengebracht wird. Die Daten, die im Dezember 2020 erhoben wurden, liefern wertvolle Hinweise, um die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Tourismus im Land zu stellen.

Ziel der Umfrage von Eurac Research war es, zu verstehen, inwiefern sich die Covid-19-Pandemie auf die Wahrnehmung des Tourismus innerhalb der Südtiroler Bevölkerung auswirkt. Rund 1.000 Südtiroler Haushalte wurden telefonisch dazu befragt. Ergebnis ist ein deutliches Stimmungsbild: 41 Prozent der Befragten vermuten, dass der Tourismus leicht, 39 Prozent gar, dass er stark zum Anstieg der Covid-19-Infektionszahlen in Südtirol beigetragen hat.

Auswirkungen des Tourismus auf Covid-19-Zahlen

„Trotzdem sind 77 Prozent der befragten Haushalte der Meinung, dass die Tourismusbranche mehr Vorteile als Nachteile für den Standort Südtirol bringt“, erklärt Andreas Dibiasi, Volkswirt am Center for Advanced Studies von Eurac Research. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung sowohl innerhalb der Altersgruppen als auch nach Bildungsgrad variiert. So sind etwa von den befragten Personen über 65 Jahre im Vergleich am wenigsten von den Vorteilen des Tourismus überzeugt; Befragte mit einem höheren Bildungsgrad sind stärker vom Nutzen des Tourismus überzeugt. Die Befragung zeigt zudem, dass sich die Wahrnehmung des Tourismus innerhalb der Sprachgruppen kaum unterscheidet. Auch das Urlaubsverhalten im Sommer 2020 wurde abgefragt und zeigt, dass die Südtiroler Bevölkerung den Schwierigkeiten des Sektors durchaus solidarisch begegnet. 29 Prozent der Haushalte gaben an, ihren Urlaub innerhalb der Provinzgrenzen verbracht zu haben, 37 Prozent davon, sich für einen Aufenthalt in Südtirol entschieden zu haben, um die heimische Tourismuswirtschaft zu unterstützen.

Die Menschen setzen sich mit dem Tourismus im Land auseinander und wollen Zahlen und Daten dazu – auch in Verbindung mit der Pandemie. Es ist wichtig, dieses repräsentative Stimmungsbild aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und in der zukünftigen Tourismusentwicklung zu berücksichtigen.

Harald Pechlaner, Leiter des Centers for Advances Studies

Die Haushalte wurden auch zu konkreten Auswirkungen des Tourismus auf das Leben in Südtirol interviewt. Der Großteil der Befragten gab an, dass der Tourismus zur hohen Qualität in der Südtiroler Gastronomie und auch in anderen Sektoren zu größerer Wertschöpfung beitrage, und dass es dank des Tourismus ein größeres Angebot an Freizeitmöglichkeiten gebe. Gleichzeitig geben 93 Prozent der befragten Haushalte an, dass der Tourismus eine erhöhte Verkehrsbelastung verursache. Nur 11% der Befragten sind der Meinung, dass der Tourismus das Orts- und Landschaftsbild nicht durch bauliche Maßnahmen beeinträchtigt. In Hinblick auf die zukünftige Entwicklung Südtirols beurteilen 96 Prozent der Südtiroler Haushalte die Rolle des Tourismus als wichtig.

„Die Pandemie hat die Rolle des Tourismus in der öffentlichen Diskussion noch stärker in den Vordergrund gerückt. Die Menschen setzen sich mit dem Tourismus im Land auseinander und wollen Zahlen und Daten dazu – auch in Verbindung mit der Pandemie. Es ist wichtig, dieses repräsentative Stimmungsbild aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und in der zukünftigen Tourismusentwicklung zu berücksichtigen“, unterstreicht Harald Pechlaner, Leiter des Centers for Advances Studies von Eurac Research.

Die Befragung zur Wahrnehmung des Tourismus in den Südtiroler Haushalten ist die letzte von drei, während der Pandemie durchgeführten Befragungen, die das Center for Advanced Studies von Eurac Research zum Tourismus in Südtirol in der Pandemie durchgeführt hat. Zuvor wurden bereits etwa 600 Südtiroler Hoteliers und Gastwirte sowie fast 900 Gäste befragt, die in der Endphase der Sommersaison in Südtirol im Urlaub waren.

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Überblick über die Ergebnisse mit Grafiken

Im Anhang befindet sich ein Überblick über die wichtigsten Umfrageergebnisse, in Grafiken aufbereitet.

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