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„Unser Fokus: nicht mehr die Krankheit, sondern die Gesundheit der Menschen“

Die besiegelte Zusammenarbeit zwischen Eurac Research und Human Technopole in Mailand soll neue Wege in der Gesundheitsforschung voranbringen

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© Adobe Stock | yurolaitsalbert
04 February 2022by Elena Munari

Eurac Research und Human Technopole, ein neues Forschungsinstitut für Biowissenschaften mit Sitz in Mailand, haben kürzlich eine dreijährige Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Schon bald werden sich die Forscherteams an die Arbeit machen. Sie werden Seite an Seite zusammenarbeiten, um die Biobank der Bevölkerungsstudie CHRIS zu erweitern und dazu beitragen, die medizinische Forschung der Zukunft voranzutreiben: eine Forschung, die die menschliche Biologie untersucht, um bereits vorab zu verstehen, was Erkrankungen auslösen kann.

Die Biobank der CHRIS-Studie von Eurac Research enthält biologische, molekulare und genetische Daten von 13.000 Menschen aus dem Vinschgau. Sie ist eine Ressource für die wissenschaftliche Forschung, die über die klassische Sammlung klinischer Daten hinausgeht. Im Laufe der Jahre hat das Forscherteam des Instituts für Biomedizin von Eurac Research eine dynamische Plattform aufgebaut, die alle Informationen über jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer miteinander verknüpft – die Analyse der Proben, instrumentelle Messungen und Daten zum gesamten Genom, Metabolom- und Proteomdaten, Informationen über Gewohnheiten und die Krankengeschichte – und ein vollständiges Bild ihrer Gesundheit zeichnet. Die Plattform wird ständig weiterentwickelt: Sie wird mit den Ergebnissen aus vertiefenden Analysen und neuen Teilstudien ergänzt, indem beispielsweise Teilnehmer aufgrund bestimmter klinischer oder biologischer Merkmale noch einmal untersucht werden. Die Plattform wird auch dank ihres Langzeitcharakters fortlaufend erweitert; die Teilnehmer wiederholen die Untersuchungen der ersten Phase alle sieben bis zehn Jahre. Gleichzeitig arbeitet die Forschergruppe daran, die Daten aus den Patientenakten der Teilnehmer nach und nach in die Biobank zu integrieren.

Die Biobank der Studie bildet den Kern der Zusammenarbeit mit Human Technopole. Im Gegensatz zu den meisten epidemiologischen Studien konzentriert sich die CHRIS-Studie in der Forschung auf das, was vor Erkrankungen passiert und ihnen vorausgeht.

Die medizinische Forschung der Zukunft muss den Schwerpunkt von der Krankheit auf die Gesundheit des Menschen verlagern. Wie? Weitere Studien wie CHRIS in verschiedenen italienischen Regionen wären ein guter Anfang.

Emanuele Di Angelantonio

„Die CHRIS-Studie untersucht die Gesundheit der Menschen umfassend und lückenlos 'vom Molekül bis zur Krankheit': Sie beginnt mit einer genauen biologischen, molekularen und genetischen Analyse aller, die teilnehmen, und verfolgt dann alle möglichen Zwischenstadien bis zur Entwicklung von Krankheiten. Bevölkerungsstudien mit einem solchen Ansatz sind die Grundlage für die Medizin der Zukunft: eine prädiktive und präzise Medizin, die auf der Biologie des Menschen basiert“, erklärt Emanuele Di Angelantonio, Leiter des Zentrums für die Forschung mit Gesundheitsdaten am Human Technopole. Die Zusammenarbeit der Gruppe von Di Angelantonio mit Eurac Research soll die CHRIS-Studie auf diesem Weg vorantreiben und diesen Ansatz auch in der italienischen medizinischen Forschungslandschaft übernehmen. Eines der Gründungsziele des in Mailand ansässigen Zentrums ist es, die Entwicklung der Forschung mit Gesundheitsdaten in Italien zu fördern.

„In Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern werden bereits nationale Kohortenstudien durchgeführt, die für den medizinischen Fortschritt von grundlegender Bedeutung sind. In Italien gibt es immer noch wenige lokale Bevölkerungsstudien; und die Studien, die es gibt, erreichen nicht diese Genauigkeit an Daten, die es für eine Präzisionsmedizin braucht“, sagt Peter Pramstaller, Leiter des Instituts für Biomedizin von Eurac Research. Nach Ansicht der beiden Experten kann die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen ein starkes Kompetenzzentrum für diese Art der Forschung schaffen. Sie kann den Start neuer regionaler Bevölkerungsstudien fördern, die in Zukunft die Grundlage für eine nationale Initiative bilden können. Solche Studien von Grund auf neu zu starten ist eine große Herausforderung. Allein die logistischen, ethisch-rechtlichen und informationstechnischen Aspekte auszuarbeiten erfordert jahrelange Arbeit, aber durch die Zusammenarbeit mit Human Technopole wird die Erfahrung der Südtiroler Forschungsgruppe anderen Organisationen zur Verfügung gestellt, die sich so auf bewährte Protokolle und Verfahren stützen können.

Emanuele Di Angelantonio

Er ist Arzt und Professor für klinische Epidemiologie am Department of Public Health and Primary Care der Universität von Cambridge. Er arbeitet an der angewandten Analyse von Big-Data, um chronische Krankheiten und die Vorhersage von Herzkreislauferkrankungen zu erforschen. Seit Juli 2021 leitet er das Center for Health Data Science bei Human Technopole, seine Bekanntschaft mit dem Team von Eurac Research reicht allerdings viel weiter zurück. Seit drei Jahren arbeitet er mit dem Institut für Biomedizin von Eurac Research in internationalen Konsortien zusammen und ist seit 2021 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts.

Peter Pramstaller

Er ist Neurologe und außerplanmäßiger Professor an der Universität Lübeck und Leiter des Instituts für Biomedizin von Eurac Research. Mit der GenNova/Micros-Studie, die 2002 in mehreren Gemeinden des Vinschgaus startete, trug er zum Beginn der biomedizinischen und genetischen Forschung in Südtirol bei, was Jahr für Jahr durch weitere Studien und schließlich durch CHRIS gefestigt wurde. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den genetischen und molekularen Ursachen von Bewegungsstörungen, der Populationsgenetik und der Übertragung der Forschungsergebnisse in die Klinik (translationale Medizin).

Human Technopole

Das Forschungsinstitut


Human Technopole ist das neue Forschungsinstitut für Biowissenschaften, das im Herzen des MIND-Gebiets in Mailand liegt. Die Hauptaufgabe von Human Technopole besteht darin, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern, wobei der Schwerpunkt auf der Thematik des Alterns liegt. Die Forschungstätigkeit ist in fünf Zentren organisiert; das Zentrum für die Forschung mit Gesundheitsdaten ist das jüngste und zielt darauf ab, die Forschung mit Gesundheitsdaten in Italien voranzutreiben. Die Arbeit basiert auf Big-Data-Technologien, die es ermöglichen, riesige Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen über die Wirksamkeit therapeutischer Behandlungen sowie von wirtschaftlichem und sozialem Handeln zu analysieren und miteinander zu verknüpfen. https://humantechnopole.it/

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