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„Würde Hermès Seidentücher mit Papyrusmotiv entwerfen, wäre ich hocherfreut”

Interview mit Christian Greco, Direktor des Ägyptischen Museums in Turin

© Eurac Research/Annelie Bortolotti
by Valentina Bergonzi

Drei Fragen an den Direktor des ältesten Museums der Welt, das ausschließlich der ägyptischen Zivilisation gewidmet ist. Wir sprechen über Schönheit und Inspiration.

Die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli – sie erfand 1936 den Farbton shocking pink – und der Ägyptologe Ernesto Schiaparelli, der das Ägyptische Museum in Turin am Anfang des 20. Jahrhunderts leitete, waren Cousins. Es ist nicht bekannt, dass sie jemals zusammengearbeitet haben, aber wie wäre wohl ein Gespräch zwischen den beiden verlaufen? Würde die Modewelt heute an seine Tür klopfen, wäre Christian Greco, der sich für ein partizipatives Museum ausspricht, hocherfreut: „Wenn Hermès Taschen oder Seidentücher mit Papyrus- der Dekorationsmotiven entwerfen wollte, würde ich auf das Copyright verzichten. Vielleicht besucht jemand gerade wegen der Schönheit der Motive unsere Sammlung“.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Schönheit und Altes Ägypten denken?

Christian Greco: Mir kommen die leuchtenden Farben der Sarkophage, Tempelfriese und Statuen in den Sinn. Es handelt sich dabei um eine Polychromie, die sich aus einer tiefgründigen Naturbeobachtung ableitet, sodass das ägyptische Blau ḫsbḏ-ỉrjt, also „aus Lapislazuli“, genannt wurde, eben weil es die Intensität der Steine nachahmte. Ich denke dabei an die anatomische Darstellung der Statuen, zum Beispiel an den knienden, schlanken und perfekten Körper von König Amenophis II., ein Fundstück aus der Sammlung des Ägyptischen Museums. Und ich kann nicht umhin, an die Büste der Nofretete zu denken: eines der sinnlichsten und schönsten Gesichter, das uns die Geschichte geschenkt hat. Obwohl sie normalerweise nicht als solche definiert wird, glaube ich, dass die altägyptische Schönheit „klassisch“ ist. Dabei beziehe ich mich auf Plutarchs Definition des Begriffs „klassisch“ im „Leben des Perikles“: Klassisch ist sowohl alt als auch neu. Die alten Ägypter wollten mit ihrer Kunst die ideale Schönheit darstellen und diese Schönheit versetzt uns auch heute noch in Staunen.

Im Laufe der Zeit hat sich jedoch die Art und Weise, wie wir mit dieser Schönheit umgehen, verändert. Während Ihres Vortrags haben Sie ein Bild eines Sarkophagfragments gezeigt. Der Finder hat nur den Teil herausgeschnitten, den er für besonders wertvoll hielt...

Greco: Heute wäre das undenkbar, da jeder Konservierungseingriff vollständig reversibel sein muss. Es gibt sogar Leute, die behaupten, dass die Entfernung von Staub inakzeptabel sei. Im Gegenteil, soweit möglich, beseitigen die Restauratoren alle früheren Eingriffe, die das Objekt beeinträchtigt haben. Heute machen wir die Restaurierung rückgängig, um das Fundstück mit seinem geschichtlichen Hintergrund und in seinem Wesen zu zeigen.

Sie haben bei mehreren Gelegenheiten erzählt, dass ihre Leidenschaft für das Alte Ägypten während einer Nilfahrt mit ihrer Mutter entstand. Da waren Sie 12 Jahre alt war. Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie damals besonders beeindruckt hat?

Greco: Auf jeden Fall, es war ein unvergessliches Erlebnis... Der große Tempel von Abu Simbel, der von Ramses II. erbaut wurde, und vor allem die verzierte Decke der Grabkammer von Ramses VI. – sie zeigt die Göttin Nut, die den Kosmos teil. Angesichts dieser schönen und lebhaften Bilder beschloss ich, Ägyptologe zu werden.




Dieses Interview wurde 2018 in italienischer Sprache in der Zeitschrift Academia unter dem Titel „Antico Egitto, alta moda e tanta bellezza” veröffentlicht.

Wissenschaftliche Aspekte


Litten der Architekt Kha und seine Frau Merit an einer bestimmten Krankheit? Und wie sahen ihre Essgewohnheiten aus? Dies sind einige der Fragen, die Mikrobiologen und Anthropologen von Eurac Research im Rahmen einer Studie beantworten. An der Spitze eines internationalen Forschungsteams haben sie mehr als 100 Mumien des Ägyptischen Museums in Turin 147 CT-Scans unterzogen. Weiters haben sie 81 Proben für die Extraktion antiker DNA, 86 Proben für die Isotopenanalyse, 104 Proben für die Radiokarbondatierung sowie 96 Proben für die mikrobiologische Analyse entnommen und 106 Messungen der Wasseraktivität durchgeführt. Insgesamt wurden dabei mehr als 1 TB an Bildern auf den Servern gespeichert. Die Ergebnisse der Analysen sind erfreulich: Mumien des Ägyptischen Museums in Turin in der Obhut von Südtiroler Experten

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